Zusammenfassung:
Die Balanced Scorecard, vereinfacht als ausbalanciertes Kennzahlensystem übersetzt, ist ein Managementinstrument, welches die Umsetzung einer Unternehmensstrategie unterstützen kann. Die Balanced Scorecard, ursprünglich von S. Kaplan und R. Norton für Unternehmen der privaten Wirtschaft entwickelt, wurde mittlerweile weltweit auch von öffentlichen Einrichtungen angenommen und umgesetzt. Auch im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere in Krankenhäusern, findet die Balanced Scorecard, wenn auch noch vereinzelt, ihren Einsatz.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Möglichkeiten der Anwendung der Balanced Scorecard in ausgewählten Bereichen des Gesundheitswesens. Dabei werden die beiden stationären Sektoren Krankenhaus und Altenheim sowie der ambulante Sektor der Arztpraxen ® behandelt. Weiterhin wird anhand des KTQ - Verfahrens aufgezeigt, wie die Balanced
Scorecard auch im Bereich des Qualitätsmanagement eingesetzt werden kann.
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens I
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG 1
2 BETRIEBLICHE STEUERUNGSINSTRUMENTE IM
GESUNDHEITSWESEN 2
2.1 Grundlegende Anforderungen an ein Steuerungsinstrument 3
2.2 Aktueller Stand von Steuerungsinstrumenten im Gesundheitswesen 6
3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND HINWEISE ZUR
BALANCED SCORECARD 8
3.1 Definition der Balanced Scorecard 8
3.2 Konzeption der Balanced Scorecard 8
3.3 Die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard 10
3.3.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive 11
3.3.2 Die Kundenperspektive 12
3.3.3 Die interne Prozessperspektive 12
3.3.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive 13
3.4 Ursache-Wirkungsbeziehungen 14
3.5 Messgrößen, Zielwerte und Maßnahmen 15
3.6 Umsetzung der Unternehmensstrategie - Der Implementierunsgsprozess einer
Balanced Scorecard 17
3.6.1 Phase 1 : Organisatorischen Rahmen für die Implementierung schaffen 18
3.6.2 Phase 2 : Strategische Grundlagen klären 19
3.6.3 Phase 3 : Balanced Scorecard entwickeln 20
3.6.4 Phase 4 : Roll out managen 20
3.6.5 Phase 5 : Kontinuierlichen Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen 21
3.7 Die Balanced Scorecard in Non- Profit Organisationen 21
3.8 Verbreitung der Balanced Scorecard im Gesundheitswesen 23
4 DIE BALANCED SCORECARD IM KRANKENHAUS 26
4.1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard im Krankenhaus 26
4.2 Vision und Strategie in Krankenhäusern 27
4.3 Perspektiven der Balanced Scorecard in Krankenhäusern 30
4.3.1 Finanzperspektive 30
4.3.2 Kundenperspektive 31
4.3.3 Prozessperspektive 32
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens II
4.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive 33
4.3.5 Die Sozialperspektive 34
4.4 Ursache-Wirkungsbeziehung 35
4.5 Zusammenfassung 36
5 DIE BALANCED SCORECARD IM ALTENHEIM 37
5.1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard im Altenheim 37
5.2 Vision und Strategie in Altenheimen 38
5.3 Perspektiven der Balanced Scorecard in Altenheimen 39
5.3.1 Finanzperspektive 39
5.3.2 Kundenperspektive 40
5.3.3 Prozessperspektive 41
5.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive 42
5.3.5 Perspektive „ Ideeller Bereich“ 43
5.4 Ursache-Wirkungsbeziehung 44
5.5 Zusammenfassung 45
6 DIE BALANCED SCORECARD IN DER ARZTPRAXIS 46
6.1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard in der Arztpraxis 46
6.2 Vision und Strategie in der Arztpraxis 47
6.3 Perspektiven der Balanced Scorecard in der Arztpraxis 48
6.3.1 Finanzperspektive 48
6.3.2 Kundenperspektive 49
6.3.3 Prozessperspektive 50
6.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive 51
6.4 Ursache-Wirkungsbeziehung 52
6.5 Zusammenfassung 53
7 DIE BALANCED SCORECARD IN VERBINDUNG MIT DEM
QUALITÄTSMANAGEMENT 54
KTQ 54
7 1
Kombination von Balanced Scorecard und KTQ 56
7 2
7.3 Zusammenfassung 58
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens III
8 SCHLUSSFOLGERUNG 60
8.1 Stärken der Balanced Scorecard 60
8.2 Schwächen der Balanced Scorecard 61
8.3 Fazit und Ausblick 63
9 LITERATURVERZEICHNIS 65
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3 1 Top- down Prozess der Balanced Scorecard 10
Abbildung 3 2 Perspektiven der Balanced Scorecard 11
Abbildung 3 3 Das generische Wertkettenmodell 13
Abbildung 3 4 Ursache- Wirkungskette der Balanced Scorecard 15
Abbildung 3 5 Fünf-Phasen Modell der Implementierung 18
Abbildung 4 1 Vision einer Universitätsklinik 28
Abbildung 4 2 Externe Analyse der Umweltfaktoren 29
Abbildung 4 3 Strategische Ziele und Messgrößen der Finanzperspektive im
Krankenhaus 31
Abbildung 4 4 Strategische Ziele und Messgrößen der Kundenperspektive
im Krankenhaus 32
Abbildung 4 5 Strategische Ziele und Messgrößen der Prozessperspektive
im Krankenhaus 33
Abbildung 4 6 Strategische Ziele und Messgrößen der Lern- und
Entwicklungsperspektive im Krankenhaus 34
Abbildung 4 7 Strategische Ziele und Messgrößen
der Sozialperspektive 35
Abbildung 4 8 Ursache- Wirkungsbeziehungen im Krankenhaus 36
Abbildung 5 1 Vision eines Altenheimes 38
Abbildung 5 2 Strategische Ziele und Messgrößen der Finanzperspektive
im Altenheim 40
Abbildung 5 3 Strategische Ziele und Messgrößen der Kundenperspektive
im Altenheim 41
Abbildung 5 4 Strategische Ziele und Messgrößen der Prozessperspektive
im Altenheim 42
Abbildung 5 5 Ziele und Messgrößen der Lern- und Entwicklungsperspektive
im Altenheim 43
Abbildung 5 6 Strategische Ziele und Messgrößen der Perspektive
„Ideeller Bereich“ im Altenheim 44
Abbildung 5 7 Ursache- Wirkungsbeziehungen im Altenheim 45
Abbildung 6 1 Vision einer Arztpraxis 47
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens V
Abbildung 6.2 Strategische Ziele und Messgrößen der Finanzperspektive in der Arztpraxis………………………………………………………… 49
Abbildung 6.3 Strategische Ziele und Messgrößen der Kundenperspektive in der Arztpraxis……………................................................................... 50 Abbildung 6.4 Strategische Ziele und Messgrößen der Prozessperspektive in der Arztpraxis……………………………………………………… 51
Abbildung 6.5 Strategische Ziele und Messgrößen der Lern- und Entwicklungsperspektive der Arztpraxis…………………………………………………………… 52
Abbildung 6.6 Ursache-Wirkungsbeziehung in der Arztpraxis…………………………. 53 ® - BSC…………………………………………… 57 Abbildung 7.1 Perspektiven der KTQ ® - BSC……… 58 Abbildung 7.2 Ziele und Messgrößen der Patientenperspektive der KTQ
Tabellenverzeichnis
Tabelle 3.1 Literaturrecherche……………………………………………………… 24
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens VI
Abkürzungsverzeichnis
BSC Balanced Scorecard DIN Deutsches Institut für Normung DRG Diagnosis Related Groups EFQM ® European Foundation for Quality Management EN Europäische Norm GKV Gesetzliche Krankenversicherung GRV Gesetzliche Renteversicherung GUV Gesetzliche Unfallversicherung ISO International Organization for Standardization KTQ ® Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus KZ Kennzahl KVP Kontinuierlicher Verbesserungsprozess MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen NPO Non-Profit-Organisation NRW Nordrhein- Westfalen PDCA Plan- Do- Check- Act QMS Qualitätsmanagementsystem ROCE Return on core equity SGB V Sozialgesetzbuch Fünftes Buch: Gesetzliche Krankenversicherung SGB XI Sozialgesetzbuch Elftes Buch: Soziale Pflegeversicherung HeimG Heimgesetz
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 1
1 Einleitung und Zielsetzung
“Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen, die nur die Vergangenheit oder die Gegenwart betrachten, werden ganz sicher die Zukunft verpassen” (John F. Kennedy).
Diese Aussage ist auch für viele Einrichtungen im Gesundheitswesen, die zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt werden, zutreffend. Der derzeit schon immense Kostendruck der auf den einzelnen Einrichtungen lastet, wird weiter zunehmen. Weiterhin steigt der Konkurrenzdruck, der Einrichtungen untereinander stetig an. Es gilt, Veränderungen in den bestehenden Strukturen zu schaffen, um auch zukünftig überleben zu können (vgl. Bündnis Gesundheitsreform 2000, n.d.). Die Entwicklung von Strategien und die Nutzung von Instrumenten zur konsequenten Umsetzung sind dabei als wesentliche Faktoren zu sehen.
Die Balanced Scorecard, vereinfacht als ausbalanciertes Kennzahlensystem übersetzt, ist ein Managementinstrument, welches die Umsetzung einer Unternehmensstrategie unterstützen kann. Eine Studie der Horváth und Partners Management - Beratung bei großen und mittelständigen Unternehmen hat ergeben, dass Unternehmen die mit der BSC arbeiten erfolgerreicher sind als Wettbewerber (vgl. Horváth und Partner Consulting, 2005). Die Balanced Scorecard, ursprünglich von S. Kaplan und R. Norton für Unternehmen der privaten Wirtschaft entwickelt, wird mittlerweile weltweit auch von öffentlichen Einrichtungen angenommen und umgesetzt (vgl. Kaplan & Norton, 2001, S. 119). Auch im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere in Krankenhäusern, findet die Balanced Scorecard, wenn auch noch vereinzelt, ihren Einsatz (vgl. Reisner, 2003, S.35).
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Möglichkeiten aufzeigen, wie die Balanced Scorecard in ausgewählten Einrichtungen des Gesundheitswesens Anwendung finden kann. Zunächst soll dem Leser dabei verdeutlicht werden, warum bestehende Steuerungsinstrumente im deutschen Gesundheitswesen weiter entwickelt werden müssen. Daher erfolgt in Kapitel 2 zunächst eine Beschreibung der grundlegenden Anforderungen an ein Steuerungsinstrument und der sich daraus ergebenden Problematik im Gesundheitswesen. In Kapitel 3 wird die Theorie der Balanced Scorecard dargestellt, um das Verständnis für den weiteren Verlauf der Arbeit zu fördern. Weiterhin wird innerhalb dieses Kapitels auf die Verbreitung der Balanced Scorecard im Gesundheitswesen und die grundsätzliche Eignung dieses Managementinstruments für Non-Profit- Organisationen eingegangen. Aufbauend auf der geschilderten Theorie werden im weiteren Teil der Arbeit Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Balanced Scorecard in der Praxis
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 2
ausgewählter Einrichtungen eingesetzt und umgesetzt werden kann. Dabei sollen die stationären Bereiche Krankenhaus (Kapitel 4) und Altenheim (Kapitel 5), sowie der ambulante Bereich der Arztpraxen (Kapitel 6) betrachtet werden. Zudem wird in einem weiteren Kapitel (Kapitel 7) aufgezeigt, wie eine Kombination der Balanced Scorecard mit dem ® Verfahrens, erfolgen kann. Qualitätsmanagementsystem, am Beispiel des KTQ
Im letzten Teil der Arbeit erfolgt eine Analyse der Stärken und Schwächen der Balanced Scorecard und welche Vor- bzw. Nachteile sich daraus für den Einsatz im Gesundheitswesen ergeben. Weiterhin soll Bezug auf die geschilderten Anforderungen und die sich daraus ergebenden Problematik in Kapitel 2 genommen werden um aufzuzeigen, inwiefern die Balanced Scorecard die bestehenden Anforderungen erfüllt.
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 3
2 Betriebliche Steuerungsinstrumente im
Gesundheitswesen
„Jedes erfolgreiche Unternehmen benötigt ein Führungskonzept, das die Herausforderungen der Zukunft zu erkennen hilft, diese in Strategien transformiert und gegenüber den Mitarbeitern kommuniziert, sowie die operative Umsetzung gewährleistet. Dies gilt uneingeschränkt auch für Krankenhäuser [und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens]“ (Reisner, 2003, S.19).
Das Kapitel soll einen Einblick über den aktuellen Stand betrieblicher Steuerungsinstrumente im Gesundheitswesen geben, um aufzuzeigen, warum bestehende Instrumente weiterentwickelt oder ersetzt werden müssen. Dabei sollen die grundlegenden Anforderungen an ein Steuerungsinstrument erläutert und die sich daraus ergebende Problematik im Gesundheitswesen geschildert werden.
2.1 Grundlegende Anforderungen an ein
Steuerungsinstrument
In den letzten Jahren wurden eine Reihe von unterschiedlichen Instrumenten zur Steuerung, Planung und Kontrolle der einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens auf den Markt gebracht. Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen zeigen, dass ein geeignetes Führungskonzept, welches die Einrichtungen in den unterschiedlichen Sektoren des Gesundheitswesens langfristig sichert, notwendiger denn je ist (vgl. Borger & Schmidt, 2002, S. 102; Poniewaz, n.d., S. 1; Reisner, 2003, S. 19 -20). Ein allgemeingültiges oder idealtypisches Steuerungsinstrument zur Führung der unterschiedlichen Einrichtungen im Gesundheitswesen existiert jedoch nicht. Jede Institution hat individuelle Schwerpunkte, Ziele und Werte, die sie vertritt. Gleichermaßen individuell sollten auch die Lösungen zur konkreten Ausgestaltung eines betrieblichen Steuerungsinstruments sein. Allerdings sollte beachtet werden, dass nicht jedes Instrument zur Steuerung und Führung eines Unternehmens im Gesundheitswesen in Betracht gezogen werden kann: es stellen sich an betriebliche Steuerungs- und Führungsinstrumente praxisbezogene Anforderungen, die im Folgenden, wenn nicht anders gekennzeichnet, in Anlehnung an Conrad (2001, S 43-51) genannt werden sollen.
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 4
Im Vordergrund stehen stets die Erfüllung der Betriebsziele, wobei das langfristige Ziel, neben kurzfristigen Betriebszielen, wie etwa Patientenzufriedenheit und ausgeglichenes Betriebsergebnis, die Erhaltung des Unternehmens ist. Dies bedeutet, dass das Steuerungsinstrument sich sowohl mit Messwerten (z.B. Umsatz) als auch mit schwer greifbaren Faktoren, den so genannten weichen Faktoren (wie z.B. Wohlbefinden der Patienten) auseinander setzen muss. Dies sollte sich auch auf zukünftige Erfolgsfaktoren beziehen, da sich Erwartungen und Erfordernisse ständig weiterentwickeln und somit die Analyse ausschließlich vergangenheitsbezogener Daten kein Erfolgsgarant ist. Die zukünftige Entwicklung des Marktes sollte stets Beachtung finden, um Veränderungen in Bezug auf Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und sich diesen anzupassen.
Das Steuerungsinstrument sollte mit der Führungsphilosophie des Unternehmens in Einklang stehen. Diese wird hauptsächlich geformt durch den Träger und/oder die Leitung einer Institution. Um eine Umsetzung auf allen Ebenen zu gewährleisten, sollte das Steuerungsinstrument im Sinne des partizipativen Führungsstiles das Engagement der Mitarbeiter fördern.
Betrachtet man den Wettbewerb der einzelnen Bereiche im Gesundheitswesen untereinander und die daraus notwendigerweise für die einzelnen Institutionen resultierende Weiterentwicklung der Leistungsstruktur, ist bei der Wahl eines Steuerungsinstrumentes weiterhin darauf zu achten, dass dieses das Management aktiv beim Aufbau neuer Strukturen unterstützt. Welcher Bedarf bezüglich der Entwicklung und des Aufbaus neuer Leistungsstrukturen besteht, ist in den einzelnen Institutionen von vielerlei Faktoren abhängig. Einflüsse können unter anderem Veränderungen interner Strukturen oder Wettbewerb in der Region sein. Wichtig hierbei ist, zu beachten, dass Weiterentwicklungen immer mit strategischen Entscheidungen verbunden sind. Das Steuerungsinstrument sollte demnach einen strategischen Charakter besitzen, um langfristige Planungen und Zielsetzungen zu unterstützen. Prinzipiell muss das Steuerungssystem also nicht mehr nur der Effizienzfrage nachgehen:„ Machen wir die Dinge richtig?“, sondern auch die Frage nach der Effektivität stellen: „ Machen wir die richtigen Dinge?“ (vgl. Reisner, 2003, S.23).
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 5
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den das Steuerungsinstrument in der Führung optimal unterstützen sollte, ist die innerbetriebliche Planung und Steuerung von Leistungen, Erlösen und Kosten. Das System sollte so ausgerichtet sein, dass Daten möglichst schnell ermittelt und ausgewertet werden können, um aktuelle Schwachstellen zu erkennen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Es sollten jedoch nicht nur die Schwachstellen Beachtung finden; ebenso sollten
Optimierungsmöglichkeiten identifiziert werden, um eine kontinuierliche Verbesserung der Betrieb-, Pflege- und Behandlungsprozesse in den einzelnen Einrichtungen zu gewährleisten.
Grundsätzlich muss beachtet werden, dass das betriebliche Steuerungsinstrument einfach und logisch aufgebaut ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass es von allen Mitarbeitern verstanden und akzeptiert wird. Die den einzelnen Berufgruppen abverlangte Datenerfassung sollte nur im direkten Bezug zu den Aufgaben bzw. Arbeitsinhalten stehen, damit Widerstand vermieden und Akzeptanz und Verständnis gefördert werden.
Wirtschaftlichkeit letzter Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die des
Steuerungsinstrumentes. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sollte ausgeglichen sein. Das Steuerungsinstrument sollte in seinem Einsatz effizient sein und dementsprechend nicht mehr kosten, als es tatsächlich erwirtschaftet.
Der Aufwand der Datenerfassung sollte weitestgehend gering gehalten und, wenn möglich, sollten bereits vorhandene Daten und Informationen mit berücksichtigt werden.
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 6
2.2 Aktueller Stand von Steuerungsinstrumenten im
Gesundheitswesen
Wie bereits genannt, gibt es auf dem Markt eine Reihe von potentiellen Instrumenten zur Führung und Steuerung der Unternehmen im Gesundheitswesen. Besondere Bedeutung kommen seit einigen Jahren unterschiedlichen Konzepten des Controllings und des Qualitätsmanagements zu.
Dies lässt sich im Krankenhaus zum einen auf das 2003 eingeführte DRG Abrechnungssystem zurückführen und zum anderen auf die Pflicht der Häuser, ein internes Qualitätsmanagement zu erbringen, welches im § 135a, SGB V festgehalten ist (vgl. Sozialgesetzbuch V). Aber auch für Altenheime gilt es, verbindliche interne und externe Qualitätssicherungsmaßnahmen zu erbringen. Dies ist im §80a, SGB XI verankert (vgl. Sozialgesetzbuch XI). Durch zunehmend wirtschaftliche Risiken und die daraus sich daraus ergebende Notwendigkeit der Kostenkontrolle nimmt auch in Altenheimen das Controlling einen immer größeren Stellenwert ein. Ebenso haben Arztpraxen mit immer knapper werdenden Finanzmitteln zu kämpfen so, dass das Controlling auch hier eine zunehmende Rolle spielt. Es werden Systeme benötigt, die die dafür relevanten Daten erfassen, um das Unternehmen zu steuern und überwachen. Weiterhin sind auch Arztpraxen nach § 135a des SGB V (vgl. Sozialgesetzbuch V) zur Sicherung der Qualität verpflichtet.
Betrachtet man nun aber die Umsetzung und Eignung der angewendeten Konzepte in Bezug auf die zuvor genannten Anforderungen eines Steuerungsinstruments, so sind in den einzelnen Sektoren erhebliche Defizite auszumachen.
Die aktuelle Problematik findet sich auch vermehrt in der Literatur wieder. Unter anderen wird dies von Conrad (2001, S.51-59), Reisner (2003, S. 7 o. 20-25) und Poniewaz (n.d., S. 1-2) thematisiert. Es wird auf die Notwendigkeit verwiesen, dass bestehende Steuerungsinstrumente überarbeitet oder gänzlich gegen neue ausgetauscht werden müssen. Im Folgenden sollen die wesentlichen Gesichtspunkte, die in der Literatur immer wieder benannt werden, hervorgehoben werden.
Die Ausgangslage des Rechnungswesens und Controllings, stellet in den unterschiedlichen Institutionen des Gesundheitswesens die gleichen Probleme dar. Die oftmals zahlreichen Einzeldaten, die erhoben werden, basieren nahezu ausschließlich auf finanzwirtschaftlichen Parametern. Erfolg ist jedoch nicht ausschließlich an monetären Ergebnissen zu messen. Es müssen dazu Daten erhoben werden, die sich unter andern mit der Qualität der Leistung, Patienten- und Bewohnerzufriedenheit und Mitarbeitermotivation auseinander setzen (vgl. Heberer, Imark, Bodgan, Freiermuth, Hurlebaus, Juhasz & Bodoky, 2003, S. 425- 426).
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 7
Weiterhin wird vielfach kein Handlungsbedarf bezüglich der Entwicklung zukünftiger Erfolgsfaktoren gesehen. Viele Institutionen begnügen sich damit, sich auf ihrem guten Ruf auszuruhen und positive finanzielle Ergebnisse aus den letzten Jahren als Erfolgsgarant anzusehen. Dies kann jedoch auf Dauer nicht funktionieren, da, wie im vorherigen Kapitel schon genannt, Erwartungen und Erfordernisse sich ständig weiterentwickeln. Es gilt, die Erwartungen der Kunden, zu denen unter anderen Patienten, Bewohner, Angehörige, einweisende Ärzte und Krankenkasse gehören können, zu identifizieren und sich ihnen anzupassen (vgl. Conrad, 2001, S.53). Dazu müssen Strategien entwickelt und konsequent umgesetzt werden. Aber genau darin herrscht ein großer Mangel in den unterschiedlichen Institutionen des Gesundheitswesens. Strategien sind notwendig, um langfristig überleben zu können. Viele Einrichtungen begnügen sich damit, auf der operativen Ebene zu agieren. Häufig wird versucht, nur einen Weg aus aktuellen Krisen zu finden, und sich nicht mit der langfristigen Sicherung der Existenz beschäftigt. Teilweise werden Strategien entwickelt, jedoch mangelt es dort wieder an der kontinuierlichen operativen Umsetzung und Kommunikation im Unternehmen. Jede noch so gut entwickelte Strategie hat keinen Erfolg, wenn sie nicht kommuniziert und in konkrete Maßnahmen umgesetzt wird. Vielen Mitarbeitern sind einzelne Strategien und Ziele kaum oder gar nicht bekannt. Strategien dienen jedoch dazu, die Führung und Mitarbeiter auf die Erreichung gemeinsamer Ziele auszurichten. Nur wenn alle Beteiligten auf das gleiche Ziel hinarbeiten kann die bestmögliche Qualität erreicht werden (vgl. Carsten, Hankeln & Lohmann, 2004, S. 98).
Viele Institutionen im Gesundheitswesen haben sich zwar schon dafür entschieden, ein spezifisches Qualitätsmanagement, zur Umsetzung und Sicherung von Qualität zu ® oder DIN EN ISO 9001: 2000, dennoch findet implementieren, wie beispielsweise KTQ
häufig kein Austausch mit anderen Systemen, wie etwa dem Controlling statt. Die Systeme agieren eher nebeneinander, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen. Qualität und Kosten können jedoch nicht isoliert voneinander betrachtet werden (vgl. Poniewaz, n.d. S.1).
Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens 8
3 Theoretische Grundlagen und Hinweise zur
Balanced Scorecard
Im Bezug auf die geschilderte Problematik in Kapitel 2 dieser Arbeit, wird deutlich, dass bestehende Steuerungsinstrumente weiterentwickelt oder gegebenenfalls ausgetauscht werden müssen, um in dem immer schärfer werdenden Wettbewerb im Gesundheitswesen bestehen zu können. Es ist ein starker Bedarf an modernen Managementinstrumenten entstanden. Die Balanced Scorecard (BSC) ist eines davon. Innerhalb dieses Kapitels soll die Theorie der BSC dargestellt werden, um den Leser die Methodik, die sie beinhaltet, zu verdeutlichen.
3.1 Definition der Balanced Scorecard
Balanced Scorecards bilden ein Management-System, welches Ziele und Messgrößen aus unterschiedlichen Perspektiven zusammenführt und damit das Management mit dem für den Unternehmenserfolg im Wettbewerb notwendigen Instrumentarium versorgt. Sie übersetzen die Unternehmensmission und Unternehmensstrategie in ein übersichtliches System zur Leistungsmessung. Die Leistung wird als Gleichgewicht (Balanced) zwischen unterschiedlichen Perspektiven auf einer Anzeigetafel (Scorecard) angezeigt (Conrad, 2001, S.14).
3.2 Konzeption der Balanced Scorecard
Die Balanced Scorecard wurde Anfang der neunziger Jahre an der Harvard Business School von Robert S. Kaplan und David P Norton (1997, S VII-X) entwickelt. Anlass der Entwicklung war, dass sich die meisten Unternehmen einzig und allein auf die Finanzperspektive, die lediglich vergangene Ereignisse reflektiert, fokussierten und sich kaum mit anderen, nicht finanziellen Maßstäben auseinander setzten. Die Balanced Scorecard wurde dementsprechend aus einer ähnlichen Problematik heraus entwickelt, wie sie momentan im deutschen Gesundheitswesen zu finden ist (vgl. Kapitel 2.2.).
Das wesentliche Ziel der Balanced Scorecard ist es, Strategien so zu definieren, dass sie im operativen Handeln des Unternehmens umgesetzt werden können (vgl. Töpfer, 2000, S.165). Anhand der Mission, Vision und Strategie eines Unternehmens werden Ziele entwickelt, die den einzelnen Perspektiven der Scorecard (Finanz-, Kunden-, Prozess-und
Entwicklungsperspektive) zugeordnet werden. Die Mission, das Leitbild eines Unternehmens, formuliert, wie das Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden möchte. Die
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Eva-Maria Schmidt, 2008, Anwendung der Balanced Scorecard in Einrichtungen des Gesundheitswesens, München, GRIN Verlag GmbH
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