Inhaltverzeichnis
I Abkürzungsverzeichnis III
II Abbildungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Ziele der Arbeit 3
1.3 Aufbau der Untersuchung 3
2 Begriffliche Grundlagen und Abgrenzung des
Untersuchungsfeldes 4
2.1 Innovationen und deren Entwicklungsprozesse im Unternehmen 4
2.2 Die Begriffe der Messung und Bewertung 8
2.3 Effektivität und Effizienz 9
3 Alternative Messmethoden des Innovationserfolges 10
3.1 Vorgehensweise und grundlegende Differenzierungskriterien 10
3.2 Überblick über die alternativen Messmethoden des Innovationserfolges 11
3.2.1 Qualitative Methoden 11
3.2.2 Quantitative Methoden 12
3.3 Methoden zur Messung bei simultaner Berücksichtigung von In und Output 14
3.3.1 Beziehungszahlindikatoren 14
3.3.2 In und Output-bezogene Bewertungsmaße 17
4 Konzeption einer Methode zur Messung des Innovationserfolges
20
4.1 Data Envelopment Analysis 20
4.1.1 Grundidee und Vorgehensweise 20
4.1.2 Anwendungsbereiche und Prämissen 22
4.1.3 Mathematische Grundlagen der Data Envelopment Analysis 23
4.1.4 Stärken und Schwächen der Data Envelopment Analysis 30
4.2 Entwicklung einer Konzeption zur Messung des Innovationserfolges 32
4.3 Aufbau und mögliche Anwendung der Konzeption 35
4.3.1 Dimensionen zur Auswahl eines Modells innerhalb der Konzeption 35
4.3.2 Voraussetzungen für die Anwendung der jeweiligen Kombination 36
5. Anwendung der Konzeption auf ein konkretes Beispiel 38
5.1 Vorstellung des Programms zur Lösung des linearen Problems 38
5.2 Beispielhafte Anwendung der Konzeption 40
5.2.1 Anwendung der Konzeption unter Annahme objektiver Daten 40
5.2.2 Anwendung der Konzeption unter der Annahme subjektiver Daten 46
5.3 Gegenüberstellung und Interpretation der durchgeführten Berechnungen 50
II
6. Abschluss und Ausblick 51
6.1 Kritische Würdigung der Konzeption zur Messung des Innovationserfolges 51
6.2 Verwendung der gewonnenen Daten 52
6.3 Weiterentwicklungspotenziale 53
III Anhang IV
IV Literaturverzeichnis XLVIII
III
Abkürzungsverzeichnis
Abb Abbildung
ARG-I-C Assurance Region Global - Input - Constant
BCC-I Banker / Charnes / Cooper - Input
BCC-O Banker / Charnes / Cooper - Output
CCR-I Charnes / Cooper / Rhodes - Input
CCR-O Charnes / Cooper / Rhodes - Output
DEA Data Envelopment Analysis
DMU Decision Making Unit
F&E Forschung und Entwicklung
PC Personal Computer
RoI Return on Investment
RoR Return on Research
R&D Research & Development
SAP Systemanalyse und Programmentwicklung
URL Uniform Resource Locator
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung der F E-Aufwendungen der SAP AG 2
Abbildung 2: Innovationsarten und ihre Zielsetzungen 5
Abbildung 3: Wettbewerbsvorteile durch überlegene Produkt und
Prozessentwicklung 8
Abbildung 4: Zusammenhang von Effektivität und Effizienz im Innovationsprozess 10
Abbildung 5: Überblick über alternative Messmethoden des Innovationserfolges 13
Abbildung 6: Typische Outputs und Inputs zur Verwendung in RoR-Kennzahlen 14
Abbildung 7: Skalenerträge und Orientierungen bei Anwendung der DEA 21
Abbildung 8: Prämissen der Data Envelopment Analysis 23
Abbildung 9: Anpassungsvorgänge bei konstanten (a) und variablen (b)
Skalenerträgen 28
Abbildung 10: Übersicht über die grundlegenden DEA-Ansätze und deren zugrunde
liegenden Prinzipien 30
Abbildung 11: Schnittmenge zwischen den Methoden zur Messung unter simultaner
Berücksichtigung von In und Output und der DEA 33
Abbildung 12: Darstellung der Erweiterung der Dimensionen bei Anwendung der
DEA zur Messung des Innovationserfolges 36
Abbildung 13: Objektiver Datensatz inklusive Kostenersparnis durch
Prozessinnovationen 41
Abbildung 14: Angepasster objektiver Datensatz 42
Abbildung 15: Zusammenfassung der Ergebnisse bei objektiver Datenbasis 45
Abbildung 16: Verdeutlichung der marginalen Abweichung zwischen CCR-I und
ARG-I C bei objektiven Daten 46
Abbildung 17: Subjektiver Datensatz 47
Abbildung 18: Zusammenfassung der Ergebnisse bei subjektiver Datenbasis 49
Abbildung 19: Verdeutlichung der marginalen Abweichung zwischen CCR-I und
ARG-I C bei objektiven Daten 50
Abbildung 20: Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Konzepts 54
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Die Bedeutung der Innovationstätigkeit ist seit vielen Jahren enorm hoch und wird in
der Literatur immer wieder als Grundlage für die Weiterentwicklung von
Unternehmen und Volkswirtschaften dargestellt. 1
Den Zusammenhang zwischen beiden beschreibt Schumpeter (1975) so:
„Der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt und
hält, kommt von den neuen Konsumgütern, den neuen Produktions- und
Transportmethoden, den neuen Märkten, den neuen Formen der Organisation,
welche die kapitalistische Unternehmung schafft.“ 2
Demnach sollte das Hauptelement des Handelns innerhalb von Unternehmungen die
erfolgreiche Durchsetzung von Innovationen sein. 3
Da die Globalisierung voranschreitet und eine Internationalisierung der Märkte nach
sich zieht, verschärft sich die Konkurrenzsituation zunehmend 4 . Dies bezieht sich
sowohl auf die Mobilität der Kunden (z. B. durch das Internet), als auch auf das
Angebot der Waren vor Ort. 5
Die größere Auswahl ermöglicht ein stärkeres Kosten- bzw. Qualitätsbewusstsein der
Konsumenten 6 und fordert von den Unternehmen immer schneller aufeinander
folgende Fortschritte innerhalb der bestehenden Produkte bzw. gänzlich neue.
Resultat dieser Entwicklung sind immer kürzere Produktlebenszyklen, 7 länger
werdende Produktentstehungsprozesse 8 und die steigende Bedeutung der
Forschung und Entwicklung (F&E) 9 .
1 Vgl. Brockhoff (1992), S. 9.
2 Schumpeter (1975), S. 137.
3 Vgl. Schumpeter (1952), S. 487.
4 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 127.
5 Vgl. Hallbauer (1978), S. 2.
6 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 127.
7 Vgl. Horváth (2003), S. 875.
8 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 3.
9 Eine Allgemeine Einschätzung zur Wichtigkeit der Steigerung der Innovationsfähigkeit gibt die Studie von Arthur D. Little (2004) wieder, die in „Überholspur Innovation“ (2007) von Spitzley, A. u. a., S. 6 graphisch dargestellt ist.
2
Dies bestätigt zum Beispiel die Entwicklung der F&E-Ausgaben der SAP AG
(wörtliche Bedeutung: Systemanalyse und Programmentwicklung)
Abbildung 1: Entwicklung der F&E-Aufwendungen der SAP AG 10
Auch die Anzahl der in der Forschung und Entwicklung tätigen Mitarbeiter innerhalb
des genannten Unternehmens ist über die Jahre 2003 (mit 8.854 Mitarbeitern), 2004
(9.882) und 2005 (11.629) gestiegen. 11
Folglich ist eine Steuerung der Innovationstätigkeit auf einem hohen Effektivitäts- und
Effizienzniveau unumgänglich, 12 um die Zukunft der Unternehmung zu sichern 13 und
die Möglichkeit von Wettbewerbsvorteilen zu nutzen. 14
Trotz des vorhandenen Bewusstseins über den Stellenwert von Innovationen zeigen
die bisher eingesetzten Methoden zur Messung der Leistung der F&E deutliche
Schwächen. Effizienzkriterien sind nur unvollständig bzw. unklar definiert 15 und ihre
Bestimmung folgt keiner einheitlichen Vorgehensweise. Grund für diese Probleme ist
die Einzigartigkeit vieler Innovationsprozesse, 16 die einer routinierten Beurteilung
wiederkehrender Vorgänge, vergleichbar mit anderen Abteilungen wie der
Produktion, widerspricht.
10 Vgl. SAP AG (2006), URL siehe Literaturverzeichnis.
11 Vgl. SAP AG (2006), URL siehe Literaturverzeichnis.
12 Vgl. Brockhoff (1992), S. 10.
13 Vgl. Werner (2002), S. 30.
14 Vgl. Sammerl (2006), S. 224.
15 Vgl. Thom (1992), S. 13.
16 Vgl. Brockhoff (1992), S. 10.
3
Demzufolge eröffnet sich ein ausgeprägter Bedarf an Forschungsleistungen im
Bereich der F&E-Bewertung, 17 um bisherige Leistungen besser einordnen und
gegebenenfalls Verbesserungen vornehmen zu können.
1.2 Ziele der Arbeit
Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Forschung im Bereich der F&E-
Bewertung leisten.
Schwächen der bisher genutzten Messmethoden des Innovationserfolges sollen
dargestellt werden, um Ansatzpunkte für Verbesserungsmöglichkeiten aufzudecken.
Als ein solcher wird die Data Envelopment Analysis (DEA) dienen, da diese ebenfalls
die Beurteilung der Effizienz unterstützt.
Ziel der Arbeit ist demnach die Findung von Schnittmengen bisher bestehender
Messmethoden und der Methodik der DEA, um mögliche Verbesserungspotenziale
innerhalb der Messung der Effizienz von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen
aufzudecken. Unter Nutzung der Gemeinsamkeiten soll des Weiteren eine
Konzeption entwickelt werden, die die Schwächen bisheriger Verfahren mindern
kann. Diese soll durch die Anwendung auf ein fiktives Beispiel auf Anwendbarkeit
getestet werden.
Auf Basis literaturgeleiteter Überlegungen und der folgenden Anwendung soll
überprüft werden, inwiefern bisherige Schwächen durch die Nutzung der DEA
aufgehoben werden können und ob sich neue kritikwürdige Ansätze ergeben.
Abschließend sollen mögliche Potenziale für Weiterentwicklungen aufgedeckt
werden, die Gegenstand weiterer Arbeiten in diesem ökonomisch relevanten Feld
sein könnten.
1.3 Aufbau der Untersuchung
In Kapitel 2 werden die grundlegenden Begriffe des Untersuchungsfeldes definiert
und abgegrenzt. Hierbei handelt es sich um Definitionen von Innovation,
Innovationsprozessen, Messung, Bewertung, Effektivität und Effizienz.
Einschränkungen des Untersuchungsfeldes werden, wenn möglich, in direktem
Zusammenhang mit der Begriffsbestimmung vorgenommen.
17 Vgl. Mairesse / Mohnen (2002), S. 226.
4
Hierauf folgend wird in Kapitel 3 ein Überblick über die bisher bestehenden
Messmethoden des Innovationserfolges, die in qualitative und quantitative Methoden
unterschieden werden, gegeben. Diese Ausführungen dienen zur Darstellung der
‚Beziehungszahlindikatoren’ und ‚In- und Output-bezogene Bewertungsmaße’, die im
Anschluss detaillierter erläutert werden.
Anschließend wird in Kapitel 4 die Data Envelopment Analysis in ihren Grundzügen
erklärt. Die Vorstellung geschieht durch die Darstellung der Grundideen, die
Aufführung der Anwendungsbereiche, die Erläuterung der Voraussetzungen und die
mathematische Herleitung der ursprünglichen Formen. Zudem werden Stärken und
Schwächen sowie mögliche Fehlerquellen der DEA ergänzt, um ihre Anwendung und
die Interpretation ihrer Ergebnisse vorzubereiten.
Auf Basis der vorgestellten Methoden wird eine Konzeption zur Messung der
Effizienz der Innovationstätigkeit erarbeitet. Zunächst finden die grundlegenden
Überlegungen und die Vorteile gegenüber den bisher vorgestellten Methoden
Erwähnung. Hierauf aufbauend werden die verschiedenen Kombinationen der
teilweise zu wählenden, teilweise exogen gegebenen Ausprägungen der
Skalenerträge, Orientierungen und Datenbasen vorgestellt und die jeweiligen
Voraussetzungen für ihre Nutzung genannt.
Die Anwendung der Konzeption wird in Kapitel 5 auf der Grundlage fiktiver Daten
verdeutlicht. Dies geschieht für jede der oben erwähnten Kombinationen, um
Unterschiede und mögliche Schwächen aufzudecken.
Da die vorgestellte Systematik nur ein Ansatz zur Verknüpfung zwei bestehender
Messmethoden ist, existieren Weiterentwicklungspotenziale. Abschließend werden
mögliche Ergänzungen und weitere potenzielle Anwendungsgebiete der
Beurteilungsmethodik dargestellt.
2 Begriffliche Grundlagen und Abgrenzung des Untersuchungsfeldes
2.1 Innovationen und deren Entwicklungsprozesse im Unternehmen
Grundlagen des Innovationsgedankens sind die Forderung nach neuem Wissen um
aufkommende Bedürfnisse zu befriedigen 18 und die Existenzsicherung einer
18 Vgl. Brockhoff (1992), S. 27.
5
Unternehmung durch die Hervorbringung und Vermarktung eines neuen Produktes. 19
Hieraus ergeben sich die ökonomischen Effekte des Innovationserfolges. 20 Weitere
Dimensionen wie technische und sonstige Effekte werden im Folgenden
vernachlässigt (vgl. Anlage 1).
Der Innovationsbegriff umfasst Produkt-, Verfahrens- und Sozialinnovationen 21 ,
deren Ziele in Abbildung 2 aufgeführt werden.
Abbildung 2: Innovationsarten und ihre Zielsetzungen 22
19 Vgl. Hallbauer (1978), S. 10.
20 Vgl. Hauschildt (1993), S. 323.
21 Vgl. Thom (1992), S. 8.
22 Eigene Darstellung in Anlehnung an Thom (1992), S. 8.
6
Sozialinnovationen führen zu Verbesserungen im Humanbereich, werden aber im
weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt. Produkt- und
Prozessinnovationen liegen vor, wenn neue bzw. merklich verbesserte Produkte oder
Fertigungs- und Verfahrenstechniken das Ergebnis der Innovationstätigkeit sind. 23
Durch diese Innovationsformen werden Zweck und Mittel in bisher nicht gekannter
Form verknüpft. 24 Prozessinnovationen innerhalb einer Unternehmung ermöglichen
das Erreichen des gleichen Outputs bei geringerem Input. 25 Bei Produktinnovationen
ist zu berücksichtigen, dass sie gleichzeitig auch Prozessinnovationen für andere
Unternehmen bzw. Branchen oder Abteilungen darstellen können. 26
Das zentrale Merkmal von Innovationen ist der Neuigkeitsgrad. 27 Verbesserungs-
und Basisinnovationen unterscheiden sich hinsichtlich Komplexität und
Schwierigkeitsgrad 28 , sowie in Bestimmtheitsgrad und Risiko. 29
Des Weiteren muss einerseits zwischen unternehmensinternen und anderseits
unternehmensexternen bis globalen Neuerungen unterschieden werden.
Die Innovation ist das Ergebnis eines Prozesses, der in Ideenfindung,
Ideenakzeptanz und Ideenrealisierung gegliedert werden kann. 30
Diese eher grobe Einteilung kann genauer in sechs Phasen überführt werden,
welche im Spannungsfeld zwischen „Technologie Push“ - grundsätzlich technisch
Umsetzbarem - und „Demand Pull“ - der Nachfrage von Problemlösungen - stehen 31 :
Phase 1) vage Vorstellung und Bekundung von Interesse
Phase 2) Endeckung
Phase 3) weitere Forschung
Phase 4) Entwicklung
Phase 5) Festlegung auf eine bestimmte Alternative
Phase 6) Markteinführung, bzw. innerbetriebliche Verfahrenseinführung. 32
Ziel dieses Prozesses ist, eine laufende Verwertung der neu erworbenen
Erkenntnisse, die im Optimalfall bis zur Serienproduktion führen kann. 33
23 Vgl. Sammerl (2006), S. 25 und Hauschildt (1993), S. 4.
24 Vgl. Hauschildt (1993), S. 4.
25 Vgl. Rennings (2005), S. 2.
26 Vgl. Ebenda.
27 Vgl. Thom (1992), S. 7.
28 Vgl. Ebenda.
29 Vgl. Bergmann (2004), S. 46.
30 Vgl. Thom (1992), S. 8 und Gerpott (1999), S. 52f.
31 Vgl. Werner (2002), S. 22.
32 Vgl. Hauschildt (1993), S. 16f.
7
Neben der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind in der Regel auch weitere
Unternehmensteile wie Marketing und Vertrieb in den Innovationsprozess
eingebunden. 34
Diese Arbeit untersucht den reinen innerbetrieblichen Innovationserfolg. Somit wird
die Messung des Wertes von Produktinnovationen bis zur Phase 5) ‚Festlegung auf
eine bestimmte Alternative’ stattfinden. Prozessinnovationen, die innerbetrieblich
genutzt werden, können ohne Einschränkung betrachtet werden, da externe
Einflüsse nur bedingt bestehen. Aufgrund dieser Annahmen ist ein genauerer Blick
auf den Bereich der Forschung und Entwicklung zu werfen.
Brockhoff (1992) beschreibt Forschung und Entwicklung als
„[…] Aktivitäten, die in einen umfassenderen Innovationsprozess eingebettet sind.
[…] Ihr Erfolg ist notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den Markterfolg
der daraus erwachsenden Neuerungen.“ 35
Thom (1992) folgt der Darstellung von Brockhoff (1992) und ergänzt das
Begriffsverständnis von Forschung und Entwicklung um die Identifikation als
systematische Tätigkeit, mit dem Ziel der Gewinnung neuen Wissens bzw. der
neuartigen Anwendung bereits verfügbaren technischen Wissens. 36
Die F&E wird in ‚Grundlagenforschung’, ‚angewandte Forschung’ und ‚Entwicklung’
gegliedert. 37 Ziele der Grundlagenforschung sind rein wissenschaftliche Erkenntnisse
ohne sicheren Bezug zum späteren Nutzen. Die Motivation der angewandten
Forschung basiert dagegen auf einer Orientierung am praktischen Einsatz. Die
Ergebnisse beider Forschungsformen werden in der Entwicklung genutzt und zur
Marktreife geführt. 38
Abbildung 3 stellt den Unterschied zwischen Durchschnittsunternehmen und
Weltklasseunternehmen in Bezug auf den Grad der Effizienz unter Berücksichtigung
dreier Kriterien der F&E dar.
Die Strecken
K
Dimensionen Kosten, Entwicklungszeit und Qualitätsaufwand bei gegebenem
Output. Diese stellen eine mögliche Verbesserung der Produktivität und damit, wie
33 Vgl. Ebenda.
34 Vgl. Brockhoff (1992), S. 28.
35 Brockhoff (1992), S. 35.
36 Vgl.Thom (1992), S. 49.
37 Vgl. Horváth (2003), S. 875.
38 Vgl. Brockhoff (1992), S. 37.
8
im Folgenden erläutert wird, eine Steigerung der Effizienz bzw. eine Verminderung
der Ineffizienz dar.
Abbildung 3: Wettbewerbsvorteile durch überlegene Produkt- und Prozessentwicklung 39
2.2 Die Begriffe der Messung und Bewertung
Die Bestimmung der Ausprägung einer Eigenschaft von Etwas wird als Messung
bezeichnet. 40 Sie wird durch das Messobjekt, das Messsubjekt, die Messkenngröße
und das Messinstrument beeinflusst. 41 Die vom Messsubjekt durchgeführte Messung
basiert auf der Zuordnung einer Merkmalsausprägung des Messobjektes zu einem
bestimmten Wert auf einer zuvor festgelegten Skala. 42 Zudem sollte der Zeitpunkt
der Messung berücksichtigt werden, 43 da verschiedene Messzeitpunkte
unterschiedliche Möglichkeiten der Steuerung implizieren. 44 Die Bewertung der
Einheiten erfolgt aus den Ergebnissen dieser Messung, entweder durch einen
Konkurrenzvergleich, einen Jahres-, beziehungsweise Periodenvergleich oder
anhand eines vorher festgesetzten Ideals. 45
39 Eigene Darstellung in Anlehnung an Specht / Schmelzer / Amelingmeyer (2002), S. 6. 40 Vgl. Werner (2002), S. 45.
41 Vgl. Ebenda.
42 Vgl. Ebenda.
43 Vgl. Hauschildt (1993), S. 326.
44 Vgl. Anlage 2.
45 Vgl. Hauschildt (1993), S. 328. Eine grafische Verdeutlichung der möglichen Größen zum Vergleich findet sich in Anlage 2.
9
Messung und Bewertung bilden zusammen die Beurteilung.
2.3 Effektivität und Effizienz
Die Begriffe ‚Effektivität’ und ‚Effizienz’ werden in ihrer tiefer gehenden Bedeutung
sehr differenziert beschrieben. Grundlage vieler wirtschaftswissenschaftlicher
Definitionen sind jedoch die Beschreibung der Effektivität als ‚das Richtige tun’ und
die der Effizienz als ‚das Richtige richtig tun’. 46
Die Effektivität stellt den Grad der Eignung eines Mittels zur Zielerreichung der
obersten Sachziele dar, 47 was die Außenwirkungen einer Strategie betrifft. 48
Die Effizienz beschreibt hingegen die Innenwirkung einer Strategie, die durch die
Relation von Input und Output und somit durch die Produktivität der betrachteten
Alternative gegeben ist. 49 Folglich ist ein Entwicklungsprozess effizient, wenn das
entwickelte Produkt in relativ kurzer Zeit, mit relativ geringen Kosten, mit sachlich
geeigneten Entwicklungsressourcen, mit optimaler Nutzung der
Entwicklungskapazität, mit relativ akzeptablem Risiko und mit relativ hohem
Transferpotential erstellt wurde. 50 Darüber hinaus soll für die vorliegende Arbeit die
Annahme gelten, dass keine Alternative existieren darf, die denselben Output mit
weniger Input oder mit demselben Input mehr Output erreichen kann. 51
Die Effizienzmessung und der Grad der Ineffizienz lassen sich über Soll-Ist-
Vergleiche auf der Basis von Kosten-, Zeit- und Leistungsabweichungen oder über
die oben genannten Input-Output-Verhältnisse beschreiben. 52
Die Begriffe sollten nicht isoliert betrachtet werden, da eine Sicherung der
langfristigen Überlebensfähigkeit und die Erlangung eines Wettbewerbsvorteils,
aufgrund von Innovationserfolgen, sowohl die Betrachtung und Steuerung aus dem
Blickwinkel der Effektivität, als auch aus der Sicht der Effizienz fordern. 53 Diesen
46 Vgl. Gauglitz-Lüter 1997, S. 125.
47 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 18 und Cooper / Seiford / Tone (2000), S. 66 sowie Hallbauer (1978), S. 72.
48 Vgl. Grimm 1983, S. 7.
49 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 18 und Grimm (1983), S. 7 und Cooper / Seiford / Tone (2000), S. 66 und Hallbauer (1978), S. 72.
50 Vgl. Specht / Schmelzer (1991), S. 7.
51 Vgl. Bürkle (1997), S. 5.
52 Vgl. Bürgel (1989), S.79.
53 Vgl. Gauglitz-Lüter (1997), S. 126f und Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 6.
10
Aspekt verdeutlicht Abbildung 4, die die Auswahl der richtigen Handlungen als
Rahmen für die richtige Umsetzung darstellt.
Abbildung 4: Zusammenhang von Effektivität und Effizienz im Innovationsprozess 54
3 Alternative Messmethoden des Innovationserfolges
3.1 Vorgehensweise und grundlegende Differenzierungskriterien
Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über Klassifikationen von alternativen
Messmethoden des Innovationserfolges, die zur Einordnung der in Kapitel 3.3
beschriebenen Methoden der Beziehungszahlindikatoren und der ‚In- /
Outputbezogenen Bewertungsmaße’ dienen. Diese Methoden sind Basis der
weiteren Überlegungen der vorliegenden Arbeit.
Die Fokussierung erfolgt aufgrund der Berücksichtigung von Input und Output, die
diesen Methoden zu eigen und wie später erläutert wird, Voraussetzung für die
Anwendung der Data Envelopment Analysis (DEA) ist.
Es gibt zwei grundsätzliche Arten von Daten, die zur Ermittlung des
Innovationserfolges genutzt werden können: zum einen numerisch bestimmbare
Kennzahlen, auf denen die quantitativen Ansätze beruhen und zum anderen intuitive
Urteile, die als Basis für qualitative Methoden dienen. 55
54 Werner (2002), S. 44.
55 Vgl. Hauschildt (1993), S. 317f.
11
3.2 Überblick über die alternativen Messmethoden des Innovationserfolges
3.2.1 Qualitative Methoden
Die qualitativen Methoden zur Messung des Innovationserfolges stützen sich auf
Befragungen von Einzelpersonen oder ganzen Gruppen, die als Experten die
Leistung von Fachkollegen oder disziplinarisch unterstellten Mitarbeitern beurteilen
sollen. 56 Mit dem Ziel willkürliche Urteile zu vermeiden und um Gefahren der
Fehlbeurteilung zum Beispiel durch Sympathie bzw. Antipathie oder falsche
Selbsteinschätzung zu minimieren, werden in der Regel einige Beurteilungskriterien
vorgegeben. 57
Im Allgemeinen wird zwischen Einzel- und Gruppenbewertungen unterschieden.
Die sog. Einzelpersonenbewertung wird durch den zu Beurteilenten selbst, einzelne
Mitarbeiter oder durch Assessment Center, also eine ganze Gruppe von Personen,
durchgeführt. 58 Letzteres Vorgehen verspricht einen höheren Grad an Objektivität
und Akzeptanz. 59 Das Bewertungsobjekt ist eine Einzelperson. Ansätze zur
Bewertung sind zum Beispiel Qualität und Quantität der Leistung, Verhalten
gegenüber Mitarbeitern, Verlässlichkeit und die Gesamtleistung. 60
Das Verfahren der Gruppenbewertung bewertet Abteilungen ganzheitlich und kann in
zwei Formen getrennt werden:
Zum einen die Peer Reviews, die relativ wenig Zeit und Aufwand benötigen, durch
Fachkollegen durchgeführt und auf Basis einer Notenskala ausgewertet werden. 61
Zum anderen die deutlich länger andauernden Audits, die alle Prozesse, Ressourcen
und Verknüpfungen des Bewertungsobjektes in einem umfassenden Gutachten
zusammenfassen und die Abteilungen auf Basis der gewonnen Daten bewerten. 62
Ziel ist hierbei nicht ausschließlich die Bestimmung der Leistung, sondern auch die
Gewinnung von Informationen zur Verbesserung der Produktivität und die Steigerung
des Informationsstandes abteilungsexterner Manager und Forscher. 63
56 Vgl. Werner (2002), S. 199.
57 Vgl. Keller / Holland (1982), S. 55.
58 Vgl. Werner (2002), S. 201ff.
59 Vgl. Werner (2002), S. 201.
60 Vgl. Keller / Holland (1982), S. 55.
61 Vgl. Werner (2002), S. 205.
62 Vgl. Werner (2002), S. 211f.
63 Vgl. Blau (1995), S. 6f.
12
3.2.2 Quantitative Methoden
In der Literatur werden quantitative Ansätze stärker ausdifferenziert als qualitative.
Zur Unterscheidung wird die Nutzung weitestgehend objektiven oder subjektiven
Datenmaterials, dessen Eignung durch die Berücksichtigung verschiedener
Perspektiven entsteht, herangezogen werden.
Zunächst wird ein Überblick über die quantitativen Methoden gegeben, die der
Einordnung der in 3.3 vorgestellten Alternativen dienen soll.
Grundlage der inputbezogenen Kenngrößen, deren Datenbasis relativ einfach zu
erfassen ist, ist eine positive Korrelation zwischen Input und Output. 64 Sowohl
materieller als auch immaterieller Input werden berücksichtigt. 65 Allerdings ist eine
Messung auf dieser Basis unvollständig und gibt den Innovationserfolg nur bedingt
wieder. 66
Die Bestimmung der outputbezogenen Kenngrößen ist im Vergleich zu den
Inputdaten relativ aufwändig. Sie orientiert sich an den vielen möglichen
Outputgrößen innerhalb der Organisationen, 67 die durch F&E, auf Produkt- und
Prozessebene oder Unternehmensebene generiert werden 68 . Alternativ ist eine
Ermittlung auf Basis der Outcomes möglich, die sich aus den genannten
Outputgrößen und deren Nutzung ergeben. 69
Prozessbezogene Kenngrößen gehen von einem Prozessbegriff aus, der als
wiederkehrend beschrieben wird, damit eine Vergleichbarkeit impliziert und eine
Effizienzmessung ermöglicht. 70 Die Projekte werden in den Dimensionen Zeit bzw.
Termine, Kosten bzw. Aufwand und Sachfortschritt bzw. Leistung geplant. 71 Anhand
der vorgegebenen Kriterien werden Teilprojektziele in Form von sogenannten
Meilensteinen festgelegt, an denen sich die Leistung messen lässt 72 .
64 Vgl. Werner (2002),S. 59.
65 Vgl. Werner (2002), S. 60.
66 Vgl. Werner (2002), S. 63.
67 Vgl. Werner (2002), S. 87.
68 Vgl. Werner (2002), S. 115.
69 Vgl. Brown / Svenson (1988), S. 12.
70 Vgl. Werner (2002), S. 64.
71 Vgl. Brockhoff (1992). S. 320f.
72 Vgl. Werner (2002), S. 65.
13
Prozessbezogene Bewertungsmaße basieren auf subjektiven Schätzungen, die in
Bewertungsskalen überführt werden. 73 Auf die explizite Auflistung von In- und
Outputs wird verzichtet. Es kommen Systeme wie Checklisten bzw. Profile zur
Anwendung, die einzelne Projekte mit unabhängigen Zielen bewerten oder
auswählen. 74
Zur analytischen Bewertung einer ganzen Abteilung und Berücksichtigung von
Zielsystemen und Synergien werden Scoring-Modelle, auch
Punktbewertungsverfahren, eingesetzt. 75 Die Beurteilung erfolgt über ein
Benchmarking mit vergleichbaren Einheiten. 76
Abbildung 5 gibt einen umfassenden Überblick über alternative Messmethoden des
Innovationserfolgs quantitativer und qualitativer Art.
Abbildung 5: Überblick über alternative Messmethoden des Innovationserfolges 77
73 Vgl. Werner (2002), S. 170.
74 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 220.
75 Vgl. Specht / Beckmann / Amelingmeyer (2002), S. 219.
76 Vgl. Werner (2002), S. 171.
77 Eigene Darstellung.
14
3.3 Methoden zur Messung bei simultaner Berücksichtigung von In- und Output
3.3.1 Beziehungszahlindikatoren
Die Grundlage der Beziehungszahlen sind zwei Werte, die miteinander in Korrelation
stehen. Aus diesen wird ein Quotient gebildet, der die Leistungsfähigkeit der zu
betrachtenden Organisation darstellt. Ziel ist die Maximierung der Effektivität, die
durch eine Optimierung des Input-Output-Verhältnisses erreicht werden kann. Dies
wird durch den Return on Investment (RoI) oder den Return on Research (RoR) bzw.
abgewandelte Formen auf deren Basis dargestellt. 78 Typische In- und Outputs für die
Bestimmung der Kennzahlen zur Bewertung der F&E- Leistungen sind in Abbildung 6
zusammengestellt. Outputs, die durch die Markteinführung realisiert werden können,
sind in dieser Arbeit nicht zu berücksichtigen, da externe Einflüsse ausgeschlossen
wurden. 79 Zur Verdeutlichung sind diese in Abbildung 6 durch rote Einfärbung
gekennzeichnet.
Abbildung 6: Typische Outputs und Inputs zur Verwendung in RoR-Kennzahlen 80
Problematisch bei der zeitgleichen Berücksichtigung von In- und Output sind
schwankend auftretende Outputs über den Produktlebenszyklus und Time-Lags, die
die zeitliche Differenz zwischen In- und Outputs beschreiben. 81 Bei monetären
78 Vgl. Werner (2002), S. 116ff.
79 Vgl. Kapitel 2.1.
80 Eigene Darstellung in Anlehnung an Werner (2002), S. 118.
81 Vgl. Werner (2002), S. 121.
15
Größen ist eine Umgehung der Bewertungsfehler aufgrund falscher zeitlicher
Zurechnung durch Methoden aus der Investitionsrechnung möglich. 82 Hierdurch geht
jedoch die objektive Sichtweise verloren, da Zahlungsreihen geschätzt werden
müssen. Zudem bestehen Zurechnungsprobleme aufgrund unterschiedlich starker
Einbindung verschiedener Abteilungen. 83 Auch hier ergeben sich Probleme bei der
subjektiven Zuteilung der Anteile der F&E auf bestimmte Neuheiten und deren
Umsätze. Beispielsweise kann ein Face-Lift in der Automobilbranche hohe Umsätze
generieren obwohl der F&E-Aufwand durch den geringen Neuigkeitsgrad sehr klein
ist. Hier steht die Leistung der Marketingabteilung im Vordergrund.
Da die Grundlagen der Messung auf Basis von Beziehungszahlindikatoren
beschrieben wurden, stellt sich nun die Frage nach der Anwendbarkeit innerhalb der
Unternehmen.
Die im Folgenden vorgestellten Methoden beziehen sich zum Teil auf Outputarten,
die am Markt generiert und in dieser Arbeit ausgegrenzt wurden. Trotzdem ist die
Vorstellung der Abläufe nötig, da Ersparnisse aus Verfahrensinnovationen identisch
behandelt werden können. Zudem finden sich hier mögliche
Weiterentwicklungspotenziale, da die später vorgestellte Art der Messung des
Innovationserfolges nicht auf das eingeengte Untersuchungsfeld beschränkt bleiben
sollte.
Die einfachste Form der Anwendung in der Unternehmung ist der Vergleich der
Situation mit F&E mit der Unternehmenssituation ohne selbige, also folglich ohne
F&E-bezogene Inputs und Outputs. 84
Des Weiteren kann die Implementierung durch den R+D-Effektiveness
(Research+Development) Index geschehen. Diese Kennzahl beschreibt die Leistung
des Forschungs- und Entwicklungsbereiches auf Basis von Umsätzen aus neuen
Produkten und den Aufwendungen für die F&E-Abteilung. Diese Werte werden
ihrerseits ins Verhältnis zum Gesamtumsatz des Unternehmens gesetzt. Wenn die
Neuproduktrate ermittelt wurde, ist die Bestimmung einer RoR-Kopfkennzahl
möglich, die einen direkten Zusammenhang zwischen Neuproduktgewinnen und
hierfür benötigen Aufwendungen darstellt. 85
82 Vgl. Werner (2002), S. 121f.
83 Vgl. Ebenda.
84 Vgl. Robb (1991), S. 16f.
85 Vgl. Mc Grath / Romeri (1994), S. 213f.
16
Das Profit-Center-Konzept wandelt die Abteilung der F&E von einem reinen Cost-
Center, das ausschließlich mit anfallenden Kosten belastet wird 86 , in ein Profit-
Center. Demnach können finanzielle Erfolge durch externe Vermarktung der
geschaffenen Werte direkt zugerechnet werden. Allerdings ist dies nur eine
unvollständige Leistungsbestimmung. Dieser kann mit der Abrechnung interner
Leistungen, zum Beispiel durch Verrechnungspreise, die eine monetäre Bewertung
innerbetrieblicher Leistungen und Güter ermöglichen, 87 entgegengetreten werden. Die
Abhängigkeit einer positiven Bewertung der F&E von Erfolgen unterstützt eine
kurzfristige Denkweise. Langfristige und gegebenenfalls (ggf.) effektivere Projekte
werden durch solche ersetzt, die schnelleren Erfolg versprechen. 88
Der Problematik der unvollständigen Leistungsbestimmung stellt sich das System der
internen Lizenzgebühren. Innerbetrieblich genutzter Output wird nur gegen fiktive
Lizenzgebühren weitergegeben. 89 Die Höhe wird anhand von Kriterien wie
Schutzfähigkeit, Erfindungshöhe, zeitlichem Vorsprung und Know-how bemessen.
Zur Beurteilung werden die ermittelten Werte mit den Kosten für die Erstellung
verglichen. 90
Der Aufgabe der sehr aufwendigen verursachungsgerechten Zurechnung nimmt sich
das Konzept der Input-Output-Bilanzen an. 91 Drei mögliche Ansätze mit ähnlichen
Ausprägungen werden im Folgenden kurz vorgestellt.
Das Eastern-Research-Center System ermittelt alle Produkte und Prozesse, in
denen Leistungen der F&E eingeflossen sind und stellt diese zusammen. Auch ältere
Produkte (bis zu fünfzehn Jahren) werden erfasst. Die Addition der Erfolge der
ermittelten Innovationen ergibt den Gewinn der maßgeblich von der F&E geprägten
Produkte und wird mit dem Budget der F&E ins Verhältnis gesetzt. Die Beurteilung
erfolgt über einen Jahresvergleich und wird anhand einer Trendgrafik dargestellt.
Probleme bei der Akzeptanz dieser Methode sind sowohl die subjektive
Entscheidung über den Einfluss der F&E, als auch die zeitliche Verschiebung der In-
und Outputs. 92
86 Vgl. Menz (1973), S. 111.
87 Vgl. Menz (1973), S. 110.
88 Vgl. Werner (2002), S. 129.
89 Vgl. Kreibich (1979), S. 88ff.
90 Vgl. Werner (2002), S. 129.
91 Vgl. Werner (2002), S. 131.
92 Vgl. Werner (2002), S. 132.
17
Das British-Pretoleum-Research System beginnt mit der Schätzung von Kosten und
Nutzen abgeschlossener Projekte. Folgend bestimmen Mitarbeiter der betroffenen
Profit-Center den Anteil der F&E-Abteilung. Das Effizienzmaß wird durch die
Gegenüberstellung der F&E-Anteile am Gewinn der Profit-Center und dem F&E-
Budget ermittelt. 93
Die Vorgehensweise bei General Electric war eine externe Bewertung, die aufgrund
ihres hohen Aufwandes und hoher Kosten nicht zur regelmäßigen Durchführung
geeignet ist. Die Anteile der F&E von 190 Projekten wurden auf Basis von Urteilen
der Profit-Center und der Cost-Center (F&E) bestimmt und mit dem Aufwand für F&E
ins Verhältnis gesetzt. Hieraus ergab sich eine RoR-Kennzahl. Die Schätzung aus
mehreren Perspektiven ließ beidseitige Akzeptanz der Ergebnisse zu. 94
3.3.2 In- und Output-bezogene Bewertungsmaße
Die ‚In- und Outputbezogenen Bewertungsmaße’ basieren, wie auch die
Daten. 95
‚Prozessbezogenen Bewertungsmaße’,
Herangehensweise ist von Vorteil, da Verzerrungen aufgrund von Time-Lags bei
ganzheitlicher Betrachtung, zum Beispiel über den gesamten Produktlebenszyklus,
auf Basis einer Trendextrapolation vermieden werden können. 96 Aufgrund der
Prognosen ist ein ex-ante Zeitpunkt der Datenerhebung möglich. Dank dieser
aktuellen Daten kann ein Misserfolg durch Korrekturen oder durch Steuerung
abgewendet werden. 97 Nachteilig wirkt sich fehlende Objektivität und damit geringere
Akzeptanz aus.
Da sich die Zurechnung nun nicht mehr auf Perioden bezieht, sondern die
Investitionen den Produkten direkt zugerechnet werden, lehnen sich die Verfahren
der Implementierung an die der Projektbewertung an. 98 Während der
Entwicklungsphasen auftretende Synergieeffekte werden weitestgehend
vernachlässigt. 99
93 Vgl. Werner (2002), S. 134f.
94 Vgl. Ebenda.
95 Vgl. Werner (2002), S. 150.
96 Vgl. Bürgel (1989), S. 62.
97 Vgl. Werner (2002), S. 149.
98 Vgl. Werner (2002), S. 166.
99 Vgl. Bürgel (1989), S. 12f.
18
Zu den angewendeten Verfahren der Investitionsrechnung zählen das Konzept bei
den Alcoa-Laboratories, das Konzept bei Square D und das Konzept von Quinn.
Grundlage des Konzeptes der Alcoa-Laboratories ist die Schätzung zukünftiger
Gewinne, nachdem die ersten Erfolge zu verzeichnen sind, deren Abzinsung auf den
heutigen Wert und der Vergleich mit den eingesetzten Mitteln. 100 Monetäre Größen
werden direkt erfasst. Nicht-monetäre Größen werden durch ein Team aus
Ingenieuren und Mitarbeitern der Marketingabteilung in „Benefit Categories“ eingeteilt
und in zurechenbare monetäre Größen umgewandelt. 101 Diese werden zu den direkt
eingebrachten addiert. Auf diese Weise erhält man eine verwertbare
Zahlungsreihe. 102
Das Konzept bei Sqare D berücksichtigt alle Leistungen der F&E. Auch hier werden
nicht direkt zurechenbare Größen, wie abgeschlossene Projekte, laufende Projekte,
realisierte Kostenvermeidung, Aktivitäten zur Verbesserung der F&E-Arbeit,
Aktivitäten zur Know-how-Verbesserung der F&E und interne Beratungsleistungen in
monetäre Größen gewandelt, abgezinst und ins Verhältnis zum F&E-Budget
gesetzt. 103
Das Konzept von Quinn berücksichtigt neben den Daten der eben vorgestellten
Methode hinaus den Ausnutzungsgrad bestimmter Technologien, auf Basis
subjektiver Schätzungen. 104
Die Verfahren der Nutzwertanalyse erfassen und beurteilen komplexe, monetäre und
nicht-monetäre Projektwirkungen auf Basis qualitativer und quantitativer Daten. 105
Ursprünglich wurden sie, wie auch die Investitionsrechnung, zur Auswahl einer
Alternative entwickelt. 106 Da die ermittelten Werte verschiedene Dimensionen (z. B.
Kilo, €, …) haben, müssen sie in ein dimensionsloses Ergebnis zusammengefasst
werden. 107 Dies geschieht durch die separate Ermittlung der Nutzen der einzelnen
Dimensionen. 108 Diese werden mit Faktoren gewichtet, die sich aus intuitivem oder
systematisch-rationalem Vorgehen ergeben 109 und für jede der zu vergleichenden
100 Vgl. Werner (2002), S. 151f.
101 Vgl. Werner (2002), S. 153.
102 Vgl. Ebenda.
103 Vgl. Werner (2002), S. 154f.
104 Vgl. Werner (2002), S. 156.
105 Vgl. Utermarck (1995), S.1 und Witte (1989), S. 24.
106 Vgl. Werner (2002), S. 157.
107 Vgl. Utermarck (1995), S. 1.
108 Vgl. Witte (1989), S. 25.
19
Organisationen gleich bleiben. Die gewichteten Nutzen werden zu einem
Gesamtnutzen zusammengefasst. 110
Der ‚Programm Value Algorithmus’ berechnet den ‚Programm Value’. Dieser
beschreibt den Wert eines Programms und bezieht sich auf laufende Projekte. 111 Die
Datenbasis besteht aus den folgenden vier Faktoren: 112 Potentielle Einnahmen vor
Steuern, Wahrscheinlichkeit der Kommerzialisierung, Technische Leistung und
Umfang des F&E-Projektes. Diese werden mit Werten zwischen 0,1 für schwach bis
1 für stark gewichtet. Der Programmwert ergibt sich aus der Summe der Projektwerte
und wird für einen Effizienzkennwert durch die F&E-Betriebskosten geteilt. 113
Das Brown+Svenson Primärindexsystem bewertet nur einzelne Projekte und kann
frühestens nach deren Abschluss angewandt werden. Er nutzt die folgenden vier
Zieldimensionen: Return on Research, Produkt- und Prozessqualität, Produktkosten
und Entwicklungszeit. Eine dieser Dimensionen wird als Primärindex festgelegt und
bekommt die höchste prozentuale Gewichtung. Die anderen werden als
Sekundärindizes bezeichnet erhalten, je nach Prämissen, die übrigen Anteile. Die
einzelnen Faktoren werden, bis auf die extern bewertete Qualität, von den F&E-
Mitarbeitern selbst beschrieben. Die Addition der gewichteten Zieldimensionen ergibt
den Leistungsindex. 114
Kombinationen aus Verfahren der Investitionsrechnung und der Nutzwertanalyse
stützen sich auf eine breitere Basis, da mehrere Zieldimensionen erfasst und
finanzmathematisch beurteilt werden können. 115
Zum einen wird ermittelt, ob die Vorgaben des Projektes erreicht wurden und zum
anderen werden die potentiellen Geschäftschancen (auf Basis von Marktgröße,
Marktpreis, Verkaufsmenge), die durch die Neuentwicklung entstanden sind,
aufgedeckt 116 . Allerdings werden weder Konkurrenten, noch andere externe
Einflüsse berücksichtigt. 117
109 Vgl. Utermarck (1995), S. 46.
110 Vgl. Witte (1989), S. 25.
111 Vgl. Werner (2002), S. 158.
112 Vgl. Ebenda.
113 Vgl. Werner (2002), S. 159.
114 Vgl. Werner (2002), S. 159-161.
115 Vgl. Werner (2002), S. 161.
116 Vgl. Werner (2002), S. 162f.
117 Vgl. Werner (2002), S. 165.
Arbeit zitieren:
Christian Geile, 2007, Analyse und Bewertung ausgewählter Methoden zur Messung der Effizienz von Innovationen und beispielhafte Anwendung der Data Envelopment Analysis, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christian Geile hat den Text Analyse und Bewertung ausgewählter Methoden zur Messung der Effizienz von Innovationen und beispielhafte Anwendung der Data Envelopment Analysis veröffentlicht
Christian Geile hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare