Inhaltsverzeichnis
Abstract und Schlagworte 1
Abkürzungsverzeichnis 2
1 Einführung 4
1.1 Begriffsabgrenzungen 5
1.2 Geschichte der Enzyklopädie 6
1.3 Der Verlag F A Brockhaus 7
1.4 Zielsetzung 8
1.5 Aufbau und Strukturierung der Arbeit 9
1.6 Schreibweisen etc 10
2 Der Brockhaus in einem Band als Beispiel für eine Enzyklopädie 11
2.1 Allgemeine Merkmale von einsprachigen Print-Lexika 11
2.1.1 Makrostruktur 11
2.1.2 Lemmaselektion 12
2.1.3 Linguistische Informationen 13
2.1.4 Mikrostruktur 13
2.1.5 Enzyklopädische Informationen 13
2.1.6 Verweisstruktur 15
2.1.7 Wörterbuchteile 16
2.2 Das Beispiel: Der Brockhaus in einem Band 16
2.2.1 Einleitung 16
2.2.2 Lexikalischer Aufbau und Strukturen 17
2.2.2.1 Makrostruktur 18
2.2.2.2 Lemmaselektion 19
2.2.2.3 Linguistische Informationen 20
2.2.2.4 Mikrostruktur 22
2.2.2.5 Enzyklopädische Informationen 23
2.2.2.6 Verweisstruktur 24
2.2.2.7 Wörterbuchteile 26
3 Die Umsetzung des Brockhaus in einem Band für das WWW als Beispiel
für ein Online-Lexikon 28
- I -
3.1 Informationeller Mehrwert von Online-Lexika 28
3.1.1 Allgemeine Definition des Informationellen Mehrwerts 28
3.1.2 Mehrwert maschinellerstellter und elektronischpublizierter Produkte 30
3.1.3 Mehrwert durch Hypermedia 30
3.1.3.1 Integrativer Mehrwert durch Multimedia 31
3.1.3.2 Inhärenter Mehrwert durch die nicht-lineare Organisationsform des
Hypertexts 32
3.1.3.3 Agglomerativer Mehrwert durch die Möglichkeit der externen
Vernetzung verschiedener Informationsdienstleistungen im WWW 33
3.1.3.4 Inhärenter Mehrwert durch die Kommunikationsformen des WWW
(Interaktivität) 33
3.1.3.5 Inhärenter Mehrwert durch die Möglichkeit der permanenten
Aktualisierbarkeit einer Informationsdienstleistung im WWW 35
3.1.3.6 Komparativer Mehrwert durch den Wegfall von
Umfangsbeschränkungen bei elektronischen Informationssystemen 35
3.2 Das Beispiel: Der Brockhaus in einem Band als Umsetzung für das WWW. 36
3.2.1 Einleitung 36
3.2.2 Die Tanto Xipolis GmbH und Xipolis NET 37
3.2.3 Technische Umsetzung 38
3.2.4 Untersuchungen zur Mehrwertentstehung durch Hypermedia
Aspekte 39
3.2.4.1 Integrativer Mehrwert durch Multimedia 39
3.2.4.2 Inhärenter Mehrwert durch die nicht-lineare Organisationsform des
Hypertexts 40
3.2.4.3 Agglomerativer Mehrwert durch die Möglichkeit der externen
Vernetzung verschiedener Informationsdienstleistungen im WWW 45
3.2.4.4 Inhärenter Mehrwert durch die Kommunikationsformen des WWW
(Interaktivität) 48
3.2.4.5 Inhärenter Mehrwert durch die Möglichkeit der permanenten
Aktualisierbarkeit einer Informationsdienstleistung im WWW 50
3.2.4.6 Komparativer Mehrwert durch den Wegfall von Umfangs
beschränkungen bei elektronischen Informationssystemen 51
3.2.5 Untersuchungen zur Web Usability (Usability Evaluations) 52
3.2.5.1 Usability Inspektionen 53
3.2.5.1.1 Inspektion der gesamten Webseite von F A Brockhaus 53
3.2.5.1.2 Inspektion des B1 Online 60
3.2.5.2 Usability Tests 71
4 Fazit: Der Brockhaus in einem Band Print vs. Online 75
5 Ausblick: (Notwendige) Entwicklungen im Bereich der Online
Lexikographie 79
5.1 Blick auf F A Brockhaus 79
5.1.1 Die Zukunft des Brockhaus in einem Band - Online 79
- II -
5.1.2 Andere Projekte 80
5.2 Neue Aspekte für die (Online )Lexikographie 81
5.3 Web Usability Kriterien für Online-Lexika (Richtlinienkatalog) 83
5.4 Schlusswort 91
6 Glossar 93
Anhang 1 SGML und XML Beispieldatensätze des B1 ( Online) 96
Anhang 2 Verwendungsformen der B1 Online Datensubstanz 98
Anhang 3 Fragebogen zur Benutzerforschung von Xipolis (Auszug) 101
Anhang 4 Updates der Webseite von F A Brockhaus 113
Anhang 5 Browsertest der F A Brockhaus Webseite 116
Quellen- und Literaturverzeichnis 121
- III -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Exhaustiv mechanische Alphabetisierung
Abbildung 2a: Sonderzeichenbehandlung A
Abbildung 2b: Sonderzeichenbehandlung B
Abbildung 3 : Ordnungsrelation und Zugriffsstruktur
Abbildung 4a: Wortherkunft - Sprachkürzel
Abbildung 4b: Wortherkunft - Erläuterungen
Abbildung 4c: Wortherkunft - Symbole
Abbildung 5a: Mikrostruktur - Sachbegriffe
Abbildung 5b: Mikrostruktur - Eigennamen
Abbildung 6a: Homonyme getrennt als eigenständige Lemmata
Abbildung 6b: Homonyme als Auflistung
Abbildung 7 : Potentielle Externe Verweise
Abbildung 8 : Verweisteil
Abbildung 9a: Verweise als Teil des Enzyklopädischen Texts
Abbildung 9b: Verweise als Enzyklopädischer Text
Abbildung 9c: Funktional-Positionale Verweise als Enzyklopädischer Text
Abbildung 10 : Wörterbuchteile
Abbildung 11 : Entstehung von Informationellem Mehrwert
Abbildung 12 : Struktureller Aspekt des Hypertexts - Fehlende Modulbildung
Mikrostruktureller Einheiten
Abbildung 13a: Struktureller Aspekt des Hypertexts - Fehlende Modulbildung
bei Homonymen: Ergebnisübersicht
Abbildung 13b: Struktureller Aspekt des Hypertext - Fehlende Modulbildung
bei Homonymen: Detaillierte Ergebnisdarstellung
Abbildung 14 : Struktureller Aspekt des Hypertexts - Fehlende gezielte
Verlinkung
Abbildung 15 : Struktureller Aspekt des Hypertexts - Negativbeispiel
Abbildung 16a: Externe Vernetzung Recherchebeispiel 1 Ergebnisübersicht
Abbildung 16b: Externe Vernetzung Recherchebeispiel 1 Ergebnis Details
Abbildung 16c: Externe Vernetzung Recherchebeispiel 1 fehlende Weiterleitung
Abbildung 17a: Externe Vernetzung Recherchebeispiel 2 Ergebnisanzeige
- IV -
Abbildung 17b: Externe Vernetzung Recherchebeispiel 2 Erfolgte externe
Vernetzung
Abbildung 18 : Kommunikationsmöglichkeiten
Abbildung 19 : Aktualisierungen
Abbildung 20 : Betonungs- und Aussprachehilfen
Abbildung 21 : Homepage der FAB Webseite
Abbildung 22 : Navigationselemente FAB Webseite
Abbildung 23a: Auswirkungen Frameeinsatz auf Browserfenster
Abbildung 23b: Auswirkungen Frameeinsatz bei Einbindung Xipolis
Abbildung 24 : Einfache Suche
Abbildung 25 : Profisuche
Abbildung 26a: Ergebnisausgabe
Abbildung 26b: Null-Treffermeldung
Abbildung 27a: Verlinkung Ergebnisüberblick
Abbildung 27b: Verlinkung Detaillierte Ergebnisdarstellung
Abbildung 27c: Verlinkung Verweisverfolgung
Abbildung 28 : Navigation innerhalb der Trefferliste
Abbildung 29 : Visuelle Hierarchie
Abbildung 30a: Visueller Aufbau Artikel im Original
Abbildung 30b: Visueller Aufbau Artikel Aufbereitungsvorschlag
Abbildung 31a: Vergleich mit anderen Informationsportalen: B1 Online
Abbildung 31b: Vergleich mit anderen Informationsportalen: Xrefer
Abbildung 31c: Vergleich mit anderen Informationsportalen: Wissen de
Abbildung 31d: Vergleich mit anderen Informationsportalen: Encyclopaedia
Britannica
Abbildung 32a: Verwendungsform Onlinedienst Xipolis NET
Abbildung 32b: Verwendungsform Onlinedienst Xipolis NET über Fremdzugriff
Abbildung 32c: Verwendungsform Mandant T-Info
Abbildung 32d: Verwendungszweck On- und Offline-Applikation iFinger
Abbildung 32e: Verwendungsform „Wortschatzmanager“ Mr Check
Abbildung 33a: Homepage der FAB Webseite am 28 02 2002
Abbildung 33b: Homepage der FAB Webseite am 09 04 2002
Abbildung 33c: Homepage der FAB Webseite am 14 04 2002
Abbildung 33d: Feature vBook
- V -
Abbildung 34a: Fehlfunktion Mr Check beim Internet Explorer 6 Teil1 116
Abbildung 34b: Fehlfunktion Mr Check beim Internet Explorer 6 Teil2 117
Abbildung 35a: Netscape 6 2 Bereich Lexika 117
Abbildung 35b: Netscape 6 2 B1 Online Erste Darstellung 118
Abbildung 35c: Netscape 6 2 (B1 Online) Absätze 119
Abbildung 35d: Netscape 6 2 Funktionsstörungen der gesamten Webseite nach
Einbindung Xipolis NET Webseite 119
Abbildung 36 : Opera 6 0 Homepage 120
- VI -
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Linguistische Informationen 21
Tabelle 2 : Hinweise für den Benutzer 27
Tabelle 3 : Formen des Informationellen Mehrwerts 29
Tabelle 4a: Kommunikationsformen Nutzer-Nutzer/Lexikograph 34
Tabelle 4b: Kommunikationsformen Nutzer-System 34
Tabelle 5 : Technologischer Background des Tanto Xipolis Systems 38
Tabelle 6 : Auflösung Textverdichtungen durch Wegfall
Umfangsbeschränkungen 51
Tabelle 7a: Usability Test Ergebnisse Navigationselemente und
Zugriffsfunktionen 74
Tabelle 7b: Usability Test Ergebnisse Inhaltliche Aufbereitung 74
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Abstract und Schlagworte
Gegenstand der Ausarbeitung ist der Vergleich des Wissensspeichers Lexikon als traditionelles Printwerk mit den neuen hypermedialen Publikationen der Online-Lexika. Als Beispiel hierfür fungiert der Brockhaus in einem Band in seiner Print- und Onlineversion. Ein erster Schwerpunkte der Untersuchungen liegt auf der Entstehung von Informationellem Mehrwert durch die Umsetzung und Aufbereitung lexikographischer Inhalte in die hypermediale Umgebung des World Wide Web.
Zweiter Aspekt ist die Analyse hypermedialer Online-Lexika unter dem Gesichtspunkt der Web Usability.
Resultate sind ein Fazit zum aktuellen Stand, Ausblicke auf Entwicklungen und ein Richtlinienkatalog für die Usability von Online-Lexika.
Lexikographie ; Online-Lexikographie
Lexika ; Online-Lexika Brockhaus Informationeller Mehrwert Hypermedia Web Usability
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Abkürzungsverzeichnis 3D Dreidimensional A/V Audiovisuell B1 Brockhaus in einem Band B1-Online Onlineumsetzung des Brockhaus in einem Band B24 Brockhaus Enzyklopädie B24-Online Onlineumsetzung der Brockhaus Enzyklopädie BIFAB Bibliographisches Institut und F.A.Brockhaus AG CD-ROM Compact Disc-Read Only Memory DIN Urspr.: Deutsche Industrie Norm,
heute: Deutsches Institut für Normung DTD Document Type Definition DVD Digital Versatile Disc EDV Elektronische Datenverarbeitung FAB F.A.Brockhaus GIF Graphic Interchange Format HTML Hypertext Markup Language IDS Institut für Deutsche Sprache
- 2 -
ISO International Standardization Organisation NS Nationalsozialismus Reda. Redaktionssystem SGML Standard Generalized Markup Language URL Uniform Ressource Locator W3C World Wide Web Consortium WWW World Wide Web XML Extensible Markup Language
- 3 -
1 Einführung
Mit der weiten Verbreitung des World Wide Web 1 (im weiteren Verlauf als WWW bezeichnet) als aktuelles in sich vernetztes Medium mit verschiedensten Darstellungsmöglichkeiten entstand ein schneller, unkomplizierter, überall verfügbarer Zugang zu einer Fülle von Information.
Auch traditionsreichen Wissensspeichern wie Lexika bietet dieses Medium neue Perspektiven zur Verbesserung und Weiterentwicklung. Schnell lassen sich erste Übereinstimmungen z.B. bei der Informationspräsentation in kurzen Einheiten und der Kombination von Text und Bild zur Erläuterung eines Gegenstands finden. So ist in der Fachwelt mittlerweile unbestritten, dass sich hier Chancen auftun von unbefriedigenden Strukturen wie der alphabetischen Ordnung und unhandlichen Verweissystemen zu neuen effizienteren Formen der Informationsspeicherung und -findung zu gelangen.
In wie weit sich die sogenannte Online-Lexikographie von traditionellen Verfahren und Strukturen der Print-Lexika bereits gelöst hat, um diese neuen Möglichkeiten wahrnehmen zu können, aber auch welche neuen Probleme und Hürden sich ihr in den Weg stellen, soll anhand des Beispiels Der Brockhaus in einem Band (im weiteren Verlauf als B1 bezeichnet), untersucht werden.
Vor den Darstellungen der konkreten Ziele der Ausarbeitung und ihrem Aufbau, erfolgen zunächst in den Kapiteln 1.1-1.3 Begriffsabgrenzungen aus der Lexikographie, ein Entwicklungsüberblick der durch den B1 als Beispiel gewählten Textgattung Enzyklopädie und Näheres zum Verlag F.A.Brockhaus (im weiteren Verlauf als FAB bezeichnet).
- 4 -
1.1 Begriffsabgrenzungen
Online-Lexikographie setzt sich zusammen aus der Vorsilbe „Online“ und der wissenschaftlichen Bezeichnung „Lexikographie“.
„Online“ steht für die direkte Kopplung an einen Computer oder im allgemeinen Sprachgebrauch für den Aufenthalt im WWW.
Die Definition für „Lexikographie“ lautet nach DIN Norm 2342:
„Lexikographie ist die geordnete Darstellung von Wortschatz der Gemeinsprache und der Fachsprache auf der Grundlage der in der Lexikologie 2 gewonnenen Erkenntnisse sowie der Lehre der Darstellung des Wortschatzes“ [vgl. DIN 2342 1992].
Man versteht also unter Online-Lexikographie, die elektronisch publiziert und über das WWW verfügbare Darstellung des Wortschatzes.
Aus der Definition von Lexikographie lässt sich eine Unterteilung in eine Sprach- und eine Sachlexikographie herauslesen, wobei Überschneidungen in der Praxis fließend sein können. Die erstgenannte Sprachlexikographie befasst sich mit der Vermittlung von vorwiegend sprachlichen Informationen zu einem Wort in einer oder vergleichend in mehreren Sprachen (bi- und multilinguale Lexika). Eine Unterteilung erfolgt in synchronische für eine bestimmte Sprachstufe, meist die der Gegenwartssprache, und diachronische Sprachlexika, welche sich mit der Sprachentwicklung beschäftigt [vgl. ARNTZ, PICHT 1995, S.191]. Über die genauen Bezeichnungszuordnungen in Verbindung mit Sprachlexika herrscht in der Fachwelt jedoch Uneinigkeit. Die einen verwenden Lexikon und Nachschlagewerk parallel als Oberbegriffe und Wörterbuch als Bezeichnung für ein Sprachlexikon, die Anderen wiederum verwenden Wörterbuch auch als Oberbegriff anstelle des Lexikons.
- 5 -
Demgegenüber lautet die eindeutige Bezeichnung für ein Sachlexikon Enzyklopädie. Diese haben ihren Schwerpunkt in einer systematischen Beschreibung eines Themenkomplexes, welcher durch ein Wort als Artikeltitel repräsentiert wird [vgl. LANDAU 1984, S.6] während auf die Erläuterung von Wörtern des Grund- und Allgemeinwortschatzes verzichtet wird [vgl. HAß-ZUMKEHR 2001a, S.294].
Da es sich bei dem in dieser Arbeit verwendeten Beispiel des B1 eindeutig um eine Enzyklopädie handelt und somit Sprachlexika nicht näher in die Untersuchungen einbezogen wurden, wird auf die Diskussion bezüglich deren Bezeichnung auch nicht weiter eingegangen. So erfolgt generell nur die Verwendung von Lexikon bzw. Lexika als übergeordneter Begriff bei einer Verallgemeinerung oder Gemeinsamkeiten von Werken der Sprach- und Sachlexikographie, während Wörterbuch und Nachschlagewerk nur in Form feststehender Termini wie den Wörterbuchteilen integriert werden. Ansonsten erfolgt, wo es kontextuell möglich ist, Enzyklopädie als Begriffswahl.
1.2 Geschichte der Enzyklopädie
Der Ursprung des Wortes Enzyklopädie findet sich in der griechischen Antike und bedeutet soviel wie „Kreis der Wissenschaften“. Im europäischen Mittelalter etablierte si ch das mittellateinische Wort „encyclopaedia“ als Bezeichnung für Werke, die der Idee einer umfassenden Sammlung des Wissens folgten. Erwähnt seien hier die Etymologien von Isidor von Sevilla etwa um 600.
Die damals vorherrschende systematische Ordnung nach theologischen oder philosophischen Begründungen, verbunden mit dem Ziel der vollständigen Repräsentation des Wissens, wich mit Ende des Mittelalters und dem Anstieg des Wissens zu Beginn der Renaissance einem zunehmenden Fokus auf Strukturierung und somit der alphabetischen Ordnung. [vgl. HAß-ZUMKEHR 2001a, S. 297-300]
Einen weiteren Wandel erfuhr die Enzyklopädie durch die zunehmende Professionalisierung und Industrialisierung des Buchdrucks gegen Ende des 18.
Jahrhunderts, wodurch die Zahl der Publikationen erheblich anstieg. In dieser Zeit entstanden so bekannte Werke wie die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers von Diderot und d’Alembert, die erste Ausgabe der Encyclopaedia Britannica und das Conversations-Lexikon von Brockhaus. So vollzog sich auch ein weiterer Wandel in der
- 6 -
Funktion der Enzyklopädie von einer Wissenssammlung für Gelehrte hin zu der neuen Text-sorte des Konversationslexikons, einem „Instrument zur geistigen Emanzipation“ 3 . Die heutigen Enzyklopädien dienen vor allem der Speicherung von Information und der Orientierung der Nutzer in unserer hoch technisierten und spezialisierten Umwelt. Auf der Basis dieses technische Fortschritts entstanden Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts dann auch neue Formen der Enzyklopädie, nämlich elektronische Produkte in Form von CD-ROMS 4 , DVDs 5 und Onlinediensten.
1.3 Der Verlag F.A.Brockhaus
Der Name Brockhaus [vgl. KLEINE GESCHICHTE GROSSER LEXIKA 1990, S.91-100] steht für eines der bekanntesten deutschen Lexika und dessen Begründer, Friedrich Arnold Brockhaus.
Der 1772 in Dortmund geborene Buchhändler gründete 1805 eine Verlagsbuchhandlung in Amsterdam und erwarb auf der Leipziger Buchhändlermesse 1808 das von Löbel-Franke 1796 begonnene unvollendete Konversationslexikon, dem Vorläufer der Brockhaus Enzyklopädie (im weiteren Verlauf als B24 bezeichnet), und setzte dieses fort.
In den folgenden Jahren wechselte der Firmensitz dann erst ins thüringische Altenburg und 1817/18 in die damalige deutsche Buchmetropole Leipzig, wo eine Druckerei an das Verlagshaus angeschlossen wurde.
Nach seinem Tod 1823 übernahmen seine beiden Söhne Friedrich und Heinrich die Führung des Hauses und in den folgenden Jahrzehnten erweiterte und verbesserte sich das Angebot im Familienbesitz kontinuierlich.
Im nächsten Jahrhundert folgte auf den Nationalsozialismus dann die Zerstörung durch alliierte Luftangriffe.
Auf Veranlassung der Amerikaner nahm 1945 in Wiesbaden eine „Verlagsfiliale“ ihren Betrieb auf, während das Stammhaus 1953 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet wurde.
Speicherplatte für Computer.
zweifacher Beschichtung und ein- oder zweiseitiger Beschreibung.
- 7 -
1984 fusionierte FAB dann mit dem Bibliographischen Institut und verlegte den Firmensitz nach Mannheim.
Nur vier Jahre später erwarb die Münchner Langenscheidt KG dann die Aktienmehrheit der Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG (im weiteren Verlauf als BIFAB bezeichnet) und übernahm so deren Leitung.
Mit Aufkommen der neuen Multimediatechnologien erweiterte man die Angebotspalette, welche Printausgaben verschiedener Enzyklopädien und Sachlexika für Erwachsene und Kinder umfasste, auch um CD-ROM und DVD Angebote und so erschien 1996 der Kompakt Brockhaus multimedial A-Z.
Für den expandierenden Onlinemarkt und den damit verbundenen Bereich des eContent 6 gründete BIFAB zusammen mit anderen Gesellschaftern 1999 die Firma Megalex Xipolis.net, die heutige Tanto Xipolis GmbH (vgl. Kapitel 3.2.2).
1.4 Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist darzustellen, welche neuen und vielseitigen Möglichkeiten das Medium WWW und seine Präsentationsform Hypertext bzw. Hypermedia 7 einem traditionsreichen Wissensspeicher wie der Enzyklopädie unter dem lexikographischen Gesichtspunkten der Entstehung von Informationellem Mehrwert [vgl. KUHLEN 1995, S. 80-94] bieten kann.
Im Gegensatz zu vielen bereits erschienen Fachpublikationen, welche sich eingehend mit diesem Thema befassen und alle theoretischen Möglichkeiten aufzeigen, soll hier untersucht werden wie sich dies im WWW so umsetzen lässt, dass dies für den Informationssuchenden benutzerfreundlich bleibt.
Als Beispiel hierfür wurde der B1 gewählt, ein Standardwerk der deutschen Sprache, welches als aktuelle Printausgabe in der 9. Auflage aus dem Jahr 2000 und auch als kostenfreier Onlinedienst im WWW vorliegt. Allein schon an dieser Tatsache lässt sich ein erster wichtiger Aspekt der Online-Lexikographie aufzeigen, nämlich die so genannte Lösung von der Buchmetapher. So findet dann auch ein Vergleich zwischen der Print- und der Onlineausgabe unter dem erwähnten lexikographischen Mehrwertaspekt statt. Allerdings lassen sich
Intranet und Mobilfunknetze).
Hypermedia bezeichnet die zusätzliche Einbindung von audiovisuellen Medien (vgl. Kapitel 3.1.3).
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anhand der Umsetzung des B1 auch viele Möglichkeiten zur weiteren Verwendung der elektronisch vorliegenden Daten aufzeigen. Ein weiteres Auswahlkriterium war der kommerzielle Hintergrund. Im Gegensatz zu vielen in der Fachliteratur herangezogenen und besprochenen Beispielen verfolgt FAB mit seinen Angeboten ein wirtschaftliches Interesse, dies lässt die Entwicklungen in einem anderen Licht erscheinen als dies Projekte staatlicher Einrichtungen und Hochschulen zulassen.
1.5 Aufbau und Strukturierung der Arbeit
In Kapitel 2 werden als Basis der Untersuchungen zuerst allgemeine Merkmale von einsprachigen Print-Lexika herausgearbeitet, das Beispiel B1 näher vorgestellt und dann auf die Ausprägungen der vorher beschriebenen Merkmale untersucht.
Das dritte Kapitel definiert eingangs den Begriff des Informationellen Mehrwertes von Online-Lexika gegenüber gedruckten Publikationen. Im weiteren Verlauf wird die Onlineversion des B1 (im weiteren Verlauf als B1-Online bezeichnet) vorgestellt und auf die tatsächliche Entstehung von Informationellen Mehrwert untersucht. Daran schließt sich eine Inspektion der gesamten Webseite von FAB mit Fokus auf den eingebundenen Dienst B1-Online auf Basis der Web Usability 8 und selbst durchgeführter Usability Tests.
Ein Fazit des Vergleichs B1 vs. B1-Online folgt in Kapitel 4.
Das fünfte und letzte Kapitel unternimmt einen Ausblick auf Entwicklungen in der Online-Lexikographie. Einleitend erfolgt ein Blick auf Projekte des Hauses FAB, einschließlich der Zukunft des B1-Online. In den weiteren Abschnitten werden aufgrund des Mediums WWW neu hinzugekommene Aspekte und ein Richtlinienkatalog für Usability Kriterien von Online-Lexika, basierend auf den dazu durchgeführten Untersuchungen, vorgestellt. Das Schlusswort fasst die Ergebnisse nochmals zusammen und bezieht Stellung zur aktuellen Situation der Online-Lexikographie und zu notwendigen Veränderungen.
Benutzer spezifizierte Ziele in vorhergegebenen Umgebungen erreichen“[vgl. ISO 9241 -11 1998]. Diese
Umgebung ist in diesem Fall das sogenannte Web, wie WWW eine Kurzform für das World Wide Web.
Methoden die Usability von Anwendungen zu untersuchen sind u.a. verschiedene Verfahren der
Inspektion und Usability Tests. (vgl. Kapitel 3.2.5 und Unterkapitel)
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Detaillierte Darstellungen zu bestimmten Hintergrundaspekten erfolgen ergänzend im Anhang.
1.6 Schreibweisen etc.
Begriffe, die nach ihrer ersten Verwendung nicht unmittelbar im folgenden Kontext erläutert werden, sondern in einer Fußnote, in späteren Kapiteln oder im Glossar, werden bei ihrer Erstverwendung kursiv dargestellt.
Dies betrifft vor allem Ausdrücke aus den Bereichen der Neuen Medien und des WWW, welche sich durch eine Vielzahl englischer Fachbegriffe und Kurzformen auszeichnen. Die Verwendungen erfolgen im Original, sofern dies auch im Deutschen die gängigeren Ausdrücke sind.
Des weiteren erhält auch die Ersterwähnung einer bestimmten Publikation eine kursive Darstellung.
Häufiger aufgeführte Publikationen und Firmennamen erhalten eine gängige Kurzform.
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2 Der Brockhaus in einem Band als Beispiel für eine Enzyklopädie
Als Basis der Ausarbeitungen untersucht das vorliegende Kapitel einsprachige Print-Lexika und im Speziellen das gewählte Beispiel B1.
2.1 Allgemeine Merkmale von einsprachigen Print-Lexika
Einführend sollen zunächst kurz die wichtigsten Strukturen und der Aufbau von einsprachigen Print-Lexika skizziert werden, wobei sich das Hauptaugenmerk bereits auf gewisse Eigenheiten der Textsorte Enzyklopädie richtet.
2.1.1 Makrostruktur
Die Makrostruktur eines Lexikons beschreibt das Ordnungsprinzip einer nichtleeren endlichen Menge von Lemmata (Plural von Lemma) (vgl. Kapitel 2.1.2) als Leitelementträger. Dieses Ordnungsprinzip nennt man Ordnungsrelation, es beschreibt in welcher Beziehung die Lemmata zueinander stehen. Dies kann eine systematische oder eine alphabetische Anordnung sein, welche man traditionell häufiger antrifft und welche in unterschiedlichen Ausprägungen realisiert werden kann 9 .
Weiteres Merkmal der Makrostruktur ist die Zugriffstruktur, welche das gezielte Auffinden von Information für den Benutzer gewährleistet.
Diese ist nicht zu verwechseln mit dem Inneren Zugriff, welcher der Mikrostruktur (vgl. Kapitel 2.1.4) zugerechnet wird.
Verfügt ein Lexikon über nur eine Äußere Zugriffsmöglichkeit, liegt ein monoakzessives Werk vor, besitzt es jedoch mehrere Äußere Zugriffe so nennt man es polyakzessiv. Nicht als Teile einer solchen Struktur gelten jedoch sogenannte Registerexterne Zugriffe, wie Anhänge in Form Verzeichnissen für Abkürzungen oder fremdsprachige Ausdrücke, da diese kein eigenes Register vorweisen sondern nur auf ein solches verweisen.
alphabetischen Makrostruktur sei hier verwiesen auf spezielle Fachliteratur und -aufsätze [vgl.
BERGENHOLTZ, TARP 1995, S.190-195 oder ROTHENHÖFER, KÖRKEL 1999]. Die für diese Arbeit
relevante Form wird in Kapitel 2.2.2.1 bei der Untersuchung zur Makrostruktur des B1 näher besprochen.
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Erwähnenswert sind hier auch noch sogenannte Schnellzugriffstrukturen, die dem Benutzer einen „schnelleren Zugriff“ auf den Artikel mit Hilfe eines Teilbereichüberblicks ermöglichen sollen, beispielsweise durch eine Lebende Kolumne oder ein Daumenregister auf jeder Seite.
2.1.2 Lemmaselektion
Das Lemma stellt einen speziellen Fall eines Leitelementträgers in Form eines „Artikelkopfes“ dar. Sie sind so einerseits ein Baustein des Artikels, gewährleisten gleichzeitig aber auch den Zugriff auf die gesuchte Information. Generell können alle Elemente aufgrund einer bestimmten Eigenschaft Leitelementträger sein, auch Ziffern,
Farben, alle Arten von Schriftzeichen, usw., Lemmata hingegen werden gebildet aus Wörtern, Wortteilen (Affixe) oder Wortkombinationen 10 der Sprache.
Sie sind das Ergebnis eines systematischen Selektionsprozesses, der Lemmatisierung. Wichtigste Aufgabe ist wohl die Bestimmung des Lemmas, verbunden mit der Festlegung der Form, welche bei Enzyklopädien von Substantiven beherrscht wird. Diese weisen auch eine Reihe von Eigennamen wichtiger Persönlichkeiten und Geographika als Lemmata auf, wohingegen auf Begriffe des Allgemein- und Grundwortschatzes verzichtet wird. Ein anderer wichtiger Punkt bei der Lemmatisierung ist die Endlichkeit der Trägermenge von Lemmata in einem (Print-)Lexikon, deshalb muss auch eine quantitative Auswahl je nach Umfang des Werkes erfolgen. Eine Maximale Lemmaselektion steht für die größtmögliche Abdeckung des Vokabulars, während eine Minimale Lemmaselektion eine relative äußere Vollständigkeit gewährleisten soll, die Realität dürfte in den meisten Fällen irgendwo dazwischen liegen.
verschiedene Gruppen untergliedern: Komplexe Funktionswörter (z.B. „sondern auch“), Mehrgliedrige Lexikalische Zeichen, sogenannte Phraseme und idiomatische Wendungen (z.B. „jemandem einen Bären aufbinden“) und Kollokationen, welche sich durch eine bestimmte Vor zugsbenennung auszeichnen (z.B. „einen Vogel beobachten“ als gängige Bezeichnung gegenüber der gleichen Bedeutung von „einem Vogel zusehen“) [vgl. LEMNITZER 1998, S.86].
- 12 -
2.1.3 Linguistische Informationen
Mit Linguistischen Informationen sollen hier Informationen zur Form des Lemmas gemeint sein. Erwähnt seien an dieser Stelle als wichtige Beispiele etwa Informationen bezüglich der Grammatik, Aussprache- und Betonungshilfen, Synonyme, Äquivalente und Antonyme, die Herkunft eines Begriffs und seine Verwendungen in Wortkombinationen. Auf diese Art von lexikographischer Information hat sich die Sprachlexikographie, vor allem für zwei- und mehrsprachige Lexika, spezialisiert, während Enzyklopädien in der Regel mit einem geringeren Anteil an Linguistischen Informationen auskommen.
2.1.4 Mikrostruktur
Ausgehend vom Lemma als „Artikelkopf“ regelt die Mikrostruktur eines Lexikons den Aufbau und die Abfolge der verschiedenen Arten von Information im zum Lemma gehörigen Artikel. Ein sehr wichtiger Punkt ist diesbezüglich auch das Kenntlichmachen der Teilartikeln von homonym oder polysem verwendeten Wörtern. Letztendlich entscheidet sich aufgrund dieser schematischen Ordnung wie schnell und gezielt der Nutzer die verschiedenen Informationen im Artikel auffinden kann.
Dies nennt man dann den Inneren Zugriff. Um diesen zu erleichtern können Informationen in getrennten Feldern untergebracht sein. Häufige Verwendung finden auch einfache Hilfsmittel wie Absätze oder typographische Elemente, z.B. kursive oder fettere Schriften oder spezielle Symbole als Anzeiger.
2.1.5 Enzyklopädische Informationen
Diese Art der Information dient der inhaltlichen Erläuterung eines durch ein Lemma in der Enzyklopädie repräsentierten Wortes und behandelt sozusagen das Wissen zu einem bestimmten Thema.
Natürlich finden sich auch in Sprachlexika inhaltliche Informationen zu einem Lemma. Dieses Ausführungen können als Semantische Informationen bezeichnet werden, welche Wissen vor allem allgemein- und grundsprachlicher Inhalte darstellen und von Geeb [vgl. GEEB 1998] als „Repräsentati ves Lexemwissen“ bezeichnet werden.
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Demgegenüber stellt er Enzyklopädische Informationen als „Ergänzendes Lexemwissen“ dar, welches über die Darstellungstiefe der Semantischen Informationen hinausgehende ergänzende thematische Angaben der Fachsprache liefert. Aber auch diese können in ihrer Tiefe variieren. Eine auf ein bestimmtes Thema spezialisierte Enzyklopädie, z.B. aus dem medizinischen Bereich, erklärt den Begriff „Lunge“ sicherlich eingehender als dies eine universelle Enzyklopädie tut, und ein Arzt definiert einen Fachbegriff sicher anders als sein Patient.
Weiter lassen sich Enzyklopädische Informationen nochmals in verschiedene Arten der Darstellung unterteilen. Wohl die wichtigste ist der Enzyklopädische Text in Form des geschriebenen Artikels. Bei umfangreicheren Darstellungen eines Themas empfehlen sich Aufteilungen in verschiedene Sektionen, welche sich einem bestimmten Themenaspekt widmen. Bei Erläuterungen zu Staaten findet man etwa häufig inhaltliche Aufteilungen in „Geschichte“, „Wirts chaft“, „Politik“, o.ä.
Des weiteren kann die Verwendung von Enzyklopädischen Zeichen, in Form von Kürzeln oder Symbolen für bestimmte Sachgebiete, welche in einem Anhang zugeordnet werden, sehr hilfreich für den Nutzer sein.
Weit verbreitet, speziell in Enzyklopädien, sind auch Illustrationen, welche verschiedene Funktionen ausüben können, sie:
sprechen für sich selbst,
veranschaulichen den Enzyklopädischen Text,
erklären den Enzyklopädischen Text, da dieser sich direkt auf die Darstellung der Illustration bezieht,
unterstützen den Enzyklopädischen Text,
sind inhaltlich identisch mit der Information des Enzyklopädischen Textes, sind sozusagen eine alternative Darstellung.
Illustrationen können also sowohl eine Unterstützung des Enzyklopädischen Textes, als in geeigneten Fällen auch eine Ersatz sein.
Weiter unterscheiden lassen sich Illustrationen nach der Art ihrer Darstellung. Photographien bilden die Konkreten Reproduktionen, während Zeichnungen je nach Inhalt der Darstellung Teilabstrakt oder Vollständig Abstrakt sind. Als Teilabstrakte Reproduktion bezeichnet werden
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etwa skizzierte Abbildungen von Pflanzen, Diagramme wären hingegen Vollständig Abstrakte Illustrationen. [vgl. BERGENHOLTZ, TARP 1995, S.159-166]
Weiter besitzen Illustrationen jeglicher Art und Funktion natürlich einen hohen ästhetischen Wert für das Erscheinungsbild eines Lexikons.
2.1.6 Verweisstruktur
Die Verweis- oder Mediostruktur beschreibt die Art der Verweise, der Hinweise auf weiterführende oder zusätzliche Information zu einem bestimmten Aspekt, in einem Lexikon und soll sicherstellen, dass der Benutzer die Information auch in dem von ihm gewünschten Umfang mit entsprechenden Zusammenhängen erhält. Gleichzeitig erfolgt so eine Vermeidung unnötiger Wiederholungen von bestimmten Angaben.
Eine erste Unterscheidung wird vorgenommen bezüglich Expliziter, Impliziter und Potentieller Verweise. Explizite sind durch Anzeiger und Adressenangaben als solche erkennbaren Verweise auf ein Lemma oder einen bestimmten Artikelabschnitt. Besitzen sie zusätzlich noch eine Beziehungsangabe so nennt man sie ergänzend Funktional-Positional. Implizite, auch Verdichtete Verweise genannt, unterscheiden sich demgegenüber durch ein Auslassen dieser Anzeiger und der Beziehungsabgabe. Diese Tatbestand resultiert daraus, dass sie nicht sachliche Zusammenhänge der Begriffe zueinander, sondern lexikonspezifische Beziehungen zwischen verschiedenen Elementen darstellen. Eingesetzt werden sie beispielsweise bei einem Verweis auf eine Abbildung oder auf zentrale Wörterbuchteile, ergänzt durch eine Seiten- oder andere Zählungsangabe.
Alle übrigen Wörter eines Artikels, die nicht als Verweise kenntlich gemacht sind, die einem Nutzer aber eventuell verfolgungswürdig erscheinen und auch als Lemma der Wortliste vor-handen sind, nennt man Potentielle Verweise 11 .
von der Qualität eines Lexikons ab. Wichtigster Verfolgungsgrund ist natürlich, dass ein Nutzer die Ausführungen eines Artikels nicht versteht, da ihm bestimmte in diesem verwendete Wörter nicht geläufig sind. Sollten diese Wörter dann nicht als Explizite Verweis kenntlich gemacht sein und der Nutzer der eigentlichen Zielgruppe angehören, so kann dieser Umstand dann als eine Verminderung der Benutzerfreundlichkeit bezeichnet werden, da es das lexikographische Anliegen sein muss den Nutzer bei seiner Informationssuche gezielt zu unterstützen. Weiter wirken eine Reihe von Indizien wie etwa Abkürzungen und vorangestellte alpha-numerische Zeichen initiierend zur Verweisverfolgung. [vgl. KAMMERER, LEHR 1996]
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Weiter lässt sich die Mediostruktur in einen Internen und einen Externen Teil gliedern. Interne Verweise sind immer adressiert auf Informationen innerhalb des Lexikons. Führen sie von einem Wörterbuchteil zu einem anderen, so nennt man sie Wörterbuchteil-Extern.
Bleibt der Nutzer in der Wortliste, so nennt man dies Wortlisten-Intern oder Artikel-Extern, da ja ein Verweis vom einen zum anderen Artikel der Wortliste erfolgt. Verweise innerhalb eines Artikels auf Mikrostrukturelle Einheiten oder bestimmte Abschnitte des Enzyklopädischen Texts werden als Artikel-Intern bezeichnet. Dem hingegen führen Externe Verweise zu Informationen in anderen Publikationen.
2.1.7 Wörterbuchteile
Neben der Wortliste, die den zentralen Teil jeder Enzyklopädie und jedes Lexikons darstellt, finden sich auch noch unterschiedlichste andere Bausteine, welche die Publikation komplettieren. Dies können sowohl das Vorwort, als auch Benutzerhinweise oder Anhänge jeglicher Art sein. Ihre Ordnung erfolgt ausgehend von der Lage zur Wortliste, meist vor- oder nachgestellt, in manchen Fällen aber auch innerhalb.
2.2 Das Beispiel: Der Brockhaus in einem Band
Nach dem allgemeinen Überblick zu Strukturen von Print-Lexika folgt in diesem Abschnitt nun die Untersuchung der Beispiel-Enzyklopädie B1 in der aktuellen Printausgabe, beginnend mit einem einführenden Teil zur Publikationsentwicklung.
2.2.1 Einleitung
Die Geschichte des B1 [vgl. KLEINE GESCHICHTE GROSSER LEXIKA 1990, S. 93-96] beginnt im Jahr 1931, wo er unter dem Namen Volks-Brockhaus erstmalig als einbändiges Werk auf den Markt kam.
Als eigentlicher Vorläufer und erstes Werk seiner Art darf aber das zwischen 1854 und 1856 entstandene erste Kompaktlexikon, das Kleine Brockhaus’sche Conversations-Lexikon für den
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Handgebrauch in vier Bänden betrachtet werden. Obwohl auch dieses heute noch unter dem Namen Der Brockhaus in fünf Bänden zur Produktpalette des Verlages gehört, entwickelten sich beide aus der selben Grundidee des kompakten universellen Lexikontyps.
Der Volks-Brockhaus erschien nach NS-Regime und 2. Weltkrieg dann 1955 überarbeitet unter dem neuen Namen B1.
Heute liegt die neunte Auflage aus dem Jahr 2000 vor, welche auch für die Untersuchungen verwendet wurde. Diese verfügt über rund 55 000 Stichwörter und 4 500 Abbildungen, Zeichnungen und Tabellen auf 1 024 Seiten [vgl. BIFAB GV 2002]. Laut Hersteller handelt es sich beim B1 um
„ein [...] bewährtes Kompaktlexikon für Schule, Beruf und Alltag [...]“ [vgl. B1 2000, S. 6]
und dient der allgemeinen Erstinformation des Nutzers und nicht der komplexen Darstellung eines Themas. Somit lässt er sich der breiten Zielgruppe des sogenannten Laiennutzers 12 zuordnen.
2.2.2 Lexikalischer Aufbau und Strukturen
In den folgenden Gliederungspunkten werden nun, basierend auf den in Kapitel 2.1 mit Unterkapiteln vorgestellten allgemeinen Strukturen und dem Aufbau, die lexikographischen Merkmale des B1 herausgearbeitet. Viele dieser Strukturausprägungen resultieren direkt aus dessen Zielsetzungen und den damit verbundenen Beschränkungen als Kompaktlexikon.
Laien, Wissenschaftler, Lexikographen und Kritiker. Demnach ist ein Laie ein Nutzer, der aufgrund eines
sprachkommunikativen Problems zu einem Lexikon greift [vgl. WIEGAND 1998].
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2.2.2.1 Makrostruktur
Ordnungsrelation
Wie in den meisten Lexika erfolgt auch beim B1 die Anordnung der Lemmata alphabetisch, dabei wird sie konsequent auf alle Buchstaben eines Lemmas angewandt, also exhaustiv mechanisch, wie Abbildung 1 zeigt.
Sonderzeichen werden den Vokalen gleichgesetzt behandelt, in einzelnen Fällen jedoch, bei ansonsten identischen Begriffen, wie in Abbildung 2b, nachgestellt.
Abbildung 2a: Sonderzeichenbehandlung A Abbildung 2b: Sonderzeichenbehandlung B
Ein ähnliches Verfahren findet man auch beim „ß“, welches einem „Doppel -S“ gleichgesetzt, diesem bei identischen Begriffen jedoch vorgezogen wird.
Aus dieser exhaustiv mechanischen Anwendung resultiert dann die vorliegende striktinitialalphabetische, genauer eine glattinitialalphabetische Ordnungsrelation, in der keine Sublemmata vorhanden sind, jedes Lemma seinen eigenen Platz besitzt und deren Anordnung einer vertikalen Linie, in Abbildung 3 grün dargestellt, folgt.
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Äußere Zugriffstruktur
Der B1 besitzt einen Äußeren Zugriff über die Wortliste plus einen Registerexternen Zugriff über ein Abkürzungsverzeichnis, somit handelt es sich um ein monoakzessives Werk. Für einen schnelleren Zugriff dienen Lebende Kolumnen, welche jeweils das erste und letzte Lemma jeder Seite, positioniert im Seitenkopf, anzeigen. In Abbildung 3 findet sich eine Kolumnenanzeige für das abschließende Lemma der Seite als Beispiel rot eingekreist. In selbiger Abbildung durch die blaue Markierung ersichtlich, bedient man sich der Fettschrift als typographisches Hilfsmittel zum Kenntlichmachen des Lemmas als Artikelanfang, während auf zusätzliche Absätze zwischen den Artikeln verzichtet wird.
2.2.2.2 Lemmaselektion
Wie einleitend bereits erwähnt liegt mit dem B1 eine universelle Enzyklopädie vor, es soll also einen Querschnitt über alle Wissensgebiete hinweg vermittelt werden, ohne Begriffe aus Allgemein- und Grundwortschatz zu erklären.
Die Tatsache, dass es sich beim B1, mit rund 55 000 Stichwörtern in nur einem Band, im Vergleich zum B24 mit zirka 260 000 Stichwörtern in vierundzwanzig plus derzeit sechs separaten Ergänzungsbänden [vgl. BIFAB GV 2002], um ein Kompaktlexikon mit sehr geringen Umfang handelt, lässt zweifelsfrei darauf schließen, dass eine Minimalisierte Lemmaauswahl vorgenommen und somit nur eine relative äußere Vollständigkeit gewahrt wurde. Die tatsächliche Selektion und die Ansetzung der schließlich verwendeten Lemmata folgt internen redaktionellen Gesichtspunkten basierend auf der Auswahl von Stichwörter der „klassischen“ Allgemein -
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Arbeit zitieren:
Kay Hauser, 2002, Möglichkeiten der Online-Lexikographie, München, GRIN Verlag GmbH
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