Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis. V
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 1
2 Grundlagen. 3
2.1 Begrifflichkeiten 3
2.1.1 Studien- und Erlebnisreisen 3
2.1.2 Südamerika 9
2.1.3 Individualisierbarkeit. 10
2.2 Daten und Fakten zum deutschen Reisemarkt 11
2.2.1 Entwicklung der Urlaubsreisen nach Südamerika 11
2.2.2 Entwicklung der Reisemotive 12
2.2.3 Entwicklung der Studien- und Erlebnisreisen 12
2.3 Die Erlebnisorientierung als Treiber für Studien- und Erlebnisreisen 14
2.4 Der Studien- und Erlebnisreisende. 16
3 Individualisierung und Individualisierbarkeit 17
3.1 Die Individualisierung und Konsequenzen für die Wirtschaft. 17
3.2 Die Individualisierung im Tourismus. 21
3.3 Vorteile und Nachteile der Individualisierbarkeit von Reiseangeboten 27
4 Angebotsanalyse für Studien- und Erlebnisreisen deutscher Reiseveranstalter
nach Südamerika. 29
4.1 Varianten von Studien- und Erlebnisreisen 29
4.2 Untersuchungsmethode 36
4.2.1 Auswahl der zu analysierenden Reiseveranstalter. 38
4.2.2 Das System zur Bewertung der Individualisierbarkeit 43
4.2.2.1 Kategorie Anreise 45
4.2.2.2 Kategorie Unterkunft 47
4.2.2.3 Kategorie Verpflegung 49
4.2.2.4 Kategorie Transportmittel. 50
4.2.2.5 Kategorie Fakultative Aktivitäten. 51
4.2.2.6 Kategorie Vorab- und Anschlussaufenthalte 52
I
4.2.2.7 Kategorie Privatreisen. 53
4.2.3 Die Gewichtung der Kategorien 54
5 Auswertung der Angebotsanalyse für Studien- und Erlebnisreisen nach
S üdamerika 58
5.1 Gesamtauswertung 58
5.2 Auswertung der einzelnen Kategorien. 61
5.2.1 Kategorie Anreise. 61
5.2.2 Kategorie Unterkunft 64
5.2.3 Kategorie Transportmittel 67
5.2.4 Kategorie Fakultative Aktivitäten 69
5.2.5 Kategorie Vorab- und Anschlussaufenthalte 71
5.2.6 Kategorie Privatreisen. 73
5.3 Ausgewählte Aspekte der Preisdifferenzierung. 75
6 Zusammenfassung und abschließende Beurteilung. 78
Quellenverzeichnis IV
Anhang XIX
II
ABBILDUNGS - UND TABELLENVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Produktgestaltung im Kulturtourismus. 7
Abb. 2: Destinationen Südamerikas 10
Abb. 3: Merkmale der Individualisierung und Standardisierung der Leistung 18
Abb. 4: Mass Customization - Ursachen und Möglichkeiten 20
Abb. 5: Die Bedeutung individueller Gestaltungsmöglichkeiten bei Pauschalreisen25
Abb. 6: Einstellung zur Flexibilität von Pauschalreisen. 26
Abb. 7: Gesamtauswertung und Platzierung aller Veranstalter 59
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Beispielhafte Darstellung eines gewichteten Scoring-Modells. 37
Tab. 2: Vorberechnungen für die Angebotsanalyse und -bewertung 44
Tab. 3: Punktewertung - Abflughäfen 45
Tab. 4: Punktewertung - Business Class 46
Tab. 5: Punktewertung - Rail Fly 47
Tab. 6: Punktewertung - Ohne Flug. 47
Tab. 7: Punktewertung - Kategorienwahl 48
Tab. 8: Punktewertung - Halbes Doppelzimmer 49
Tab. 9: Punktewertung - Transportmittel. 51
Tab. 10: Punktewertung - Fakultative Aktivitäten. 52
Tab. 11: Punktewertung - Zahl der Vorab- und Anschlussaufenthalte. 53
Tab. 12: Punktewertung - Wahl bei Verlängerungen vorab oder danach 53
Tab. 13: Punktewertung - Privatreisen. 54
Tab. 14: Die Gewichtung in der Übersicht 55
Tab. 15: Auswertung - Kategorie Anreise 61
Tab. 16: Auswertung - Kriterium Abflughäfen 62
Tab. 17: Auswertung - Kriterium Rail Fly 62
Tab. 18: Auswertung - Kriterium Business Class. 63
Tab. 19: Auswertung - Kriterium Ohne Flug. 64
Tab. 20: Auswertung - Kategorie Unterkunft. 65
III
Tab. 21: Auswertung - Kriterium Kategorienwahl. 65
Tab. 22: Auswertung - Kriterium Halbes Doppelzimmer 66
Tab. 23: Auswertung - Kategorie Transportmittel 68
Tab. 24: Auswertung - Kategorie Fakultative Aktivitäten 69
Tab. 25: Auswertung - Kriterium Fakultative Aktivitäten 70
Tab. 26: Auswertung - Kategorie Vorab- und Anschlussaufenthalte. 71
Tab. 27: Auswertung - Kriterium Zahl der Vorab- und Anschlussaufenthalte 72
Tab. 28: Auswertung - Kriterium Wahl bei Verlängerungen vorab oder danach 73
Tab. 29: Auswertung - Kategorie Privatreisen 74
Tab. 30: Auswertung - Kriterium Privatreisen 74
IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. B.A.T. British American Tobacco DZ Doppelzimmer ERD Evangelischer Reisedienst EZ Einzelzimmer F.U.R Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. FVW International Fremdenverkehrswirtschaft International Gebeco Gesellschaft für internationale Begegnung und Cooperation Gew. Gewichtung G+J Gruner + Jahr AG & Co KG max. maximal min. minimal mind. mindestens taz die tageszeitung TUI Touristik Union International AG UNESCO United Nations Educational, Scientific and
1 ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT
„Individualismus bedeutet heute, alles tun, was die andern auch tun, bloß einzeln.“ 1 Dieses Zitat des US-Schauspielers Rock Hudson mag auf den ersten Blick paradox oder gar sarkastisch erscheinen, spiegelt aber letztendlich genau das wider, was sich auch im Alltag und der Freizeit der deutschen Gesellschaft abzeichnet. Es gibt Aktivitäten, die von einem Großteil der Menschen in irgendeiner Form unternommen werden. Das Verreisen ist eine dieser Aktivitäten. Die Deutschen sind 2006 zum wiederholten Male Reiseweltmeister geworden. Mit einem Rekordwert von 60,5 Milliarden Euro gaben sie im vergangenen Jahr mehr Geld für Urlaub aus als die Bevölkerung anderer Länder (etwa 11 % der weltweiten Reiseausgaben). 2 Die Reiseintensität, die laut Reiseanalyse der F.U.R schon seit über zehn Jahren bei über 70 % liegt, 3 macht deutlich, dass es für den Großteil der Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit ge-worden ist, einmal oder sogar mehrmals jährlich in Urlaub zu fahren. Es herrscht das Gefühl vor, dass alle anderen in Urlaub fahren und man dies ebenso machen möchte. Dennoch möchten die Menschen nicht als Massenpauschaltouristen angesehen und behandelt werden. Das demonstriert die steigende Zahl an selbst organisierten Reisen. 4 Die Urlauber wollen vermehrt ihren individuellen Bedürfnissen gerecht werden und nicht mit dem Strom schwimmen. Klassische Pauschalreisen engen diese Individualität in vielerlei Hinsicht ein, andererseits gibt es neue Formen der Pauschalreise, die dem Reisenden eine größere Individualität bieten. Studien- und Erlebnisreisen sind ein spezielles Segment, das aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften, die an späterer Stelle erläutert werden, bei der Individualisierung einige Schwierigkeiten aufwirft. Interessant ist es daher herauszufinden, inwieweit und vor allem in welchen Bereichen die Veranstalter solcher Reisen es vermögen, individualisierbare Programme aufzulegen.
1 Sprichwort.ch, http://www.sprichwort.ch/, Stand 05.07.2007.
2 Vgl. o.V.: Deutsche 2006 erneut Reiseweltmeister, Artikel vom 16.01.2007, online unter Handelsblatt, http://www.handelsblatt.com/news/Journal/Business-Travel-Reise/_pv/_p/202790/_t/ft/_b/120858 2/default.aspx/deutsche-2006-erneut-reiseweltmeister.html, Stand 05.07.2007. 3 Vgl. F.U.R Reiseanalyse 2007, http://www.fur.de/downloads/Reiseanalyse_2005.pdf, S.2, Stand 03.07.2007.
4 Vgl. o.V.: Deutsche 2006 erneut Reiseweltmeister, Artikel vom 16.01.2007, online unter Handelsblatt, http://www.handelsblatt.com/news/Journal/Business-Travel-Reise/_pv/_p/202790/_t/ft/_b/120858 2/default.aspx/deutsche-2006-erneut-reiseweltmeister.html, Stand 05.07.2007.
1
Die deutschen Urlauber weisen eine hohe Reiseerfahrung auf und wollen immer mehr Ecken der Welt entdecken. Fernreisen auf andere Kontinente sind längst nichts Außergewöhnliches mehr und so scheint das immer größer werdende Angebot an Studien- und Erlebnisreisen nach Südamerika ein interessanter Untersuchungsge-genstand.
Das Ziel der nachfolgenden Untersuchung besteht darin, die Angebote an Studien-und Erlebnisreisen deutscher Reiseveranstalter nach Südamerika in ihrer Gestaltung darzustellen sowie zu analysieren, ob und inwieweit diese Angebote individualisierbar sind. Die Flexibilität der Reisen und somit auch der Reisenden soll untersucht und schlussendlich bewertet werden.
In Kapitel 2, Grundlagen, werden zunächst, des einheitlichen Verständnisses wegen, einige Begrifflichkeiten definiert. „Was ist unter einer Studien- und Erlebnisreise zu verstehen?“, „Welche Länder zählen zu Südamerika?“ und „Was bedeutet Individualisierbarkeit?“; all dies sind essentielle Fragen, die geklärt werden müssen. Daran anschließend werden Daten und Fakten zum deutschen Reisemarkt aufgeführt, die mit Studien- und Erlebnisreisen nach Südamerika in Zusammenhang stehen. Sie geben einen ersten Überblick über die Relevanz dieser Reisen und ihrer Stellung im deutschen Urlaubsreisemarkt. Darüber hinaus werden die Charakteristika von Studien- und Erlebnisreisenden und Unterschiede zu anderen Urlaubern vorgestellt sowie Aspekte zur Erlebnisorientierung der deutschen Bevölkerung und deren Einfluss auf die Entwicklung von Erlebnisreisen.
Im Anschluss daran soll in Kapitel 3 erörtert werden, warum das Thema Individualisierbarkeit von Reiseangeboten im Jahr 2007 von entscheidender Bedeutung ist und auch für die Zukunft von großem Belang für den Erfolg und die Existenzfähigkeit von Reiseveranstaltern sein wird. Dazu werden der Wertewandel in Deutschland und der daraus resultierende allgemeine Individualisierungstrend bei Konsumenten dargelegt und die Konsequenzen für touristische Unternehmen erläutert. Ein weiterer Abschnitt des dritten Kapitels widmet sich den Vor- und Nachteilen der Individualisierbarkeit von Reiseangeboten.
2
Schließlich folgt mit den Kapiteln 4 und 5 der Kern dieser Arbeit: die Untersuchung der Reiseangebote deutscher Reiseveranstalter nach Südamerika. Hierbei werden im ersten Teil die verschiedenen Varianten von Studien- und Erlebnisreisen nach Südamerika präsentiert, bevor mithilfe eines Scoring-Modells die Individualisierbarkeit der Angebote ausgewählter Reiseveranstalter untersucht und letztendlich bewertet wird. Ein von der Autorin erarbeiteter Kriterienkatalog zur Überprüfung der Individualisierbarkeit stellt die Basis dieser Untersuchung dar.
Abschließend finden sich in Kapitel 6 eine Zusammenfassung der bedeutendsten Aspekte der vorliegenden Ausarbeitung und eine abschließende Beurteilung der Situation der Reiseveranstalter und der Individualisierbarkeit ihrer Angebote.
2 GRUNDLAGEN
2.1 Begrifflichkeiten
2.1.1 Studien- und Erlebnisreisen
Studien- und Erlebnisreisen sind ein weit gefasster Begriff, der sich in viele spezifische Subkategorien einteilen lässt, wie im Laufe der Arbeit ersichtlich werden wird. Die verschiedenen Varianten von Studien- und Erlebnisreisen werden in Punkt 4.1 vorgestellt. Im Folgenden sollen zunächst Merkmale benannt werden, die allen Studien- und Erlebnisreisen weitestgehend gemein sind und sie von anderen Pauschalreisen unterscheiden.
Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein gab es in der Tourismusbranche keine allgemein gültige Definition für den Begriff der Studienreise. Zuvor sahen die Reiseveranstalter keine Notwendigkeit zu einer Definition. In den 80er Jahren wollten sich die Studienreiseveranstalter davor bewahren, dass der Begriff für ihr Produkt von allen denkbaren Reiseveranstaltern genutzt wird, um für deren Rundreisen zu werben. 5 Erste Definitionsversuche wurden 1983 von der Arbeitsgemeinschaft Studienreisen unternommen, nach der eine Studienreise sich definieren lässt als „eine
5 Vgl. Dietsch, K.: Die Studienreise im Wandel - Konzepte einer klassischen Reiseform, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.134.
3
Gruppenreise mit begrenzter Teilnehmerzahl, festgelegtem Reiseverlauf sowie deutschsprachiger, fachlich qualifizierter Reiseleitung.“ 6 7 Laut der oben genannten Definition ist ein wichtiges Charakteristikum einer Studienreise ein festgelegter Reiseverlauf, welcher dem Kunden bereits vor seiner Reiseentscheidung zugänglich gemacht wird, sei dies in Form eines Kataloges, eines Sonderheftes oder ähnlichem. Der Reiseverlauf beinhaltet detaillierte Angaben zum Tagesverlauf an den einzelnen Reisetagen, die wichtigsten Besichtigungspunkte und Aktivitäten und enthält zudem Angaben über die Art des Transports, der Beherbergung und der Verpflegung.
Eine Studienreise wird zudem von einem fachlich qualifizierten Reiseleiter begleitet, der es versteht, den Teilnehmern die Destination verständlich zu machen, ihnen Informationen über Land und Leute, Flora und Fauna, das heutige Leben und die Geschichte zu übermitteln. Darüber hinaus ist er für die komplette Organisation unterwegs verantwortlich, regt das Interesse der Reisenden an und versucht zugleich, bei ihnen Liebe und Verständnis für die einheimische Bevölkerung zu wecken. 8 Eine Studienreise kann als eine Sonderform der Pauschalgruppenreise betrachtet werden und ist ihrer Art nach typischerweise eine Rundreise. 9 Doch wie soeben erklärt wurde, ist die Studienreise keinesfalls mit einer Rundreise gleichzusetzen. Insbesondere die Ausbildung und Kompetenz der Reiseleitung macht laut Definition die Studienreise zu einem höherwertigen Produkt als die einfache Rundreise.
Die Studienreise hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte weiterentwickelt. Entgegen der alten Klischees geht es bei der Studienreise nicht um das pausenlose Besuchen von Ruinen und um extrem bildungslastige Vorträge und Führungen; vielmehr wird das Kennenlernen des Landes mit allen seinen Facetten in den Vorder-grund gestellt. Die Reisenden sollen sich dabei wohl fühlen und mit allen Sinnen die Eindrücke in sich aufnehmen. Im Unternehmensleitbild des größten deutschen Studienreiseveranstalters Studiosus Reisen aus dem Jahr 2001 wird dies deutlich. Darin heißt es: „Die Studienreise ist eine intelligente Form des Urlaubs. Sie ermöglicht eine
6 Arbeitsgemeinschaft Studienreisen: Pressemitteilung vom November 1998, zitiert nach: Dietsch, K.: Studienreisen, in: Dreyer, A. (Hrsg.): Kulturtourismus, München, Wien, 2000, S.76.
7 Vgl. Dietsch, K.: Studienreisen, in: Dreyer, A. (Hrsg.): Kulturtourismus, München, Wien, 2000, S.76. 8 Vgl. ebenda, S.78f.
9 Vgl. Kubsch, W.: Ein Lob der Studienreise, in: Festschrift Paul Rieger, Starnberg, 1988, S.28, zitiert nach: Born, V., überarbeitet durch Kirstges, T., Schröder, C., in: Praktischer Leitfaden für Reiseleiter, in: Kirstges, T. (Hrsg.): Destination Reiseleitung, München, Wien, 2001, S.7.
4
Auseinandersetzung mit dem Gastgeberland, indem sie die gegenwärtige Lebenssituation und Kultur aufzeigt, Bezug zur Vergangenheit herstellt und dieses zu einem Erlebnis für alle Sinne werden lässt (…)“ 10
Die folgende Auflistung spiegelt wider, welche Tätigkeiten von der Mehrheit der Studienreisenden während der Reise ausgeübt werden:
- „Sehenswürdigkeiten besichtigen (92 %)
- Fotografieren, Filmen (70 %)
- Ausflüge in die Umgebung (70 %)
- Gespräche führen (67 %)
- Gaststätten besuchen (64 %)
- Briefe, Karten schreiben (64 %)
- Einkaufsbummel machen (61 %)
- landesübliche Spezialitäten essen (57 %)
- deutlich weniger genannt wurden Aktivitäten wie Sonnen, viel Schlafen, am Strand liegen“ 11
Studienreisende wollen sich nicht bloß mit Informationen über ein Land berieseln lassen und von einer Ruine zur nächsten wandern, sondern sie möchten auch Geselligkeit erleben. Wenngleich der Besuch historischer und anderer Sehenswürdigkeiten einen hohen Stellenwert einnimmt, so spielt auf Studien- und Erlebnisreisen die Geselligkeit eine ebenso große Rolle. 12
Als eine „light“-Version der Studienreise wird die Erlebnisreise angesehen. Die Bezeichnung Erlebnisreise ist insofern kritisch, als dass der Begriff Erlebnis sehr subjektiv ausgelegt werden kann. Der eine mag einen Strandurlaub am Mittelmeer bereits als Erlebnis im Vergleich zu seinem Alltag empfinden, wohingegen der andere
10 Studiosus Reisen (Hrsg.): Unternehmensleitbild 2001, München, 2001, zitiert nach: Dietsch, K.: Die Studienreise im Wandel. Konzepte einer klassischen Reiseform, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.134.
11 Steinecke, A. (Hrsg.): Konzeption, Organisation und Durchführung einer Studienreise - Beispiel Republik Irland, Paderborn, 2001, S.8.
12 Vgl. Steinecke, A. (Hrsg.): Konzeption, Organisation und Durchführung einer Studienreise - Beispiel Republik Irland, Paderborn, 2001, S.8.
5
einen Abenteuerurlaub bucht, um seinem Streben nach Erlebnis beizukommen. 13 Was für den einen möglicherweise nur wenig von seinem Alltag abweicht, mag für jemand anderen wie der Eintritt in eine andere Welt sein und ihm als besonderes Erlebnis erscheinen. Das Ziel eines Erlebnisurlaubs besteht darin, „das Verlangen nach dem Wilden, Gefährlichen, Außergewöhnlichen, dem Ungeregelten, dem Nicht-Domestizierten oder dem Einfachen oder Ursprünglichen“ 14 zu befriedigen. Dazu können in Bezug auf Südamerika Erfahrungen in vollkommen anderer natürlicher Umgebung wie z.B. dem brasilianischen Dschungel oder in den Anden in Peru und Chile oder auch besondere Begegnungen wie etwa mit Indianerstämmen und das Kennenlernen ihrer Lebensweise zählen. Es lässt sich im Allgemeinen feststellen, dass bei der modernen Erlebnisreise im Vergleich zur Studienreise persönliche Kontakte mit der Bevölkerung der Destination in den Vordergrund treten und Sehenswürdigkeiten eher in den Hintergrund gedrängt werden. 15 Nichtsdestotrotz sind die wichtigsten und größten Attraktionen des oder der bereisten Länder weiterhin Bestandteil der Reisen. In Südamerika handelt es sich dabei unter anderem um den Zuckerhut in Rio de Janeiro, um die Wasserfälle von Iguazu 16 in Brasilien und Argentinien und um die ehemalige Inkastadt Machu Picchu 17 und die Nazca-Linien 18 in Peru. Erlebnisreisen sollen besondere Ereignisse bieten, dennoch kann bei von Reiseveranstaltern organisierten Erlebnisreisen davon ausgegangen werden, dass es sich um kalkulierte und nicht zu hoch dosierte Abenteuer handelt. Das Abenteuer soll in Maßen gehalten werden; der Tourist sucht nach dem Außergewöhnlichen, nach der Möglichkeit, im Urlaub anders zu leben als sonst, Nicht-Alltägliches und Neues zu
13 Vgl. Kirstges, T.: Sanfter Tourismus - Chancen und Probleme der Realisierung eines ökologieorientierten und sozialverträglichen Tourismus durch deutsche Reiseveranstalter, München, Wien, 1995, S. 52.
14 Köck, C.: Abenteuerreisen als kulturelles Kapital, in: Kramer, D., Lutz, R. (Hrsg.): Tourismus-Kultur - Kultur-Tourismus, Münster, Hamburg, 1993, S.192.
15 Vgl. Lettl-Schröder, M.: Entdecken und genießen, in FVW International, 1/07, 05.01.2007, S.25. 16 Die Wasserfälle von Iguazu sind mit einer Länge von drei Kilometern länger als die Victoriafälle und einer Höhe von bis zu 80 Metern höher als die Niagarafälle. Sie erstrecken sich über Bereiche Brasiliens und Argentiniens (Quelle: viventura Reisen: tourablauf-vicomfort-brasilien-druckversion.pdf, www.viventura.de, Stand 10.05.2007).
17 Macchu Picchu ist eine im 15. Jahrhundert erbaute und im Jahr 1911 entdeckte Inkastadt. Sie ist eine der bekanntesten und meistbesichtigten Stätten in Peru und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe (Quelle: Vgl. Palm, J.: Ökotourismus in Peru - zwei unterschiedliche Ansätze im Vergleich, Saarbrücken, 2006, S.38).
18 Die Nazca- Linien sind über 500 Jahre alte Linien im Sand, die geometrische Figuren und teils Tiere erkennen lassen. Die Herkunft und Bedeutung der Linien ist bisher nicht geklärt; es gibt Vermutungen, dass sie einen astronomischen oder landwirtschaftlichen Hintergund haben oder auch mit außerirdischem Leben in Verbindung stehen. (Quelle: Lumsdon, L., Swift, J.: Tourism in Latin America, London, New York, 2001, S.142).
6
erfahren, aber dennoch auch nicht zu viel von alledem. Das Ganze kann unter dem Reisemotiv „Kontrast“ zusammengefasst werden, welches für jeden dritten Bundesbürger als das viertwichtigste Kriterium für einen gelungenen Urlaub angesehen wird. 19
Urlauber, die eine Studien- oder Erlebnisreise buchen, sind zweifelsohne an der Kultur des bereisten Landes interessiert und möchten diese aktiv erfahren. Sie sind, unabhängig von der Variante der Studien- und Erlebnisreise, die sie wählen (Näheres dazu in Punkt 4.1), zu einem mehr oder minder großen Grad auch immer Kulturtouristen. Das nachfolgende Modell zeigt die Leistungen, die ein kulturtouristisches Angebot enthalten sollte.
Abb. 1: Produktgestaltung im Kulturtourismus
(Quelle: Gross, M.: Zur Erlebnisorientierung im Kulturtourismus, Trierer Geographische Studien, Heft
27, Trier 2004, online unter Hochschule Harz, mgross.hs-harz.de/KulturtourismusMSGross.pdf, S.143,
Stand 23.03.2007)
19 Vgl. Opaschowski, H.: Tourismus - Eine systematische Einführung, Opladen, 2002, S.92.
7
Dabei wird deutlich, dass das Erleben mit allen Sinnen - in der Abbildung als wahrnehmbare Zusatzleistungen dargestellt - sehr wichtig ist und das Kernprodukt ergänzt. Das Bündel an möglichen Zusatzleistungen, sowohl die wahrnehmbaren als auch die vorstellbaren, ist sehr groß und erst diese machen eine Studien- und Erlebnisreise zu einem unvergesslichen und besonderen Erlebnis.
Urlaub lässt sich in der Regel dadurch charakterisieren, dass der Urlauber eine Freiheit von seiner Arbeit und seiner Freizeit genießt. Eine Studien- und Erlebnisreise unterscheidet sich von anderen Urlaubsformen dadurch, dass hier die Distanz zum Alltag und zur Arbeit nicht allein durch Entspannen und Genießen geschaffen wird, sondern auch dadurch, dass die Reisenden sich aktiv mit dem Land, dessen Kultur, Geschichte, Natur etc. auseinandersetzen. Durch die bewusste Entscheidung für eine organisierte Gruppenreise muss sich der Studien- und Erlebnisreisende nicht selbst um die Erarbeitung von Wissen über die Kultur der Destination und die Destination als solche kümmern, sondern kann sich von einem qualifizierten Reiseleiter in das Land, seine Eigenarten, die Mentalität der Bevölkerung usw. einführen lassen. 20
Studien- und Erlebnisreisen sind traditionell Busreisen. Der Bus ist ein ideales Verkehrsmittel für Rundreisen, die die Studien- und Erlebnisreisen meistens sind. Er bietet einerseits Komfort durch bequeme und verstellbare Sitze, Klimaanlage, einen großen Stauraum für Gepäck und andere Merkmale, die je nach Reiseland und Busanbieter variieren. Andere mögliche Features sind beispielsweise Toiletten und Kühlschrank. Durch das üblicherweise in Reisebussen vorhandene Mikrofon ist eine gute Kommunikation des Reiseleiters mit den Teilnehmern möglich. 21 Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber anderen Verkehrsmitteln besteht in der Unabhängigkeit von zeitlich und streckenmäßig festen Fahrplänen. 22 Dennoch gibt es moderne Formen der Studien- und Erlebnisreise, bei denen andere Fortbewegungsmöglichkeiten wie Wandern oder Radfahren im Zentrum stehen. Näheres dazu findet
20 Vgl. Günter, W.: Allgemeine Didaktik und Methodik der Studienreise, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.150f.
21 Vgl. Günter, W.: Der moderne Bildungstourismus - Formen, Merkmale und Beteiligte, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.35 und Kubsch, W., Weiskopf, O.: Planung, Vorbereitung und Durchführung von Studienreisen, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.300.
22 Vgl. Pompl, W.: Das Produkt Pauschalreise - Konzept und Elemente, in: Mundt, J. (Hrsg.): Reiseveranstaltung - Lehr- und Handbuch, München, Wien, 2007, S.84.
8
sich in Punkt 4.1, wo die verschiedenen Varianten der Studien- und Erlebnisreise vorgestellt werden.
Die Dauer einer Studienreise ist in der Regel abhängig vom Inhalt und Thema der Reise sowie auch von der Destination und deren geografischer Lage. Üblich sind oftmals so genannte Turnusreisen, die immer an denselben Wochentagen beginnen und enden, so dass sich daraus z.B. eine Reisedauer von sieben, 14 oder 21 Tagen ergibt. Durch die Regelmäßigkeit dieser Turnusreisen können die Kapazitäten, die den Reiseveranstaltern zur Verfügung stehen, oft besser genutzt werden. Überschneidungen bei Bussen, Beherbergungsbetrieben, Reiseleitern etc. können umgangen werden. Reisende favorisieren oftmals Anreisetage oder Rückreisetage an Wochenenden. Fällt der Anreisetag beispielsweise auf einen Sonntag, haben viele Berufstätige am Samstag die Möglichkeit, in Ruhe die letzten Besorgungen für die Reise zu machen und die Koffer zu packen. 23
2.1.2 Südamerika
Zu Südamerika zählen die Republiken Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay, Venezuela sowie das von Frankreich abhängige Französisch-Guyana und die von Großbritannien abhängigen Falkland-Inseln. 24 Die Länder Südamerikas befinden sich, wie der Name schon verlauten lässt, im Süden des amerikanischen Kontinents. Sie schließen nördlich an Panama, westlich an den Pazifischen Ozean, östlich an den Atlantischen Ozean und im Süden ebenfalls an die beiden großen Weltmeere an. 25
Die geografische Lage der südamerikanischen Länder zueinander zeigt die folgende Abbildung:
23 Vgl. Kubsch, W., Weiskopf, O.: Planung, Vorbereitung und Durchführung von Studienreisen, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.292ff.
24 Vgl. Meyers Lexikon Online, http://lexikon.meyers.de/meyers/S%C3%BCdamerika, Stand 03.04.2007
25 Vgl. o.V.: Diercke Weltatlas, Braunschweig, 1992, S.206ff.
9
Abb. 2: Destinationen Südamerikas
(Quelle: Perschul Reisen, http://www.lastminute-blitz.de/suedamerika.gif, Stand 16.04.2007)
2.1.3 Individualisierbarkeit
Ein „System ist dann individualisierbar, wenn es dem Benutzer erlaubt, flexible Anpassungen an die Erfordernisse der Aufgabe und / oder an seine Vorlieben und seine speziellen Fähigkeiten vorzunehmen.“ 26 Auf Reiseangebote übertragen heißt dies, dass demzufolge ein Angebot eines Reiseveranstalters dann individualisierbar ist, wenn es sich den Erfordernissen und Bedürfnissen des Reisenden entsprechend flexibel anpassen lässt. Wie diese Individualisierbarkeit gemessen werden kann, wird in der Analyse in Punkt 4.2.2 deutlich. Dort werden von der Autorin Kriterien aus den Bereichen der Anreise zum Urlaubsort, der Beherbergung vor Ort etc. präsentiert, die dem Teilnehmer einer Studien- und Erlebnisreise nach Südamerika ein gewisses Maß an Freiheit, Flexibilität, Selbstbestimmung und Individualität ermöglichen.
26 Schaffrina Design - Integrierte Produktgestaltung von Hard- und Software, http://www.schaffrina.de /seiten/Fachbegriffe/Individualisierbarkeit.html, Stand 26.04.2007.
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2.2 Daten und Fakten zum deutschen Reisemarkt
2.2.1 Entwicklung der Urlaubsreisen nach Südamerika
Die Fernreisen der Deutschen nehmen laut dem ADAC Reisemonitor 2007 mit einem Anteil von knapp 12,8 % der Urlaubsreisen im Jahr 2006 im Vergleich zu deutschen oder europäischen Destinationen einen eher geringen Anteil ein, sind jedoch in den vergangenen Jahren gestiegen (1998: 11,9 %; 2003: 12,1 %). Laut Planzahlen der Befragten wird dieser Anteil der Fernreisen im Jahr 2007 eine weitere Steigerung auf 15,8 % erfahren. 27 Die Zunahme des Fernreiseanteils lässt sich darauf zurückführen, dass die Reisenden mehr Erfahrung haben und dadurch verstärkt den Wunsch hegen, neue unbekannte Fernreiseziele zu entdecken. 28
Bei den Fernreisezielen stehen die südamerikanischen Länder mit 0,8 % an viertletzter Stelle. 29 In Zahlen ausgedrückt kamen gemäß dem G+J 30 Branchenbild im Jahr 2006 rund 366 400 Besucher in den größten südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Chile und Venezuela aus Deutschland und diese Besucherzahlen sind seit dem Jahr 2003 über 35 % gestiegen. 31 Im Rahmen der von der F.U.R durchgeführten Reiseanalysen wurde ermittelt, dass in Bezug auf Reisen der Deutschen nach Südamerika die Anzahl der Studienreisenden einen höheren prozentualen Anteil einnimmt als die Anzahl der Reisenden insgesamt. So reisten gemäß der F.U.R Analyse 2000 0,7 % der Befragten nach Mittel- und Südamerika, bei den Studienreisenden waren es jedoch mit 2 % mehr als doppelt so viele. 32
27 Vgl. ADAC Reisemonitor 2007, online unter ADAC Verlag, http://media.adac.de/index.cgi?p= 4d656 46961736572766 96365&pdf=436.pdf, S.25, Stand 15.02.2007.
28 Vgl. Bittner, R.: Tourismus der Zukunft - Boomende Urlaubsformen, Dominierende Zielgruppen, Verändertes Reiseverhalten, Saarbrücken, 2006, S.80.
29 Vgl. ADAC Reisemonitor 2007, online unter ADAC Verlag, http://media.adac.de/index.cgi?p= 4d656 46961736572766 96365&pdf=436.pdf, S.25, Stand 15.02.2007.
30 Die Gruner + Jahr AG & Co KG ist eine Verlagsgesellschaft, die jährlich Studien und Analysen zum Tourismus veröffentlicht (Quelle: G+J Media, http://www.gujmedia.de, Stand 16.05.2007).
31 eigene Berechnungen auf der Basis von: G+J Branchenbild - Auslandsreisen, Nr.3, Februar 2007 S.8, zur Verfügung gestellt von Heike Matthaei, G+J Markt- und Mediaservice, Verkaufsbüro Süd-West
32 Vgl. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.: Reiseanalyse 2000, zitiert nach Günter, W.: Der moderne Bildungstourismus - Formen, Merkmale und Beteiligte, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.45.
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2.2.2 Entwicklung der Reisemotive
Es ist sinnvoll, sich zunächst die Bedürfnisstruktur aller Urlauber im Allgemeinen anzuschauen und herauszufiltern, welches die wichtigsten Reisemotive für die deutschen Reisenden sind, um verstehen zu können, was sich Urlauber von einer Studien- und Erlebnisreise versprechen und welche Erwartungen sie an den Reiseveranstalter stellen. Es lässt sich feststellen, dass sich unter anderem durch die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte vonstatten gegangenen Veränderungen in der Arbeitswelt der Deutschen die Bedürfnisse während der Urlaubsreise gewandelt haben. Gingen früher die Vielzahl der Urlauber einer körperlich anstrengenden beruflichen Tätigkeit nach, so sind sie in den heutigen Zeiten - in der Dienstleistungsgesellschaft - oftmals im Alltag in zunehmendem Maße eher geistig als körperlich gefordert. Diese Veränderung resultiert darin, dass die körperliche Entspannung und Regeneration, wie sie früher eines der primären Urlaubsmotive war, heutzutage durch eine Vielzahl anderer Motive ergänzt oder manchmal sogar komplett ersetzt worden ist. Das frühere Urlaubshauptmotiv der Erholung ist von einem ganzen Bündel von Motiven abgelöst worden. Diese umfassen eine Mischung aus „Sonne, Ruhe, Natur, Kontrast, Kultur, Kontakt, Komfort, Spaß, Freiheit und Aktivität.“ 33 34
2.2.3 Entwicklung der Studien- und Erlebnisreisen
Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde von der touristischen Fachzeitschrift FVW International konstatiert, dass Studienreisen, gemessen am Gesamtvolumen der Pauschalreisen, eine marginale Rolle spielen, aber nichtsdestotrotz über eine stabile Klientel verfügen. 35 Nach Expertenmeinung kommt auch die demografische Entwicklung den Studien- und Erlebnisreisen als Reiseform zugute. Konkret bedeutet dies, dass die so genannten Best Ager, deren Zahl in den kommenden Jahren und Jahrzehnten rapide ansteigen wird, diese Art des Urlaubs mögen. Sie möchten gemeinsam mit anderen in einer Gruppe eine Destination erleben, und dies
33 Smeral, E.: Die Zukunft des internationalen Tourismus - Entwicklungsperspektiven für das 21. Jahr-hundert, Wien, 2003, S.144.
34 Vgl. Smeral, E.: Die Zukunft des internationalen Tourismus - Entwicklungsperspektiven für das 21. Jahrhundert, Wien, 2003, S.144.
35 Vgl. o.V.: Fachreport Studienreisen, in FVW International, 2/96, 26.01.1996, S.27, zitiert nach Schmeer-Sturm, M.-L.: Reiseleitung, München, Wien, 1997, S.8.
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gut organisiert durch einen Reiseveranstalter. 36 Das scheint eine gute Perspektive für die Zukunft, doch auch schon heute macht sich die Reiselust der älteren Generation laut Studiosus-Chef Peter-Mario Kubsch bemerkbar. „Die Wiederholerquoten steigen, Menschen im Ruhestand machen leichter zwei oder mehr Reisen pro Jahr. Das gleicht Rückgänge aus, wenn uns in Krisenjahren Neukunden fehlen“, erklärt er. 37 Auch Reisen in ferne Länder mit dem Hauptmotiv Kultur und Erlebnis gewinnen an Bedeutung und haben gute Entwicklungschancen im 21. Jahrhundert. 38 Im Jahr 2004 / 2005 erwirtschafteten die großen Studienreiseveranstalter Studiosus Reisen mit ihren Reisen 202,8 Millionen Euro und Gebeco und Dr. Tigges zusammen 119 Millionen Euro. Dabei zählten sie 157 700 respektive 63 000 Teilnehmer. In erheblichem Abstand dazu folgten beispielsweise Ikarus Tours mit 47,4 Millionen Euro Umsatz und 17 367 Teilnehmern und Wikinger Reisen mit 44,7 Millionen Euro Umsatz und 30 568 Teilnehmern. Wesentlich größer ist die Anzahl der kleinen Reiseveranstalter, die Studien- und Erlebnisreisen anbieten, 200 - 300 Kunden jährlich zählen und Umsätze von weniger als einer halben Million Euro erwirtschaften. 39 Abgesehen von einer guten Ausgangsbasis für Studien- und Erlebnisreisen im Allgemeinen scheint auch ein Trend zu mehr Fernstudienreisen feststellbar zu sein. Die Hitliste der Studienreisedestinationen wird zwar nach wie vor von traditionellen Destinationen wie Griechenland und Italien angeführt, dennoch sind ferne Destinationen im Aufschwung. Besonders interessant ist im Rahmen dieser Arbeit, dass seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts Südamerika ein verstärktes Interesse seitens der Urlauber verzeichnen kann. 40 Als Fazit kann hier festgehalten werden, dass die deutschen Urlauber aufgrund der fortschreitenden demografischen Entwicklung immer älter werden, zudem ein höheres Bildungsniveau als früher haben und eine gestiegene Reiseerfahrung vorweisen können. Studien- und Erlebnisreisen haben somit das Potenzial, sich zu einem stabilen Marktsegment zu entwickeln. 41
36 Vgl. Lettl-Schröder, M.: Entdecken und genießen, in FVW International, 1/07, 05.01.2007, S.26. 37 Vgl. Kubsch, P.-M., Chef des Reiseveranstalters Studiosus, in: Lettl-Schröder, M.: Wo bleibt die Veranstalter-Leistung, in FVW International, 1/07, 05.01.2007, S.29.
38 Vgl. Smeral, E.: Die Zukunft des internationalen Tourismus - Entwicklungsperspektiven für das 21. Jahrhundert, Wien, 2003, S.71.
39 Vgl. o.V.: Dokumentation Deutsche Veranstalter 2005, Beilage zur FVW International Nr. 31 vom 21.12.2005, (ohne Seitenangabe), zitiert nach: Klingenstein, M., Mundt, J.: Studienreisen, in: Mundt, J. (Hrsg): Reiseveranstaltung - Lehr- und Handbuch, München, Wien, 2007, S.338.
40 Vgl. Dietsch, K.: Studienreisen, in: Dreyer, A. (Hrsg.): Kulturtourismus, München, Wien, 2000, S.76. 41 Vgl. Opaschowski, H..: Tourismusanalyse 2005 mit Grundlagenforschung, B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut GmbH, Hamburg, 2005, S.37f.
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2.3 Die Erlebnisorientierung als Treiber für Studien- und Erlebnisreisen
Die Ansprüche an die Qualität einer Urlaubsreise sind aufgrund der höheren Reiseerfahrung allgemein gestiegen. Ein Urlaub soll nach Möglichkeit alle der folgenden zehn Qualitätsanforderungen erfüllen:
- schöne Landschaft,
- gemütliche Atmosphäre,
- Sauberkeit als Selbstverständlichkeit,
- Sonnenschein,
- gesundes Klima,
- gute Küche,
- viel Ruhe und wenig Verkehr,
- landestypische Umgebung,
- Bademöglichkeiten im Meer oder in Seen
- attraktive Ausgehmöglichkeiten. 42
Es hat ein Wertewandel in der deutschen Gesellschaft stattgefunden, der auch auf das Reiseverhalten der Deutschen erheblichen Einfluss nimmt. Der heutige Erlebniskonsument verfolgt die Devise „Ich will. Ich will es haben. Ich habe es mir verdient“ 43 und die Motivation dieser Einstellung liegt nicht in dem Bedarf des Menschen, sondern basiert vielmehr auf seinem Wunsch, verwöhnt zu werden und gleichzeitig etwas zu erleben. Die deutsche Gesellschaft hat sich zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelt, in der sich der eine Teil als Sparkonsumenten charakterisieren lässt, der sein Budget zur Deckung der Grundbedürfnisse ausgibt, wohingegen der andere Teil Freude daran hat, sich Erlebnisse verschiedenster Art leisten zu können. Aus diesem Grund ist es kaum verwunderlich, dass sich sportliche Ereignisse wie Autorennen am Nürburgring, Bundesligaspiele, musikalische Events wie die Love Parade oder Konzerte berühmter Rock- und Popgrößen großer Beliebtheit erfreuen. Der Erlebniskonsum wird zu einem der Faktoren, mit dem die Lebensqualität beurteilt wird. Man möchte sich Zeit nehmen, um Erlebnisse unbeschwert zu genie- 42 Vgl.Opaschowski, H.: Tourismus - Eine systematische Einführung, Opladen, 2002, S.228f. 43 Opaschowski, H.: Deutschland 2020 - Wie wir morgen leben - Prognosen der Wirtschaft, Wiesbaden, 2004, S.55.
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ßen. 44 So genannte Erlebniskonsumenten sind in allen Generationen vorzufinden und sorgen dafür, dass die Reiseanbieter dazu angetrieben werden, Produkte bzw. Dienstleistungen mit einem hohen Erlebniswert zu gestalten und anzubieten. Der heutige Reisende erwartet von seinem Urlaub Genuss einerseits und unvergessliche Erlebnisse, über die er auch berichten kann, andererseits. Das gilt ebenso für Studien- und Erlebnisreisende. Als Hauptursache für diesen Erlebnisdrang gelten die Langeweile und Erlebnislosigkeit, die den Alltag vieler Leute beherrschen. 45 Die wachsende Erlebnisorientierung der Bevölkerung schlägt sich, wie bereits erwähnt, auch im Bereich der Studien- und Kulturreisen nieder. Es steht nicht mehr der rein bildungsorientierte Urlaub im Vordergrund, vielmehr legen die Studien- und Kulturreiseinteressierten Wert auf schöne Erlebnisse. Sie möchten Spaß haben, ihren eigenen Horizont erweitern ohne eine schwergewichtige Fokussierung auf Kultur und Kulturmonumente, und sie möchten neue Kontakte oder gar Freundschaften knüpfen. 46 Studienreisen werden oftmals mit Reisen von Rentnern zu Ruinen gleichgesetzt und waren daher bisweilen bei einem Großteil der Bevölkerung eher mit negativen Assoziationen behaftet. Diese Vorstellung ist nicht mehr zeitgemäß. Bei der Analyse der Studienreiseangebote im Jahr 2007 lässt sich feststellen, dass die Reiseveranstalter von extrem bildungslastigen, ruinenorientierten Touren abgekommen sind und sich mittlerweile besonders an aktive Zielgruppen richten. Damit ist keineswegs die junge Generation gemeint - was in Anbetracht der demografischen Entwicklung mit der enormen Zunahme an alten Menschen im Vergleich zu den jüngeren auch sehr ignorant und keinesfalls zukunftsorientiert wäre - aber es handelt sich auch nicht um fußlahme, konservative Rentner. Dies machen insbesondere die vielen Angebote an Studienreisen in Kombination mit Trekkings oder aber auch Radwanderstudienreisen und ähnliches, die in Punkt 4.1 nochmals näher betrachtet werden, deutlich.
Alles in allem kann gesagt werden, dass die Reiseveranstalter von Studien- und Erlebnisreisen genauso wie andere Anbieter die steigende Erlebnisorientierung ihrer
44 Vgl. Opaschowski, H.: Deutschland 2020 - Wie wir morgen leben - Prognosen der Wirtschaft, Wiesbaden, 2004, S.55 und S.134ff.
45 Vgl. Bittner, R.: Tourismus der Zukunft - Boomende Urlaubsformen, Dominierende Zielgruppen, Verändertes Reiseverhalten, Saarbrücken, 2006, S.56f.
46 Vgl. Kitzki, H.: Spaß-Philosophie statt Schulbank-Tourismus bei Ikarus Tours, in touristik aktuell, 36, 2000, S.30, zitiert nach: Gross, M.: Zur Erlebnisorientierung im Kulturtourismus, Trierer Geographische Studien, Heft 27, Trier 2004, online unter Hochschule Harz, mgross.hs-harz.de/Kulturtourismus MSGross.pdf, S.143, Stand 23.03.2007.
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deutschen Klientel nicht vernachlässigen sollten und ihre Produkte dementsprechend ansprechend und nachfrageorientiert gestalten sollten. Es ergeben sich daraus, wie es bei nahezu jedem Sachverhalt der Fall ist, allerdings nicht nur Vorteile. Es gilt zu beachten, dass die erlebnisreiche Gestaltung eines touristischen Produkts in der Regel mit einem Verzicht auf Größenwirtschaftlichkeit und Massenkonsum einhergeht. Dies kann die Tragfähigkeit des Preises der Leistung in Frage stellen. 47 Touristische Unternehmen müssen daher einen für sie tragbaren Grad an Erlebnisreichtum für ihre Produkte finden, um mit einem reizvollen und dennoch nicht zu hochpreisigen Angebot am Markt bestehen zu können.
2.4 Der Studien- und Erlebnisreisende
Obwohl Pauschalisierungen in Zeiten hybrider und immer schwerer berechenbarer Konsumenten nur bedingt gemacht werden können, gibt es doch einige Merkmale, die dem Großteil der Teilnehmer von Studien- und Erlebnisreisen gemein sind bzw. Unterschiede zu anderen Reisenden ausmachen. Auffällig ist beispielsweise der höhere Anteil der Frauen, die sich eher mit Gruppenreisen, in denen sie sich wohlbehütet fühlen, anfreunden als Männer, die lieber möglichst viel selbst in die Hand nehmen. Des Weiteren sind Besserverdienende, Personen mit hohem Bildungsgrad sowie Rentner bei Studien- und Erlebnisreisen im Vergleich zu Reisen im Allgemeinen überrepräsentiert. Studien- und Erlebnisreisen richten sich an eine zahlungskräftige Klientel, so dass 18,5 % der Studienreisenden ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3000 Euro vorweisen, im Vergleich zu 13,8 %, die bei allen Reisenden errechnet worden sind. Zugleich sind auch die Reiseausgaben bei den Teilnehmern von Studienreisen höher als bei anderen Urlaubern. 48 Obwohl es natürlich immer Ausnahmen von der Regel gibt, kann gesagt werden, dass der Studienreisende in der Regel über 35 Jahre alt ist, und auch bei Studien- und Erlebnisreisen, die sehr aktiv und sportlich gestaltet sind, sind nur selten Teilnehmer unter 35 zu finden. Der Altersdurchschnitt fällt bei diesen Varianten der Studien- und Erlebnisreise zwar ein wenig niedriger aus, dennoch sind es immer noch eher vitale Kunden der älteren Generationen. Das durchschnittliche Alter der Studienreisenden liegt bei ungefähr 50 Jahren, wobei bei Reisen innerhalb Europas - vermutlich aufgrund der
47 Weiermair, K.: Von der Dienstleistung zum Erlebnis, in: Weiermair, K., Brunner-Sperdin, A. (Hrsg.): Erlebnisinszenierung im Tourismus, Berlin, 2006, S.17.
48 Vgl. Günter, W.: Der moderne Bildungstourismus - Formen, Merkmale und Beteiligte, in: Günter, W. (Hrsg.): Handbuch für Studienreiseleiter, München, Wien, 2003, S.39ff.
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Arbeit zitieren:
Katrin Theos, 2007, Angebotsanalyse: Studien- und Erlebnisreisen deutscher Reiseveranstalter nach Südamerika im Jahr 2007, München, GRIN Verlag GmbH
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Konzeption und Umsetzung des neuen Preissystems von 2003 im Personenve...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Referat (Ausarbeitung), 20 Seiten
Kooperation und Konkurrenz im Tourismus - Eine Analyse am Beispiel Des...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 20 Seiten
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