Stahl mit Formgedächtnis
Werkstoffkundliche Grundlagen
und Anwendungspotenziale
von
Prof. Dr.-Ing. Norbert Jost
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Werkstoffwissenschaftliche
Grundlagen
3
Nachweis der Formgedächtniseigenschaften
4
Einsatzmöglichkeiten in der Praxis
5 Zusammenfassung
und
Ausblick
6 Literaturhinweise
Zusammenfassung
In den sogenannten ,,Formgedächtnisstählen" steckt im Vergleich zu den konventionellen
Formgedächtnislegierungen wie Nickel-Titan oder Kupfer-Zink Legierungen ein überaus
großes und bisher nicht im Entferntesten ausgeschöpftes Potenzial. Zwar sind die ma-
ximalen Ein- und Zweiwegeffekte, d.h. die reversiblen Formänderungsanteile deutlich
kleiner, doch decken die Formgedächtnisstähle auf Basis von Fe-Ni-Legierungen dafür
wiederum sehr viel größere Bereiche der technisch nutzbaren Umwandlungstemperaturen
und -hysteresen ab. Daneben erreichen sie aufgrund der für die Einstellung des Form-
gedächtnisses unbedingt notwendigen Ausscheidungshärtung bei den maximalen Fes-
tigkeiten ebenfalls sehr gute Werte. Diese sind jedoch ganz wesentlich von spezifischen
thermischen und/oder mechanischen Parametern abhängig.
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1. Einleitung
Formgedächtnislegierungen (FGL) wie z.B. NiTi oder CuZnAl sind seit langem
bekannt und können daher bereits als konventionell bezeichnet werden. Relativ
neu und lange Zeit bei vielen Forschern als für nicht möglich angesehen sind Stähle
mit Formgedächtniseigenschaften.
Die Zielsetzung für ihre Entwicklung ist die Verbindung der Preiswürdigkeit von Cu-
Basis-Legierungen mit der Leistungsfähigkeit von NiTi-Legierungen. Damit sind sie
sowohl im Hinblick auf industriell/wirtschaftliche- als auch auf werkstoffwissenschaft-
liche Aspekte von ganz besonderem Reiz. Tabelle 1 zeigt eine Übersicht von martensitisch
umwandelnden Fe-Basis-Legierungen, bei denen bisher mehr oder weniger deutlich
Formgedächtnsieffekte (FGE) nachgewiesen werden konnten. Nach relativ langen For-
schungsaktivitäten haben sich in diesem Bereich zwei große Entwicklungstendenzen
herauskristallisiert. Zum einen sind dies Legierungen auf Fe-Ni- und zum anderen auf
Fe-Mn-Basis [1,2].
Im folgenden wird das im Augenblick wieder neu in das Blickfeld internationaler
Forschungsaktivitäten rückende Beispiel der FGL des Typs Fe-Ni (hier im Speziellen
Fe-Ni-Co-Ti-Legierungen) ausführlich vorgestellt.
2. Werkstoffwissenschaftliche
Grundlagen
Aus den mechanischen und thermo-dynamischen Komponenten der martensitischen
Umwandlung ergeben sich die Voraussetzungen für FGE. Die wichtigste und bei Fe-
Basis-Legierungen gleichzeitig die am schwierigsten zu realisierende Eigenschaft, die
dabei erreicht werden muss, ist die Thermoelastizität des Martensits. Diese wird ge-
kennzeichnet durch [3]:
· die
Reversibilität der Umwandlung
· eine kleine Temperaturhysterese zwischen der Hin- und Rückumwandlung
(dabei sollten die Rückumwandlungstemperaturen A
s
und A
f
grundsätzlich
deutlich unter etwa 350°C liegen),
· eine bewegliche Phasengrenzfläche zwischen Austenit und Martensit sowie
· ein identischer mikrostruktureller Rückweg in den Austenit wie bei der Um-
wandlung in den Martensit.
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Tabelle 1: Martensitisch umwandelnde Fe-Basis-Legierungen
Aufgrund der Umwandlungsthermodynamik von FGL (auf die hier nicht weiter ein-
gegangen werden soll der interessierte Anwender findet jedoch in der angege-
benen Literatur zahlreiche Stellen hierzu) sind die für die Praxis sinnvollen chemi-
schen Zusammensetzungen generell relativ eng vorgegeben. Die Bilder 1 a+b zeigen
dies für das Legierungssystem Fe-Ni-Co-Ti. Die Lage der möglichen Legierungen ist
hierbei sehr gut in einem Realisierungsdiagramm des Dreistoffsystems Fe-Ni-Co abzu-
lesen (Bild 1 a, siehe Feld IV). Vereinfacht ist dies nochmals in Bild 1 b in einem schema-
tischen Fe-Ni-Co-Dreistoffdiagramm dargestellt.
Das austenitische Ausgangsgefüge wie es nach einer Lösungsglühung vorliegt und ein
ideales Gefüge für die weiteren notwendigen Schritte darstellt, zeigt Bild 2 a. Wird die-
ser Zustand nun unter die Martensitstarttemperatur unterkühlt, so wandelt er marten-
sitisch um (Bild 2 b). Die Umwandlung verläuft hier jedoch noch vollkommen normal
(also irreversibel), d.h. der Werkstoff besitzt in diesen Zuständen noch keinen Form-
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