nug. Führungskräfte brauchen eine konsistente Haltung, eine klare ethische Urteilsfähigkeit, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehört eine stärkere Bewusstseinsorientierung 3 , d.h. ein positives Verständnis dafür, dass Werte in einem System, wo riskantes Verhalten von Managern durch Unternehmen sehr stark belohnt wird, kein beliebig verfügbarer Katalog mit kontrollierbarer Wirkung sind.
David Hume betonte, dass es eine kategoriale Differenz zwischen Sein und Sollen gebe 4 , man also nicht vom rein deskriptiven Modell zum normativen Imperativ schließen kann. Jesus und seine Jünger sprachen nie explizit von Werten, jedoch von der Wahrheit. Platon sprach ebenfalls nicht von Werten, sondern von der Idee des Guten. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff „Wert“ ökonomisch verstanden und war Gegens-tand der Nationalökonomie, bis Herrmann Lotze die umfassendere Wertphilosophie begründete. Doch Werte an sich sind zunächst subjektiv, kein Mission Statement auf der Basis fest kodifizierbarer Grundwerte. Individuelle Werte, auf die sich eine größere Zahl von Menschen einigt, schaffen Normen und nicht umgekehrt. Ökonomen haben keine philosophische Werttheorie, sondern equilibrieren Wert mit Preis als Gleichgewicht 5 für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Der Wert eines Ge-genstands ist davon abhängig, welche subjektive Bedeutung der Einzelne ihm zuschreibt. Ökonomisch gesehen sind Preise „nichts anderes als aggregierte Wertvorstellungen“ 6 . In der Theologie sind Werte dagegen Verhaltensweisen wie das Fragen nach Wahrhaftigkeit, Treue und Gerechtigkeit.
In der Philosophie hingegen liegt die Sache anders. Hier ist der Wertbegriff „das Ergebnis einer Hypostasierung von Wertprädikaten“. 7 So ist ein Glas Wasser für einen Schwimmbad-Besitzer weniger wertvoll als für einen verdurstenden Marathonläufer, der bereits lediglich einen Schluck vom kostbaren Nass wertschätzen würde. 8 Wenn es dabei um Geld geht, wird der Käufer nur dann denjenigen Preis akzeptieren, der unter seinem subjektiven Werteempfinden liegt. Im Kern divergieren ökonomische Werte von ethischen Maßstäben. 9 Ihre wissenschaftliche Konzeption und daraus resultierende Handlungsempfehlungen werden kontrovers diskutiert.
3 Enderle, Georges, Handlungsorientierte Wirtschaftsethik: Grundlagen und Anwendungen, in: St. Galler
Beiträge zur Wirtschaftsethik, Bd. 8, Stuttgart 1993.
4 Hume, David, A Treatise of Human Nature, Oxford 1978 (orig. 1740).
5 Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG 4 ), Art. „Wert/Werte“, S. 1468.
6 McK Wissen, Das Magazin von McKinsey, 11. Ausgabe, „Wert“, Hamburg 2004, S. 22.
7 Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Art. „Wert“, S. 1108.
8 Oermann, Nils Ole, Anständig Geld verdienen? Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen
globaler Märkte, Gütersloh 2008, S. 209.
9 Camenish, Paul F., Business Ethics: On Getting to the Heart of the Matter, in: Stackhouse, Max L. u.a.
(Hg.), On Moral Business, Classical and Contemporary Ressources for Ethics in Economic Life, Princeton
(USA) 1995, S. 587ff.
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2. Glaubwürdige Wertorientierung mit ganzheitlichem Nachhaltigkeits-Effekt
In der Gewinn-Gleichung ist es schwierig, den Menschen mit einzubeziehen. Zwar ist seine Arbeitsleistung der entscheidende Produktionsfaktor für den Erfolg eines Unternehmens. Seine individuellen Bedürfnisse scheinen hier nicht hineinzupassen. Doch bereits in den gesellschaftlichen Mini-Unternehmen Familie, Schule und Arbeitsplatz kommt es darauf an, den Blick für die eigene Verantwortung zu schärfen. Es gilt nicht nur Werte zu formulieren respektive zu diskutieren, sondern es kommt darauf an, bereits im Privatleben mit Kopf und Herz, d.h. ökonomischer Rationalität und emotionaler Intelligenz 10 bewusst eine ethische Werteorientierung einzunehmen.
Diese strategische Anstrengung - und der Seitenblick, wie etwa auf die Theologie und ihre Interpretationen des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter 11 - lohnt sich. „Christliche Ethik ist kein Potpourri der Beliebigkeit“ 12 , sondern manifestiert sich u.a. in den Zehn Geboten, der Bergpredigt und dem Wirken Jesu. Die darin enthaltenen Botschaften werden nicht täglich zur Disposition gestellt. Jesus kritisierte nicht wie häufig angenommen Besitz und Gewinnstreben per se 13 , sondern er sieht ihn wie im Gleichnis vom Reichen Jüngling erkennbar genau dann, wenn er dem Reichen den Weg zur Nachfolge versperrt. Als gläubiger Jude hat Jesus gemäß den Schriften der Thora Menschen sensibilisiert für die Auswirkungen der Geldwirtschaft.
Nach christlichen Maßstäben kann Geld als erstes historisches Massenmedium unter der Voraussetzung seiner angemessenen Verwendung Werte schaffen, die soziale Gemeinschaft fördern statt abbrechen. Letztendlich kam es Jesus darauf an, in der Beziehung zu Gott, zu seinen Mitmenschen und damit auch zu sich selbst zu leben: „Damit geht es nicht mehr um Corporate Values, sondern um persönliche Moral“ 14 . Von diesem Beispiel kann auch Ökonomie lernen: Aus Unternehmenssicht betrachtet zahlt sich solch ein bewusstes Vorbild-Verhalten in Loyalität und mehr Engagement aus. Letztlich aber auch in höherer Produktivität, Wertschöpfung und Rendite. Dazu mögen folgende fünf Thesen zur Führung, Strategie und Marketing in Unternehmen pragmatische Denkanstöße sein.
10 Golemann, Daniel, Emotionale Intelligenz, München 1996, S. 190ff.
11 Lukas-Evangelium, 10. Kapitel.
12 Hemel, Ulrich, Wert und Werte. Ethik für Manager - ein Leitfaden für die Praxis, München 2 2007, S. 51.
13 Marguerat, Daniel, Gott und Geld - ein Widerspruch? Wie die Bibel Reichtum und Besitz einschätzt, in:
Welt und Umwelt der Bibel, 1. Ausgabe, Stuttgart 2008, S.10ff.
14 Hartmann, Michael, Werte aus Sicht der Kirche - ein zeitgemäßer Ansatz?, in: Unger, Stefanie u.a. (Hg.),
Was uns wichtig ist. Eine neue Führungsgeneration definiert die Unternehmenswerte von morgen. Ergebnisse
aus der Wertekommission, Weinheim 2 2007, S. 213ff.
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3. Ökonomische Kontingenz und Kongruenz ethischen Wertemanagements
1. Gute Sitten sind mehr als Marketing oder Strategie, sondern die Grundlage für die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens und damit für dessen langfristigen Erfolg. Primär hat ein Manager die Aufgabe, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Daran wird er von den Shareholder-Values seines Unternehmens gemessen. Die Stakeholder sind dabei nicht weniger relevant. In Politik, Kirche und Medien wird das ethische Werte-Dilemma von Managern 15 kritisch betrachtet.
Sowohl die Profitmaximierung, hohe Managementgehälter als auch das Thema der Corporate Social Responsibilty müssen glaubwürdig zueinander passen 16 , damit die Medienberichterstattung über Aktion und Wirkung nicht zum Flop wird, der dann auch von Analysten an der Börse kritisch bewertet wird. 17 Der Kern des Problems ist, präskriptive Wertkodexe nachhaltig erfolgreich umzusetzen und diese über die Medien transparent zu machen. Dies hat mit Kontingenz, aber auch Kongruenz 18 in den unternehmerischen Entscheidungsprozessen zu tun.
2. Fast jedes Unternehmen hat heute Wertkodexe, zumindest formuliert auf der Website und Imagebroschüren. Viel wichtiger aber ist die Frage: Wie lebt man diese vor? Immer mehr international agierende Unternehmen, besonders in Europa und den USA, sind gut aufgestellt, was strategische Handlungen im Bereich Compliance, Corporate Governance oder Corporate Citizenship betrifft. Was die Medienkompetenz dieser Unternehmen angeht, gibt es kaum Nachholbedarf. Oft mangelt es jedoch an der Unterstützung von Managern, ethische Gedanken auch im Arbeitsalltag umzusetzen. Menschenführung und Vorbildverhalten müssen sukzessive erlernt und umgesetzt werden. Für diese Lebensweisheit braucht man weder besonders religiös zu sein, medientechnisch oder ökonomisch geschult sein. Denn bereits Kinder neigen dazu, die Ansagen ihrer Eltern zu ignorieren, wenn diese nur Reden schwingen, sie aber nicht nach ihrem gesprochenen Wort handeln. Bereits Jesus mahnte in seiner Bergpredigt 19 an, dass es darauf ankommt, gemachten Worten entsprechende Taten folgen zu lassen. Das biblische Gebot der Nächstenliebe mahnt zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und anderen.
15 Siehe Principal-Agent-Theorie: "Whenever one individual depends on the action of another, an agency
relationship arises. The individual taking the action is called the agent. The affected party is the principal."
(http://www.manalex.de/d/prinzipal-agenten-theorie/prinzipal-agenten-theorie.php)
16 Avenarius, Horst, Public Relations, Darmstadt 2000, S. 376ff.
17 McK Wissen, Das Magazin von McKinsey, 11. Ausgabe, „Wert“, Hamburg 2004, S. 10f.
18 Schulz von Thun, Friedemann, Miteinander Reden, Band 3, Das „innere Team“ und situationsgerechte
Kommunikation, Kommunikation, Person, Situation, Hamburg 14 2005, S. 175ff.
19 Matthäus-Evangelium, Kapitel 5-7.
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Arbeit zitieren:
Jan Thomas Otte, 2008, Märkte, Medien, Moral?, München, GRIN Verlag GmbH
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