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1. EINLEITUNG 2
2. DIE ENTSTEHUNG DER POSAUNE 5
2.1 Frühe Vorformen und Entwicklungsschritte 5
2.2 Die Zugtrompete 7
2.3 Die Erfindung des U-förmigen Zuges 9
2.3.1 Der mögliche Entstehungsort Burgund 9
2.3.2 Der mögliche Entstehungsort Nürnberg 12
3. DIE POSAUNEN DER RENAISSANCE 16
3.1 Die Posaunenfamilie 16
3.2 Klangbestimmende Faktoren 21
3.2.1 Das Schallstück 23
3.2.2 Die Mensur 28
3.2.3 Das Mundstück 31
3.2.4 Die Verwendeten Materialien und ihre Verarbeitung 32
4. DER EINSATZ DER RENAISSANCEPOSAUNE 35
4.1 Instrumentale Besetzungen mit Posaune 35
4.1.1 Das Zusammenspiel mit dem Zink 35
4.1.2 Die alta capella 37
4.2 Die Turmmusik 40
4.3 Die Posaune in der Kirchenmusik der Reformationszeit 41
4.4 Giovanni Gabrielis Verwendung der Posaune 43
4.4.1 Gabrielis instrumentale Mehrchörigkeit am Beispiel der „Sonata pian e forte“ aus der
Sammlung „sacrae symphoniae“ 45
4.4.2 Gabrielis Canzonen am Beispiel der Canzon IV (C198) aus der Sammlung „canzoni et
sonate “ 50
5. DAS POSAUNENSPIEL IN DER RENAISSANCE 53
6. ZUSAMMENFASSUNG 57
ANHANG 60
NOTENANHANG 65
LITERATURVERZEICHNIS 79
2
1. Einleitung
Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts wird trotz abweichender Vorschläge als eine eigene Epoche in der Musikgeschichte geführt. Die Zäsur, die immer außer Frage stand, ist die des Jahres 1600. Obwohl eine Rückbesinnung mittels der Oper und der Monodie auf die Antike stattfand, die als Wesensmerkmal eher der Renaissance gerecht werden würde, werden diese Neuerungen als so entscheidend angesehen, dass mit ihnen ein neuer Zeitgeist zu betiteln ist. 1 Zwar beginnt somit 1600 der Barock, aber die Grenzen sind nicht starr und vereinzelte Werke, die nach diesem Datum erschienen sind, werden noch der Renaissance zugesprochen. Eine Sammlung solcher Werke ist 1615 unter dem Titel „canzoni et sonate“ in Venedig erschienen. Sie stammt von dem bereits 1612 verstorbenen Meister Giovanni Gabrieli, der in dieser und in einer weiteren berühmten Sammlung namens „sacrae symphoniae“ erstmalig zu konkreten Besetzungsangaben greift, womit er die venezianische Musik seiner Zeit geprägt hat. Sollte man diese schlagwortartig kennzeichnen, so stünde sie unter dem Titel: „Die Entdeckung des Klangs“. 2 Gabrieli wollte mit seiner Besetzungsangabe nicht nur die Musik festschreiben, sondern auch ihren Klang. Eines der bekanntesten Beispiele ist die „Sonata pian e forte“, die nicht nur eine exakte Besetzungsangabe aufweist, sondern auch mit Dynamik arbeitet, um den vom Komponisten vorgesehenen Klang zu realisieren. Gabrieli greift bei diesen Besetzungsangaben gerne auf ein in der Renaissance neuartiges Instrument zurück, die Posaune. In der erwähnten achtstimmigen Sonata verlangt er sogar sechs Posaunen, die somit eine Übermacht gegenüber den anderen Instrumenten darstellen. Woher aber kommt dieses Instrument, was scheinbar in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts plötzlich auftaucht und bis heute keiner wirklichen Überarbeitung bedurfte? Sollte diese Erfindung einen Geburtsort haben so sollte es dort Spuren geben, die auf ihr Entstehen hinweisen.
Erhaltene Literatur, Bilder und Schriften belegen das Zusammenspiel von Posaunen und Geigen, Flöten, Schalmeien und Zinken. In der „Sonata pian e forte“ setzt Gabrieli sogar neben den sechs Posaunen und einem Zink eine Viola ein. Diese sonderbare Instrumentation erscheint mit den heutigen Posaunen undenkbar. Die Viola würde gerade in den Fortepassagen kaum mehr zu hören sein. Erklärbar wird diese
1 Vgl. Lütteken, L.: Die Renaissance, Sp.146
2 Vgl. Kunze, S.: Die Instrumentalmusik Giovanni Gabrielis, S.134
3
Klangvorstellung Gabrielis jedoch mit der näheren Betrachtung der Renaissanceposaune.
Fritz Stein schrieb im Vorwort zu seiner Bearbeitung der „Sonata pian e forte“:
„Bei der Problematik der alten Aufführungspraxis verzichtet die vorliegende Bearbeitung von vornherein darauf, die Klangverhältnisse der Originalbesetzung anzustreben. Da wir das Cornetto, den alten Zink, nicht mehr besitzen und auch der Klang unserer modernen Posaune sich wesentlich verändert hat, wird es bis auf weiteres kaum möglich sein, das historische Klangbild stilecht zu realisieren.“ 3 Dr. Fritz Stein
Der klangliche Unterschied zwischen den Posaunen der verschiedenen Jahrhunderte ist offensichtlich, aber worin liegt er begründet? Die Konstruktion der Instrumente bietet eine Erklärung. Die Herstellungsmethoden und das verwandte Rohmaterial sind jedoch ebenfalls entscheidend. So wurden Renaissanceposaunen zum Beispiel in aller Regel nicht gelötet, sondern meist nur mit Harz verklebt, was ein Stimmen der Instrumente durch eine leichte Erwärmung der Klebestellen ermöglichte. Zudem waren die Instrumente reich mit meist silbernen Verzierungen versehen. Auf dem ersten Blick gibt es Unterschiede, aber sind die eben genannten für den Klang entscheidend? Es bleibt also zu untersuchen, wo die genauen baulichen Differenzierungen liegen und wie sie sich auf den Klang des Instruments auswirken. Mit Beginn der neuen Epoche, dem Barock, setzte sich eine allmähliche Spezialisierung der Musiker auf einzelnen Instrumenten durch. Wurde noch im 16. Jahrhundert von einem Musiker das Beherrschen mehrerer Instrumente verschiedener Instrumentenfamilien und -gattungen verlangt, so hob sich dies mit Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Lediglich von den Stadtpfeifern wurde ein Beherrschen eines breiten Instrumentariums noch bis ins 20. Jahrhundert gefordert. Es stellt sich daraus die Frage, welche Fähigkeiten die Musik der Renaissance den Posaunisten ihrer Zeit abverlangte. Da der U-förmige Zug die erste Erfindung war, die einem Blechblasinstrument zu einem chromatischen Spiel in sämtlichen Lagen verhalf, ist ein reger Einsatz dieses Instruments in sämtlichen Gebieten der Musik anzunehmen. In welchen Ensembles hielt aber die Posaune erstmalig Einzug, wo durfte sie wirken oder gab es
3 Stein, F.: Vorwort aus G. Gabrieli - Sonata Pian E Forte aus den „Sacrae Symphoniae“ (Venedig 1597) für 2 Trompeten, 2 Hörner, 4 Posaunen, Basstuba
4
gar eine strenge Reglementierung ähnlich zu den Trompeten, die ihren Einsatz dem gemeinen Volk vorenthielt? 4 Schalmeien war es in der Kirche untersagt, mit der Gemeinde zusammen zu erklingen. Gab es solche Beschränkungen auch für Posaunen? In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, in die ersten Jahrzehnte der Posaune etwas Licht zu bringen. Ihre Entstehung, ihre klangentscheidenden Merkmale und ihr Vorkommen in den verschiedenen Ensembles der Renaissance sollen dazu näher betrachtet werden. Auch die Frage nach dem Reifegrad der Spieltechnik der ausübenden Musiker soll dabei tangiert werden.
4 Vgl. Lieberwirth, S.: Fidel oder Posaune? Status und Symbolkraft des Renaissance- Instrumentariums, S. 70
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2. Die Entstehung der Posaune
2.1 Frühe Vorformen und Entwicklungsschritte
Die Posaune als ein Hauptinstrument der niederländischen Epoche und dann der gesamten europäischen Musik erscheint erstmalig im 15. Jahrhundert. Nahezu 550 Jahre sind vergangen, und dennoch kann man bei diesem Instrument nicht von gravierenden Entwicklungen berichten. Das Wesen der Posaune, der U-förmige Zug, ist in seiner ursprünglichen Funktionsweise noch genauso erhalten, wie die ersten Abbildungen im Quattrocento erkennen lassen.
Woher stammt diese zweifellos geniale Erfindung, die seit ihrer Entstehung kaum einer Veränderung unterworfen war? Welcher Instrumentenbauer hatte eine solche Idee und wie kam es zu einem solchen Schritt? Eine Möglichkeit, diese Fragen zu beantworten, bietet scheinbar der Begriff der Posaune selbst. Die mitteleuropäische Bezeichnung Posaune (ndl. bazuin, dän. basun, poln. puzon, tschech. pozoun) findet ihren Ursprung im lateinischen Wort bucina. Über den altfranzösischen Begriff buisine wurde daraus das mittelhochdeutsche busûne = busine, 5 was als Stammwort des neuhochdeutschen Begriffs busaune 6 diente, der unseren heutigen Ausdruck begründet.
Anhand dieser Begriffe könnte man die Entstehung der Posaune auf die Jahre um 1200 datieren. In dieser Zeit hält der altfranzösische Name buisine an den Höfen 7 Europas Einzug , allerdings zeigen ikonographische Belege eindeutig, dass damit nicht die Posaune, sondern stets verhältnismäßig lange gestreckte, aber auch wenig geschwungene Blechtrompeten gemeint waren. Eine Zuordnung der frühen Begriffe bucina oder buisine zu den Trompeten oder Posaunen und eine darauf beruhende Datierung des Erscheinens der Posaune ist also zu verwerfen. Ein Grund für die Vermischung der Begriffe ist in der Entstehungsgeschichte zu finden. Diese stellt sich folgendermaßen dar.
Trompetenartige Aerophone wurden schon in vorgeschichtlichen Epochen als Kriegs- oder Tempelinstrumente verwandt, dabei wurden diese nicht aus Tierhörnern oder -zähnen gefertigt, die einen konischen Rohrverlauf vorschreiben würden, son-
5 Vgl.Besseler H.: Die Entstehung der Posaune, S. 8
6 Vgl. Sachs C.: Handbuch der Musikinstrumente, S.297 7 Vgl. Sachs C.: Handbuch der Musikinstrumente, S. 282
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dern Holz oder Bambusrohr diente zur Fertigung der Instrumente. Diese sind daher ohne Knickung oder Biegung also völlig gerade. Die Instrumentenkunde spricht hier von der Tubaform, wobei bei diesem Begriff nicht an die moderne Basstuba gedacht werden darf. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Posaune ist durch einen Befehl von Kaiser Friedrich II. zu Arezzo aus dem Jahre 1240 belegt. Dieser ordnete an, es sollten „aus Silber vier tubae und eine tubecta angefertigt“ 8 werden. Mit dem Wortstamm tuba sind Trompeten gemeint. Die mittellateinische Verkleinerungsform dürfte schon damals dem italienischen Diminutivum trombetta entsprochen haben. Da Michael Praetorius in seinem Werk Syntagma Musicum von 1619 die „gemeine rechte Posaun“ auch als „Trombetta“ anführt 9 , kann man hier von einem Trompeteninstrument für die Basslage ausgehen, was ein Beleg über die Differenzierung der Trompeten in unterschiedliche Größen, also in Diskant - und Basstrompeten darstellt. Dies wird durch eine weitere Quelle aus dem Jahre 1308 bekräftigt. Nach dieser besaß die Stadt Lucca einen Trombetta und zwei Tubatores. 10 Ebenso kannte
auch schon die französische Sprache des 13. Jahrhunderts das Wort trompette, das wohl aus dem Italienischen stammte, da zu dieser Zeit noch in Frankreich buisine und nicht trompe das vorherrschende Wort für Trompete war. Diese Belege weisen eindeutig darauf hin, dass die Ausdifferenzierung in hohe und tiefe Trompeten spätestens vor 1240 stattfand. Hier schon von der Erfindung der Posaune zu sprechen, scheitert aus Mangel an Beweisen, die belegen, dass diese Instrumente einen Uförmigen Zug besaßen.
Der wohl wichtigste Schritt zur Erfindung dieser markanten Eigenschaft der Posaune ist die Abkehr von geraden Röhren hin zu einer S-förmigen Windung des Rohrverlaufs. Diese Veränderung wurde mit dem Bau von langen Blechtuben notwendig. Das extreme Übergewicht des unteren Teils der Röhre und des Schalltrichters machen ein Verbiegen des Instruments ohne künstliche Stütze unvermeidbar. Diesem physikalischen Hindernis konnte nur begegnet werden, indem man die Röhre künstlich bog und ihr somit einen mehrfach gewundenen Verlauf gab (siehe Abbildung 1). Eine genaue Datierung dieser baulichen Veränderung ist nicht möglich, allerdings muss diese vor 1394 stattgefunden haben. Aus dieser Zeit stammt eine geschnitzte Turnierdarstellung auf dem Chorgestühl der Kathedrale zu Worcester, von dem Curt Sachs berichtet. Diese Darstellung zeigt Trompeten in einer gewundenen Form. Für
8 Sachs C.: Handbuch der Musikinstrumente, S. 287
9 Vgl. Praetorius, M.: De Organographia aus Syntagma musicum, Band II, S. 31
10 Vgl. Sachs, C.: Handbuch der Musikinstrumente, S. 287
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den U-förmigen Posaunenzug ist vor allem die S-Form der Trompete entscheidend, da diese erst seine Erfindung ermöglicht.
Die Frage nach der Entstehung ist eng mit der gesellschaftlichen Stellung verknüpft. Die Posaune und der ausübende Musiker nehmen hier eine Sonderstellung zwischen den ritterlichen Trompeten und den niederen Musikern und Spielleuten ein. Wenn die Posaune sich aus der Trompete entwickelte, warum behielt sie dann nicht ihren ritterlichen Status?
2.2 Die Zugtrompete
Ein Instrument, das sich einer ähnlichen Technik bedient wie die Posaune und somit eine Schlüsselstellung für eine Antwort oder für die Erfindung des U-förmigen Zuges geben kann, ist die Zugtrompete. Die Datierung ihres Entstehens ist durch ein Bildzeugnis möglich. Die Bibel, die Herzog Borso von Ferrara in den Jahren 1455 bis 1461 anfertigen ließ, 11 enthält eine Darstellung einer Tanzkapelle, die durch drei Musiker besetzt ist. Man erkennt in der Abbildung 2 (siehe Anhang) eindeutig eine Schalmei, einen Bombart und ein Trompeteninstrument. Dieses Trompeteninstrument besitzt ein langes Mundrohr, das vom Spieler mit der linken Hand gegen die Lippen gedrückt wird, während seine rechte Hand den S-förmigen Korpus hält. Da sich am Mundrohr unterhalb des Mundstücks zwei Ringe befinden, die ein Ineinandergreifen von getrennten Gliedern ermöglichen, und die Haltung des Spielers einer Zugtechnik entspricht, ist von einem Zuginstrument auszugehen. Auffällig ist, dass diese Trompete von ihrer Größe her einem Tenorinstrument entspricht. Die Spielweise dürfte sehr unbequem gewesen sein, da der Hauptteil des Instruments nebst Schallbecher zur Verlängerung der Luftsäule bewegt werden musste. Ob dieses Instrument einen Tenor - Bassbereich diatonisch ausfüllen konnte, ist zu bezweifeln. Die Länge des Einzelrohres kann nicht ausreichen, um ein diatonisches Spiel zu bewerkstelligen. Aber es war immerhin möglich, Lücken zwischen den Naturtönen teilweise auszufüllen. Es war also vor 1461 eine Großtrompete mit einer Zugvorrichtung bekannt. Um hier schon von einer Posaune zu sprechen, fehlt allerdings der Uförmige Zug. Es bleibt aber nun zu vermuten, dass für die Entstehung der Posaune zwei Entwicklungsschritte im Instrumentenbau notwendig waren. Der erste Schritt
11 Vgl.: A. Bowles, Edmund: Musikleben im 15. Jahrhundert, S.60
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ist die S-förmige Windung des Blasrohres, die einen U-förmigen Zug erst ermöglicht. Schritt zwei ist die Idee, das Verlängern des Blasrohres und die damit verbundene Veränderung des Grundtons der Obertonreihe mittels einer Zugvorrichtung während des Spielens zu ermöglichen. Damit diese Vermutung gefestigt wird, muss die Idee einer Zugvorrichtung älter sein als der U-förmige Zug und damit älter als die Posaune selbst. Dass dies bei der S-förmigen Windung des Blasrohres der Fall ist, beruht auf den Schriften von Curt Sachs, die keinen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit zulassen. Der Nachweis einer Zugvorrichtung vor dem Auftreten der Posaune ist eng an die Zugtrompete geknüpft, so dass eine Datierung ihres Entstehens allein durch ein Bildzeugnis für die Untersuchung der Posaune zu dürftig ist. Eine weitere Möglichkeit bieten Kompositionen, deren Besetzungsfrage durch den Einsatz eines Blechblasinstruments mit Zugvorrichtung beantwortet werden kann. Für diese Untersuchung zieht Heinrich Besseler 6 geistige Sätze von Grossim, Franchois und Arnold de Lantins heran, die durch ihre Titel eine Trompetenstimme vorschreiben, jedoch ist diese nicht in der zu vermutenden Diskantlage, sondern in Alt-Tenorlage mit einem Ambitus von c - a’ zu finden. Es muss sich in diesen Kompositionen also um ein Großinstrument gehandelt haben. Interessant ist, dass die Nachahmungen von Trompeten nicht im Diskant, sondern in den Unterstimmen erfolgt. 12 Es ist also offensichtlich, dass bei Tuba und Trompettastücken nicht ritterliche Trompeten beschäftigt waren, ansonsten wäre ihr Fehlen in der Diskant und Klarinlage unbegreiflich. Es kann sich als ausführendes Instrument nur um ein Großinstrument handeln, das allerdings nicht mehr den ritterlichen Status der Trompeten inne hatte sondern schon in den Bezirk der Figuralmusik übergetreten war. Damit ist die Frage nach dem unterschiedlichen Status von Trompete und Posaune geklärt. Schon die Zugtrompete war ein Großinstrument, das nicht mehr den Rang einer Trompete entsprach, somit bleibt anzunehmen, dass die Posaune diesen Status nie besaß.
Nun könnte man vermuten, dass diese 6 Stücke, die um das Jahr 1430 entstanden, schon eine Posaune vorschrieben. Bei genauer Betrachtung sprechen allerdings mehrere Fakten für die Zugtrompete als ausführendes Instrument. Ein Beleg für ihren Einsatz findet sich im Sanctus aus der Trompetta Messe von Grossim. Der Komponist beschränkt sich bei der Trompettastimme nicht nur auf Naturtöne, er verwendet auch benachbarte Töne und Dreiklangsbrechungen, für die eine Zugvorrichtung not-
12 Vgl. Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 16
9
wendig ist. 13 Hätte Grossim allerdings eine Posaune mit ihrem chromatischen Ton-vorrat gehabt, hätte sich dieser sicherlich nicht auf Natur- und benachbarte Töne beschränkt. Diese kompositorische Beschränkung spricht eindeutig für die Zugtrompete, die somit nachweisbar um 1430 in Italien benutzt wurde. Laut Heinrich Besseler muss dieses Instrument jedoch noch älter sein, da sich ihr zugehöriger Stimmtypus bis in Motetten von Ciconia zurückverfolgen lässt, also bis 1400. Er datiert somit die Entstehung der Zugtrompete für das 14. Jahrhundert. 14
2.3 Die Erfindung des U-förmigen Zuges
2.3.1 Der mögliche Entstehungsort Burgund
Die Erfindung des U-förmigen Zuges und somit die der Posaune muss sich nach heutiger Sachlage zwischen 1421 und 1468 ereignet haben. Ein Beweis dieser Behauptung bietet die Untersuchung der französischen Bezeichnung für die Posaune saqueboute. Als saqueboute wurde schon im 14. Jahrhundert ein Spieß mit Widerhaken bezeichnet, der als Kampfmittel von Fußsoldaten gegen berittene Ritter verwandt wurde. Zweck der Waffe war es, vom Boden aus den Ritter erst an sich zu ziehen (franz. saquer), um ihn anschließend vom Pferd zu stoßen (franz. bouter). Dieses Wort besteht also aus zwei Verben in Imperativform und wird von Fritz Brückner als eine Art Hakenlanze verstanden. 15 Nun erhält dieser etymologische
Ausflug in das Waffenarsenal des Mittelalters erst durch eine Schilderung aus der burgundischen Chronik von Oliver de la Marche für die Entstehung der Posaune eine Bedeutung.
13 Vgl. Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 16
14 Vgl. Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 20
15 Vgl. Brückner, F.: Die Blasinstrumente in der altfranzösischen Literatur, S.27
10
Dieser berichtete 1468 von Karls des Kühnen Hochzeit mit Margarete von York in Brügge:
„Le bouc jouoit d´une trompette saicqueboute, et les trois chevres jouoient de schalmayes; et en celle maniere juerent ung motet, et puis sén retournerent comme ilz estoient venuz.“ 16
Heinrich Besseler schlussfolgert aus diesen Ausschnitt der Chronik, dass 1468 am burgundischen Hof die Zugposaune unter dem Begriff trompette saicqueboute bekannt war.
Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier auch um eine Zugtrompete handeln könnte, allerdings existieren hier Hinweise, die eindeutig dagegen sprechen. Untersucht man weitere veröffentlichte Dokumente des burgundischen Hofs, so fällt 17 Die Spieler der Blechblasinauf, dass der Begriff saqueboute nur ein Beiname war.
strumente werden mit trompette oder menestrel bezeichnet und in folgender Rang-ordnung erwähnt. An der Spitze stehen die „trompette der guerre“, die ritterlichen Trompeter. Der burgundische Hof beschäftigte vier bis sieben ritterliche Trompeter. Es folgen die menestrels ohne weitere Bezeichnungen. In der Regel wurden diese als „hauts menestrels“ bezeichnet, was die Spieler von „starken“ beziehungsweise lauten Blasinstrumenten betitelt. 18 Als dritter Rang werden die „joueurs de bas instruments“, Vertreter der „stillen“ Kammerkunst, genannt. Am interessantesten ist allerdings eine Mittelfigur der ersten beiden Gruppen mit der Amtsbezeichnung „trompette des menestrels“, also der „Menestreltrompeter“. 19 Sein Instrument erscheint auf zwei Rechnungen von 1423 und 1425 neben gleichzeitig bestellten chalemies und bombardes, die nach einem Vermerk dazubestellt wurden. Laut Heinrich Besseler ist dieser Menestreltrompeter am burgundischen Hof schon ab 1421 nachweisbar. 20
Auch wenn noch zu klären ist, was die Menestreltrompete für ein Instrument genau darstellt, so kann man aus der Sachlage diverse Erkenntnisse ziehen. Es muss sich der Stellung in der Rangfolge nach um ein trompetenartiges Instrument gehandelt haben, was aber keine reine Trompete mehr war. Es könnte sich also schon um eine
16 de la Marche, Oliver zitiert nach Besseler, Heinrich: Die Entstehung der Posaune, S. 11 17 Vgl. Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 12
18 Vgl. A. Bowles, Edmund: Musikleben im 15. Jahrhundert, S.66
19 Vgl. Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 12
20 Vgl. Ebd.: S. 12
11
Posaune gehandelt haben, deren Bezeichnung sich bis 1468 in trompette saicqueboute wandelte, es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich an einem Hof in einem so kurzen Zeitraum der Name eines Instrumentes so grundlegend ändert. Wahrscheinlicher ist es, dass die Menestreltrompete ein Bindeglied zwischen der ritterlichen Trompete und der Spielmannsposaune war, aus der bis 1468 die Posaune wurde. Ob es sich dabei um eine Art Zugtrompete handelte, ist nicht zu belegen, aber auch nicht abwegig. Die Vermutung, dass mit trompette saicqueboute eine Zugtrompete gemeint sein könnte, ist durch die Existenz der Menesteltrompete zu verwerfen. Nach den Aufzeichnungen des burgundischen Hofs kann man also die Entstehung der Posaune in der Zeit von 1421 bis 1468 dort vermuten. Das burgundische Reich erstreckte sich über die heutige Niederlande, Belgien, Luxemburg und Teile Ostfrankreichs. Die Herzöge dieser Gebiete wirkten in der Hauptstadt Dijon, die auch die Stammresidenz Burgunds war. Einer dieser war wie oben erwähnt Karl der Kühne, der von 1467 bis 1477 die Geschicke des Kleinstaates lenkte. Es ist nicht wahrscheinlich, dass im ersten Jahr seiner Amtszeit die Posaune erfunden wurde, eher ist dafür Philipp der Gute zu nennen, der ab 1419 bis zu Karls Regierungsantritt das Oberhaupt des Landes war. 21 Eine solche Erfindung wie die Posaune wurde zwar regional unterschiedlich angenommen, aber dennoch verbreitet. Ein Beispiel hierfür bietet ein Bildzeugnis aus Florenz (siehe Abbildung 3): die sogenannte Adimari-Hochzeit auf einem Florentiner Truhenbild aus dem Jahre 1450. Diese Truhe ist in der Galleria d´Arte antica e moderna zu besichtigen. Dargestellt ist der Tanz der florentinischen Hochzeitsgesellschaft, die sich zur Vermählung des wohlhabenden Bürgers Boccaccio di Silvestro degli Adimari mit Lisa d´Albertaccio zusammenge-funden hat. Diese Hochzeit kann man genau datieren, und zwar fand sie am 22. Juni 1420 statt. 22 Zum Tanz dieser Hochzeitsgesellschaft spielen vier Bläser, die für eine Freiluftmusik entsprechend mit lauten Instrumenten besetzt waren. Es sind eindeutig drei Schalmeien und eine Art Posaune zu erkennen, zumindest entsprechen die Längenmaße und die Haltung des Bläsers der einer Posaune. Ebenfalls ist die S-förmige Windung des Rohres vorhanden, was einen U-förmigen Zug vermuten lässt. Ob dieser aber bewegt wird ist nicht zu erkennen. Kann man die Entstehung der Posaune aufgrund dieser Darstellung auf 1420 datieren?
Es ist wahrscheinlicher, dass die Posaune zwischen 1421 und 1468 in Burgund ent-stand und durch die Bekanntschaft von Dufay zu dem Italiener Piero de´ Medici nach
21 Vgl. Eggebrecht, Hans H.: Musik im Abendland, S.281
22 Vgl. A. Bowles, Edmund: Musikleben im 15. Jahrhundert, S.66
12
Florenz gelangte. Das Entstehungsjahr der Truhe wird nicht auf 1420 angesetzt sondern erst auf 1450, womit die Vermutung der Existenz einer Posaune um 1420 nicht haltbar ist. Aber man kann sagen, dass es eine Posaune vor 1450 gegeben haben muss.
Zur weiteren Eingrenzung kann man Dufays Heimaturlaub am burgundischen Hof heranziehen. Aus den darauf folgenden Kompositionen kann man einen weiteren Nachweis des Menesreltrompeters ableiten 23 , dessen Instrument erst von der Posaune
abgelöst wird. Dieser Urlaub ist von 1434 bis 1435 nachweisbar, wodurch nun die Entstehung der Posaune zwischen 1435 und 1468 beziehungsweise zwischen 1435 und 1450, sollte man die Florentiner Truhe als Beweis ansehen, festzusetzen ist. Allerdings stützen sich diese Vermutungen auf den Entstehungsort Burgund.
2.3.2 Der mögliche Entstehungsort Nürnberg
Seit dem 15. Jahrhundert blüht Nürnberg als Blechblasinstrumentenschmiede auf. Ursprünglich war es der Spieler selbst, der sich sein Instrument nach persönlichen Vorlieben und handwerklichem Fähigkeiten fertigte. 24 Ende des 13. Jahrhunderts
etablierten sich die ersten Instrumentenbauer in Frankreich. Warum wurde aber nicht Frankreich oder spezieller Burgund, sondern Nürnberg zur wichtigsten Blechblasinstrumentenschmiede Europas?
Könnte diese beispiellose Karriere einer Stadt mit der Erfindung der Posaune zusammenhängen? Schon Curt Sachs zog Nürnberg als Entstehungsort des U-förmigen 25 Zuges in Betracht.
1440 forderte die Stadt Frankfurt „9 bosunen“ aus Nürnberg an, die man „den wechtern uff den durchgeenden porten und thoren hie geben sal, do uff zu lernen und zu blasen.“ 26 Da das Spiel auf diesen Instrumenten für die Türmer noch zu lernen war, muss es sich entweder um neuartige Instrumente handeln oder die Türmer der Stadt Frankfurt besaßen noch keine Signalinstrumente und erhielten eine frühe Form der Posaune beziehungsweise Trompete, auch als bucina bekannt. Letzteres ist sehr un- 23 Vgl.Besseler, H.: Die Entstehung der Posaune, S. 29 und 30
24 Vgl. Wörthmüller, W.: Die Nürnberger Trompeten- und Posaunenmacher des 17. und 18. Jahrhunderts - Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Musikinstrumentenbaus, S. 208
25 Vgl. Sachs, C.: Real - Lexikon der Musikinstrumente, S.304
26 zitiert nach Martin Kirnbauer: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S.24; die originalen Rechnungsbücher sind 1944 verbrannt
13
wahrscheinlich, da die Anfänge der Turmmusik bis ins Mittelalter hinein reichen und die Türmer vor allem vor Gefahren warnen sollten. Dass eine solche Schutzfunktion erst 1440 in einer Stadt installiert wurde, ist zu verwerfen. Wahrscheinlicher ist die Anschaffung von neuartigen Instrumenten, da die Türmer mit diesen auch eine Repräsentationsfunktion für die Stadt ausfüllten. So ist es seit dem 15. Jahrhundert in Frankfurt am Main üblich gewesen, anreisende Fremde mit dem Anblasen zu empfangen. Ihre Ankunft wurde für die Stadt mit einem bestimmten Signal oder einer besonderen Melodie angekündigt, bevor sie bis ins Stadtinnere hinein musikalisch begleitet wurden, was zur Ehrung der Gäste diente. 27 Auch diese nachweisliche Aufgabe der Frankfurter Türmer wurde höchstwahrscheinlich nicht mit einer Art bucina gestaltet.
Eine Klage von Hans (II) Neuschel, dem ersten nachweisbaren Virtuosen auf der Posaune und Trompeten- und Posaunenmacher, vor dem Nürnberger Rat im Jahre 1515 belegt, dass schon sein 1503 verstorbener Vater Hans (I) Neuschel, der 1479 den ersten nachweisbaren Meisterbrief als Trompetenmacher erhielt, Posaunen bau- 28 te.
Er erhielt das Meisterrecht mit folgender Begründung: „Item Hannsen Neuschel, ratsmiddrechsel, ist vergont durch einen rat, das meisterrecht alleyn auff dem ratsmiddrechselhantwerck ze arbeiten auß ursach, daz er in seinem haubt durch verwunden vast geprechlich, auch arm ist 29 und vil kinder hat.“
Es wird explizit auf seinen schlechten Gesundheitszustand und auf seine finanzielle Notlage hingewiesen. Bis zum Jahre 1497 gelangt er allerdings zu beträchtlichen Wohlstand, so sind mehrfacher Hausbesitz und größere Finanzgeschäfte belegt. 30 Auch eine Würdigung des Kaisers Maximilian, deren Schutz Anlass der oben erwähnten Klage darstellte, fand durch das verliehene Recht, Neuschels Instrumente mit der Kaiserkrone zu verzieren, statt. 31
Es ist nicht belegt, aber sehr wahrscheinlich, dass Hans (I) Neuschels überraschender Wohlstand und die herausragende Würdigung im Zusammenhang mit der Spezialisierung auf die neuartigen Instrumente, die 1440 von Frankfurt bestellt wurden, steht.
27 Vgl. Greve, W.: Turmmusik, Sp. 1083
28 Vgl. Wörthmüller, W.: Die Nürnberger Trompeten- und Posaunenmacher des 17. und 18. Jahrhunderts, S. 211 und 212
29 Nürnberger Stadtarchiv Rep. 60a RV XI 11a (21.10.1479); zitiert nach Martin Kirnbauer: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S.25
30 Vgl. Kirnbauer, M.: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S. 25
31 Vgl. Kirnbauer, M.: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S. 26
14
Seit 1491 war sein Sohn Hans (II) Neuschel, auch als Neuschl oder Meuschel bekannt, 32 als Stadtpfeifer der Stadt Nürnberg angestellt 33 . Noch heute erinnert die
Meuschelstraße an den auch als Erfinder bekannten Instrumentenbauer. Er war zweifelsohne ebenfalls ein Posaunenvirtuose, was darauf hinweist, das diese neuartigen Instrumente Posaunen darstellten.
Neuschel ist über seine Zeit hinaus immer noch ein sehr berühmter Posaunist und Instrumentenbauer.
Ist es möglich, dass sein Vater Hans (I) Neuschel mit der Erfindung des U-förmigen Zuges in Zusammenhang zu bringen ist? Wenn ihn 1503 der Tod ereilte und 1440 diese neue Erfindung schon Frankfurt erreichte, so müsste Hans (I) Neuschel eine solche Erfindung sehr früh in seinem Leben getätigt haben. Unter der Annahme, dass die neuartigen Instrumente 1440 von dem vielleicht 16jährigen Hans (I) Neuschel erfunden wurden und im gleichen Jahr nach Frankfurt kamen, muss Hans (I) ein Lebensalter von 79 Jahren erreicht haben, für einen zerbrechlichen und von Krankheiten geschundenen Mann war dies zu seiner Zeit ein biblisches Alter. Es wird bei näherer Betrachtung also sehr unwahrscheinlich, dass es Hans (I) Neuschel selbst war, der die Posaune erfand. Er und vor allem sein Sohn machten sie aber berühmt, und erfuhren für ihre Instrumente große Ehren. Hans (II) Neuschel war Hoflieferant für Kaiser Maximilian I., der ihn so hoch schätzte, dass er Albrecht Dürer 1512 mit dem Zusatz „Und der Neuschel solle der Maister sein.“ die berühmte Darstellung seines 34 Auch Papst Leo X. Triumphzuges (Abbildung 4, siehe Anhang) in Auftrag gab.
forderte von Neuschel silberne Posaunen an, die Hans (II) persönlich überbrachte. 35 Warum sind solche Erscheinungen nicht in Burgund zu finden? Wenn dort die Posaune entstand, welcher Instrumentenbauer steckt hinter dieser Erfindung? Und warum verhalf sie nicht den dortigen Instrumentenmachern zu Ansehen und Wohlstand? Eine Posaune kostete um 1600 8 bis 20 Gulden, Nürnberger Posaunen erhielt man aber erst bei einer größeren Investition von bis zu 32 Gulden, was eine beachtliche Summe darstellte. Ein Jahresverdienst eines Leipziger Musikers betrug 26 Gulden. Also war eine Nürnberger Posaune sehr teuer, wenn man bedenkt, dass 1580 nach der Dresdner Markt- und Polizeiordnung ein Ochse oder 32 Schweine für 20 Gulden
32 Vgl. Wörthmüller, W.: Die Nürnberger Trompeten- und Posaunenmacher des 17. und 18. Jahrhunderts, S. 212
33 Vgl. Kirnbauer, M.: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S. 27 34 Vgl. Bambula, A.: Die Posaune, S. 9
35 Vgl. Wörthmüller, W.: Die Nürnberger Trompeten- und Posaunenmacher des 17. und 18. Jahrhun- derts, S. 212
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gehandelt wurden. 36 Nürnberg spielte für die Posaune der Renaissancemusik eine übergeordnete Rolle, vielleicht auch für ihre Entstehung. Als letzter wirklich unumstößlicher Beweis fehlen allerdings erhaltene Instrumente dieser Zeit. Leider ist das Finden dieser unmöglich, da im 15. Jahrhundert nachweislich Blechblasinstrumente recycled wurden. Eine Bestellung der Stadt Nürnberg bestätigt, dass zur Zahlung neuer Instrumente nicht nur Gulden, sondern auch alte 37 Eine nähere Untersuchung der Entstehung der Po-Blechblasinstrumente dienten.
saune unter der Vermutung, dass Nürnberg ihr als Entstehungsort dient, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Heinrich Besseler stützt seine Entstehungstheorie auf die gefundenen Schriften, die ein Instrument mit einer Zieh-Stoß-Vorrichtung, also einem Zug, beinhalten. Zudem nutzt er Musikstücke als Beweis, die für ein solches Instrument geschrieben sein könnten.
Ähnlich stichhaltig sind die Nürnberger Hinterlassenschaften und das Aufblühen dieser Stadt als Zentrum der Blechblasindustrie vom 16. bis in das 19. Jahrhundert hinein.
36 Vgl. Lieberwirth, S.: Fidel oder Posaune? Status und Symbolkraft des Renaissance - Instrumentariums, S. 65 und 66
37 Vgl. Kirnbauer, M.: Blechblasinstrumentenbau im 15. Jahrhundert, S. 18 und 19
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3. Die Posaunen der Renaissance
Das Klangideal der Renaissance war, im Gegensatz zum Mittelalter, der Schmelzklang. 38 Ein Mittel, ein Ensemble von klanglich verschmelzenden Instrumenten zusammenzustellen, war, sämtliche Stimmen eines mehrstimmigen Werkes mit ein und derselben Klangfarbe zu besetzen. Die einfachste Möglichkeit, dies zu verwirklichen liegt in der Ausbildung ganzer Chöre einer Instrumentengattung. In Anlehnung an die menschliche Stimme findet man immer noch Instrumentenfamilien von der Diskantlage bis in den Bassbereich. Einen solchen Chor bilden zum Beispiel die Grifflochhörner oder die Krummen Zinken mit gebogenem konischem Rohr aus meist lederüberzogenem Holz. Diese Instrumente wurden mit Kesselmundstücken auf die gleiche Weise wie Trompeten zum Klingen gebracht. Trotz ihrer besonderen Klangfarbe wurden diese Instrumente oft in Verbindung mit Posaunen genutzt, was mit dem Klang einer modernen Posaune schwer vorstellbar ist. Aber die Posaunen der Renaissancemusik entsprechen in ihrer Bauart nicht den modernen Instrumenten von heute. Oberflächlich betrachtet hat die Posaune seit der Renaissance keine gravierenden Entwicklungen erlebt, jedoch haben Veränderungen im Detail ihren Klang stark abgewandelt.
Welche Posaunen hatte die Renaissancemusik und wo liegen ihre Unterschiede zu den heutigen Modellen?
3.1 Die Posaunenfamilie
Die erste deutschsprachige Erwähnung der Posaune in einem musiktheoretischen Traktat stammt von Sebastian Virdung und trägt den Titel „Musica getuscht“, was soviel heißt wie „Musik verdeutscht“. Auf vier Seiten sind 22 Blasinstrumente abgebildet und benannt. Eine Sortierung des Instrumentariums geschieht nach heute unüblichen Kriterien. Virdung bestimmte ihre Wertigkeit anhand der Grifflochzahl, je höher diese war, desto größer war der Wert des Instruments. 39 Die Posaune ist als
Busaun aufgeführt, wird allerdings als Familie nicht weiter behandelt. Auch Stimm-
38 Vgl.van der Meer, John H.: Wegweiser durch die Sammlung historischer Musikinstrumente, S. 11
39 Vgl. Bodendorff, W.: Historie der geblasenen Musik, S. 141
Arbeit zitieren:
Robert Brix, 2006, Zum Einsatz der Posaune in der Renaissancemusik, München, GRIN Verlag GmbH
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