Communities of Practice als Teil des Wissensmanagement
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. VI
1. Einleitung. 1
1.1 Motivation 1
1.2 Zielsetzung der Arbeit 1
1.3 Aufbau der Arbeit 2
2. Das Unternehmen STN ATLAS ELEKTRONIK 3
2.1 Historie des Unternehmens. 3
2.2 Das Unternehmen heute 4
3. Wissensmanagement 5
3.1 Wissen - Der vierte Produktionsfaktor 6
3.2 Der Wissensbegriff: Daten - Informationen - Wissen. 7
3.3 Formen des Wissens. 9
3.3.1 Individuelles- und Kollektives Wissen 9
3.3.2 Explizites und implizites Wissen. 11
3.4 Theorie des Wissensmanagement 14
3.4.1 Wissensprozesse in Organisationen 15
3.4.1.1 Sozialisation. 16
3.4.1.2 Externalisation 16
3.4.1.3 Kombination 16
3.4.1.4 Internalisation. 17
3.4.2 Die Wissensspirale. 17
3.4.3 Voraussetzungen in Organisationen 18
3.4.3.1 Intention 19
3.4.3.2 Autonomie. 19
3.4.3.3 Fluktuation und kreatives Chaos. 20
3.4.3.4 Angemessene Vielfalt 20
3.4.3.5 Redundanz. 21
3.4.3.6 Interner Wettbewerb. 21
3.5 Wissensträger in und im Umfeld einer Organisation 22
3.6 Bausteine des Wissensmanagement nach Probst 23
3.6.1 Wissensziele 25
3.6.2 Wissensidentifikation. 26
3.6.3 Wissenserwerb. 28
3.6.4 Wissensentwicklung 29
3.6.5 Wissensverteilung 32
3.6.6 Wissensbewahrung. 33
3.6.7 Wissensnutzung. 35
3.6.8 Wissensbewertung 36
Communities of Practice als Teil des Wissensmanagement
3.7 Instrumente und Strategien, die Wissensmanagement unterstützen 39
3.7.1 Expertenverzeichnisse 41
3.7.2 Wissenskarten (Knowledge Maps) 42
3.7.3 Office Management. 44
3.7.4 Wissensmärkte. 45
3.8 Grundzüge des WM bei der Firma STN ATLAS ELEKTRONIK 46
4. Communities of Practice (CoP) 50
4.1 CoP´s - Informelle Gruppen,
die über Unternehmensgrenzen hinweg agieren. 52
4.2 Organisationsstrukturen und -kulturen, die CoP´s fördern 54
4.2.1 Organisationsstruktur 54
4.2.2 Schaffung von Freiräumen 55
4.2.3 Unternehmenskultur. 55
4.3 Der Individuelle- bzw. Organisatorische Nutzen von CoP´s 58
4.3.1 Verbesserung der Kommunikation durch CoP´s 58
4.3.1.1 Kommunikationsformen 59
4.3.1.2 Kommunikationsstruktur. 60
4.3.1.3 Kommunikationsmittel 61
4.3.1.4 Beseitigung von Kommunikationsbarrieren. 62
4.3.2 Das „innovative Lernen“ in CoP´s 64
4.4 Entscheidende Merkmale von CoP´s 66
4.5 Lebenszyklus einer CoP. 68
4.6 Der Aufbau eines Wissensmarktes durch CoP´s. 69
5. Umsetzung der Erkenntnisse über CoP´s in ein praktikables Intranet-Tool. 73
5.1 Eingesetzte Internet/Intranet Technologie. 73
5.2 Anwenderkreis. 75
5.3 Zielsetzung des CoP Forums 75
5.4 Anforderungen und Hintergründe der Realisierung 76
5.5 Realisierung des Intranet Tools. 78
5.5.1 Relevante Dateien. 79
5.5.2 Aufbau der Datenbank 80
5.5.3 Übersicht über die Programmzusammenhänge 82
5.5.4 Screen Shoots. 83
6. Fazit / Thesen. 104
Anlagenverzeichnis. 109
Anlagen 110
Abbildungsverzeichnis 192
Tabellenverzeichnis 194
Literaturverzeichnis 195
Abkürzungsverzeichnis
ASP Active Server Page, Applikations-Schnittstellen des IIS4 BackOffice
CGI Internet Server Com Standard Programmier - Schnittstelle von Microsoft CoP Communities of Practice CRM Customer Relationship Management FAQ Frequent Ask Question, Häufig gestellte Fragen (meistens eine Kundensupport Datenbank) HRM Human Resource Management HTML Hypertext Makeup Language I+K-Technologie Informations- und Kommunikations-Technologie IIS(4) Internet Information Server (Version 4), Web-Sever der Firma Microsoft ISAPI Internet Server Programming Interface, Applikations-Schnittstellen für Internet Server IT Informationstechnologie KM
Modul HR Modul der ERP Software SAP R/3, Personalverwaltung. HR steht für Human Resource. MS Microsoft o.g. oben genannt OLE Object Link Embeded: Konzept von Microsoft zum Austausch von Daten zwischen laufenden Applikationen SAP Die Firma SAP AG in Walldorf TCP/IP Transport Control Protocol/Internet Protocol, Netzwerkprotokoll VB Visual Basic der Firma Microsoft Way2Success „Way to Success“ - Umstrukturierungsprojekt bei der Firma (W2S) STN Atlas Elektronik GmbH WM Wissensmanagement
1. Einleitung
1.1 Motivation
Seit die Unternehmen das Wissen bzw. die Wissensschaffung als eigenständigen Wertschöpfungsprozess entdeckt haben, boomt das Wissensmanagement. Es geht nicht mehr nur darum, Daten und Informationen zu speichern, sondern auch Wissenszusammenhänge, die im Unternehmen vorhanden sind, aufzuzeigen. Realisierbar geworden sind solche Management-Tasks jedoch erst dank des Fortschritts bei den IT-Tools, insbesondere bei den Datenbanken und in der Kommunikation. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang die Internet-Technologie, die Intranet-Entwicklungen erst möglich gemacht hat.
Damit verbunden ist die Entwicklung der Informationstechnologie (IT) von einem unternehmensinternen Werkzeug hin zu einem Geschäftsprozess von strategischer Bedeutung. 1
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Vorrangig soll die Umsetzung von „Communities of Practice“ in einem Unternehmen wie der STN ATLAS Elektronik GmbH beleuchtet werden. Da die CoP´s ein Teil des Themas Wissensmanagement sind, wird dieser Bereich durch Grundlagen erläutert.
Diese Arbeit soll eine Entscheidungshilfe darstellen, um zu analysieren, ob, wann und wie CoP´s bei STN ATLAS ELEKTRONIK eingeführt werden sollen. Zur Zeit läuft ein Umstrukturierungsprojekt mit dem Namen Way2Success (W2S), in dem auch die Einführung von Knowledge Management ausgearbeitet wird. Mehr zu diesem KM Projekt bei STN ATLAS ELEKTRONIK unter Punkt 3.8.
Weiter erhebe ich den Anspruch, neben der rein theoretischen Betrachtung dieses Themas auch einen nicht unerheblichen Teil durch eine praktische Ausarbeitung zu untermauern. Dieses soll durch die Umsetzung der Erkentnisse über CoP´s in ein praktikables Intranet-Tool realisiert werden.
1 Vgl. Aebi, R. (1999): Kundenbeziehung zwischen Management und IT, S. 48.
1.3 Aufbau der Arbeit
Das 1. Kapitel beschreibt die Motivation und die Zielsetzung, die mit dieser Diplomarbeit „Communities of Practice als Teil des Knowledge Management“ verbunden sind.
In Kapitel 2 wird die Firma STN ATLAS Elektronik GmbH mit historischem Abriss und neuere Entwicklungen des Unternehmens dargestellt.
Im 3. Teil wird der Begriff „Wissensmanagement“ durch theoretische und praktische Erläuterungen verständlich dem Leser näher gebracht. Hier wird der bei STN ATLAS ELEKTRONIK stattfindende Wissensmanagement Prozess, der zur Zeit als Projekt beim Reorganisationsprojekt Way2Success läuft, näher erläutert.
Das 4. Kapitel behandelt die Communities of Practice. Es wird geklärt, in wieweit CoP´s positiv auf den Wissensaustausch innerhalb von Organisationen einwirken können und welche Grundlagen dafür geschaffen werden müssen.
Der 5. Teil beschäftigt sich mit der Umsetzung der voraus gegangenen Erkenntnisse über CoP´s und Wissensmanagement in ein praktikables Intranet Tool. Dieses soll die Kommunikation zwischen den Mitgliedern von CoP´s fördern.
Als Abschluß wird in Kapitel 6 ein Fazit über „Communities of Practice“, Wissensma- nagement und der Entwicklung eines Intranet-Tools gezogen.
2. Das Unternehmen STN ATLAS ELEKTRONIK 2
Die Ursprünge der STN ATLAS ELEKTRONIK reichen weit zurück: Die Wurzeln von heute verbinden sich mit so renommierten Namen der deutschen Industrie- und Technikgeschichte wie AEG, VFW, Krupp ATLAS und MBB.
2.1 Historie des Unternehmens
Als sich im Jahre 1887 aus der kurz zuvor in Berlin von Emil Rathenau gegründeten Deutschen Edison Gesellschaft die AEG formierte, war die erste wichtige Wurzel des Unternehmens gelegt. Einige Jahre danach ist 1902 in Bremen die Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik GmbH entstandeneine Gesellschaft, die ab 1911 als ATLAS Werke AG firmierte und später in die Krupp Unternehmensgruppe integriert war.
Mit den in den 20er Jahren gegründeten Vereinigten Flugtechnischen Werken VFW in Bremen und dem
Münchner Unternehmen Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) prägten zwei weitere renommierte Technologiekonzerne wichtige Abschnitte der Unternehmensgeschichte.
Abb. 2: ATLAS WERKE 1912 an der Weser
Quelle: Imagebroschüre STN ATLAS ELEKTRONIK, 11/99
STN ATLAS ELEKTRONIK ist entstanden und gewachsen mit dem Know-how und der Erfahrung der o.g. Unternehmen, die sich als innovationsstarke Produzenten modernster Technik zu ihrer Zeit weltweit einen Namen machten. Die traditionsreichen Wurzeln festigen unser Engagement für die Zukunft.
2 Entnommen der Imagebroschüre STN ATLAS ELEKTRONIK, 11/99
Einen strukturierten Überblick über die Wurzeln der STN ATLAS ELEKTRONIK liefert der als Anlage 1 beigefügte Firmenstammbaum.
2.2 Das Unternehmen heute
Das Unternehmen gliedert sich heute in drei Geschäftsbereiche wie folgt auf:
Die Produktpalette reicht von Drohnen über Simulatoren (EFA) bis hin zu reinen Kommunikationsanlagen wie z.B. Satellitentelefone (INMARSAT). Diese doch rein militärischen Produkte stehen nur sehr wenige zivile Produkte gegenüber. Die Spezialisierung der STN ATLAS ELEKTRONIK auf Militärprodukte ist von der Geschäftführung gewollt, denn die Unternehmung ist eingebunden in einem starken Unternehmensverbund: Mit dem Technologiekonzern Rheinmetall als Mehrheitsgesellschafter und dem britischen Luftfahrt- und Wehrtechnikkonzern BAE Systems als zweiten Hauptgesellschafter. Die grafische Aufschlüsselung der an der STN ATLAS ELEKTRONIK beteiligten Firmen ist dieser Arbeit als Anlage 2 beigefügt.
Eine aktuelle Organisationsübersicht der STN ATLAS ELEKTRONIK liegt der Arbeit als Anlage 3 bei.
3 Repräsentiert Daten der Tochtergesellschaft STN ATLAS Marine Electronics GmbH die im Jahr 2000
aus dem Unternehmen ausgegliedert wurde.
3. Wissensmanagement
In diesem Kapitel soll der Begriff Wissensmanagement und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Organisation, das Kollektiv sowie das Individuum erläutert und diskutiert werden. Es stellt die Grundlage für das Hauptthema „Communities of Practice“ dar.
Wissensmanagement befaßt sich mit der Fragestellung: Welches Wissen benötigt man, zu welchem Zeitpunkt, an welchem Ort einer Organisation? Dieses soll durch organisatorische, kulturelle sowie technologische Managementmaßnahmen innerhalb der Unternehmung unterstützt werden.
Es gibt viele Konzepte, die sich mit Wissensmanagement beschäftigen. Diese Konzepte kann man in zwei Gruppen einteilen.
Die eine Gruppe verfolgt die ausschließlich technische Auslegung, die den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in den Mittelpunkt stellt. Die andere „kleinere“ Gruppe stellt den Menschen als Wissensträger ins Zentrum der Betrachtung. Diese humanorientierte Auslegung sieht die Schwierigkeiten der Wissensverarbeitung im Individuum sowie im Kollektiv als zentrales Thema.
Auch wenn das Wissensmanagement sich in zwei Lager (technikzentriert vs. humanzentriert) spaltet, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass sich beide Bereiche wechselwirkend beeinflussen. Dieses ist auch der Grund, warum neuere Ansätze von einem ganzheitlichen Wissensmanagement sprechen, welches Aspekte der Technik- und Humanorientierung sinnvoll miteinander verbindet und um Aspekte der Organisation erweitert.
Der effiziente Einsatz von Wissensmanagement und die Ausschöpfung seiner Potentiale ist nur dann möglich, wenn er dimensionsübergreifend angewandt wird. D.h., die drei relevanten Dimensionen, wie die Bereitstellung der geeigneten technischen Infrastruktur durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, die organisatorische Dimension durch die Anpassung von Unternehmensstrukturen, Prozesse etc., sowie der gezielte Einsatz von Human Ressource mit ihren Auswirkungen auf Unternehmenskultur, Anreizsysteme etc., müssen in den Gestaltungsrahmen mit einbezogen werden.
Hierbei muß beachtet werden, dass ein kontinuierlicher Wissenstransfer, der einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellt, nur durch ein zielorientiertes Human Ressource Management (HRM) hergestellt werden kann. Das HRM muß die Unternehmenskultur für die o.g. Ziele vorbereiten und umbauen. Die Förderung der Human Ressource sollte auch als erfolgskritische Größe im Wissensmanagement angesehen werden.
Zuerst möchte ich mit der schon weitverbreiteten These: „Wissen - Der vierte Produk-tionsfaktor - ist im heutigen Informationszeitalter nicht mehr wegzudenken“ beginnen. Danach werden die Grundlagen wie z.B. Was ist Wissen erläutert.
3.1 Wissen - Der vierte Produktionsfaktor
Neben den klassischen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital hat sich "Wissen" zum neuen und damit vierten Faktor unserer Zeit entwickelt. Der neue Produktionsfaktor „Wissen“ unterscheidet sich von den klassischen Faktoren des Industriezeitalters entscheidend, denn er ist die einzige Ressource, die sich bei Gebrauch und beim Teilen mit anderen nicht vermindert, sondern vermehrt.
Für die Optimierung der Wertschöpfungsprozesse in einem Unternehmen sowie die Ausrichtung bedarfsgerechter Serviceleistungen ist es unumgänglich, das gesamte Wissen einer Organisation zielgerichtet einzusetzen.
Ohne diese Ausrichtung des Unternehmens auf das eigene "Wissen" sind Innovationen und somit Wettbewerbsvorteile nicht mehr möglich.
Gerade in internationalen Unternehmen, die über zahlreiche Standorte verfügen, ist es wichtig, Unternehmenswissen standortübergreifend verfügbar zu machen. Diese Einschätzung wird auch von Top Managern der Deutschen Industrie geteilt. So spricht Siemens Vorstandsvorsitzender Heinrich von Pierer von "Wenn Siemens wüßte, was es weiß!" über die Chancen der Wissensnutzung im Konzern. Seiner Meinung schließt sich die Mehrzahl der deutschen Manager an. Eine vom ILOI-Institut München erarbeitete Studie bestätigt diese Annahme. Es wurden 44 führende Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum befragt. Danach gaben 3/4 der Befragen an, dass sie dem Produktionsfaktor Wissen einen Anteil von 60-100%, also den Hauptanteil an der Gesamtwertschöpfung ihres Unternehmens, beimessen.
Weiter gehen rund 80 Prozent der Befragten von einer stärkeren bzw. starken Zunahme zukünftiger Entwicklungen von wissensgebundenen Aktivitäten aus. Sogar 5% rechnen mit einem hundertprozentigen Anteil von Wissen am Wertschöpfungs-Prozess ihrer Organisation.
Diese genannten statistischen Angaben sind der Zusammenfassung des Studienberichts über „Knowledge Management - Ein empirisch ...“ des ILOI Institut GmbH in München entnommen. 4
4 Aus: Zusammenfassung der Studie Knowledge Management - Ein empirisch gestützter Leitfaden
zum Management des Produktionsfaktor Wissen, ILOI Institut GmbH, http://www.iloi.de, S. 3
3.2 Der Wissensbegriff: Daten - Informationen - Wissen
In diesem Abschnitt soll der Begriff Wissen zu anderen, die unberechtigter Weise als Synonyme für „Wissen“ stehen, abgegrenzt werden und seine Entstehung kurz skizziert werden.
Da in diesem Arbeitsthema der betriebswirtschaftliche Hintergrund eine fundamentale Rolle spielt und da die Definition des Begriffs „Wissen“ je nach der Betrachtungsweise und dem Ansatzpunkt anders ausfällt, ist auch die kommende Definition nicht frei von der Prägung der Betriebswirtschaft zu sehen.
Zahlreiche Autoren unterscheiden zunächst folgende drei Begriffe: Daten, Informationen und Wissen.
Viele Autoren beschreiben auch noch den Begriff der Zeichen (z.B. Buchstaben und Ziffern), der noch unter der Begriffsebene der Daten steht. Dieser soll aber hier unberücksichtigt bleiben, da er für die Erklärung des „Wissens“ nicht direkt relevant ist.
Auf der untersten Ebene der Begriffshierarchie finden wir die Daten. Sie sind schriftliche, akustische oder bildlich ausgedrückte, wirkliche oder gedachte Sachverhalte. 5 Daten bestehen aus Zeichen-, Signal- und Reizfolgen. Sie sind objektiv wahrnehmbar und verwertbar 6 und stellen im Zusammenhang einen sinnvollen Inhalt da. Der Verwendungszweck kann auf dieser Ebene nicht erschlossen werden. Hierin besteht schon ein Problem, denn in Unternehmen mit gewachsener IT-Infrastruktur sind meistens große Mengen an Daten vorhanden. Um eine Überflutung der Mitarbeiter zu verhindern, müssen Konzepte gefunden werden, um die Datenflut zu vermeiden und die Daten, die für die Organisation wichtig sind, zu extrahieren und sinnvoll aufzubereiten. Konzeptansätze wie Data Warehouse oder das In-formationsmanagement sind Versuche, dem totalen Datengau zu entgehen.
Erst wenn aus Daten Informationen werden oder Wissen entsteht, werden Daten wertig.
In der mittleren Hierarchieebene finden wir die Information. Sie entsteht, wenn Daten bei Kommunikationsprozessen ausgetauscht werden. Informationen haben einen Sender und einen Empfänger. Der Empfänger entscheidet, ob die erhaltenen Daten nun „Information“ sind oder nicht. Diese Entscheidung ist subjektiv.
5 Reinermann, H. (1999): Das Internet und die öffentliche Verwaltung. DÖV Heft 1/1999, S. 21
6 Güldenberg, S. (1997): Wissensmanagement und Wissenscontrolling in der lernenden Organisation.
Deutscher Universitätsverlag. Wiesbaden, S. 155
Diese Subjektivität kann wie folgt aussehen. Hierzu ein Beispiel: ein Datenfeld „Name“ kann je nach Sichtweise des Betrachters als Vorname, Nachname, Firmenname, etc. betrachtet werden.
Einerseits hängt es vom Betrachter ab - andererseits von dem jeweiligen Kontext, in den die Information verpackt ist, wenn der Betrachter mit ihr konfrontiert wird. Grundsätzlich sind Informationen mit Kontext angereicherte Daten. Daten werden erst zu Informationen, wenn das Individuum sie persönlich verwertet hat. Informationen sind Ressourcen und können damit entsprechend geplant, beschafft und ihr Einsatz gesteuert werden. Die Einführung des Informationsmanagements sollte durch seine Instrumente die operativen Prozesse unterstützen. Nur die alleinige Betrachtung der Information und nicht die Einbeziehung des Wissens der Anwender führte zu einem Scheitern des Ansatzes.
Dieser Ansatz war durch „Taylors Reduktionismus“ rein systembezogen und vermochte nicht die Nutzung der Informationen auszubeuten, da die Vernetzung mit dem Wissen der Anwender fehlte.
Dieses Wissen zu erkennen und auszuweiten, wird damit zum entscheidenden Er-folgsfaktor - und damit wird Wissen zum Produktionsfaktor.
In der höchsten Stufe der Begriffshierarchie steht das Wissen. Es vereint alle Eigenschaften der unteren Ebenen und erweitert diese um den individuellen Charakter des Betrachters.
Es kann also nur von Wissen in Verbindung mit dem Betrachter gesprochen werden, denn nur die gedankliche Verarbeitung von Informationen und der Verankerung im Gehirn, (Lernprozess 7 ) läßt Wissen nach unserer Definition entstehen. Dieses geschieht individuell und ist stark mit dem menschlichen Handeln verbunden. Ein weiterer starker Faktor, von dem Wissen abhängt, ist der (Erfahrungs-) Kontext, in dem Wissen mit sozialer Interaktion entsteht.
Aus dieser Definition von Wissen heraus ist das Wissensmanagement gezwungen, die entscheidenden Aspekte im Menschen zu suchen, da der Prozess der
Wissensentstehung und die Erfahrungen des Informationsmanagement gezeigt haben, dass reines Systemdenken nicht zum Erfolg führt.
7 Zur Vertiefung siehe Güldenberg (1997): Wissensmanagement und Wissenscontrolling in der ler-
nenden Organisation, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden, S. 77 (Lerntheoretische Grundlagen)
Der in diesem Abschnitt beschriebene Transformationsprozess von Daten hin zum Wissen soll in der folgenden Wissenspyramide visualisiert dargestellt werden.
Abb. 3: Wissenspyramide
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Erhardt F. Heinold, Vortrag: Herausforderung Knowledge Management“,
Internet: http://www.zki.de/tagungen/mv0300/VORTRAG-Heinold/sld007.htm, 15.12.2000, 19:30
3.3 Formen des Wissens
Ich möchte in dieser Arbeit vier wichtige Arten von Wissensunterscheidung vorstellen. Es gibt natürlich viel mehr Unterscheidungsarten von Wissen, diese sollen aber hier unberücksichtigt bleiben.
3.3.1 Individuelles- und Kollektives Wissen
Individuelles Wissen
Wissen, was sich in einem einzelnen Menschen befindet - nennt man individuelle Wissensbasis. Diese Wissensbasis ist stark mit der menschliche Psyche verbunden. Dies bedeutet, dass, obwohl eine gleiche Wissensbasis vorhanden ist, Menschen durch die menschliche Psyche und der individuellen Problemlösungskapazität
zu unterschiedlichen Lösungen (auch zeitlich) gelangen.
Die Problemlösungskapazität kann vom Individuum kurzfristig nur schlecht beeinflußt werden, das Individuum kann nur versuchen, die individuelle Wissensbasis zu erwei- tern, um schneller Probleme zu lösen.
Langfristig kann die individuelle Problemlösungskapazität durch Erfahrungen erhöht werden, die bei der Lösung von Problemen erworben wurde.
Organisationen geben dem individuellen Wissen die meiste Aufmerksamkeit, wie z.B. durch Weiterbildung, Seminare, Schulungen usw.
Dieses individuelle Wissen kann aber keine Wettbewerbsvorteile generieren, solange die Mitglieder der Organisation nicht bereit sind, ihr Wissen mit anderen Mitgliedern zu teilen.
Ein Beispiel aus dem Sport: Im Mannschaftssport wird der Spitzenspieler versuchen, sein Können und Wissen auch den anderen Spielern seiner Mannschaft zu vermitteln, damit das kollektive Wissen wächst und damit die Chancen auf einen Sieg steigen.
Kollektives Wissen
Die Wissensbasis einer Organisation dient einer Mehrzahl von Mitarbeitern zur selben Zeit als kollektives Wissen.
Durch die gemeinsame Arbeit an einer Wissensbasis vermehrt sich die Wissensbasis der Organisation sowie die der Mitglieder.
Dieses kollektive Wissen ermöglicht es Organisationen, Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten. 8
„Making personal knowledge available to other is the central activity of the knowledge creating company” 9
“Individuelles und kollektives Wissen verhalten sich zueinander wie die Noten verschiedener Musiker zur gesamten Orchesterpartitur, wie der Part eines Schauspielers zum gesamten Filmdrehbuch oder wie die Rolle der einzelnen Sportler zur Gesamtleistung einer Mannschaft.“ 10
8 Vgl. Schneider (1996), S.21
9 Nonaka (1991), S.49
10 Brown, J./Duguid, P. (1999): Dem Unternehmen das Wissen seiner Menschen erschließen. In:
HARVARD BUSINESS manager 3/99, S. 80
3.3.2 Explizites und implizites Wissen
In diesem Abschnitt soll der Unterschied zwischen impliziten und expliziten Wissen unterschieden werden. Ikujiru Nonaka 11 , Autor des Bestsellers und Grundlagenwerkes zum Thema Wissensmanagement „The Knowledge Creating Company“, unterscheidet in Anlehnung an Polanyi 12 , die u.g. zwei Formen des Wissens.
Explizites Wissen
Unter explizitem Wissen versteht man jenes Wissen, welches standardisierbar und in Strukturen, Prozessen, Technologien, Bibliotheken und Datenbanken anlegbar ist. Es ist in formaler Sprache beschreibbar, allgemein verfügbar und zeitlich stabil. Zeitlich stabil heißt in diesem Zusammenhang, dass das Wissen nicht veraltet, sondern dass es über einen längeren Zeitraum verfügbar ist. 13
Nach Schüppel ist explizites Wissen „Oberflächen- oder Faktenwissen“, in der die Speicherung der subjektiven Realität und der darin vorkommenden Objekte stattfinden. 14
Nach Nonaka bildet diese Form unseren kulturellen Schwerpunkt, da es quantifizierbar und damit „greif- und sichtbar“ ist. 15
Implizites Wissen
Implizites Wissen ist jenes schwierig zu beschreibende, subjektive Können, das wie folgt von Davenport/Prusak beschrieben wurde: „...hard to transfer from the resource that creates it to other parts of the organisation.“ 16
Es wird auch als „Tiefenwissen“ bezeichnet und steuert den Prozess der Realitätswahrnehmung und bestimmt so die Handlungen und Verhaltensweisen. 17
Implizites Wissen kann sowohl als individuelles als auch als kollektives Wissen auftreten, und es ist an seinen Besitzer 18 zeitlich sowie sozial gebunden, was wiederum eine Begrenzung der Nutzung zur Folge hat.
11 Vgl. Nonaka (1991)
12 Polanyi, M. (1996): The Tacit Dimension
13 Vgl. Schmitz/Zucker, (1996), S. 44
14 Vgl. Schüppel (1995), S. 193f.
15 Vgl. Nonaka (1991), S. 96; Schmitz/Zucker (1996), S. 44; Schneider (1996), S. 22
16 Davenport, Th./Prusak, L. (1998): Working Knowledge - How organizations manage what they
know, S. 90
17 Vgl. Schüppel (1995), S. 193f.
18 Schmitz/Zucker (1996), S. 44/45
Es ist nur schwer in standardisierte Form zu bringen 19 und drückt sich in Idealen, Werten und Gefühlen, in subjektiven Einsichten und Intuitionen aus. 20 Die hier gemachte Unterscheidung in explizites- bzw. implizites Wissen soll im Abschluß daran in einem Mindmap 21 dargestellt werden:
Abb. 4: Implizites- und Explizites Wissen
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Polanyi (1985), Baumgartner (1993), Jarz (1996)
Die o.g. vier Formen der hier erwähnten vier Arten der Wissensunterscheidung sollen nicht heißen, dass sie getrennt voneinander vorkommen.
Explizites- sowie implizites Wissen kann als individuelles oder kollektives Wissen auftreten. Hierzu habe ich zwei Beispiele erarbeitet:
1. Eine persönlich durch Passwort geschützte Datei, ist zugleich explizites sowie individuelles Wissen.
2. Die Unternehmenskultur, wiedergegeben in Normen, Anschauungen und Werte, ist zugleich implizites sowie kollektives Wissen.
Wissen kann man nach objektiver Betrachtungsweise unterteilen.
19 Vgl. hierzu das Bsp. Von Nonaka, HARVARD BUSINESS REVIEW Nov/Dez 1991, welches die
Entwicklung einer neuen Brotmaschine darstellt.
20 Vgl. Rehäuser/Kremer (1996), S. 6; O´Dell, C./Grayson, C. (1998): If only we knew what we know -
The Transfer of Internal Knowledge and Best Practice, S. 3f.
21 Mind Mapping ist eine Kreativitätstechnik. Durch die Zuhilfenahme von grafischen Tools wird das
„ganzhirnige“ Denken unterstützt. Es wurde vom britischen Lernforscher Tony Buzan entwickelt.
Wissen läßt sich nach vielen Merkmale einteilen, wie z.B.:
•= internes- und externes Wissen •= Kern- und Randwissen •= Wissen um das Warum, Was und Wie •= aktuelles und künftiges Wissen •= bewahrtes und neu gewonnenes Wissen •= Formelles und informelles Wissen •= herrschendes Wissen und Minderheitenwissen •= persönliches und öffentliches Wissen •= speicherungswertes und nicht-speicherungswertes Wissen
•= autorisiertes (für die Verbreitung freigegebenes) Wissen und nicht autorisiertes Wissen
3.4 Theorie des Wissensmanagement
Wie schon unter Punkt 3 erwähnt, beschäftigt sich das Wissensmanagement mit der optimalen Nutzung der Ressource Wissen für eine Organisation.
Folgende drei Ansätze begründen die Grundlage des Wissensmanagement in der heutigen Wissenstheorie:
•= I. Nonaka und H. Takeuchi, 1997 (japanischer Ansatz) •= P. Senge, 1996 (amerikanischer Ansatz) •= G. Probst u.a., 1997 (schweizerischer Ansatz)
Im folgenden möchte ich den ganzheitlichen Ansatz, der sich aus der Literatur ergibt in einer eigens erstellten Grafik vorstellen:
Abb. 5: Ganzheitlicher Ansatz des Wissensmanagement
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nonaka/Takeuchi, Senge und Probst
Das Wissensmanagement muß zuerst die Grundlagen von Wissensprozessen innerhalb einer Organisation klar definieren.
Gleichzeitig muß den planenden und umsetzenden Organen der Organisation klar sein, dass sich Wissensmanagement-Prozesse nicht an der funktionalen Organisation einer Unternehmung anlehnen lassen, sondern sich an der Prozesssicht orientieren.
Um die theoretischen Ansätze besser zu verstehen, ist es notwendig, die Wissens- prozesse, die in einer Organisation ablaufen können, zu begreifen.
3.4.1 Wissensprozesse in Organisationen
Die Darstellung von Wissensprozessen ist in der Fachwelt in zwei konkurrierenden Ansätzen formuliert. In diesem Abschnitt werden beide Ansätze behandelt.
Der ontologische Ansatz geht davon aus, dass das Wissen in der Organisation vom Einzelnen ausgeht. Das bedeutet, dass eine Unternehmung ohne Individuen kein Wissen erzeugen kann.
Die Wissensprozesse vollziehen sich in einer expandierenden Interaktionsgemeinschaft, die Grenzen und Ebenen in und zwischen Organisationen überschreitet. 22 Deshalb sollte eine Unternehmung die Wissensprozesse durch eine entsprechende Unternehmenskultur unterstützen und fördern.
Der epeistemologische Ansatz verfolgt die bereits unter 3.3 erläuterte Trennung von Wissen in explizit und implizit, die durch Polyani erstmalig 1958 erwähnt wurde. 23 So ist auch die Unterscheidung von Wissen in Organisationen in implizites sowie explizites sinnvoll, da sich daraus vier Wissensprozesse in Organisationen ableiten lassen.
Die folgende Abbildung zeigt die Wissensprozesse nach Nonaka, die durch Interaktion von Individuen in Organisationen stattfinden können und eine Kombination zwischen expliziten und impliziten Wissensdimension darstellt.
Abb. 6: Wissensprozesse
Quelle: Nonaka/Takeuchi: The knowledge creating company-how Japanese companies create their dynamics of innovation
22 Nonaka/Takeuchi: Die Organisation des Wissens, Frankfurt 1997, S. 72
23 Polanyi, M., Personal Knoledge, Chicago 1958
Die in der Abbildung gezeigten Wissenserzeugungsprozesse werden in den folgenden vier Unterpunkten beschrieben.
3.4.1.1 Sozialisation
Die Sozialisation beschreibt den Prozess der Wandlung von implizitem zu implizitem Wissen.
Implizites Wissen wird durch das Vorleben von inneren Werten, Normen und Moral-vorstellungen auf andere übertragen.
So wird z.B. ein Auszubildender nicht nur durch verbale Erklärungen, sondern auch durch die bloße Beobachtung die Fähigkeiten seines Ausbilders erlernen.
Der Sozialisation trägt die Wirtschaft schon seit Jahren Rechnung, sie versucht durch Montagsmeetings, Gruppenarbeit, Jobrotation usw. diesen Prozess zu unterstützen.
3.4.1.2 Externalisation
Die Externalisation bildet den Schlüssel zur Wissensschaffung, da es aus implizitem Wissen neue explizite Konzepte bildet. 24
Dieses geschieht folgendermaßen: Implizites Wissen wird in Form von Metaphern und Analogien externalisiert und bildet dabei die Grundlage für neue Modelle.
Da sich implizites Wissen meistens nur in Metaphern ausdrücken läßt, trägt dieses dazu bei, dass aus den Metaphern und den unterschiedlichen Konzepten der Wissensanwender verschiedenste Modelle entstehen. Dieses liegt in der Tatsache begründet, dass den Metaphern unterschiedliche Bedeutungen zugeordnet werden.
3.4.1.3 Kombination
Die Kombination hat zum Ziel, verschiedenes explizites Wissen zu verbinden. Der gesamte Austausch von Wissen über die heutigen Medien werden darunter verstanden. Aus den o.g. Wissen generiert sich die Organisation durch sortieren, Filterung und Sammlung neues relevantes Wissen.
Ein Beispiel für Kombination ist die Herunterbrechung von Top-Management-Konzepten auf eine niedere Managementebene.
24 Nonaka/Takeuchi: Die Organisation des Wissens, Frankfurt 1997, S. 72
3.4.1.4 Internalisation
Die Internalisation entspricht dem Prozess des klassischen Lernen oder des bekannten „Learning by Doing“ und wandelt explizites in implizites Wissen um. Nachdem das Individuum Wissen durch Sozialisation, Externalisation und Kombination in Form von gemeinsamen Modellen oder technischen Know-How internalisiert hat, stellt es wertvolles Kapital dar.
Damit die Internalisation von kombiniertem Wissen in einer Organisation gelingt, muß das Management versuchen, im richtigen Umfang zum richtigen Zeitpunkt der richtigen Person Wissen zur Verfügung zu stellen.
Unternehmen versuchen, z.B. durch Frequent Ask Question (FAQ) Datenbanken, ihren Mitarbeitern den Zugang zu Wissen zu ermöglichen.
3.4.2 Die Wissensspirale
Nach Nonaka/Takeuchi entsteht eine Wissensspirale, wenn die o.g. vier Formen der Wissenserzeugung zusammentreffen 25 .
Interaktionsfeld
“Learning by Doing”
Abb. 7: Die Wissensspirale Quelle: Nonaka/Takeuchi (1995), S. 71
Der Prozess beginnt mit der Sozialisation durch Herstellung eines „Interaktionsfeldes“. 26 In diesem „Interaktionsfeld“ kristallisieren Erfahrungen und innere Vorstellungen eines Individuums.
25 Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H. (1995): The knowledge creating company - how Japanese companies
create their dynamics of innovation, S. 70
26 Rehäuser/Kremer (1996), S. 35
Daraufhin stoßen Dialoge den Prozess der Externalisierung an. Dieses geschieht meistens durch Metaphern, um das schwierige implizite Wissen in explizites umzu-wandeln. Die bis dahin gesammelten expliziten Informationen werden durch Kombination und „Learning by Doing“ wieder internalisiert und erweitern so die vorhandene Wissensbasis.
Ein Problem besteht bei dem Prozessübergang von impliziten zu explizitem und umgekehrt von explizitem zu implizitem Wissen. D.h., das „Explizitmachen“ von Tiefenwissen ist besonders schwierig und zeitaufwendig und unterliegt persönlichen Werten, Einstellungen und Ansichten des Individuums.
Durch die oben schon erwähnte Vergrößerung der Wissensbasis durch Internalisierung wird die Endlosigkeit der Spirale (siehe Abbildung 6) zum Ausdruck gebracht. Nach Abschluß des Kreislaufes beginnt das Individuum auf einer „höheren“ Ebene, die das Wissen sowie die Erfahrung des durchlebten Prozesses beinhaltet.
3.4.3 Voraussetzungen in Organisationen
Um die in Punkt 3.4.1 erwähnten Wissensprozesse in einem Unternehmen zielgerichtet und erfolgreich umsetzen zu können, müssen die in den Unterpunkten erwähnten Voraussetzungen erfüllt sein.
Die Voraussetzung für die Entwicklung neuen Wissens ist gemäß Polanyi das „Commitment“ des Individuums, was Nonaka 1994 vorläufig in drei Faktoren - Intention, Autonomie und Fluktuation und kreatives Chaos - als organisationalen Kontext einteilte. 27
Seit 1995 erweitert Nonaka/Takeuchi die o.g. „Commitment“ bezogenen Aspekte um weitere wesentliche Faktoren zur Förderung der organisationalen Wissensreaktion, wie angemessene Vielfalt, Redundanz, interner Wettbewerb und Job-Rotation. 28
Die hier erwähnten Faktoren sollen in den folgenden Unterpunkten weiter beleuchtet werden. Gleichzeitig müssen Grundlagen in der Unternehmenskultur und -struktur eindeutig geregelt und vom Management vorgelebt werden.
Beispiele für diese Grundlagen sind z.B.
Unternehmenskultur: Vertrauen als Grundlage eines ausgeprägten Human Resource Management.
27 Nonaka, Ikurjiru (1994): A Dynamic Theory of Organizational Knowledge Creation, Vol. 5, S. 14-37
28 Nonaka, I./ Takeuchi, H. (1995): The Knowledge Creating Company, S. 73ff.
Unternehmensstruktur: moderne Kommunikations- und Informationssysteme als wichtiger Unterstützungsprozess.
3.4.3.1 Intention
Intention beschreibt die Zielgerichtetheit des individuellen Handels. 29 Es stellt einen fließenden Prozess dar, der die Interpretation von Informationen durch das Individuum in Abhängigkeit von der Umgebung und ihrem Wertesystem sieht. 30 Das heißt, das die Bedeutung ein und derselben Information davon abhängt, was ein Individuum zu tun beabsichtigt und in welcher Umgebung es sich befindet.
Ohne Intention wäre es für ein Individuum nicht möglich, den Wert von Informationen und Wissen einzuschätzen, denn das Verstehen findet im Kontext sinnvoller Aktivitäten statt 31 und äußert sich in Zielen, die sich wiederum in Strategien niederschlagen.
So wie Intention für Individuen wichtig ist um ein Ziel zu definieren und in diesem Zusammenhang Informationen und Wissen auszuwählen, so ist es auch auf Organisationen übertragbar.
Deshalb ist es für das Management wichtig, Wissensschaffung als strategische Intention auf allen Unternehmensebenen zu verankern und diese durch Visionen und Maßstäbe zu untermauern.
3.4.3.2 Autonomie
Damit eine Organisation mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Erfolgspotentiale entwickelt, ist es wichtig, den Mitarbeitern ein hohes Maß an Autonomie einzuräumen. D.h., den beschäftigten Individuen wird ein hohes Maß an Persönlichkeit und Intention im Arbeitsleben zugestanden. 32
Hierbei darf aber nicht vergessen werden, dass die Organisation eine Basis für die Selbstorganisation der Individuen / Gruppen schafft, damit auch Motivation entstehen kann.
29 Hussler, E. (1968): The Ideas of Phenomenology, Den Haag
30 Eigen, M.: Self-organization of Matter and the Evolution of Biological Macromolecules, in: Naturwis-
senschaften, 58. Jg.
31 Neisser, U. (1976): Cognition and Realtiy, New York
32 Cohen, M. D. / March, J. G. / Olsen, J. P.: A Garbage Can Model of Organizational Choice, in: Ad-
ministrative Science Quartely, 1972, Vol. 17, No. 1, S. 1 - 25
3.4.3.3 Fluktuation und kreatives Chaos
Fluktuation begünstigt die Möglichkeit, dass Routineabläufe, Gewohnheiten und mentale Modelle in einer Organisation überdacht werden. Fluktuation heißt in diesem Fall nichts anderes, als dass die Organisation seine Grundanschauung sowie die Unternehmensnormen ständig hinterfragt. Dieses ist kein einfacher Prozess und wird durch die hier genannten Voraussetzungen begünstigt.
Für das Individuum bedeutet das, dass der „Breakdown“ das innere Gleichgewicht stört und die eigenen Werte und persönliche Routine in Frage stellt. 33 Das dadurch Unwirksamwerden bestehender Routine, Gewohnheiten und Rahmenmodelle verunsichert das Individuum und macht es für externe Signale empfänglich, was wiederum zu einer Verhaltensänderung führen kann, die die Wissensbasis erweitert.
Kreatives Chaos entsteht meistens in Krisenzeiten von Organisationen. Es kann aber auch bewußt herbeigeführt werden, wie z.B. durch Umstrukturierungen in einem Unternehmen oder angestoßen durch Fluktuation. Das daraus entwachsene kreative Chaos führt zu Neuanfängen, die unvorbelastetes Denken und Motivation hervorrufen können.
Ich fand zum Thema „Kreatives Chaos“ folgendes zutreffendes Zitat: „Wenn man sich an einem angenehmen Ort entspannt, kann man kaum scharf nachdenken. Zu Klugheit ist jemand gezwungen, der am Abgrund steht und ums Überleben kämpft....." 34
3.4.3.4 Angemessene Vielfalt
Die Vielfalt des Wissens in einer Organisation zielt auf das explizite Wissen und somit auf den Prozess der Kombination von Informationen zur Wissenserzeugung.
Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen der Kompatibilität von innerer und äußerer Komplexität von Wissen.
(Unternehmens-) Interne Vielfalt kann durch schnellen, flexiblen und unbürokratischen Informationszugriff für eine breite Basis der Mitarbeiter geschaffen werden.
33 Winograd, T. / Flores, F.: Understanding Computer and Cognition, Reading, Mass, 1986
34 Kobayashu, T. / Tomokaku Yattemiro (1985): Versuchen Sie es auf jeden Fall, Tokio
Dieses wird heutzutage durch moderne Technologien wie TCP/IP Netzwerke, Groupware Systeme, Intranet, elektronische Post und Datenbanksystemen sowie Informationsführungssysteme unterstützt.
3.4.3.5 Redundanz
Die Schaffung und Bereitstellung von redundantem Wissen kann in einer Unternehmenskultur gewollt sein, da es zu einer Anpassung von mentalen Modellen führt. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Individuen untereinander merken, was ihr Gegenüber denkt und sagen will.
Diesen Prozess kann man auch als „kennen lernen“ bezeichnen. Eine Möglichkeit der Schaffung von Redundanz in einer Organisation ist, die Indivduen in einen „internen Wettbewerb“ zu setzen. Ideen werden von mehreren Gruppen bearbeitet und die Beste wird ausgewählt.
Die Redundanz widerspricht in dem Bereich der Leistungserstellung dem Effizienzprinzip, birgt aber hinsichtlich der Effizienz der Wissensentwicklung wie schon o.g. Vorteile.
3.4.3.6 Interner Wettbewerb
Wie schon unter 3.4.3.5 erwähnt, ist ein Interner Wettbewerb in einer Unternehmung von Nutzen. Dieser Wettbewerb kann offen sowie versteckt vorkommen und sollte vom modernen Managern behutsam gepflegt werden.
3.4.3.7 Job Rotation
Für die Motivation des Individuum - Wissen weiterzugeben und neues hinzuzulernen ist es sinnvoll, Job Rotation einzuführen. Dieses führt zu einem besseren Überblick über den Gesamtprozess und fördert das Verständnis für Aufgaben und Probleme der Organisation bei jedem einzelnen.
Gleichzeitig lernen sich die Individuen besser kennen, was wiederum zu einem leich- teren Lernen in der Organisation führt.
3.5 Wissensträger in und im Umfeld einer Organisation
Um die Betrachtung über das eigene und fremde Wissen, dass die Organisation "durchfließt", zu überblicken und richtig einzuschätzen, ist es notwendig, die relevanten Individuen, die sogenannten Wissensträger, zu identifizieren und offen zu legen. Dieses kann durch den Einsatz von Wissensträgerkarten und Yellow Pages realisiert werden. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Wissensträger, die eine Unternehmung tangieren, schafft die folgende Tabelle:
Quelle: Eigene Darstellung
Im Team Wissensmanagement im Projekt Way2Success der Firma STN ATLAS ELEKTRONIK spricht man nicht von Wissensträgern sondern von "Wissens Domain Inhabern" um den Begriff Wissen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das Individuum. Der Begriff "Wissens Domain Inhaber" soll auch suggerieren, dass das Individuum Inhaber und nicht Besitzer (Träger) ist. Der „Wissensinhaber“ soll das Gut “Wissen“ mit anderen teilen und nicht für sich behalten.
3.6 Bausteine des Wissensmanagement nach Probst
Das Konzept der „Bausteine des Wissensmanagement“ von Gilbert Probst, Steffen Raub und Kai Romhardt prägt die Denkrichtung eines modernen Wissensmanagement in einem traditionellen Managementprozess aus.
Abb. 8: Bausteine des Wissensmanagements
Quelle: Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (1998): Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen, Wiesbaden, S. 56
Der „äußere Kreis“ verkörpert den traditionelle Managementprozess, der sich in folgende Elemente aufteilt:
•= Zielsetzung •= Umsetzung •= Messung
Dieser Kreislauf verkörpert die Wichtigkeit, auch das moderne Wissensmanagement in einen steuerbaren und kontrollierbaren Managementprozess umzusetzen.
Durch diesen Regelkreis werden die strategischen Aspekte, die Bedeutung einer eindeutigen und konkreten Zielsetzung sowie die Möglichkeit der Messung von Fortschritten so weit wie möglich ausgeschöpft.
Dahinter steht die Idee, einer zielgerichteten Steuerung gerecht zu werden.
Der innere Kreislauf spiegelt ein modernes Wissensmanagement wieder. Durch die Aufteilung des Prozesses „Umsetzung“ in folgende Komponenten
•= Wissensidentifikation •= Wissenserwerb •= Wissensentwicklung •= Wissensverteilung •= Wissensnutzung •= Wissensbewahrung
versucht Probst den Vorgang in überschaubare Teilbereiche von niederer Komplexität zu unterteilen.
Die Vorteile die sich aus einer Bausteindefinition ergeben, sind folgende:
•= Strukturierung des Managementprozesses in logische Phasen (Phasenmodell) •= Aufzeigung von Ansätzen für gezielte Intervention •= Lieferung eines Suchrasters für Ursachen von Wissensproblemen
Damit überhaupt das Management die Notwendigkeit zur Initiierung eines Managementkreislaufes und somit zur Definierung einer Zielsetzung erkennt, bedarf es der Sensibilisierung des Managements für Problemfelder des Unternehmens. Existiert eine solche nicht, wird es auch nicht zu einem traditionellen Managementprozess kommen, der mit der o.g. Zielsetzung beginnt.
Nachdem die konkreten Ziele für die Organisation definiert wurden, folgt im Prozessablauf des äußeren Managementkreislaufes die konkrete Umsetzung zur Problembeseitigung und Zielerreichung mit den im inneren Kreislauf vorhandenen Komponenten.
Als letzten Schritt im äußeren Kreislauf steht die Messung der erreichten Ergebnisse. Es wird nach den o.g. Maßnahmen ein IST-Zustand dokumentiert, der danach dem Management für eine Abweichungsanalyse zur Verfügung steht. Anhand einer expost Betrachtung ist das Management in der Lage, Aussagen zu treffen, welche Intervention sinnvoll oder sinnlos gewesen ist. Dann kann das Management wieder den traditionellen Managementprozess mit neuen Zieldefinitionen und Maßnahmen durchführen, um doch noch die ursprünglichen Ziele zu erreichen.
Wichtig bei der gesamten Betrachtung dieses Managementprozesses ist es, dass die einzelnen Bausteine nicht isoliert betrachtet werden, sondern ständig in einem engen Zusammenhang zueinander stehen. Dieses ist gerade im inneren Kreislauf der Fall, da sich hier die einzelnen Bausteine gegenseitig beeinflussen.
Nachfolgend sollen in den Unterpunkten die Grundideen und Instrumente innerhalb der Bausteine näher erläutert werden.
3.6.1 Wissensziele
Nachdem das Management bemerkt hat, dass Wissensprobleme im Unternehmen existieren, wird es Wissensziele definieren, die in einem bestimmten Zeitraum beseitigt werden sollen.
Dabei wird die gewünschte Richtung festgelegt, wo im Unternehmen welche Qualifikationen und Fähigkeiten entwickelt werden sollen.
Wissensziele gliedern sich nach Probst/Romhardt in drei Ebenen 35 :
•= Normative Wissensziele •= Strategische Wissensziele •= Operative Wissensziele
Nachfolgend sollen alle drei Wissensziele kurz skizziert werden. Unter normative Wissensziele zählen Probst/Romhardt die Schaffung einer wissens-orientierten Unternehmenskultur. Dieses ist die Grundlage für ein erfolgreiches Wissensmanagement, was durch das gesamte Management auch als wesentlicher Er-folgsfaktor begriffen werden muß. Die Geschäftsleitung muß das Wissensmanagement wie schon unter 3.4 erwähnt „vorleben“, ansonsten ist es zum Scheitern verurteilt.
Viele Unternehmen entwickeln eigene Wissensleitbilder in ihrem Unternehmen, da die stark abstrakten normativen Wissensziele ansonsten schwer zu vermitteln sind.
Strategische Wissensziele sind nach Probst/Romhardt „organisationales Kernwissen und beschreibt somit den zukünftigen Kompetenzbedarf eines Unternehmens. Sie legen ein anzustrebendes Kompetenzportfolio für die Zukunft fest.“ 36
35 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 4 ff.
36 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 4
Um nicht sofort in unkoordinierte Planung zu verfallen, ist es angebracht, die strategischen Wissensziele in die Gegenwart zu versetzen, um abzuschätzen, was am Anfang möglich bzw. nötig ist.
So ist es sinnvoll, zuerst die eigenen Kernkompetenzen sowie den aktuellen Wis-sensstand der Unternehmung zu ermitteln.
Nach Probst/Romhardt besteht auf der strategischen Ebene die Gefahr, dass hier getroffene Entscheidungen nicht in die Implementierungsphase gelangen. Dieses soll durch die Ebene der operativen Wissensziele verhindert werden, indem es auf dieser Ebene um eine „Konkretisierung der normativen und strategischen Zielvorgaben“ 37 geht.
Das bedeutet, dass die doch sehr abstrakten Zielvorgaben auf konkrete, operationalisierbare Teilziele, wie z.B. Abteilungen oder Mitarbeiter fixiert und heruntergebrochen werden.
Das Ziel dieses Vorgehens soll sein, dass die normativen und strategischen Wissensziele gleichbehandelt mit dem operativen Geschäft weiter entwickelt und umgesetzt werden.
3.6.2 Wissensidentifikation
Nachdem die Wissensziele definiert wurden, ist es notwendig, das interne und externe Wissen sowie Know-How aufzufinden und zu systematisieren.
Dieser Prozess ist für die Unternehmung von fundamentaler Wichtigkeit, da nach Jahren der Dezentralisierung, des Reengineering und des Outsourcing zentrale Bereiche mit Integrationsfunktion sowie informelle Netzwerke auseinandergerissen wurden. Dieses hatte zur Folge, dass Produkte, Studien und Strategien doppelt entwickelt und Wissensbestände sowie Experten in der eigenen Unternehmung nicht erkannt wurden.
Die Wissensidentifikation hat keinen Selbstzweck und dient nur der Lokalisierung des eigenen Wissens sowie der Wissenslücken.
37 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 4
Dieser Prozess soll eine gewisse Transparenz schaffen, die es ermöglicht bei gezielter Suche von Informationen schnell Resultate zu erhalten, um in den nächsten Schritten alternatives Wissen zu erwerben oder zu entwickeln.
Die Unterteilung in personelle Transparenz sowie strukturelle Transparenz ermöglicht es, einen internen Status-Quo zu ermitteln.
Die personelle Transparenz spiegelt den Wissensstand der einzelnen Mitarbeiter einer Unternehmung wieder. Es wird versucht, das Wissen der Mitarbeiter durch Expertenverzeichnissen oder Personalhandbücher zugänglich zu machen. Solche Wissens- und Kompetenzkarten müssen laufend gepflegt werden und sind relativ aufwendig zu erstellen. Daher sollte dieses nur bei erfolgskritischen Wissensbeständen angewandt werden und wenn möglich an bestehende Systeme (HR Modul von SAP) und Technologien (Intranet) gekoppelt werden. Ein entscheidender Einwand gegen die personelle Transparenz ist das Problem der externen Nutzung dieser Daten, da die Konkurrenz sowie Headhunter, die an solche Daten gelangen, die Unternehmung schädigen könnten.
Die strukturelle Transparenz spiegelt den Wissensstand der Organisation wieder, d.h. implizites Organisationswissen wie z.B. Beziehungsnetze, geheime Spielregeln, breit geteilte Werte sowie explizites Organisationswissen, wie z.B. Projekterfahrung, Expertensysteme und geschützte Rechte sollen erfaßt werden. Relevante Daten können z.B. durch Beteiligungsbefragung erhoben und klassifiziert werden und in Form von Kompetenzkarten und Netzwerkcharts erfaßt werden. Ein wichtiges Instrument für die Erhöhung der Transparenz in einer Unternehmung sind die unter Punkt 3.6.1 behandelten Wissenskarten.
Um nicht nur der internen Wissensidentifikation Rechnung zu tragen, möchte ich hier auf die Identifikation von externem Wissen eingehen. Es ist entscheidend, dass man immer die Qualität von externen Wissensquellen beurteilt, um z.B. ein Bechmarking mit internen Wissen zu vollziehen und damit die Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens herauszufinden.
Folgende externe Quellen / Techniken sollten genutzt werden:
•= Nutzung von Horchposten aus Wissenschaftlern und Fachjournalisten •= Institutionalisierung von Expertenhearings •= Beteiligung an think-tanks •= Kontaktpflege zu universitären Lehrstühlen
•= Nutzung von unternehmensübergreifenden Expertennetzwerken •= Nutzung des Internets (unendliche Fülle an Wissensbeständen)
3.6.3 Wissenserwerb
Es ist heutzutage von entscheidender Wichtigkeit, dass Unternehmen ihre Wissensbasis hinterfragen und erweitern. Dabei ist es nicht mehr ausreichend nur das erforderliche Wissen aus den eigenen Reihen zu entwickeln.
Nach Probst/Romhardt ist es möglich, Unternehmenswissen, das fehlt, auf externen Wissensmärkten nachzufragen. 38
Der Erwerb von Wissen ist in vier Arten unterteilt. Es kann folgendermaßen erworben werden:
•= bei externe Spezialisten (externe Wissensträger) •= bei Stakeholder
•= bei andere Firmen (alle Arten von Kooperationen) •= durch Wissensprodukte
Externe Spezialisten
Der Einkauf von externen Wissen, wie z.B. durch Anwerbung von Experten oder die Beauftragung von Unternehmungsberatungen für befristet oder dauerhaften Einsatz, muß sich mit den strategischen Wissenszielen decken, um so eine möglichst große Deckung von den eingekauften Fähigkeiten und dem Anforderungen des Einsatzgebietes zu erhalten.
Bei der Einstellung von Mitarbeitern helfen sogenannte Headhunter- bzw. Personalberatungen, die meistens über einen besseren Einblick in den Arbeitsmarkt sowie Erfahrungen mit dem Abwerben von Mitarbeitern besitzen.
Stakeholderwissen
Ein wichtiger Aspekt der externen Wissensbildung kann durch die Einbeziehung von Stakeholdern, wie Kunden, Lieferanten, Eigentümer, Banken, der Öffentlichkeit und Politiker abgedeckt werden. Diese wissen meistens mehr über die Wissensschwäche der Unternehmung als ihre direkten Mitglieder und können mit ihrem eigenem Wissen zur Stärkung der Unternehmung beitragen.
38 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 6
In diesem Zusammenhang spiegelt sich auch das moderne Customer Relationship Management (CRM) wieder. Danach ist es sinnvoll, beim Entwickeln von neuen Produkten Key Account Kunden in die Entwicklungsprozesse einzubeziehen, da: „Wer ein Produkt intensiv nutzt, weiß in mancher Beziehung mehr darüber, als der betreffende Entwickler“ 39 und um „ein frühzeitiges Lernen über die Kundenbedürfnisse zu ermöglichen“. 40
Andere Firmen
Wenn in einer Unternehmung „Zukunftskompetenzen schneller aufgebaut werden sollen, als aus eigener Kraft möglich wäre“ 41 , so bietet sich eine Kooperation mit entsprechenden Firmen an.
Dieses kann aus vielerlei Motivation entstehen, wie z.B. dem Etablieren auf neuen, zukunftsträchtigen Märkten. Daher kommt es immer häufiger vor, dass von „Gelegentlicher Information und Zusammenarbeit über strategische Netzwerke und Allianzen sowie Joint-Ventures bis hin zu Beteiligungen, Aufkäufen und Fusionen“, alle Spielregeln der Freien Marktwirtschaft ausgeschöpft werden, um an Marktanteile sowie fremde Kernkompetenzen heranzukommen.
Wissensprodukte
Der letzte Aspekt ist der Ankauf von Wissensprodukten. Der Kauf von Software, CD-Roms, Büchern und Lizenzverträgen für die Nutzung von Patenten ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Einkauf von organisatorischen Fähigkeiten. 42 Diese sind meistens impliziter Art und werden durch die o.g. Produkte nicht vermittelt.
Es muß schon genau beurteilt werden, welche Produkte in das Unternehmenswissensmanagement passen. Hierbei ist zu beachten, dass diese Produkte meistens nicht einen Wettbewerbsvorteil generieren, da sie meistens auch der Konkurrenz zur Verfügung stehen.
3.6.4 Wissensentwicklung
Neben dem Wissenserwerb (siehe vorherigen Abschnitt) ist die Wissensentwicklung das entscheidende Entwicklungsfeld für die Erschließung von Unternehmenswissen.
39 Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (1998): Wissen managen, Wiesbaden
40 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 6
41 Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxis-
orientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 6
42 Vgl. Probst, G. / Romhardt, K. (Internet 28.11.2000): Bausteine des Wissensmanagement - ein
Praxisorientierter Ansatz, URL: http://www.cck.uni-kl.de/wmk/papers/public/Bausteine/, S. 6
Hier spielt die Unterscheidung von Wissen eine große Rolle, denn es wird zwischen individueller und kollektiver Wissensebene unterschieden, um einen differenzierten Blick auf die Prozesse der Wissensentwicklung in einem Unternehmen zu erhalten.
Auf der individuellen Wissensebene, die schon unter 3.3.1 behandelt wurde, geht hervor, dass das Management ein kommunikationsfreudiges Umfeld zu schaffen hat. Nach Probst/Raub/Romhardt gibt es aber noch weitere wichtige lernfördernde Parameter 43 , die hier kurz vorgestellt werden:
•= Schaffung von Freiräumen: Dieses ermöglicht es, die innovationsfeindlichen Umfelder zu umgehen, da diese meistens am Scheitern neuer Ideen verantwortlich sind.
•= Handlungsentlastung im operativen Geschäft: Betroffene Personen werden teilweise oder ganz vom operativen Geschäft befreit, um sich besser auf die Anforderungen einzustellen. Dieses geschieht temporär. •= Interessendeckungen: Den Mitarbeitern wird die Teilnahme an selbstgewählten Projekten (siehe CoPs) gewährt.
•= Fehlerfreundlichkeit: Fehler werden als Chance in der Unternehmung gewertet und nicht als Karrierekiller.
•= Vorschlagswesen und Innovationsmanagement: Ein von der Unternehmensführung etabliertes Vorschlagswesen wird durch die Unternehmenskultur unterstützt und führt so zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess für die gesamte Organisation.
Bei all diesen Rahmenbedingungen spielt die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle.
Auf der kollektiven Wissensebene, die schon unter 3.3.2 behandelt wurde, geht her-vor, dass auch Gruppen oder gar ganze Organisationen Eigenschaften ausbilden können, die durch die Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder nicht erklärt werden können 44 .
Für den Erfolg solcher Gruppen sind folgende Rahmenbedingungen notwendig:
•= Zusammensetzung der Gruppe
•= Interaktion sowie Kommunikation innerhalb der Gruppe •= Transparenz und Integration von Gruppenmitgliedern
43 Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K.: Wissen managen, Wiesbaden 1998, S. 185ff.
44 Vgl. Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (1998): Wissen managen, Wiesbaden
Weiterführende Untersuchungen an erfolgreichen Gruppen ergaben folgende konkrete Bedingungen, die für die Entwicklung von Wissen förderlich erschienen 45 :
•= Optimale Gruppengröße, die bei gemeinsamen Treffen die Kommunikation fördert und nicht erschwert.
•= Ergänzende Fähigkeiten der Mitglieder in den drei Bereichen Fachkompetenz, Problemlösungsqualität und soziale Kompetenz.
•= Eine klar definierte sinnvolle und motivierende Zielsetzung, die sich messen lässt und dabei anspruchsvoll, aber realistisch zu erreichen ist. •= Der konkrete Arbeitsansatz soll die Fähigkeiten der Mitglieder optimal ausnutzen. •= Gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl.
Die schon o.g. notwendige Rahmenbedingung der „Zusammensetzung der Gruppen“ ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, da das Management eine Balance bei der Auswahl von Teams treffen muß. Diese Balance muß zwischen kreativer Vielfalt und Konsensfähigkeit gefunden werden. Instrumente der Wissensentwicklung auf der kollektiven Ebene sind der Aufbau von:
•= thinktank •= Produktkliniken •= Lernarenen •= Kompetenzzentren
Die Erkenntnisse aus Projekten sollen gesammelt und für spätere Projekte zur Verfügung gestellt werden, damit bei neuen ähnlichen Projekten nicht wieder gleiche Probleme / Fehler gelöst werden müssen. Diese Lösungen werden in Form von „lessons-learned“ dokumentiert. Voraussetzung ist, dass der Prozess des „lessonslearned“ in den klassischen Projektprozess integriert wird:
Abb. 9: Integration von „lessons learned“ in den Projektprozess
Quelle: Probst, G., Raub, S., Romhardt, K. (1998), S. 209
45 nach Katzenbach/Smith, 1993, S. 118ff.
3.6.5 Wissensverteilung
Nachdem das Wissensportfolio durch die Bausteine „Wissensziele“, „Wissensidentifikation“, „Wissenserwerb“ und „Wissensentwicklung“ für das Unternehmen ermittelt wurde, stellt nun die Wissensverteilung den jeweiligen Akteuren dieses gezielt zur Verfügung.
Die Aufgaben der Wissensverteilung kann man folgendermaßen festlegen:
•= Multiplikation von Wissen •= Sicherung und Teilung von Wissen
•= Simultaner Wissensaustausch als Grundlage zur Entwicklung von neuen Wissen
Es gibt zwei wesentliche Gesichtspunkte bei der Verteilung von Wissen. Zum einen müssen organisatorische Aspekte, wie z.B. über welche Kanäle Wissen wann und wie verteilt wird, gelöst werden, zum anderen müssen personelle Aspekte, wie z.B. Motivation usw. berücksichtigt werden.
Dieses spiegelt sich auch bei einer Unterscheidung von Wissen in kulturelles- und Fachwissen wieder.
Fachwissen läßt sich über strukturelle Elemente wie elektronische- und konventionelle Medien verbreiten. Dieses kann wie z.B. bei Arthur Andersen durch das einfache Verteilen von CD-Roms, worauf „Global Best Practices“ und Lösungsansätze des Unternehmens gespeichert sind, verbreitet werden. 46
Kulturelles Wissen läßt sich nur durch den persönlichen Kontakt, durch sogenannte Wissensmultiplikatoren, an die Mitarbeiter eines Unternehmens bringen. Dieses kann hervorragend durch Personalentwicklungen jeglicher Art unterstützt werden. Gerade den Einsatz von Selbstlernverfahren, wobei die Mitglieder der Primärgruppe später selbst als Moderatoren ihrer eigenen Teams eingesetzt werden, ermöglicht die schnelle Umsetzung von Neuerungen im Unternehmen.
Um Wissen im Unternehmen zu verteilen, muß sich das Management über die Strategie einig sein.
Einerseits kann man von einer zentralen Verteilungsstrategie, die Wissen in einem zentralen Wissenspool managet und bei Bedarf zur Verfügung stellt, ausgehen, an-
46 Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (1998): Wissen managen, Wiesbaden, S. 244ff.
derseits eine dezentrale Verteilungsstruktur, die das Wissen bedarfsgerecht und hierarchieübergreifend regelt.
Der zweite Ansatz wird schon heute durch Schaffung von Wissensnetzwerken, die sich in Managementtechniken wie Erfahrungsgruppen, Kommunikationsforen, Bereitstellung von Expertenverzeichnissen und den gezielten Einsatz von Job-Rotation, umgesetzt.
Die beste Unternehmensinfrastruktur und effizienteste IT Technologie verfehlt ihre Wirkung, wenn die Mitarbeiter nicht die Bereitschaft „Wissen zu teilen“ mit einbringen. Der Grund für die Verweigerung von Wissensteilung kann mehrere Ursachen haben. Einerseits kann mangelnde Kommunikationsfähigkeit sowie Sozialverhalten Grund für die Verweigerung sein, andererseits Überarbeitung und Besitzerstolz. Bei all diesen Formen der Verweigerung der Wissensteilung sind Gestaltungsmöglichkeiten des Managements gefragt.
Durch Anreiz- und Bewertungsmechanismen sowie die Schaffung einer fehlertolerierenden und kommunikationsfreudigen Unternehmenskultur können Grundlagen zur Wissensteilung gelegt werden.
Das Schlüsselwort für die Mitarbeiter muß „Vertrauen“ sein, das vom Management und dem Unternehmen ausgeht.
Dem hier benannten Prozess „Wissensverteilung“ wird in diesem Modell von Probst/Raub/Romhardt eine zentrale Bedeutung zugewiesen, da dieser Prozess gravierende Auswirkungen auf das gesamte Modell hat. 47
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass natürlich bei der Verteilung von Wissen das ökonomische Prinzip genauso gilt wie bei anderen Gütern, da auch dieser Vorgang Kosten erzeugt und es nicht nötig ist, dass jedem alles bewußt ist.
Danach muß auch eine Kosten- / Nutzen-Analyse in die Managemententscheidung mit einbezogen werden, um eine Überhöhung der Wissensverteilungsstruktur zu verhindern.
3.6.6 Wissensbewahrung
Neben dem Erwerb und der Verteilung von Wissen ist auch die Bewahrung ein wichtiger Punkt im Konzept von Probst/Raub/Romhardt. Hierbei steht die Sicherung von
47 Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (1998): Wissen managen, Wiesbaden, S. 225ff.
Unternehmenswissen im Mittelpunkt, um es jederzeit nutzbringend abzurufen und einzusetzen.
Der täglich anfallende „Wust an Informationen“ in einer Unternehmung muß auf bewahrungswürdiges Wissen untersucht und gespeichert werden. Dieses setzt konkrete Selektionsregeln, die vom Management vorgegeben werden müssen, voraus. Dieses o.g. explizite Wissen ist aber nicht ausreichend. Das implizite, nicht speicherbare Wissen, stellt die Grundlage der Leistungsfähigkeit einer Unternehmung dar und ist somit von entscheidender Wichtigkeit. Dieses bedeutet für das Management, die entsprechenden Mitarbeiter, die das benötigte implizite Wissen beherrschen, herauszufinden und für das Unternehmen zu erhalten. Probst/Romhardt unterscheiden drei Speicherungsformen in diesem Zusammenhang:
Individuelle Speicherung
Dieses Wissen ist entscheidend gefährdet, da es jederzeit verloren gehen kann. Dieses kann durch Kündigung, Pensionierung und Tod geschehen. Daher ist es eine Herausforderung für das Management, dieses individuelle Wissen langfristig durch Nachfolgeregelungen, die das implizite Wissen des jeweiligen Mitarbeiters auf den Nachfolger überträgt, zu sichern.
Am besten ist es aber, ein Umfeld zu schaffen, dass die Austrittsbarrieren für den Mitarbeiter erhöht. Wissen, das für das Überleben einer Unternehmung entscheidend ist, darf nie individueller Art, sondern nur kollektiver Art sein, den ansonsten stirbt das Unternehmen mit den entsprechenden Menschen.
Kollektive Speicherung
Neben dem individuellen Wissen, bildet das kollektive Wissen die wichtigste Grundlage für ein Unternehmen. Das interdisziplinäre Zusammenspiel von Mitarbeitern eines Unternehmens erhöht die kollektive Wissensbasis, die höher ist als die Summe aller beteiligter Individuen. Ein Instrument der kollektiven Wissensbewahrung ist z.B. die Protokollierung von Ereignissen in einem Unternehmen in sogenannten zentralen Dokumenten.
Elektronische Speicherung
Die rasant wachsenden Entwicklungen in der IT Branche in den letzten Jahren führte dazu, dass die elektronische Ablage von Unternehmenswissen heutzutage kein Problem mehr darstellt.
Die einzige Restriktion, die bei der Speicherung, Sortierung, Organisation und Siche- rung dieser Datenbestände noch bestehen, sind die von der entsprechenden Organi-
sation vorgegebenen Organisationsregeln, die von der Unternehmung festgelegt wurden, um später erforderliche Informationen wiederzufinden.
Um das o.g. Ziel der Wissensbewahrung effizient umzusetzen, ist auch ein Prozess der Aktualisierung vonnöten. Informationen und Wissen, das nicht mehr überprüft und aktualisiert wird, führt zu folgendem Problem:
•= Früheres attraktives Wissen wird unbrauchbar.
•= Die Wissensbasis vermehrt sich so rasant und führt zu einer unübersichtlichen Datenmenge.
•= Das Vertrauen in die Datenqualität verschwindet
Die o.g. Probleme können im Umkehrschluss auch als erforderliche Komponenten für einen Erfolg, dass die Datenbasis gepflegt und aktualisiert wird, gewertet werden.
Nachfolgend soll die „Todesspirale einer elektronischen Wissensbasis“ von Probst als Erklärung für das o.g. dienen:
Abb. 10: Die Todesspirale einer elektronischen Wissensbasis
Quelle: Probst in Anlehnung an Manago/Auriol 48
3.6.7 Wissensnutzung
Die Wissensnutzung ist der letzte Baustein im inneren Wissensmanagementkreislauf und soll die Nutzung des erworbenen, entwickelten und verteilten Wissens darstellen.
Die Gründe der Nichtnutzung von Wissen liegen in den individuellen, kulturellen und technischen Nutzungsbarrieren:
48 Die o.g. Darstellung lehnt sich an Manago/Auriol (1996) an. Manago/Auriol beschreiben den Teu-
felskreis wie folgt: „The data is not used because it is so difficult to assess, and no one invests in making it easy to retrieve because it is not used. The data is not trusted because many errors have been recorded, and no one cares to verify the accuracy of the data because it is not trusted”.
Individuelle Nutzungsbarriere
Diese Barriere verkörpert die individuelle Entscheidung, eigenes und fremdes Wissen zu nutzen. Dabei ist die Nutzung von eigenem Wissen nicht so problematisch wie die Nutzung von fremdem Wissen, dass als widernatürlicher Akt empfunden wird, was möglichst vermieden wird. 49
Kulturelle Nutzungsbarriere
Das Vorherrschen impliziter Vorstellungen, die das Fragen und Nutzen von fremden Wissens als Schwäche des einzelnen Individuums sowie des Kollektivs darstellen, führt zu einer Lähmung des einzelnen sowie der gesamten Organisation, die nur durch ein Umdenken innerhalb der Unternehmenskultur beseitigt werden kann.
Technische Nutzungsbarriere
Diese Barriere kann durch die frühe Einbeziehung von späteren Nutzern bei der Entwicklung von Informationssystemen vernachlässigt werden. Gleichzeitig müssen die Entwickler von Informationssystemen das Problem der verarbeitungsgerechten Umwandlung von Wissensdokumenten wie Schreiben, Memos, interne Publikationen usw. lösen, denn diese Dokumente sind oftmals nicht human bezogen aufbereitet.
Ein weitere technische Nutzungsbarriere kann der individuelle Arbeitsplatz darstellen, hierfür kann das Management folgende Maßnahmen zur Förderung der Bereitschaft zur Nutzung von Wissen bereitstellen:
•= Abteilungsgestaltung verbessern, •= die Wege zu anderen Wissensträgern verkürzen, •= Unternehmenskultur bez. Wissensmanagement verbessern
3.6.8 Wissensbewertung
Als letzter Baustein des äußeren Wissensmanagementkreislaufs steht nach der Zielsetzung und Umsetzung die Bewertung.
Dieser für das Management so entscheidende Baustein mißt und bewertet das Erreichte. Dieser Prozess wird in zwei Phasen untergliedert, die wie folgt Aussehen: Als erstes wird eine Wissensmessung durchgeführt, die versucht, die Veränderungen auf Grundlage der organisationalen Wissensbasis zu definieren.
49 Davenport, T. H. (Winter 1996): Some Principles of Knowledge Management. Strategy - Manage-
ment - Competition, S. 34ff.
Arbeit zitieren:
Mark-Oliver Würtz, 2002, Communities of Practice als Teil des Knowledge Management, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Communities of Practice - nur eine IT-basierte Kaffeeküche?
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 18 Seiten
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
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