Das Siegel auf deinem Herzen
Der Beitrag des Hohelied Salomos zur biblischen Sozialethik
Johann Schoor
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 5
I. König Salomos Hohelied der Liebe ... 9
II. Die Personen und die Handlung ... 20
III. Biblische Sexualethik im Kontext der Zeiten ... 38
IV Nachwort ... 93
Einleitung
Das Königreich in dem die Geschichte spielte war noch keine 100 Jahre alt. Der Beginn dieses Reiches war, wie bei entstehenden Königreichen üblich, blutig. Innere und äußere Feinde bedrängten es, verschärft wurde die Situation dadurch, dass sich der erste König durch sein religiöses Fehlverhalten disqualifizierte. Er wurde von demselben Priester abgesetzt, der ihn im Namen Gottes zum Herrscher gesalbt hatte. Da er aber nicht freiwillig auf den Thron verzichtete, folgte eine lange Zeit der inneren Auseinandersetzung mit seinem Nachfolger. Dessen Besonnenheit war es zu verdanken, dass die Situation nicht in einen Bürgerkrieg eskalierte. Eine Änderung der Verhältnisse trat erst ein, als der König bei einer Schlacht, während eines Krieges mit dem Erzfeind des Landes, ums Leben kam. Der Nachfolger wurde vom Volk schnell akzeptiert, hatte er sich doch bereits während seiner Zeit auf der Flucht und im Exil sehr beliebt gemacht. Die neugewonnene Einigkeit machte das Land und seinen Herrscher stark. Obwohl eine Zeit langer Kriege mit den verschiedensten Nachbarländern folgte, wurde das Reich dennoch gefestigt und erlebte sowohl politisch als auch wirtschaftlich einen ungeheuren Aufschwung.
Als der zweite König starb, trat sein Sohn die Nachfolge an. Er musste nur mehr selten zum Schwert greifen. In seiner Zeit entfaltete das Land einen weltweit noch nicht dagewesenen kulturellen Reichtum, gegründet auf die überlieferte Religion des Landes, dessen Mittelpunkt der neu errichtete Tempel für den einzigen wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde war.
Dieser dritte König des Landes, dessen Reichtum ebenso weltweit gerühmt wurde, wie seine sprichwörtliche Weisheit, war nun ein Herrscher, der sich sehr für schöne Frauen interessierte. Er schaffte sich einen Harem an, in dem die schönsten Mädchen aus aller Herren Länder zu finden waren. Weit über 1000 Frauen standen ihm schließlich zur Verfügung, und als er alt war, wurde ihm dies auch zum Verhängnis. Er konnte diese Frauen nicht für die Religion seines Landes gewinnen und gab ihnen schließlich nach, indem er seinen Frauen eigene Kultstätten baute, damit sie die religiösen Bräuche ihrer Herkunftsländer pflegen konnten. So versündigte er sich gegen seinen eigenen Gott.
Was für ein Mensch musste dieser König gewesen sein, der sich eine solche Menge Frauen um Ihrer Schönheit willen hielt? Er konnte doch keine echte Beziehung zu jeder Einzelnen gehabt haben. Könnte es sein, dass er im Grunde seines Herzens ein einsamer Mann war, dem echte Liebe und Partnerschaft versagt geblieben ist? In seinen Schriften gibt es mancherlei Andeutungen in diese Richtung. Aber eine davon, das sogenannte »Hohelied Salomos«, lässt einen besonders tiefen Einblick zu, in das Herz dieses mächtigen reichen Mannes. Diesem poetischen Buch liegt eine romantische Geschichte zugrunde, die ein Teil der Geschichte des König Salomos war, und die vieles, scheinbar so widersprüchliches im Leben des Sohnes Davids, des König von Jerusalem verständlich machen kann.
Gleichzeitig liefet uns aber dieser Teil der Bibel eine wichtige Aussage über die Ethik der Heiligen Schrift, die auch ein klares Bekenntnis zur Sexualität des Menschen enthält und im Gegensatz zur Lehre mancher christlichen Kirchen, die erotische Erlebnisfähigkeit von Mann und Frau voll bejaht. Besonders um dieser Lehren willen war es mir ein Anliegen, mich mit diesem, vielleicht am meisten vernachlässigtem Buch der Bibel, näher zu beschäftigen. Die Story, die ich dabei hinter dieser eigenartigen literarischen Schreibweise des Liedes entdeckte, faszinierte mich so sehr, dass ich diese Auslegung des Hoheliedes in Verbindung mit zeitkritischen Gedanken in dieser Form weitergeben möchte und hoffe, das sie vielen zu einer Neuorientierung oder zu einer Festigung im Glauben und in der Liebe werden.
[...]
Arbeit zitieren:
Johann Schoor, 2007, Das Siegel auf deinem Herzen, München, GRIN Verlag GmbH
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