INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 1
2. STAND DES WISSENS 3
2.1 EIGENSCHAFTEN DER KUNSTSTOFFE 3
2.1.1 Chemischer Aufbau Darstellung und Eigenschaften 3
2.1.2 Mechanisches und thermisches Verhalten 5
2.1.3 Einteilung der Kunststoffe 6
2.2 THERMISCHE ANALYSE 9
2.2.1 Aufbau der Messgeräte 10
2.2.2 Anwendung in der Polymertechnik 11
2.2.3 Dynamisch mechanische Analyse (DMA) 13
2.2.4 Dynamische Differenzkalorimetrie (DS)C 23
3. PRAKTISCHE VORGEHENSWEISE 29
3.1 MATERIALIEN 29
3.2 MESSINSTRUMENTE UND ARBEITSPLATZ 30
3.3 PROBENHERSTELLUNG UND PRÄPARATION 30
3.4 DMA 31
3.4.1 Experimentelle Methoden (DMA) 31
3.4.2 Versuchsprogramm (DMA) 32
3.5 DSC 33
3.5.1 Experimentelle Methoden (DS)C 33
3.5.2 Versuchsprogramm (DS)C 34
4. AUSWERTUNG 36
4.1 AUSWERTUNG DER DMA-MESSUNGEN 36
4.1.1 Überprüfung der Reproduzierbarkeit und des viskoelastischen Limits 36
4.1.2 Einfluss des Abkühlprogramms 38
4.1.3 Einfluss der Haltezeit 40
4.1.4 Einfluss verschiedener Amplituden und des Frequency Sweeps 41
4.1.5 Bestimmung der Glasübergangstemperaturen 43
4.2 AUSWERTUNG DER DSC-MESSUNGEN 43
4.2.1 Überprüfung der Reproduzierbarkeit 43
4.2.2 Bestimmung der Glastemperaturen und Schmelzbereiche (DS)C 45
4.3 VERGLEICH MIT ERGEBNISSEN AUS ABRIEBSMESSUNGEN 47
5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 50
6. LITERATURVERZEICHNIS 52
7. ANHANG 53
Einleitung
1. Einleitung
In der Polymerindustrie werden standardmäßig pneumatische Förderanlagen
verwendet, um Granulate zu transportieren. Hierbei wird das Material durch eine
Rohrleitung mittels Druckluft direkt vom Produktionsort bis zur Abpackanlage
transportiert. Abgesehen von den Investitionskosten beim Bau einer solchen Anlage
ist diese Methode sehr günstig, denn es bedarf weniger Arbeitskräfte zum Betrieb
pneumatischer Förderanlagen. Es gibt mit Ausnahme des Gebläses, der
Partikeldosierung und eventuellen Rohrweichen keine bewegten Teile, so dass die
Anlagen wartungsarm sind. Allerdings weisen sie im Vergleich zu z.B. Gurtförderern
einen hohen Energieverbrauch auf.
Ein Nachteil dieser Methode ist der Fördergutabrieb, der beim Prall der Partikeln
gegeneinander oder gegen die Wand der Förderleitung entsteht. Dieser Abrieb ist bei
der Kunststoffverarbeitung unerwünscht, da er zu einer Qualitätsverminderung des
Endproduktes führen kann. So verhindert der Abrieb bei der Folienherstellung ein
gleichmäßiges Aufschmelzen des Polymergranulates im Extruder, was zur
Entstehung von Löchern beim Folienblasen führt.
Derzeit gibt es keine Erkenntnisse wie die bei der pneumatischen Förderung
entstehende Abriebsmenge mit messbaren Materialeigenschaften korreliert werden
kann. Daher muss bei jedem neuen Kunststoff überprüft werden, ob er pneumatisch
gefördert werden kann, oder ob zu viel Abrieb entsteht. Bis jetzt ist es unumgänglich
dieses Abriebverhalten durch aufwendige Experimente zu bestimmen. In der Regel
wird eine Förderanlage im Technikumsmaßstab verwendet, durch die der Kunststoff
mehrere Male gefördert wird. Der entstandene Abrieb wird dann auf die geplante
Anlage hochgerechnet. Diese Methode, liefert zwar aussagekräftige Resultate,
allerdings sind die hohen Kosten und der Zeitaufwand einer solchen Studie von
großem Nachteil.
Um diesen Aufwand zu verringern wird an der TU-München die Entstehung von
Förderungsabrieb näher untersucht. In einem Teilprojekt werden die Kunststoffe mit
Hilfe der Thermischen Analyse charakterisiert, um zu erforschen ob die dabei
erhaltenen Materialdaten mit dem Abriebsverhalten der Kunststoffe korreliert werden
können. Für die Analyse steht sowohl ein Gerät zur Dynamisch Mechanischen
Analyse (DMA) zur Verfügung als auch ein Dynamisches Differenzkalorimeter (DSC).
Um das angestrebte Ziel erreichen zu können, müssen die mit Hilfe der Thermischen
Analyse ermittelten Kennwerte folgende Kriterien erfüllen:
x Sie müssen vergleichbar sein.
x Sie müssen aussagekräftig sein.
x Sie müssen einfach zu ermitteln sein.
Im Rahmen dieser Semesterarbeit wurden verschiedene Polymere mit Hilfe der
thermischen Analyse charakterisiert. Die ermittelten Daten wurden anschließend mit
Stand des Wissens
2. Stand des Wissens
2.1 Eigenschaften der Kunststoffe
2.1.1 Chemischer Aufbau, Darstellung und Eigenschaften
Kunststoffe sind hochmolekulare, organische Verbindungen, die entweder durch
Abwandeln hochmolekularer Naturstoffe oder durch chemische Aneinanderlagerung
niedermolekularer Grundbausteine, sogenannter Monomeren durch verschieden-
artige chemische Reaktionen entstehen. Demgemäss unterscheidet man zwischen
abgewandelten Naturstoffen und synthetischen Kunststoffen. Die synthetischen
Kunststoffe sind verbreiteter und vielfältiger. Die Vielfalt erklärt sich aus der großen
Zahl von Möglichkeiten bei der Auswahl monomerer Bausteine und den
verschiedenen Arten ihrer Aneinanderlagerung zu hochmolekularen Ketten (linear,
verzweigt, vernetzt). Forschung und Technik erschließen ständig neue Kunststoffe,
so dass deren Anzahl unablässig steigt [1,2].
Polymerisation
Als Kunststoffe bezeichnet man nur solche makromolekularen Stoffe, die ganz oder
teilweise organisch aufgebaut sind, d.h. Kohlenstoff und Wasserstoff enthalten.
Wenn noch andere Atomarten beteiligt sind bezeichnet man diese als Heteroatome.
Kohlenstoff besitzt vier Valenzelektronen, wobei zwei davon für die Bildung linearer
Ketten benötigt werden. Deswegen ist Kohlenstoff in der Lage, mit seinesgleichen
sehr stabile, lange Ketten aufzubauen. Die zwei Valenzen, die nicht an der
Kettenbildung beteiligt sind, werden z.B. beim Polyethylen mit Wasserstoff besetzt.
Dieser Kunststoff bildet sich aus monomeren Ethylenmolekühlen nach in der Abb. 1
dargestellten Gleichung.
HH
CC
HH
Abb. 1: Polymerisationsreaktion von Ethylen zu Polyethylen.
Die entstehenden Hauptvalenzbindungen (Primärbindungen) sind bei Kunststoffen in
chemischer Sicht immer Atombindungen (kovalente Bindungen), da die
Makromolekülketten aus Nichtmetallen bestehen. Nur in Seitenketten oder in
Vernetzungsbrücken zwischen den Ketten werden manchmal auch Metallionen
eingebaut, dort bestehen dann Ionenbindungen. Während die Valenzbindungen
durch Temperaturerhöhung gelöst und durch Abkühlung wieder neu gebildet werden
Stand des Wissens
können (reversible Umwandlung), ist dies bei Atombindungen nicht möglich. Wenn
man sie z.B. durch Überhitzung chemisch zerstört oder umwandelt, bleibt der
Kunststoff auf Dauer geschädigt [1,3].
Wie bereits angesprochen entsteht ein großes Polymermolekül aus vielen kleinen
Monomermolekülen. Diese müssen an zwei oder mehr Stellen durch chemische
Reaktion miteinander fortlaufend verknüpft werden. Die Polymerisation wird
eingeleitet durch Temperatur, Druck und Katalysatoren. Bei exothermen Reaktionen
muss Wärme abgeführt werden Das vorher selbständige Monomer wird dabei in
chemisch veränderter Form als eine Monomereinheit in ein Polymermolekül
eingebaut.
Ist bei der Polymerisation nur ein Monomer vorhanden entstehen aus gleichen
Monomerbausteinen aufgebaute Homo- oder Unipolymerisate wie z.B. PE, PP, PS,
PMMA, POM oder PTFE. Bei Copolymerisaten, wie z.B. SAN, ABS oder UP sind zur
Veränderung der Eigenschaften unterschiedliche Monomere am Aufbau der Kette
beteiligt. Schematisch ist dies in Abb. 2 dargestellt.
Statistische
o
-A-B-B-A-A-B-A-A-A-B-
nA + mB
:
Copolymerisation
alternierende
o
-A-B-A-B-A-B-A-B-A-B-
nA + mB
:
Copolymerisation
o
A-A-A-A-A-B-B-B-B-B-
nA + mB
:
Copolymerisation
Propf-
Copolymeristation
Abb. 2: Verschiedene Arten der Copolymerisation.
Je nach Art der Polymerisationsführung können unterschiedliche Polymerarten
dargestellt werden. Bei Random-Copolymerisaten ist die Abfolge der Monomere
statistisch regellos, während alternierende Copolymerisate eine abwechselnde
Abfolge der beiden Monomere aufweisen. Darüber hinaus gibt es noch Block-
Copolymerisate und Propf-Copolymerisate.
Polykondensation
Bei der Polykondensation kommt es zur Reaktion zwischen reaktionsfähigen
Gruppen unterschiedlicher
zweifunktionelle Ausgangstoffe notwendig. Meist erfolgt die Reaktion zwischen
Wasserstoff und Hydroxylgruppen (-OH) unter Bildung von Wasser Die
Stand des Wissens
Polykondensation ist in Abb. 3 dargestellt.
H 2 O
RC
Abb. 3: Schematischer Ablauf einer Polykondensationsreaktion.
Die Polykondensation läuft schrittweise ab und kann an beliebigen Stellen
unterbrochen werden. Bei der Polykondensation können lineare Ketten gebildet
werden, wenn bifunktionelle Ausgangsmonomere eingesetzt werden.
Kann die Kondensationsreaktion bei den Monomeren an mehr als zwei Stellen
ablaufen (z.B. bei trifunktionellen Monomeren), so ist eine räumliche Vernetzung der
entstehenden Polymere möglich. Die Art der Polykondensationsreaktion hat
Auswirkungen auf die Eigenschaften der Polymere. Hierauf wird später noch
eingegangen.
Polyaddition
Als Polyaddition bezeichnet man die Verknüpfung unterschiedlicher Komponenten
infolge einer Umlagerung von Wasserstoffatomen. Die Ausgangsmonomeren
müssen wie bei der Polykondensation mindestens bifunktionell sein. Bei der
Polyaddition entstehen keine Nebenprodukte. Sie ist wie die Polykondensation eine
Stufenreaktion. Je nach Funktionalität führt die Polyaddition zu linearen oder
vernetzten Kunststoffen.
Besonders wichtige Polyaddukte sind die linear vernetzten Polyurethane sowie die
Epoxidharze. Bei der Reaktion eines bi- mit einem trifunktionellen Monomeren erhält
man vernetzte Produkte. Je polyfunktioneller ein Reaktionspartner ist, desto
engmaschiger wird die Vernetzung [1,3,4].
2.1.2 Mechanisches und thermisches Verhalten
Hochpolymere zeigen bei mechanischer Beanspruchung im normalen Gebrauch ein
im Vergleich zu den meisten anderen Werkstoffen besonders stark ausgeprägtes
viskoelastisches Verhalten. Dies bedeutet, dass die auftretenden Deformationen teils
elastischer (reversibler), teils viskoser (plastischer, irreversibler) Natur sind. Dies hat
zur Folge, dass Werkstoffkenngrößen wie Elastizitätsmodul, Schubmodul und andere
wichtige mechanische Eigenschaften von Hochpolymeren nicht nur von der
Temperatur sondern auch von Zeit und Beanspruchungsgeschwindigkeit abhängen
[3,5].
Den Schlüssel zum Verständnis der mechanischen Eigenschaften von Kunststoffen
bei verschiedenen Temperaturen bildet die Kenntnis der Vorgänge im
Übergangsbereich zwischen den definierten Zuständen.
Stand des Wissens
Unterhalb des Einfrierbereichs – gekennzeichnet durch die Glastemperatur T g – liegt
der hartelastische Zustand, in dem die meisten Stoffe spröde sind. Die bis zur
Glastemperatur noch mögliche, sogenannte mikrobrownsche Bewegung ist zur Ruhe
gekommen. Die Lage des Einfrierbereichs wird von der Stärke der im Polymer
vorhandenen Sekundärbindungen beeinflusst, d.h. je größer diese Bindungsenergien
sind, desto höher liegt die Glastemperatur.
Auf den sprödelastischen Bereich und die Glastemperatur folgt bei weiterer
Erwärmung der weich- oder zähelastische Bereich. Dies ist bei den Polyolefinen
jener Temperaturbereich, der bei den meisten Anwendungen infrage kommt. Alle
Kunststoffe haben Zersetzungstemperaturen T z , die nicht nur zeitabhabhängig sind,
sondern auch von den Umgebungsbedingungen (Sauerstoffeinwirkung oder
Luftabschluss) abhängen.
2.1.3 Einteilung der Kunststoffe
Hinsichtlich ihrer möglichen Verarbeitungsverfahren und der für den Verwender
wichtigen Eigenschaften werden die Kunststoffe in Thermoplaste, Duroplaste und
Elastomere eingeteilt. In dieser Einteilung spiegelt sich in erster Linie die
Molekülgestalt wider.
Thermoplaste
Thermoplaste bestehen wie in Abb. 4 gezeigt aus langen Kettenmolekülen, die sich
bei ihrer Bildung ineinander verschlingen und verfilzen. Das Polymermolekül wird
durch Primärkräfte (kovalente Bindungen in der Hauptkette) sowie durch sekundäre
Kräfte (van der Waals, polare Kräfte, Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den
Ketten) zusammengehalten. Dieser Unterschied der Bindungskräfte ist
kennzeichnend für Thermoplaste. Die Makromoleküle sind gegeneinander beweglich.
Sie erweichen in der Wärme und sind nahezu beliebig formbar. Beim Abkühlen wird
die Schmelze wieder fest. Dieser Vorgang ist theoretisch beliebig oft wiederholbar.
Abb. 4: Schematische Molekülanordnung in Thermoplasten.
Die Molekülketten der Thermoplaste können unverzweigt, jedoch auch mehr oder
weniger lange und in der Anzahl unterschiedliche Seitenverzweigungen aufweisen.
Sehr verzweigte Ketten oder auch sperrige Seitengruppen vergrößern den
Kettenabstand und verringern die zwischen den Ketten wirkenden Kräfte [1,4].
Stand des Wissens
Bei vollständig amorphen Thermoplasten sind die Kettenmoleküle ungleichmäßig und
sperrig aufgebaut. Sie sind glasklar und transparent, erweichen in einem breiten
Temperaturbereich und erstarren völlig ungeordnet ineinander. Bei teilkristallinen
Kunststoffen sind die Kettenmoleküle hingegen in Teilbereichen geordnet. Sie sind
milchglasartig trüb. Die Struktur ist in Abb. 5 dargestellt.
Abb. 5: Ordnungszustand der Makromoleküle in teilkristalline Thermoplasten.
Thermoplaste verspröden bei tiefen Temperaturen. Bei steigenden Temperaturen tritt
zunächst ein stetiger Abfall des Elastizitätsmoduls mit Abnahme der Steifigkeit auf.
Bei amorphen Thermoplasten folgt dann in einem Temperaturbereich die sogenannte
Erweichung , d.h. der Übergang in den thermoelastischen, quasi-gummielastischen
Bereich. In diesem können mit kleinen Umformkräften große Formänderungen
vorgenommen und durch Abkühlen eingefroren werden (Warmumformung). Bei
weiterer Erwärmung wird die thermische Beweglichkeit der Kettenmoleküle so groß,
dass im thermoplastischen Zustand die Ketten gegeneinander abgleiten können. In
diesem Bereich, der durch die Zersetzungstemperatur T Z begrenzt wird, erfolgen
Umformung und Schweißen.
Teilkristalline Thermoplaste bestehen wie in Abb. 5 skizziert aus kristallinen
Bereichen, die von einer amorphen Matrix umgeben sind. Die beiden Bereiche gehen
stufenlos ineinander über, ein Teil der Makromoleküle durchzieht beide Bereiche. Zur
rationellen und anschaulichen Beschreibung wird vereinfachend angenommen,
kristalline und amorphe Bereiche stellten getrennte Phasen dar, die man auch
getrennt beschreiben kann [1,2,4,5].
Somit liegen bei teilkristallinen Thermoplasten im Gebrauchsbereich erweichte,
amorphe und steife, kristalline Bereiche vor. Mit steigender Temperatur beginnen die
Kristalle bei Erreichen der Kristallitschmelztemperatur T m aufzuschmelzen. Erst nach
dem vollständigen Aufschmelzen der Kristalle wird der thermoplastische Zustand
zum Umformen und Schweißen erreicht. Er ist gekennzeichnet durch
Transparentwerden des vorher opaken Kunststoffs. Dieser Bereich wird bei den
teilkristallinen Thermoplasten durch die Zersetzungstemperatur T z begrenzt.
Duroplaste
Duroplaste (Abb. 6) bestehen aus engmaschig, räumlich vernetzten
Stand des Wissens
Molekülstrukturen. Sie sind infolge der räumlichen Vernetzung hart und spröde und
benötigen meist Füll und Verstärkungsstoffe, weisen durch die Vernetzung jedoch
eine hohe Wärmeformbeständigkeit auf. Sie werden mit Pigmenten gedeckt
eingefärbt und sind thermisch und chemisch sehr widerstandsfähig.
Abb. 6:
Die Vernetzung der Duroplasten erfolgt bei der Formgebung. Daher sind diese
Werkstoffe danach nicht mehr schmelzbar oder schweißbar und somit nur noch
spanend bearbeitbar. Sie werden meist durch Gießen, Laminieren, Pressen und
Spritzgießen verarbeitet. Die Einsatztemperaturbereiche sind wegen der Vernetzung
höher als bei Thermoplasten. Duroplaste schmelzen nicht und sind daher auch nicht
umformbar. Kurz unter der Zersetzungstemperatur T z tritt nur eine geringfügige
Verminderung der Steifigkeit auf.
Elastomere
Die Elastomere bestehen aus Hauptvalenzketten, die wie in Abb. 7 skizziert nur lose
vernetzt sind. Bei verhältnismäßig geringen äußeren Kräften können die
Hauptvalenzketten unter Streckung der Vernetzungsbindungen gegeneinander
abgleiten. Sie bleiben jedoch miteinander verbunden und stehen unter dem Einfluss
einer Rückstellkraft. Während Thermoplaste bei Raumtemperatur hart und spröde, in
der Wärme je nach Vernetzungsgrad jedoch mehr oder weniger zäheelastisch sind,
sind Elastomere bei Raumtemperatur sowie höherer Temperatur gummielastisch. Sie
sind nicht schmelzbar, nur begrenzt löslich, aber quellbar. Sie können ebenso wie
Thermoplaste und Duroplaste geklebt werden.
Die markanteste Eigenschaft eines Elastomers ist seine hohe Elastizität. Beim
Deformieren tritt neben der elastischen Verformung stets auch ein gewisser Anteil
von plastischem, genauer gesagt von viskosem Fließen auf. Während die elastische
Verformung auf einer reversiblen Verstreckung der Molekülknäuel beruht, tritt
viskoses Fließen durch Abgleiten der Molekülketten aneinander auf. Dies wird durch
das Auflösen von Vernetzungsbrücken und ihr Wiederverknüpfen an
spannungsärmeren Stellen ermöglicht [4].
Stand des Wissens
2.2 Thermische Analyse
Der Einfluss der Temperatur auf den Zustand eines Systems (Probe, Material,
Lebensmittel, usw.) hat schon immer und zu allen Zeiten den Menschen interessiert.
Solche Kenntnisse, zunächst nur qualitativ, waren und sind zu seiner
Lebenserhaltung und zur Bewältigung der verschiedensten Probleme seines Wirkens
interessant und bedeutend.
Phasenumwandlungen, Änderungen des
Zersetzungen, aber auch weniger auffällige Vorgänge wie die thermische
Ausdehnung, in denen der Einfluss der Temperatur deutlich wird, sind dem Physiker,
Chemiker, Techniker, Ingenieur und vielen anderen wohlbekannt. Das Bestreben,
diese Vorgänge messend zu verfolgen, geht auf Le Chatelier zurück, der 1887 mit
einer aus heutiger Sicht höchst primitiven apparativen Anordnung den Start für die
Thermischen Analyse setzte.
Thermische Analyse ist der Oberbegriff für Methoden, bei denen physikalische oder
chemische Eigenschaften einer Substanz, eines Substanzgemisches und/oder von
Reaktionsgemischen als Funktion der Temperatur oder der Zeit gemessen werden.
Die Messung erfasst stets physikalische Parameter, die jedoch auch Aussagen über
chemische Vorgänge liefern können.
Allen Methoden ist gemeinsam, dass die Messung während eines definierten und
kontrollierten Temperaturprogramms (Aufheiz-, Abkühl- oder zyklisches Programm)
erfolgt. Isotherme Vorgänge sind in ihrer Abhängigkeit von der Zeit erfassbar.
Dieses Vorgehen hat gegenüber statistischen Versuchen den Vorteil, dass mit nur
einer Messung die Änderung der Eigenschaften und in vielen Fällen auch die
absolute Größe derselben innerhalb eines Temperaturintervalls geschlossen erfasst
werden kann. Die Thermische Analyse zeichnet sich also durch einen hohen
Informationsgewinn bei niedrigem zeitlichen Aufwand und ausreichender Genauigkeit
aus. Unter Bedingungen einer temperaturdynamischen Versuchsführung kommt es
aber nicht zu stationären Verhältnissen, d.h. zum thermodynamischen Gleichgewicht.
Dies wird nur in unterschiedlichem Maße angenähert. Daher kommt es zu einer mehr
oder weniger starken Beeinflussung der Messergebnisse durch die
Versuchsbedingungen. Infolge der endlichen Abmessung, der Wärmeleitfähigkeit
Stand des Wissens
und Wärmekapazität der Probe und ihrer Halterung sind Temperaturgradienten
innerhalb der Probe unvermeidbar. Sie nehmen mit steigender Heizrate, steigender
Einwaagemenge und abnehmender Wärmeleitfähigkeit der Probe generell zu. Dieser
Effekt ist bei der Wahl der experimentellen Parameter und bei der Auswertung zu
berücksichtigen.
2.2.1 Aufbau der Messgeräte
Im prinzipiellen Aufbau sind alle Geräte der Thermischen Analyse gleich(vgl. Abb. 8).
Die zu untersuchende Probe (1) befindet sich in einem Ofen (2), der von einem
geeigneten System oder Regler (3) zwecks Einhaltung des gewünschten
Temperaturprogramms gesteuert wird. Eine weitere Einrichtung (4) kontrolliert die
Atmosphäre im Ofenraum, im einfachsten Fall wird für einen konstanten
Spülgasstrom gesorgt. Ein Sensor (5) erfasst die Änderungen der zu messenden
Eigenschaft und liefert das Messsignal, das in den meisten Fällen elektrischer Natur
ist oder in ein solches umgewandelt werden kann. Dieses wird verstärkt (6),
verarbeitet (8) und fließt schließlich gemeinsam mit der Information über die aktuelle
Temperatur (7) in ein Datensammel- und Verarbeitungssystem (9+10).
1 - Probe
2- O f e n
3 - Temperatur-Steuerungssystem
4 - Steuerung für Atmosphäre
5 - Sensor
6 - Verstärker
7 - Temperaturmesseinheit
8 - Datenerfassungssystem
9 - Schreiber
10 - Rechner, Plotter, Speicher
Abb. 8: Prinzipbild einer thermodynamischen Apparatur [6].
Die Apparaturen verschiedener Methoden der Thermischen Analyse unterscheiden
sich insbesondere durch die jeweilige Sensorik und die daraus resultierenden
Gegebenheiten für Heizsystem und Probengröße. Zu den gängigsten Methoden
Arbeit zitieren:
Dipl. Ing. Pedro Montes de Oca, 2003, Vergleichende Charakterisierung verschiedener Polymere mit Hilfe von dynamisch mechanischer Analyse (DMA) und dynamischer Differenzkaloriemetrie (DSC), München, GRIN Verlag GmbH
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