“Stop making sense.“ –
Erlend Loes Romane „Naiv.Super.” (1996) und „L“ (1999)
Magisterarbeit
zur Erlangung des Grades einer Magistra Artium M.A.
vorgelegt der Philosophischen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn
von
Nora Pröfrock
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Hintergrund ... 5
2.1 Der soziokulturelle Kontext: Die Postmoderne ... 5
2.2 Der literarische Minimalismus als postmoderne Ausdrucksform ... 17
2.3 Tendenzen der norwegischen Gegenwartsliteratur ... 26
2.3.1 Literarische Postmoderne in Norwegen ... 26
2.3.2 Literarischer Minimalismus in Norwegen ... 32
3. Textanalyse ... 36
3.1 Methode ... 36
3.2 Ingolf Kaspars Modell minimalistischer Schreibweisen ... 38
3.3 Naiv. Super ... 42
3.3.1 Inhaltsreferat ... 42
3.3.2 Erzählstruktur ... 43
3.3.3 Erzählposition ... 47
3.3.4 Syntax ... 50
3.3.5 Sprachduktus ... 51
3.3.6 Inhaltliche Ebene ... 53
3.3.7 Thematik: Less is more ... 57
3.3.8 Auswertung der minimalistischen Verfahren ... 70
3.4 L ... 73
3.4.1 Inhaltsreferat ... 73
3.4.2 Minimalistische Momente des Textes ... 74
3.4.3 Thematik: „Stop making sense“ ... 77
3.4.4 Auswertung der minimalistischen Verfahren ... 87
4. Fazit ... 88
Literaturverzeichnis ... 92
1. Einleitung
Der Autor Erlend Loe (*1969) aus Trondheim gilt als einer der auffälligsten und erfolgreichsten Repräsentanten der so genannten 90er Jahre Literatur in Norwegen. 1993 debütierte er mit dem Roman Tatt av kvinnen, seinen Durchbruch jedoch erlangte er mit den beiden darauf folgenden Romanen Naiv. Super. (1996) und L (1999), von denen bis zum Jahre 2001 zusammen annähernd 200.000 Exemplare verkauft wurden.1 Nach diesen beiden Büchern, die eindeutig seine bisher größten Erfolge darstellen, hat er die Romane Fakta om Finnland (2001), Doppler (2004) und Volvo Lastvagnar (2005) herausgegeben. Er hat nicht nur Literatur für Erwachsene, sondern auch eine Reihe Kinderbücher sowie das Drehbuch zu dem Film Detektor, der im Jahre 2000 in die norwegischen Kinos kam, geschrieben und zwei Gedichtsammlungen des amerikanischen Lyrikers Hal Sirowitz ins Norwegische übersetzt.2 „Kult-figur“, „forfatter i popstjerneformat“, „90-arenes norske bok-komet“, „ikon for sin egen generasjon“ und „kultforfatter i var hjemlige litterære andedam“ sind nur einige der Titel, die ihm von norwegischen Journalisten, Rezensenten und Literaturhistorikern verliehen worden sind.3 Dies hat er nicht nur der enormen Auflage zu verdanken, die seine Bücher innerhalb von kürzester Zeit erreichten, sondern auch den Lesungen, auf denen ihn sein Publikum annähernd wie einen Popstar feiert. Darüber hinaus begrenzt sich sein Erfolg nicht auf Norwegen allein. Wie eine Übersicht in der Wochenzeitung Morgenbladet aus dem Jahre 2004 zeigt, gehört Erlend Loe zu den norwegischen Autoren, die bislang in die meisten Sprachen übersetzt wurden.4 Im Jahre 2006 wurde Naiv. Super. sogar vom Europaparlament mit dem Prix Européen des Jeunes Lecteurs ausgezeichnet. 5
Erlend Loes Durchbruch in Norwegen ist interessanterweise nicht in erster Linie auf Faktoren wie Verlagsmarketing oder Medienpräsenz zurückzuführen. Als Naiv. Super. 1996 vom Verlag Cappelen lanciert wurde, verkaufte sich der Roman zunächst relativ bescheiden. Ausgehend von einer kleinen Anzahl Leser verbreitete er sich im Folgenden als eine Art Geheimtipp per Mund-zu-Mund-Propaganda und erreichte auf diese Weise ein immer größeres Publikum, das bis heute stetig wächst.6 Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Roman offensichtlich etwas Wesentliches unserer Zeit anspricht, in dem sich ein breiter Kreis von Lesern wieder erkennen kann. Der Erfolg des Romans auch über die norwegischen Grenzen hinweg sowie die Tatsache, dass Naiv. Super. inzwischen auf den Lehrplänen norwegischer Schulen und Universitäten fest verzeichnet ist,7 untermauern diesen Eindruck.
Eine ganz andere Erfolgsgeschichte schrieb dagegen Loes nächster Roman L. Im Gegensatz zu Naiv. Super. kann er nicht als Geheimtipp bezeichnet werden, der sich langsam aber sicher von Leser zu Leser verbreitete. Noch bevor Cappelen mit dem Verlagsmarketing begonnen hatte und der Roman in den norwegischen Zeitungen rezensiert wurde, waren bereits 20.000 Exemplare davon verkauft.8 L basiert auf einer Reise zur Inselgruppe Cook Islands, die Erlend Loe zusammen mit seinem jüngeren Bruder und fünf Freunden im Februar und März 1998 unternahm. Loe dokumentierte den fünfwöchigen Aufenthalt im Stillen Ozean in Form von Berichten, die wöchentlich in der Tageszeitung Dagbladet erschienen.9 Auf diese Weise hatten Loes Leser bereits Zugang zu Ausschnitten aus dem Roman, noch bevor dieser fertig zusammengestellt war und 1999 veröffentlicht wurde, und diese Aufsehen erregende Medieninszenierung hat sicherlich ihren Teil zu der hohen Auflage des Buches beigetragen. Erlend Loe hat damit eine Tendenz auf die Spitze getrieben, die die Literaturkritikerin und Autorin Torunn Borge innerhalb der jüngsten norwegischen Gegenwartsliteratur beobachtet und etwas abfällig als „managementforfatteri“ bezeichnet. Die jungen norwegischen Autoren, die gegen Ende der 90er Jahre im Zentrum des kulturellen Interesses stehen, sind ihrer Meinung nach „en medievant generasjon som nedlegger ganske mye energi i det å fremme sitt eget forfatterskap, sin egen person i offentligheten“.10
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen Erlend Loe anhand einer näheren Betrachtung seiner beiden Erfolgsromane Naiv. Super. und L genauer zu untersuchen. Ich möchte die beiden Texte sowohl in Bezug auf einen größeren kulturellen Gesamtzusammenhang als auch auf besondere Entwicklungen innerhalb der norwegischen Gegenwartsliteratur kontextualisieren und auf diese Weise versuchen zu bestimmen, was ihre Aktualität ausmacht und wo möglicherweise Gründe für ihren Erfolg liegen.
[....]
1 Vgl. „Fakta om Loes boksuksess“, in: Dagbladet, 11.10.2001,
http://www.dagbladet.no/kultur/2001/10/11/287164.html, 27.02.2007, 15:30h.
2 Vgl. Hverven, Tom Egil, Erlend Loe. Forfatterhefte, Oslo: Biblioteksentralen, 2006, S. 10f.
3 Vgl. Nordli, Katrine, „Hva man bør vite om Erlend Loe”, in: Aftenposten, 17.9.1999; Rottem, Øystein, Norges Litteraturhistorie. Bind 8: Vår Egen Tid, 1980-1998, Oslo: J.W. Cappelens Forlag, 1998, S. 781.
4 Vgl. Aarsand, Kjartan, „Eksport av eksotisme?”, in: Morgenbladet, 22.10.2004.
5 Vgl. Cappelens forfatterside om Erlend Loe:
http://www.cappelen.no/main/katalog.aspx?f=7055&authview=text_12, 27.02.2007, 15:42h.
6 Vgl. Moslet, Håkon, „Loe kan le hele veien til banken“, in: Dagbladet, 14.9.1999; Alver, Eirik, „Stor gutt”, in: Dagbladet, 6.1.2001.
7 Vgl. Fosvold, Astrid, „Ung mand i krise – en skælm tager pulsen på 90’erne”, in: STANDart, Nr. 1, 2000,
www.statsbiblioteket.dk/standart/2000-1/NaivSuper.html, 27.02.2007, 15:21h.
Im Cappelen Verlag ist inzwischen sogar schon eine Schulausgabe von Naiv. Super. erschienen. Vgl. Cappelens katalog: Naiv. Super. (skoleutg.),
http://www.cappelen.no/main/katalog.aspx?f=7055&ISBN=8202192803, 27.02.2007, 15:27h.
8 Vgl. Moslet, „Loe kann le hele veien til banken“, 1999.
9 Vgl. Førsund, Joachim, „Neste stopp Manuae“, in: Dagbladet, 19.2.1998.
10 Solberg, Audhild A. und Kari Hauge, „Å møte veggen. En samtale om engasjert litteratur”, in: Bøygen, Nr. 3/4, 2000, S. 30- 38, hier: S. 31.
Arbeit zitieren:
Nora Pröfrock, 2007, “Stop making sense.“ - Erlend Loes Romane „Naiv.Super.” (1996) und „L“ (1999), München, GRIN Verlag GmbH
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