4. VERGLEICH DER FILMMUSEEN 65
4.1. Gemeinsamkeiten 65
4.2. Unterschiede 68
5. RESÜMEE 73
LITERATUR - UND QUELLENVERZEICHNIS 79
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Einleitung
Museen, so wie wir sie heute kennen, existieren bereits seit über zweihundert Jahren. Filmmuseen sind dagegen noch nicht sehr lange und nicht sehr zahlreich in der heutigen Kulturlandschaft vertreten, was damit zusammenhängt, dass das Medium Film erst seit knapp einhundert Jahren in der Öffentlichkeit bekannt ist. Was ist aber das Besondere an Filmmuseen, wie und wann sind sie entstanden und wer hat sie gegründet?
In der Museologie wird von 5 grundlegenden Säulen gesprochen, auf denen alles aufbaut:
- das Sammeln,
- das Bewahren,
- das Forschen,
- das Vermitteln und
- das Präsentieren.
Die allgemeinen Museen sammeln und besitzen viele verschiedene Kulturgüter, also Artefakte, Naturafakte und Mentefakte (= Informationsträger). Aber welche Bedeutung hat der Film für das Publikum, um als Artefakt gesammelt zu werden? Der Film wird heute weitgehend als Kulturgut angesehen, doch offiziell ist er bis heute nicht ganz zweifelsfrei als solches definiert worden, obwohl es einen Ansatz dafür gibt, auf den ich im 1. Kapitel unter 1.2. Entstehung der Filmarchive eingehen werde. Der Film dient aber schon lange nicht mehr allein zur Unterhaltung. Dieses Medium ist nicht mehr aus dem heutigen Gesellschaftsleben weg zu denken, denn Filme sind sehr vielschichtig und besitzen mehrere wichtige Eigenschaften:
„Filme sind erstens Teil aller Überlieferungen, mit denen der Historiker arbeitet; sie reflektieren stets Ausschnitte der gesellschaftlichen Realität ihrer Entstehungszeit, auch wenn sie ohne jede kritische oder dokumentarische Absicht produziert wurden. Filme, die sich bewusst an eine reale Gegebenheit anlehnen, fallen in eine zweite Ka-tegorie; sie zeigen Darstellungen geschichtlicher Sachverhalte in Form von Dokumentationen oder mittels populärer Aufbereitung im Spielfilm. [...] Filmen ist es überdies möglich, selbst ein geschichtliches Ereignis zu werden, wenn sie auf äußere Abläufe Einfluss nehmen.“ 1
Die Idee, eine Diplomarbeit über einen Vergleich von Filmmuseen zu schreiben, ent-stand während der Zeit meines Praxissemesters von Oktober 2000 bis März 2001 in der „Stichting Nederlands Filmmuseum“ in Amsterdam (kurz: Filmmuseum) in den Nie-
1 StephanieKäthow: Filmmuseen in Deutschland - Ausgangsbedingungen und Entwicklungstendenzen, Funktion und Konzeption. Freie Universität Berlin, Dez. 2000, S. 39.
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derlanden. Ich arbeitete in drei verschiedenen Bereichen: In der Fotoabteilung, der Posterabteilung und in der Abteilung Programmdienst im Bereich Programmrealisierung. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber während meiner Zeit im Filmmuseum Amsterdam fiel mir auf, dass einige Besucher des Hauses eine Ausstellung erwarteten. Doch das Filmmuseum Amsterdam versteht sich zwar als Museum, aber die Präsentationsweise ist eine andere: nämlich die der Kinemathek. Laut dem Fremdwörterbuch ist eine Kinemathek:
„a) Sammlung wissenschaftlicher oder künstlerisch wertvoller Filme; b) Raum oder Gebäude, in dem eine Filmsammlung aufbewahrt wird.“
Eine Kinemathek wird also auch als Filmarchiv definiert und sammelt nicht allein Filme, sondern auch mit diesem Medium zusammenhängende Objekte, wie z.B. Fotos, Plakate, Entwürfe, Geräte, Drehbücher etc. 2
Hier stellt sich die Frage, ob diese Kinemathek auch zu den Filmmuseen zu rechnen ist. Nicht jeder Einrichtung ist es erlaubt, sich als „Museum“ zu bezeichnen, denn der International Council of Museums (ICOM 3 ) hat den Begriff „Museum“ wie folgt festgelegt:
"Nicht gewinnorientierte ständige Einrichtung, die der Gesellschaft und ihrer Entwicklung dient, der Öffentlichkeit zugänglich ist und materielle Zeugnisse des Menschen und seiner Umwelt für Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecke sammelt, bewahrt, erforscht, vermittelt und ausstellt.“ 4
Auf der Grundlage dieser Definition begann ich, die Präsentationsweisen und Sammlungen der anderen Filmmuseen in Europa genauer zu betrachten und stellte fest, dass mittlerweile viele verschiedene Filmmuseen auf der ganzen Welt existieren, die ihre Sammlung unterschiedlich ausstellen. Die meisten Museen davon zeigen eine Dauerausstellung.
In Deutschland allein gibt es fünf unterschiedliche Filmmuseen in Berlin, Potsdam, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München. Allerdings existiert kein zentrales Filmmuseum, so wie z.B. das British Film Institute (bfi) in England. Einen Vorschlag für eine zentrale Filmsammlung in der BRD wurde schon im Jahr 1962 von Heinz Rathsack
2 Siehe auch: Bertelsmann Universal Lexikon ( und Sachlexikon FILM (1.Auflage).
3 Auch „Internationaler Museumsrat“. ICOM ist eine nichtstaatliche Organisation.
4 Dr. Hans-Albert Treff: ICOM Kodex der Berufsethik.1.2. Museum.(Februar 1999)In: ICOM -Deutschland. URL: www.icom-deutschland.de/kodex.htm (18.03.2002)
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(der später die Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) in Berlin leitete) veröffentlicht. 5 Das Filmmuseum Berlin, der die Stiftung Deutsche Kinemathek als Träger hat, hätte die Basis für solch eine zentrale Filmsammlung bieten können. Allerdings haben sich die Länder dagegen entschieden und es wurde ein Kinemathekenverbund zusammen mit dem Deutschen Filminstitut (DIF) und dem Bundesarchiv - Filmarchiv (Koblenz/ Berlin) gegründet. In den Niederlanden dagegen bildet das Filmmuseum Amsterdam zusammen mit dem „Nederlands Audiovisueel Archief (NAA)“ in Hilversum eine Filmsammlung „an zwei Adressen“ 6 , d.h. beide Institutionen sammeln niederländisches, audiovisuelles Material, dass von cineastischer und kulturhistorischer Relevanz ist. Die Geschichte und Entwicklung vom Filmmuseum Berlin ist für mich besonders interessant, da es selbst noch sehr jung ist, die Räumlichkeiten und die Ausstellungen wurden erst im September 2000 eröffnet. Das Resultat der Gestaltung ist ein sehr ansprechendes Museum für dieses Medium. Allerdings liegen die Schwerpunkte bei der Sammlung und Arbeit anders als im Filmmuseum Amsterdam. Die Präsentation erfolgt durch eine Dauerausstellung und Sonderausstellungen.
Im Folgenden werde ich daher versuchen deutlich zu machen, weshalb sowohl das Filmmuseum in Amsterdam als auch in Berlin trotz der unterschiedlichen Geschichte, Zielsetzung und Präsentationsweise jeweils unter den Begriff „Museum“ zu subsumieren sind.
Aber welche Aufgaben erfüllen die Filmmuseen? Was wurde und wird gesammelt, wie präsentieren sie die Sammlungen und was möchten sie bei den Besuchern erreichen? Ich möchte diese und andere Fragen sowie die fünf genannten Säulen in meiner Arbeit anhand der zwei ausgewählten Filmmuseen darstellen und die beiden Museen gegenüberstellen. Der Vergleich soll schließlich veranschaulichen, wie unterschiedlich, aber auch wie übereinstimmend die Filmmuseen arbeiten.
Zu Beginn meiner Arbeit werde ich einen kurzen Einblick in die Geschichte des Films geben. Um zur Bildung der Filmmuseen zu führen, möchte ich nach dieser Erläuterung über die Entstehung der Filmarchive in Europa und Amerika referieren, die eine Basis zur Gründung der meisten Filmmuseen von heute schafften. Danach werde ich die Filmhäuser in Amsterdam und Berlin mit ihrer Geschichte, Sammlung und ihrer gegenwärtigen Arbeit vorstellen und die beiden Institutionen miteinander vergleichen. In der Zusammenfassung werden die Vorteile der jeweiligen Arbeitsweisen behandelt und
5 Ines Steiner: Gründung des Reichsfilmarchivs. (ohne Standangabe) In: Deutsches Filminstitut-DIF. URL: http://www.deutsches-filminstitut.de/dt2iad01.htm (11.05.2002)
6 Siehe: Flyer vom naa und Filmmuseum:“Schatbewaarders van het Nederlands audiovi suele erfgoed“.
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Defizite aufgezeigt.
Ich werde in dieser Arbeit nicht auf andere wissenschaftliche Bereiche, die zur Filmwelt gehören, eingehen, wie z.B. Filmgeschichte, -wissenschaft, -theorie, -wirtschaft oderkritik etc..
Zu Beginn der Recherchen stellte ich fest, dass nicht sehr viel Literatur zu diesem Thema publiziert wurde. So ist kaum die Geschichte von Filmmuseen festgehalten worden, noch gibt es spezielle Fachbücher für die Arbeit im Filmmuseum. Die meisten Informationen über das Filmmuseum Amsterdam erhielt ich aus dem Archiv und in der Bibliothek aus Zeitungsartikeln und Z eitschriften. Leider gibt es keinen Katalog vom Haus und nur ein Buch befasst sich mit der Geschichte dieses Filmmuseums 7 . Viele Informationen konnte ich aber über Gespräche und Interviews mit den Mitarbeitern der beiden Museen erhalten. Zur Befragung standen mir sehr viele Mitarbeiter des Filmmuseums Amsterdam zur Verfügung, u.a. der Chef der Sammlung Walter Swagemakers, René Wolf (Chef vom Programmdienst), Jan van den Brink (Projektleiter) und Rommy Albers (Filmhistoriker in der Abt. Katalogisierung). Im Filmmuseum Berlin konnte ich u.a. Christa Schahbaz (Öffentlichkeitsarbeit), Eva Orbanz (Abteilung Film), Regina Hoffmann (Abteilung Sammlung: Schriftgut) und Paul Klimpel (Verwaltung) befragen.
Außerdem stieß ich auf eine Magister-Arbeit von Stephanie Käthow, in der sie die fünf existierenden Filmmuseen in Deutschland vorstellt. Sie ist die einzige Literatur, die sich wirklich ausschließlich mit Filmmuseen befasst. In ihrem Manuskript definiert sie ausführlich den Begriff „Museum“, beschäftigt sich intensiv mit dem Ausstellungsobjekt im Museum an sich und behandelt die historische Basis der Filmmuseen. Dabei geht sie auch auf die wissenschaftlichen Bereiche des Films ein, wie z.B. der Filmwissenschaft und Filmkunst und macht zudem Exkurse zu den Themen „Gedächtnis und Medien“ und „Reflexionen zum nationalen Bezugsrahmen“. Frau Käthow untersucht allerdings nicht die fünf Säulen der Museologie, aber vergleicht grob die Entwicklungen, Zusammenarbeit und Schwerpunkte der fünf Filmmuseen in Deutschland miteinander und beschreibt die Tätigkeiten der jeweiligen Häuser.
Meine Arbeit dagegen befasst sich intensiver mit der Entwicklung und geht nicht allein auf die Schwerpunkte der Filmmuseen in Amsterdam und Berlin ein. Beim Vergleich werden u.a. ebenfalls die Kooperationen der beiden Filmmuseen miteinander aufgeführt. Ein weiterer Unterschied zu meiner Arbeit ist die kurze Einführung in die Geschichte des Films. Dennoch ist ihr Manuskript eine wichtige Grundlage, da sie Bereiche behandelt, die für meine Arbeit genauso erforderlich sind.
7 Annemieke Hendriks : Huis van illusies. Verlag Bas Lubberhuizen, 1996.
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Ich möchte mich sehr herzlich bei allen Mitarbeitern, die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben, bedanken. Besonderen Dank möchte ich Henk van der Lingen, Jan van den Brink, Arja Grandia, Rob Jongmans und Chris Oosterom vom „Nederlands Filmmuseum“ aussprechen, sowie Christa Schahbaz vom Filmmuseum Berlin, die immer geduldig meine Fragen beantwortet hat. Zuletzt möchte ich Bregtje Lameris danken, die mir stets aushelfen konnte.
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1. Die Vorgeschichte der Filmmuseen
1.1. Geschichte des Films
Warum werden Filme gesammelt und wozu dienen Filmmuseen? Um die Entwicklung der Filmmuseen nachzuvollziehen, ist es notwendig, sich die Geschichte des Films vor Augen zu führen. Der Film beeinflusst täglich unser Leben und ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Aber aus welchen Gründen wurde das Medium so bedeutend? Beeindruckend ist die sehr schnelle Entwicklung vom simplen Amateurfilm zum perfekt durchorganisierten Massenmedium. Im Folgenden möchte ich daher kurz die Geschichte des Films darstellen:
Die ersten Filme wurden Ende 1895 von den Brüdern Lumiére in Paris mit dem von Ihnen konstruierten Kinematographen 8 und von den Gebrüdern Skladanowski in Berlin mit einem Bioskop der Öffentlichkeit vorgeführt. Die Vorführer nutzten zum ersten Mal den „stroboskopischen Effekt“: Einzelne Photographien werden hintereinandergeschnitten, wobei ausgenutzt wird, dass das menschliche Auge schnell wechselnde Einzelbilder (ab 16 Bilder pro Sekunde) als kontinuierliche Bewegung erkennt. Für einen flimmerfreien und schonenden Ablauf des Filmes wurde ab 1896 das sog. Malteserkreuz (ein vierflügeliges Kreuz) und die Doppelflügelblende, beide von Oskar Messter entwickelt, eingesetzt, um den Filmprojektor während der Wiedergabe des Bildes zu unterbrechen. Dabei wird eine Frequenz von 48 Bildern pro Sekunde erreicht, dennoch hat sich die Norm von 24 Bildern pro Sek. durchgesetzt. Das Malteserkreuz ist in seiner Bauweise bis heute unverändert geblieben.
Bei den ersten Filmen handelte es sich meistens um unkommentierte triviale Ausschnitte des Alltagslebens, die quasi als Vorläufer der Wochenschauen zu betrachten sind. In kleinen Studios, im Volksmund „Black Maria“ genannt, wurden Darsteller gefilmt, die Kunststücke, Boxkämpfe o.ä. vorführten. Diese Filme, die meistens nur eine Länge von 15 Sekunden hatten, wurden an ihren Enden zusammengeklebt und als Endlosschleife gezeigt. Für das Publikum war zu Beginn allein die Neuheit der bewegten Bilder die Attraktion, nicht das Thema oder die Geschichte. Zu dieser Zeit wurden auch schon Dokumentarfilme produziert, die mit weniger Aufwand gedreht werden konnten, da man keine Schauspieler und Studios benötigte. Sie waren zunächst sehr beliebt, doch dann verloren sie die Vorherrschaft in den Kinosälen an die Fiktionsfilme und wurden eine Randerscheinung der Filmindustrie. Die Ursache für diese Verdrängung war die Aktualität. Die Nichtfiktionsfilme waren gegenüber dem Spielfilm sehr schnell veraltet und hatten somit keinen kommerziellen Wert für die Kinobesitzer und Verleiher. Trotzdem spielte der Dokumentarfilm eine entscheidende Rolle in der Pro- 8 EinGerät, dass gleichzeitig Filmkamera, Kopiergerät und Projektor war.
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paganda ab dem Ersten Weltkrieg. Man erkannte bald, dass der nicht-fiktionale Film die Moral der eigenen Bevölkerung bestärkte und auch die Meinung von neutralen Staaten zu ihren Gunsten beeinflusst werden konnte. 9
Die Spielfilme, wie wir sie heute kennen, entwickelten sich langsam ab ca. 1907, u.a. aufgrund der Forderung der Fachpresse nach narrativen Filmen. Die gefilmten Geschichten beinhalteten zunächst nur einen Akt. Dabei konzentrierten sich die Regisseure zunächst auf eine Einstellung und hatten einen Bildausschnitt, der immer den gesamten Menschen mit Umfeld zeigte. Die Kamera blieb meistens unbewegt. Auch beachteten sie nicht die Wirkung des Filmschnitts, der in späteren Filmen u.a. dazu diente, die Charaktere einer Figur hervorzuheben und auch räumliche und zeitliche Bezüge besser darzustellen. Zudem wird dieses Stilmittel auch heute noch zur Spannungserzeugung eingesetzt.
Ab ca. 1911 lösten sich Filmemacher von den Kurzfilmen und steigerten sich von 15 Minuten (entsprechend 300 Meter Filmmaterial) auf 60 bis 90 Minuten Länge. Die amerikanische Filmindustrie bezeichnet diese Filme als „Features“ und in Deutschland werden sie „Langspielfilm“ genannt.
Die Regisseure brachten neue Stilelemente in die Filmproduktion ein, wie z.B. veränderte Beleuchtungstechnik, Verwendung von unterschiedlichen Bildausschnitten und Filtern sowie Kamerafahrten. Die Länge der Einstellungen baute Spannungsbögen auf und erzeugte eine neue Rhythmik. In Deutschland waren die Filminhalte stark von der Kunst des Expressionismus und den damaligen Ausdrucksweisen des Theaters beeinflusst. In dieser Zeit bildeten sich verschiedene Filmgattungen aus, wie u.a. Avantgarde-Filme 10 , Lehr- und Werbefilme, Experimentalfilme, Animationsfilme 11 etc. Die Gattungen führen zur Entstehung der Filmgenre- Bezeichnungen. Genre (lat.: genus = Gattung) ist eine Filmgruppen- Zuordnung wie z.B. Western, Melodram, Horrorfilm und Gangsterfilm. 12 Die Aufteilung der Filme in Genre dient u.a. für den Konsum zur Verständigung zwischen Kinobesitzer und Zuschauer und beschreibt den Filminhalt.
9 G. Nowell-Smith (Hrsg): Geschichte des internationalen Films. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart -Weimar, 1998, S. 82- 83.
10 Der Avantgardefilm passt nicht, wie der Dokumentationsfilm, in eine kommerzielle Form, da er nicht der vorherrschenden Richtung entsprach und seine kulturelle und politische Bedeutung sich nicht in eine Kategorie einteilen l ässt. Aus: G. Nowell-Smith (Hrsg): Geschichte des internationalen Films. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart - Weimar, 1998, S.4.
11 Animationsfilme wurden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts produziert. Der Film besteht aus Einzelbildaufnahmen. Die Objekte oder Zeichnungen werden nacheinander fotografiert und der fertige Film suggeriert bei der Projektion Bewegungen. Vor 1913 wurden zur Animation meistens Gegenstände genutzt (Puppen, Scherenschnitte, Spielzeug) und schließlich dominieren bis heute die Zeichnungen (Comics).
12 Sachlexikon FILM. Rainer Rother (Hrsg.). Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH. Reinbek,
1997. Genre S.141 - 142. Oder siehe: Geoffrey Nowell-Smith: Geschichte des internationalen Films. Verlag J.B. Metzler. Stuttgart - Weimar, 1998. S.253 - 259.
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Die Erfindung Film als neues Medium erobert schnell großes Interesse auf der ganzen Welt. Viele Menschen strömen in die Vorstellungen, um das Wunder der „lebenden Bilder“ kennen zu lernen. 13
Bald gründeten sich immer mehr Firmen, die sich mit der Herstellung von Filmen befassten, wie z.B. Pathé, Gaumont und Oskar Messter. Es entstanden die ersten Kinos, darunter die Freilichtkinos, die auf Dorfplätzen o.ä. aufgebaut wurden. Eine Kapelle begleitete die Filme. Es gab einen schnellen Zuwachs an Kinosälen und -palästen. In Berlin gab es 1905 16 Kinos, deren Anzahl bis 1907 auf beachtliche 139 anstieg. Im Jahre 1913 waren es bereits 206.
Den Lichtspielhäusern wurde der Kunstanspruch sichtbar gemacht, indem sie nach dem Vorbild von Theatern mit Logen, Rängen und einem Bühnenvorhang ausgestattet wurden. Nach der Einführung des Tonfilms im Jahre 1927 in den USA und ab 1929 in Deutschland ergaben sich häufig erhebliche akustische Probleme. Diese führten zur Umgestaltung der Kinos.
Ein weiteres soziales Problem bei der Einführung des Tonfilms war die Massenentlassung der Musiker, die in den Kino-Orchestern angestellt waren. Ungünstigerweise geschah dies in der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Zudem standen viele Filmkritiker der neuen Technologie negativ gegenüber. Doch der Ton hatte die Autonomie des Films nur verstärkt, da der Film nicht mehr von Außen (durch Musikbegleitung, Erzählungsarten) beeinflusst werden konnte und so eine einheitliche audiovisuelle Präsentation gesichert wurde. Der Film wurde dadurch ein Fertigprodukt, das auch leichter vermarktet werden konnte. Die Sprachbarrieren wurden ab ca. 1932 in einigen Ländern durch Synchronisation überwunden, in anderen wurden die Filme untertitelt. Das Filmgeschäft fand von Anfang an auf einer internationalen Basis statt. Bei der weltweiten Distribution und Verwertung des Films spielten in erster Linie Frankreich und die USA eine große Rolle und trugen zur Verbreitung des Kinos in Japan, China, Lateinamerika und Russland bei. Die Franzosen waren auch die ersten, die weltweit ihre Produkte vermarkteten. Im Bereich der künstlerischen Entwicklung waren vor dem Ersten Weltkrieg Italien, Deutschland und Russland ebenfalls bedeutend, aber die Franzosen und Amerikaner waren auch hier führend. 1908 war Pathé der größte Einzelanbieter von Filmen auf dem amerikanischen Markt. Nach dem Ersten Weltkrieg setzten sich schließlich die USA durch, Hollywood als Hauptstandort der Filmproduktion wurde geboren. Zu der Zeit wurden in Amerika reichlich künstlerisch hochwertige Filme von vielen europäischen Regisseuren, wie z.B. Ernst Lubitsch, Fritz Lang und F.W. Murnau, produziert. Die Merkmale der Filme waren Experimente mit Kameraper- 13 www.sapo-media.de
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spektiven und Toneffekten.
Amerika ist bis heute der stärkste Einzelmarkt für die Filmwelt und besitzt in diesem Bereich eine gewaltige Macht.
Während der Weltkriege war Europa nicht im Stande, sich mit der Weiterentwicklung des Kinos zu beschäftigen, und Amerika hatte die Möglichkeiten, neue Techniken zu erproben und einzuführen. Deutschland konnte noch mit der Ufa 14 Widerstandskraft aufbringen, aber Hollywood übernahm künstlerisch und ökonomisch die Führung.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Produktion von Filmen immer weiter. Um das Jahr 1930 war der Stummfilm fast vollständig vom Tonfilm abgelöst. Weiterhin wird der Farbfilm von Technicolor entwickelt. Später brachten auch Agfacolor und Eastman Kodak Co. Farbfilme heraus. Zwar gab es schon während der Anfangszeit des Films Nachkolorierungen des Filmmaterials und Virage (Einheitliche Färbung des Films), aber erst ab den 1920er und 1930er Jahren wurde der Farbfilm langsam eingesetzt. Seit den 1960er Jahren wurden sowohl im Kino als auch im Fernsehen fast ausschließlich Farbfilme gezeigt. Heute sind Farbfilme die Norm. 15
Auch das Filmmaterial und die Filmkameras veränderten sich. Die Erfindung des Films und der passenden Geräte kann nicht einer einzelnen Person zugeschrieben werden, da es zu viele Erfinder und Forscher aus verschiedenen Ländern gab, die zur gleichen Zeit ähnliche Produkte entwarfen. Das Filmmaterial wurde im Jahre 1889 von Henry M. Reichenbach und George Eastman (Kodak) entwickelt, ein halbdurchsichtiges Zellu-loidband mit einer Haftschicht aus Gelatine und einer lichtempfindlichen Emulsion. 16 Das Filmmaterial wurde aus Nitrozellulose hergestellt, ein hochbrennbarer Stoff, der noch bis in die 1950er Jahre benutzt wurde. Der Grund für die lange Nutzung dieses Materials ist seine ausgezeichnete Durchsichtigkeit und Geschmeidigkeit. Abgelöst wurde der Nitrofilm von dem Sicherheitsfilm (Acetatfilm), ein schwer entflammbares Material mit Triacetat als Schichtträger. Heute dient überwiegend Polyester als Trägerunterlage. Der Film wird als ein Negativ produziert, das zu einer Positivkopie umkopiert werden muss.
Der erste Nutzer des Filmmaterials war Thomas Alva Edison (1847-1931). Er war damit Mitbegründer des 35mm - Formats mit einer Bildhöhe von vier Perforationslöchern.
14 Ufa ist die Abkürzung für Universum-Film AG, die am 18.12.1917 gegründet wurde. Durch die wachsende Expansion in der Weimarer Republik übernimmt sie viele kleine Firmen und schließlich die Decla-Bioscop im Jahre 1921, der bisher stärkste Konkurrent der Ufa. Somit wurde die Ufa der größte Konzern in Europa.
15 Siehe Sachlexikon FILM. Auflage 1. Farbfilm, S. 98-99.
16 G. Nowell-Smith (Hrsg): Geschichte des internationalen Films. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart -Weimar, 1998, S.7.
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Dieses Format wurde von der professionellen und kommerziellen Filmproduktion übernommen.
Es folgten andere Formate. So ist seit 1923 der 16mm Film von Kodak auf dem Markt und seit 1932 der 8mm Film, ebenfalls von Kodak. Diese Formate sind durch ihre einfache Handhabung Ideal für Amateurfilmer und werden auch für Low-Budget Filme oder Dokumentationsfilme genutzt. Für die Hobbyfilmer gibt es seit ca. 1965 den Su-per8 - Film, der in den 1980er Jahren vom Videofilm abgelöst wird. Die ersten Kameras waren, wie am Anfang schon erwähnt, die Kinematographen, Bioskop, Kinetoskop und ähnliche Geräte. Es folgten zunächst Kameras mit Handkurbelsystemen, die dann von Federwerken und Elektromotoren ersetzt wurden. Die Kameras waren mit einem Greifersystem ausgestattet, der in die Filmperforation eingriff. Der Schaltmechanismus per Exzenter (eine Steuerungsscheibe, die außerhalb einer Wellenachse liegt) und Kurvennut wurde so gut konstruiert, dass er bis heute in den Kameras verwendet wird. 17
Nach einiger Zeit erhält die Kamera die typische aufgesetzte Kassette, in dem sich der Film befindet. Der Film wird durch ein Triebwerk in den unteren Behälter in das Fenster mit dem Objektiv geführt und hält ihn für die Belichtungszeit an. Die Blende (Verschluss) gibt das Licht zur Belichtung frei und deckt anschließend während der Trans-portphase das Fenster wieder ab. Der Film wird weitergeführt und auf einer Spule wieder aufgerollt. 18
Für lebendige Aufnahmen werden schon früh Kamerafahrten eingesetzt. Die Kameras werden dafür auf Autos oder Zügen montiert. Eine weitere Bewegung bot später u.a. der Dolly an, eine fahrbare Plattform auf der ein Stativ befestigt wird und die auf Schienen oder Rädern fährt. Die letzte Weiterentwicklung war die Steadycam, ein spezielles Traggerüst, mit dem der Kameramann die Kamera frei bewegen und stabilisieren kann. Sie ermöglicht eine Aufnahme ohne Erschütterung oder Wackeln ohne weitere Hilfe vom Team. Eine bedeutende Filmkamera für die internationale Filmproduktion entwickelte die Münchner Firma „Arnold & Richter Cine Technik“ (heute: „Firma Arri“) in den 1930er Jahren. Sie baute das erste Spiegelblendsystem für serienmäßige Filmkameras und stellten es 1937 auf der Leipziger Messe vor: die Arriflex 35, eine handliche, industriell gefertigte 35mm-Spiegelreflexkamera. Der Kameramann kann im Sucher nun erstmals genau das belichtete Bild sehen und kann während der Aufnahme die Schärfe kontrollieren. Das geringe Gewicht der Kamera ermöglichte zum ersten mal Aufnah- 17 G.Kemner und G. Eisert: Lebende Bilder- Eine Technikgeschichte des Films. Schriftreihe des Deutschen Technikmuseums Berlin, Band 18. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Beuermann GmbH, Berlin, 2000, S. 97.
18 ebenda, S. 97 und Sachlexikon FILM. Auflage 1. Kamera, S.166.
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men ohne Stativ. Schließlich wird ab den 1960er Jahren die tragbare Filmkamera eingeführt, die die Arbeit des Kameramannes erleichtert und weitere neue Perspektiven und andere Beobachtungsweisen ermöglicht. Heute wird u.a. mit der computergesteuerten Arriflex 535 Kamera gedreht.
Die neuen technischen Entwicklungen hatten und haben, auch durch die Animation, Computeranimation und Video, eine große Auswirkung auf die Gestaltung und den Inhalt von Filmen und führten zu Veränderungen der Sehgewohnheiten des Publikums.
Seit den 1950er Jahren wurde das Fernsehen ein zunehmend großer Konkurrent für die Lichttheater. Viele Kinobetreiber mussten daher ihre Kinos schließen oder verkleinern. Obendrein bildeten sich in den 1960er Jahren die Programm- und Kommunalkinos, die andere und anspruchsvolle Filme und Spielpläne anboten als die konventionellen Filmtheater. 19
In dieser Zeit war man sehr unzufrieden mit den Inhalten der Filme, die in kommerziellen Kinos gezeigt wurden, denn die Heimatfilme und andere konservative Filme hatten gerade ihre Blütezeit. Der Heimatfilm war ein Genre der Nachkriegszeit seit ca. 1950 und die Landschaften sowie die Inhalte in den Filmen suggerierten eine heile Welt. Die Filmkritik äußerte sich nicht erfreut zu dem Genre und warfen der Filmindustrie vor, dass sie „weder Interesse an der Aufarbeitung jüngster Vergangenheit noch an aktuellen Problemen hätten“ . 20
In den 1960er Jahren sprach die Fachwelt nach der Bildung der Programmkinos und der Kritik an den Filminhalten von einem „Kinosterben“. Um aber für das Publikum weiterhin anziehend zu bleiben, versuchte man mit 3D-Filmen und mit der Entwicklung des Breitwandverfahrens (Cinerama, CinemaScope und Panavision) das Publikum an sich zu binden. In den 1990er Jahren erlebte das Kino hingegen ein Comeback und man baute riesige Kinosäle, die Multiplex-Kinos, wie z.B. das Cinemaxx oder CineStar. Im Zuge dieses Booms wurden Überkapazitäten gebaut, so das die großen und zahlreichen Säle in den Multiplex-Kinos nicht zur Genüge mit Besuchern gefüllt werden. 21 Einige Betreiber stehen somit heute vor der Insolvenz.
Dennoch ist bis heute die Projektion auf einer großen Leinwand im Kino als ein Erlebnis nicht durch die anderen Medien, wie z.B. Fernsehen und Video, zu ersetzen. Erst
19 Überwiegend in den größeren Städten wie Frankfurt am Main, Hamburg, Berlin etc. Parallel dazu entstand der Neue Deutsche Film: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“ 26 junge Filmemacher unterzeichnen eine Erklärung auf dem Manifest in Oberhausen 1962. Das internationale Ansehen des deutschen Films sollte wieder gewonnen werden. Siehe auch: H.G. Pflaum und H.H. Prinzler: Film in der Bundesrepublik Deutschland. Carl Hanser Verlag. München, 1992.
20 Siehe: Sachlexikon FILM. Auflage 1, S. 146.
21 MAX Nr. 11 (08.05.2002); S. 58 - 59: Peter Heinlein: Spiel mir das Lied vom Tod.
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im Kino kann der Film sich in seiner wahren Bestimmung entfalten und wirken. Filme erhalten nur im Kino eine Reputation und werden durch die neuesten Techniken so gesehen und gehört wie es ihnen gebührt. Das Kino ist aber auch eine Art Schaufenster für die neuen und spektakulären Materialien aus der Welt.
1.2. Entstehung der Filmarchive
Als bei der 21. Generalkonferenz der UNESCO im Oktober 1980 einstimmig eine Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder verabschiedet wurde, die sogenannten „recommendations for the Safeguarding and Preservation of Moving Images", gab es die meisten Filmarchive schon fast ein halbes Jahrhundert lang. Die Institution der Vereinten Nationen erkannte den „Stellenwert der bewegt- bildlichen Quellenüberlieferung als Teil des kulturellen Erbes einer Gesellschaft erstmals auf politischer Ebene“ an und verhalf dem Film als Kulturgut zur „allgemeinen internationalen Anerkennung“. 22
Dadurch sollten die Archive zur Bewahrung, Konservierung, Restaurierung und Archivierung von Bildträgern, die Erstellung von Filmographien und die Verbesserung des öffentlichen Zugangs zu den Filmen bzw. ihren Archiven gefördert werden. Die Umsetzung blieb allerdings den einzelnen Staaten überlassen und führte über Jahre zu weiteren Sitzungen. Im November 1993 wurde in Paris nochmals verstärkt betont, dass audiovisuelle Dokumente zum Weltkulturerbe zu rechnen sind. Da die Archive meistens durch Mitteln öffentlicher Haushalte finanziert werden, müssen die Staaten sich dieser kulturpolitischen Aufgabe bewusst werden und Unterstützung bewilligen, um die Umsetzung auch abzusichern. Zudem sind bis heute einige wichtige Fragen nicht zweifelsfrei geklärt, wie z.B. die rechtliche Lage der Filmarchivierung. Dabei geht es besonders um das Copyright im Bereich der Kopieanfertigung zur Projektion und/oder Archivierung.
Bevor die UNESCO die bewegten Bilder als Kulturerbe anerkannte, führten Jahrzehnte zuvor mehrere Faktoren zu den Gründungen der Filmarchive und -institute, die schließlich auch die Filmmuseen hervor brachten.
Das Kino hatte bald nach der Einführung eine zentrale Position im kulturellen, sozialen und politischen Leben und hatte sich zu einem Massenmedium etabliert. Mit der Ein-
22 SusannePollert: Film- und Fernseharchive in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Beitrag zur Bewahrung und Erschließung der audiovisuellen Quellenüberlieferung aus historischarchivarischer Sicht. Diss., Berlin, 1993. S. 3. Siehe auch: www.nb.no.de: Beitrag von Dr. Joachim-Felix Leonhard (Generalsekretär des Goethe-Instituts)am 04.Sept.1994: “Die Zukunft gegenwärtiger Vergangenheit Audiovisueller Überlieferung und kulturelles Erbe“.
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führung einer Eigenzensur als Reaktion auf Beschwerden von staatlichen und bürgerlichen Verbänden stieg die Filmindustrie und damit der Film auch im sozialen Ansehen. Durch diese Massenproduktion wurden Modalitäten im Bereich der Filmrechte eingerichtet, durch die viele Stummfilme und sogar Tonfilme verloren gegangen sind. Die Verleiher, die die Filme an die Kinobetreiber liefern, kaufen für diesen Zweck die Filme nicht, sondern sie erwerben Auswertungsrechte an den Filmen für einen bestimmten Zeitraum von ca. drei bis fünf Jahre. Die Rechte bleiben bei dem Produzenten oder der Produktionsfirma. Nach Ablauf der Nutzungsrechte werden die Filme wieder an den Produzenten zurückgeschickt und/ oder werden zum Teil oder ganz vernichtet. Die Vernichtung dient einerseits zur Einsparung von Archivplätzen und andererseits wollte man die Weitervermarktung des Films verhindern.
Die Produzenten selbst haben kaum vorführbare Kopien und besitzen nur die Negative. Aber ein Positiv zu ziehen ist sehr teuer. Der Wunsch der Filmarchive nach einer Abgabepflicht der Filme von Produktionsfirmen, wie es sie für Bücher bereits gibt, besteht schon seit langem und ist auch heute noch abhängig von dem Gesetz der jeweiligen Länder. In Deutschland gibt es eine Abgabepflicht für geförderte Filmproduktionen vom Land und Bund.
Da der Film ein schnelllebiges Medium ist, beachtete zunächst kaum jemand mehr die alten Filme. Zwar gab es schon im Jahre 1898 von dem Polen Boleslaw Matuszewski 23 die ersten Vorschläge zur Bewahrung und Erhaltung von Filmen in Archiven, aber erst zu Beginn der 1930er Jahre, als es zu den Massenvernichtungen von Stummfilmen infolge der Tonfilme kam, entstand das Bewusstsein, dass der Film bewahrt und als Kulturgegenstand geschützt, gepflegt und genutzt werden sollte. Die Archive wurden in dieser Zeit gegründet, weil man den Film erst jetzt als Kunstform, aber auch als Erziehungsmedium (vor allem die Wirkung der Propagandafilme) und als geschichtliche Quelle und Beweismaterial ernst nahm. Neben dem verspäteten Ergreifen von Erhaltungsmaßnahmen trugen die Zersetzungsprozesse des Nitratfilms, die man leider nicht stoppen, sondern nur verlangsamen kann, zu Verlusten von Filmen bei. Es wird geschätzt, dass ca. 90% der Stummfilme vernichtet sind.
Immerhin haben einige Filmfirmen schon vor 1920 Filme konserviert, wie z.B. Lumière, Pathé und Gaumont. Dadurch blieb die komplette Hinterlassenschaft von Lumière der Nachwelt erhalten.
In Frankreich durfte sich bereits 1914 die „Cinématographique de l’ Armée“ als erste Einrichtung „Cinémathéque“ nennen. Doch die Gründung von Filmarchiven und Kinematheken begann erst 1933 mit dem Svenska Filminstitutet in Stockholm. Danach folg-
23 BoleslawMatuszewski: A new Source of History. Paris, 1898. […]
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te die Eröffnung des Reichsfilmarchivs in Berlin am 04. Feb.1934 24 . Im Jahre 1935 hat das Museum of Modern Art in New York eine Film Library unter Iris Barry aufgebaut, die Moskauer Filmschule war schon ausgerüstet mit einer eigenen Kinemathek und London besitzt neben dem British Film Institute (bfi) die National Film Library und ein Filmtheater unter Ernest Lindgren.
Eine weitere wichtige Person in der Geschichte der Filmarchive und -museen war der Franzose Henri Langlois 25 . Er war ein sehr großer Filmliebhaber und Sammler und begann schon früh mit der Suche nach alten Filmstücken und anderem Material, das im Kontext zum Film steht. Mit 20 Jahren eröffnete er seinen „Cercle du Cinéma“ und präsentierte Stummfilme. 1936 gründete er mit Georges Franju die „Cinémathéque Française“ in Paris. Auch wenn Franju Mitbegründer der Kinemathek war, wurde es aus der Sicht von Langlois ein Einmannbetrieb. Die Mitarbeiter hatten es schwer, mit ihm zusammen zu arbeiten, denn er ließ andere Meinungen oder Vorschläge kaum zu. Er war eine Autoritätsperson, war eigensinnig, verteidigte immer seine Unabhängigkeit und mochte Chaos und Improvisation. Von Beginn an sollte sein Institut kein totes Archiv werden. Langlois setzte dafür ohne große Kompromisse alle Macht ein, um die Filmsammlung auch zu zeigen. Später sollte er mit dieser Idee auch Schwierigkeiten bekommen, auf die ich später zurückkommen werde.
Er arbeitete und sammelte wie die anderen Archive, aber das Besondere bei Langlois war, dass er alle Filme der Welt ohne Unterschiede und Kriterien sammelte und so mit seinem Denkbild überall Schule machte. Er hatte als erster eine internationale Sammlung. Zudem trug er auch zur Verbreitung und Anerkennung von Filmformen (z.B. „Nouvelle Vague“, eine neue Stilrichtung in den 1950er Jahren) und von jungen Filmemachern bei.
Langlois zeigte seine Filme in der rue d’Ulm und im Palais de Chaillot 26 siebenmal die Woche. Viele Filme davon waren Leihgaben aus dem Ausland. Wie viele Filme die Kinemathek in der eigenen Sammlung besaß, ist nicht bekannt und es gibt seit 1945 nur Spekulationen. Nach der Eröffnung gab der Direktor Langlois in einem Interview die Größe der Sammlung mit 20.000 Filmtitel an. Aber zur gleichen Zeit wurden offiziell 3.000 Titel festgestellt. Während des Zweiten Weltkrieges war der Direktor vom
24 dass mehr als 1.200 Filme beherbergte, die aus dem Reichsarchiv in Potsdam und der Filmindustrie kamen. Durch Ablieferungszwang und Beschlagnahmungen in besetzten Gebieten wuchs der Bestand bis Kriegsende auf 15.000 Filme. Trotzdem genoss das Archiv internationale Anerkennung. Am 13.Apr.1949 wurde das Archiv umbenannt in Deutsches Institut für Film-kunde (DIF), seit 1988 heißt es „Deutsches Filminstitut - DIF“.
25 Henri Langlois, geb. 1914, starb 1977
26 In dem Palais de Chaillot befindet sich heute das „Musée du Cinema - Henri Langlois“. 1997 gab es ein Feuer im Palais de Chaillot, das einen Teil der Ausstellung zerstörte.
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Reichsfilmarchiv Frank Hensel in Paris stationiert und brachte geschätzte 3.000 Filmkopien von verbotenen oder beschlagnahmten Auslandsfilmen, vornehmlich amerikanischen, zur Kinemathek, mit der er sich eng verbunden fühlte. Aber was sammelten die verschiedenen Einrichtungen? In der Museumslandschaft werden in erster Linie Originale gesammelt. Doch bei dem Medium Film besteht die Verbreitung durch Duplikate. Die Filme werden für ein breites Publikum produziert und zur Vermarktung und Verleihung oft umkopiert. In diesem Bereich kann also nicht auf Original und Duplikat unterschieden werden, da die Merkmale auch nicht sichtbar sind. Nur der Inhalt der Filme kann Auskunft über die Originalfassung geben. Diese Fassung kann allerdings auch auf einer Kopie sein und nicht auf das ursprüngliche Negativ bzw. Positiv zurückzuführen sein. Die hauptsächliche Aufgabe der Filmarchive ist es, eine Originalfassung eines Filmes zu erhalten und zu bewahren.
Die Mitarbeiter in den verschiedenen Archiven erkannten schnell, dass die Filmproduktion schon immer auf internationaler Ebene stattfand und daher für einen Erhalt des kulturellen Erbes eine Zusammenarbeit und ein Austausch notwendig war. Zudem kann man sicherer i n einer Verbindung arbeiten, da sie sich in ihrer Arbeit keine falschen Anwendungen mit dem Material erlauben durften.
Dies führte dazu, dass die Leiter der verschiedenen Institutionen sich zusammensetzten und am 17. Juni 1938 in Paris die «Fédération Internationale des Archives du Film» (FIAF) gründeten. Zu den Gründungsmitgliedern zählen John Abott und Iris Barry aus New York, Frank Hensel aus Berlin, Henri Langlois aus Paris und Olwen Vaughan aus London.
Die erste Statute ist eine klare Regel: Alle Institute und Organisationen, die ihre Filme für kommerzielle Zwecke nutzen, sind von der Förderation rigoros ausgeschlossen. Anfangs hatte die FIAF nicht viel Geld zur Verfügung und war als Starthilfe auf finanzielle Hilfe von Frankreich angewiesen. Doch die Haupteinnahmequelle ist der Mitgliedsbeitrag, den jedes eingetragene Institut zu leisten hat. In der Geschichte der FIAF kam es auch vor, dass Archive bei Nichtzahlung aus der Förderation ausgeschlossen wurden, wie z.B. 1963 das Archiv in São Paulo.
Die Förderation hat sich zum Ziel gesetzt, die Filme als kulturelles Erbe und als historische Dokumente zu schützen bzw. zu retten und die korrekte Aufbewahrung und Darstellung von bewegten Bildern zu sichern. Zudem ist eine grenzüberschreitende Erschließung der Bestände durch die Mitgliedschaft in der FIAF gesichert. Die FIAF publiziert überdies Literatur, u.a. Fachbücher.
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Arbeit zitieren:
Melanie Rosch, 2002, Filmmuseen im Vergleich - Eine Analyse zweier ausgewählter Einrichtungen Nederlands Filmmuseum in Amsterdam und Filmmuseum Berlin (Stiftung Deutsche Kinemathek), München, GRIN Verlag GmbH
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