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"Komplexe Dynamiken" - Nicht gelingender Alkoholgebrauch und depressive Bewältigungsstrategien im Spiegel unterschiedlicher Disziplinen

Diplomarbeit,  2007, 139 Seiten
Preis: 34,90 EUR (E-Book), 59,90 EUR (Buch)
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Details zum Text

Beschreibung

Veranstaltung:
Keine
Institution / Hochschule:
Autor:
Archivnummer:
V85819
ISBN (E-Book):
978-3-638-90073-7
ISBN (Buch):
978-3-638-90376-9
DOI:
10.3239/9783638900737
Dateigröße:
527 KB

Kategorie:
Diplomarbeit
Jahr:
2007
Seiten:
139
Bibliografie:
~ 198   Einträge
Note:
1,3
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Anliegen: Vor dem Hintergrund biopsychosozialer Faktoren, die für die Phänomene der Alkoholabhängigkeit und der Depression in ihrer Entstehung und ihrem Verlauf ausschlaggebend sein können, sollen biologische, psychische und soziale Bedeutungen abgeklärt werden. Daneben soll der komplexe Zusammenhang zwischen Alkoholabhängigkeit und Depression dargestellt werden. Eine multidisziplinäre Sichtweise stellt die Phänomene dar, vergleicht sie und bringt diese miteinander in Verbindung. Dabei wird die Bedeutung der Lebensbewältigung im Alltag hervorgehoben, der als Schnittstelle der subjektiven Erfahrungs- und Bewältigungsmuster mit den sie bedingenden „objektiven“ gesellschaftlichen Strukturen verstanden wird. Somit wird der gesellschaftliche Ort für diese Phänomene aufgeschlossen, um diese speziellen Verhaltensweisen zu verstehen. Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Alkoholabhängigkeit und Depression sind Bewältigungsstrategien, die sich wechselseitig beeinflussen können. Diese Phänomene können als Anpassungsverhalten an anomische Verhältnisse betrachtet werden. Durch ein Ungleichgewicht individueller und sozialer Ressourcen kann es zu einer psychosozialen Missbalance kommen, die Menschen mit allen Mitteln ausgleichen wollen, sei es durch riskanten Alkoholgebrauch und/oder depressiven Verhaltensweisen. Für die Entstehung und den Verlauf dieser Phänomene und somit auch für Hilfs- und Versorgungssysteme sind soziale Faktoren ausschlaggebend. Schlüsselwörter: Lebensbewältigung - Risikogesellschaft - Alltag - nicht gelingender Alkoholgebrauch - Depression

Textauszug (computergeneriert)

"Komplexe Dynamiken"
Nicht gelingender Alkoholgebrauch und depressive Bewältigungsstrategien
im Spiegel unterschiedlicher Disziplinen

Diplomarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades
Magister für sozialwissenschaftliche Berufe
Mag.(FH)
Studiengang Soziale Arbeit
Fachhochschule Technikum Kärnten Feldkirchen
Feldkirchen, April 2007

von

Wolfgang Grabler

 

 

 

 

Inhalt

0. Einleitung ...  5

1. Nicht gelingender Alkoholgebrauch ...  12
1.1 Begriffsklärungen  ...  13
1.1.1 Alkoholismus/Alkoholabhängigkeit  ...  13
1.1.2 Sucht ...  14
1.1.3 Nicht gelingender Alkoholgebrauch  ...  15
1.2 Erklärungsansätze und Typologien  ...  19
1.2.1 Genetische Dispositionen ...  19
1.2.2 Biologische Modelle  ...  21
1.2.3 Psychologische Erklärungsmodelle  ...  22
1.2.4 Klinische Sozialarbeit  ...  30
1.2.5 Typologien und Verlaufsformen  ...  32
1.3 Gesellschaft und Alkohol  ...  36

2. Depressive Bewältigungsstrategien  ...  44
2.1 Begriffsklärungen  ...  45
2.1.1 Depression/depressive Störung  ...  47
2.1.2 Depressive Episode  ...  48
2.1.3 Major Depression  ...  50
2.1.4 Depressive Bewältigungsstrategien  ...  52
2.2 Erklärungsansätze und Verlaufsformen ...  55
2.2.1 Biologische Erklärungsansätze  ...  57
2.2.2 Psychologische Erklärungsansätze ...  61
2.3 Depressive Bewältigungsstrategien und Gesellschaft  ...  65

3. Das Verhältnis von Alkoholgebrauch und depressiven Bewältigungsstrategien  ...  72
3.1 Zusammenhang beider Phänomene  ...  73
3.2 Die Rolle der Gesellschaft  ...  81

4. Perspektiven der Sozialen Arbeit  ...  89
4.1 Kritik am Krankheitskonzept ...  93
4.2 Professionelle Handlungsstrategien ...  101
4.2.1 Prävention ...  104
4.2.2 Repression  ...  107
4.2.3 Therapie und Überlebenshilfe  ...  108
4.3 Ausblick  ...  

Literaturverzeichnis ...  118

 

 

0. Einleitung

Die beiden chilenischen Neurobiologen, Maturana und Varela legten in ihrem Buch "Der Baum der Erkenntnis" eindrucksvoll dar, dass menschliche Wesen nur in der Sprache menschliche Wesen sind, "und weil wir über die Sprache verfügen, gibt es keine Grenzen dafür, was beschrieben, vorgestellt und miteinander in Zusammenhang gebracht werden kann" (Maturana/Varela 1987: 229). Diesem Grundsatz werde ich folgen, und in meiner Diplomarbeit die beiden Phänomene "nicht gelingender Alkoholgebrauch" und "depressive Bewältigungsstrategien" beschreiben, vorstellen und miteinander in Zusammenhang bringen.

Überblickend möchte ich voranstellen, dass die von mir verwendeten Begriffe des "nicht gelingenden Alkoholgebrauchs" und der "depressiven Bewältigungsstrategien" auf das Konzept der Alltags- und Lebensweltorientierung, das vor allem von Hans Thiersch entwickelt wurde, und auf das Konzept der (Lebens)Bewältigung nach Lothar Böhnisch hinweisen. Diese von mir gewählten Termini sind also eingebettet in einen theoretischen Zusammenhang (vgl. Habermas 1990: 12).

Die Sichtweisen unterschiedlicher Disziplinen sollen dazu beitragen ein umfassenderes Bild dieser Phänomene zu bekommen: Alltag beschreibt neben einem praktischen und problematischen Ort, auch "einen theoretischen Ort, also eine Schnittstelle, an der sich unterschiedliche Theoriestränge und Diskussionslinien kreuzen" (Schulze 1996: 71). Alltag ist nicht nur durch Wiederholungen gekennzeichnet, sondern auch durch Unzulänglichkeiten, Misslingen und durch Entwicklungsmöglichkeiten und Verbesserung (vgl. Schulze 1996: 71 ff.).

Das von mir in der Begrifflichkeit angedeutete bewältigungs- und lebensweltorientierte Professionsverständnis versucht neben allen vorgegebenen gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zunächst auf das Subjekt in seinen Verhältnissen hinzuweisen, ohne dabei zwingen zu wollen, Angebote zu machen und Optionen für einen gelingenderen Alltag zu eröffnen (vgl. Böhnisch/Schröer/Thiersch 2005: 122 f.).

In dieser Arbeit werden beide Geschlechter in der Verwendung einer pluralisierten Form von Hauptwörtern durch ein großes I angesprochen: Wenn also beispielsweise von "SozialarbeiterInnen" die Rede ist, sind damit mehrere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, oder eben eine Sozialarbeiterin und ein Sozialarbeiter gemeint. Bei der Verwendung des Singulars habe ich mich vor allem wegen der besseren Lesbarkeit des Textes entschieden, nur die weibliche Form zu verwenden. Wenn nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, kann damit sowohl eine weibliche, als auch eine männliche Personen gemeint sein. "Die Sozialarbeiterin" spricht also sowohl weibliche als auch männliche VertreterInnen dieser Berufsgruppe an.

Erkenntnisinteresse und Fragestellung

Die Aufgabe von Wissenschaft kann es nicht sein, endgültige Wahrheiten zu finden und somit ist es auch nicht das Ziel dieser Diplomarbeit eine neue Wahrheit zu finden. Der Versuch, eine vollständige Antwort auf die Fragen der Entstehung dieser Phänomene zu geben, wäre wie Simon treffend formuliert größenwahnsinnig und verrückt (vgl. Simon 2002: 12). Vielmehr steht für mich im Vordergrund, Erklärungsansätze für diese Phänomene herauszuarbeiten und mir die Frage zu stellen, womit wir es hier zu tun haben und wie die Komplexität dieser Phänomene so vereinfacht werden kann, "um Sinnzusammenhänge und Erklärungen konstruieren zu können" (ebd.), die für die Arbeit mit AdressatInnen nützlich sein können.

Ich bin mir der Problematik und der Komplexität dieses Themas sehr wohl bewusst. Die Erklärungsansätze für die von mir dargelegten Phänomene werden nicht zu einer neuen Wahrheit führen, vielleicht aber zu neuen Wahrheitssegmenten. Dahinter liegt die Überlegung, dass sich Fragen nur beantworten lassen, indem ich eine Neuformulierung dieser Phänomene in andere Kategorien vorschlage, die sich von denen unterscheiden, die in der ursprünglichen Formulierung dieser Frage gebraucht wurden (vgl. Maturana 2000: 330). Ich habe mich also entschieden, die Definitionen "nicht gelingender Alkoholgebrauch" statt Alkoholismus oder Alkoholabhängigkeit und "depressive Bewältigungsstrategien" statt Depression oder depressive Störung als primären Zugang zu verwenden. Damit kann sich eine neue Sichtweise auf die Beschreibung der Phänomene ergeben, die in Teilen der Fachwelt mit Begriffen wie Alkoholabhängigkeit/Alkoholismus oder Depression/depressive Störung ausgedrückt werden.

Maturana geht davon aus, dass eine Theorie innerhalb des gebrauchten Vokabulars einen Sachverhalt beschreiben kann und dabei gleichzeitig wesentliche Aspekte des Gesamtgeschehens außer acht lässt - Sprachgebilde sind demzufolge systemische Gebilde, die in sich geschlossen und zirkulär sind (vgl. Lempke 1990: 22).

Der Begriff Alkoholismus etwa lässt sich mit einer Sprache der Moral, einer pathologisierenden Sprache (Sprache der Medizin) oder einer psychotherapeutischen oder psycho-logischen Sprache beschreiben - alle Ergebnisse werden aber immer nur Teilsegmente eines Phänomens liefern können (vgl. ebd.).

Es hängt mit der Perspektive der sprachlichen Welterschließung zusammen wie sprach- und handlungsfähige Subjekte etwas in der Welt wahrnehmen und damit zurechtkommen (vgl. Habermas 1998: 215). Durch eine Neuformulierung der von mir beschriebenen Phänomene können mitunter die Schwierigkeiten, die sich aus einer rein krankheitsorientierten Sichtweise ergeben, teilweise aufgehoben werden. Dennoch ist es nicht ganz möglich auf die geläufigen Definitionen Alkoholismus/Alkoholabhängigkeit oder Depression/depressive Störung zu verzichten, da diese landläufig die Phänomene beschreiben, mit denen ich mich in dieser Arbeit beschäftige. Außerdem werden diese Definitionen gerne von verschiedenen Bezugswissenschaften der Sozialen Arbeit, wie beispielsweise der Medizin, in ihrer Darstellung verwendet. Wenn ich also diese medizinischen Begriffe verwende, sollen dabei lediglich charakteristische Verhaltens-, Fühl- und Denkmuster beschrieben werden (vgl. Simon 2002: 12).

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