Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Verzeichnis der Tabellen III
Verzeichnis der Abbildungen IV
Verzeichnis der Abkürzungen VI
1 Einleitung 1
2 Rassebeschreibung: Duroc Schwein 2
3 Die Bedeutung des Durocs in Deutschland 4
3.1 Die aktuelle Diskussion um Duroc-Kreuzungen in Deutschland 4
3.2 Der Einsatz von Duroc-Schweinen in der deutschen
Schweineproduktion 7
3.3 Diskussion zur Bedeutung des Durocs in Deutschland 10
4 Der Einsatz von Duroc-Schweinen in der Schweineproduktion
anderer Länder 11
4.1 Kanada 11
4.1.1 Art und Umfang des Duroc-Einsatzes in Kanada 12
4.1.2 Das Kanadische Duroc und seine züchterische Bearbeitung 13
4.2 Dänemark 16
4.2.1 Art und Umfang des Duroc-Einsatzes in Dänemark 16
4.2.2 Das Dänische Duroc und seine züchterische Bearbeitung 17
4.3 Schweiz 19
4.3.1 Art und Umfang des Duroc-Einsatzes in der Schweiz 19
4.3.2 Leistungsstand Zuchtziele und Selektion in der Schweiz 20
4.4 Spanien 22
4.5 Diskussion zum Duroc-Einsatz in der Schweineproduktion
anderer Länder 25
Inhaltsverzeichnis II
5 Ausgewählte Qualitätsmerkmale von Duroc-Kreuzungen im
Vergleich zu Kreuzungen anderer Rassen 26
5.1 Mastleistung 27
5.2 Schlachtkörperzusammensetzung 28
5.2.1 Muskelfleischanteil 29
5.2.2 Fleisch-Fett-Verhältnis 32
5.3 Fleischbeschaffenheit 33
5.3.1 Intramuskulärer Fettgehalt 34
5.3.2 Tropfsaftverlust pH-Wert und Leitfähigkeit 37
5.4 Diskussion zu ausgewählten Qualitätsmerkmalen von Duroc-
Kreuzungen 42
6 Eigene Ergebnisse 43
6.1 Material und Methoden 43
6.2 Ergebnisse 46
6.2.1 Mastleistung 46
6.2.2 Schlachtkörperzusammensetzung 47
6.2.3 Fleischbeschaffenheit 49
6.2.4 Ökonomische Kennzahlen 51
6.3 Diskussion der eigenen Ergebnisse 56
7 Abschließende Diskussion 61
8 Ausblick 64
9 Zusammenfassung 65
Literaturverzeichnis 67
Anlagen 74
Verzeichnis der Tabellen Verzeichnis der Tabellen
Seite
Tab. 1: Anzahl der im "Schweizer Herdebuch" eingetragenen Tab. 2: Leistungsstand geprüfter Duroc-Herdbuchtiere 2006…………... 21 Tab. 3: Vaterlinien, MHS-Status der Vaterlinie und Anzahl Tab. 4: Mastleistungsvergleich der verschiedenen Nachkommengrup- Tab. 5: Schlachtkörpervergleich der verschiedenen Nachkommen- Tab. 6: Vergleich der Auto-FOM Ergebnisse der verschiedenen Nach- Tab. 7: Vergleich der Fleischbeschaffenheit der verschiedenen Nach- Tab. 8: Kennwerte des Produktionsverfahrens…………………………… 52 Tab. 9: Verwendete Preise…………………………………………………. 52 Tab. 10: Deckungsbeitragsrechnung……………………………………...... 53
Verzeichnis der Abbildungen IV
Verzeichnis der Abbildungen
Seite
Abb 1: Duroc-Eber in verschiedenen Farben 3
Abb 2: Verteilung und Entwicklung einiger im deutschen Herdbuch
eingetragenen Rassen von 2002 bis 2005 8
Abb 3: Entwicklung der Schlachtreife kanadischer Schweine von
1980 bis 2006 14
Abb 4: Entwicklung des Muskelfleischanteils kanadischer Schweine 14
Abb 5: Intramuskulärer Fettgehalt verschiedener amerikanischer
Schweinerassen 15
Abb 6: Entwicklung des intramuskulären Fettgehaltes kanadischer
Durocs von 1992 bis 2002 16
Abb 7: Veränderung des Magerfleischanteils beim Dänischen Duroc
von 1998 bis 2005 18
Abb 8: Entwicklung der Tageszunahmen beim Dänischen Duroc von
1998 bis 2005 18
Abb 9: Anteil in der Schweiz verkaufter Sperma-Portionen nach
Rassen im Jahr 2006 ( ) 20
Abb 10: Intramuskuläre Fettgehalte von Kreuzungsnachkommen ver-
schiedener Duroc-Vaterlinien 24
Abb 11: Rückenspeckdicke und Magerfleischanteil von Kreuzungs-
nachkommen verschiedener Duroc-Vaterlinien 24
Abb 12: Tropfsaftverlust und IMF bei unterschiedlichem MHS-Status 34
Abb 13: Vergleich von Schlachterlös variablen Kosten und Deckungs-
beitrag je Mastschwein 55
Abb 14: Vergleich von Schlachterlös variablen Kosten und Deckungs-
beitrag je Mastplatz und Jahr 56
Abb 15: Vergleich der Mastleistung von Duroc- und Piétrain-
Kreuzungen 57
Abb 16: Muskelfleischanteil von Duroc- und Piétrain-Kreuzungen 58
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 17: Fleischbeschaffenheit bei Duroc- und Piétrain-Kreuzungen...... 59
Abb. 18: Indexpunkte je Teilstück der verschiedenen Vaterlinien……… 60
Verzeichnis der Abkürzungen
Verzeichnis der Abkürzungen
BHZP Bundeshybridzuchtprogramm
DE Deutsches Edelschwein
DL Deutsche Landrasse
Du Duroc
ES Schweizer Edelschwein
ESV Schweizer Edelschwein Vaterlinie
FFV Fleisch-Fett-Verhältnis
Ha Hampshire
IMF Intramuskulärer Fettgehalt
LF Elektrische Leitfähigkeit
MHS Maligne-Hyperthermie-Syndrom
NN reinerbig stressstabil
NP mischerbig stressstabil
p.m. post mortem
Pi Pietrain
PP reinerbig stressanfällig
SL Schweizer Landrasse
Y Yorkshire
Kapitel 1 1
1 Einleitung
Die heutigen Mastschweine unterscheiden sich grundlegend von denen vor
50 Jahren. Durch das sich ändernde Konsumentenverhalten kam es zu einer
Umzüchtung der Schweine, da mehr mageres Fleisch und weniger Fett nachgefragt wurde. Dies hatte jedoch nicht nur Vorteile, sondern brachte auch Probleme mit sich. Die Schweine wurden anfälliger für Stress, was oft- mals Mängel in der Fleischbeschaffenheit zur Folge hat (LENGERKEN und
WICKE 2006). In Zeiten von Convenience-Produkten und Selbstbedienungs-
Kühltheken wird seit ein paar Jahren ein ganz neuer Focus auf die Qualität von Schweinefleisch gelegt. Die Begriffe intramuskulärer Fettgehalt (IMF) und Tropfsaftverluste („drip loss“) sind daher immer wieder Bestandteil von Diskussionen. Im gleichen Atemzug wird oft die Schweinerasse Duroc ge- nannt, die vor allem für eine ausgezeichnete Fleischbeschaffenheit bekannt ist und einige andere gute Eigenschaften besitzen soll. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Dänemark, das zunehmend mit seinen Mastendprodukten auf den deutschen Schweinemarkt drängt, ist der Einsatz von Duroc- Endstufenebern bereits seit vielen Jahren obligatorisch. Hierzulande werden meistens sehr fleischbetonte Piétrain-Eber eingesetzt, die durch ihre beson- ders ausgeprägte Fleischigkeit einen hohen Schlachterlös bringen.
Ziel dieser Arbeit ist es, das Duroc-Schwein und seinen Einsatz in Deutsch- land und anderen Ländern näher zu beleuchten. Weiterhin sollen verschie- dene Qualitätsparameter wie Mastleistung, Schlachtkörperzusammenset- zung und Fleischbeschaffenheit der Duroc und Duroc-Kreuzungen im Ver- gleich zu anderen Rassen untersucht und mit eigenen Ergebnissen vergli- chen werden. Von großem Interesse ist auch, wie sich der Einsatz von Du- roc-Kreuzungen ökonomisch für den Schweinemäster auswirkt. Hierauf wird mit Hilfe einer Deckungsbeitragsrechnung, in der Duroc- und Piétrain- Kreuzungen verglichen werden, eingegangen.
Kapitel 2 2
2 Rassebeschreibung: Duroc-Schwein
Das Duroc ist eine der ältesten amerikanischen Reinzuchtrassen und im nordöstlichen Gebiet der USA beheimatet. Der Ursprung dieser Rasse ist allerdings nicht lückenlos bekannt. Als Vorfahren werden zum einen im Jahre 1849 von Guinea nach Iowa/USA importierte Schweine genannt. Zum ande- ren sollen Schweine spanischer Herkunft, die durch spanische Eroberer zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Amerika gebracht wurden sowie rote spa- nische Schweine, die 1837 nach Kentucky kamen, beteiligt gewesen sein (SAMBRAUS 2001). Aus diesen verschiedenen roten Schweinen entstanden zunächst drei rote Schläge: Jersey Red, Red Durocs von New York und die Red Berkshires von Connecticut, die später zu den Duroc-Jerseys zusam- mengefasst wurden. Vermutungen zur Folge könnte auch die englische Tamworth-Rasse beteiligt gewesen sein (SAMBRAUS 2001). Ein Rassestan- dard ist seit 1885 nachweisbar (SAMBRAUS 2001, LENGERKEN und WICKE 2006).
Äußerlich erkennt man das Duroc-Schwein an seiner einfarbigen roten Far- be, kleinen Schlappohren und einer leicht eingedellten Nasenlinie. Die rote Farbe variiert zwischen Hellrot und dunklem Rotbraun (vgl. Abb. 1), gelegent- lich kommen kleine schwarze Flecken vor (SAMBRAUS 2001). Schweine die- ser Rasse sind großrahmig mit gewölbtem Rücken. Ausgewachsene Duroc- Eber weisen eine Schulterhöhe von etwa 90 cm auf und wiegen ca. 350 kg. Duroc-Sauen messen im Durchschnitt 82 cm Schulterhöhe und wiegen ca. 300 kg (SAMBRAUS 2001). Bei der Beschreibung des Exterieurs klaffen die Meinungen leicht auseinander, so findet man das Duroc auch als Schwein mit mittlerem Rahmen und stark eingedelltem Nasenprofil beschrieben (BIEDERMANN 1999).
Kapitel 2 3
Quelle: www.schweinelexikon.de (links), www.danbredint.dk (rechts) Abb. 1: Duroc-Eber in verschiedenen Farben
Ursprünglich wurde das Duroc als „lard type“ (Fett-Typ) gezüchtet, das be- sonders zur Maismast und Fetterzeugung geeignet war. Da jedoch die Nach- frage nach Speck von 1920 bis 1930 zurück ging, wurde das ehemals eher kompakte Schwein mit sehr tiefem und breitem Körper in die Richtung eines mittelrahmigen Fleisch-Fett-Kombinationstyps umgezüchtet (PFEIFFER 1978). Heutige Durocs in Reinzucht sind wüchsige Schweine mit einer guten Futter- verwertung, mittlerer Fleischmenge und sehr guter Fleischbeschaffenheit. Besonders hervorzuheben ist der im Gegensatz zu anderen Rassen hohe intramuskuläre Fettgehalt des Skelettmuskelfleisches (SAMBRAUS 2001,
LENGERKEN und WICKE 2006).
Immer wieder erwähnt wird die allgemein hohe Widerstandskraft, Robustheit und Anpassungsfähigkeit der Duroc-Schweine. Dies macht sie besonders für Freilandhaltungsysteme und Haltung in Anlagen mit weniger optimalen Kli- maverhältnissen interessant (NIGGEMEYER 2005). Die dunkle Pigmentierung gibt den Tieren guten Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und spricht zusätzlich für die Eignung dieser Rasse in Freilandhaltungssystemen (SAMBRAUS 2001). Außerdem verfügt das Duroc über ausgezeichnete Mut- tereigenschaften und ist daher eine beliebte Ausgangsrasse für die Erstel- lung von Kreuzungssauen (BIEDERMANN 1999, SAMBRAUS 2001).
Kapitel 3 4
3 Die Bedeutung des Durocs in Deutschland
3.1 Die aktuelle Diskussion um Duroc-Kreuzungen in Deutschland
In Deutschland hat Schweinefleisch den höchsten Anteil am Gesamtfleisch- aufkommen. Ungefähr die Hälfte des erschlachteten Schweinefleisches wird als Frischfleisch vermarktet, die restlichen 50 % zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet. Das Produktionsziel der landwirtschaftlichen Schweinehaltung orientiert sich stets an den Marktansprüchen und Erzeugerkosten. Die Be- stimmung der Marktansprüche erfolgt über den Konsumenten. Diese spie- geln sich in der Bewertung der Schlachtschweine durch den Abnehmer (Schlachthöfe) wieder und werden so dem Erzeuger signalisiert (LENGERKEN und WICKE 2006).
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges stieg zunächst die Nachfrage nach ener- giereichen Nahrungsmitteln, also tierischen Fetten und Fleisch. Später wurde zunehmend mageres Fleisch nachgefragt. Dadurch stieg auch der Bedarf an wertvollen Fleischstücken, die sich zum Kurzbraten eignen, wie z.B. Kotelett oder Schnitzel, welches aus dem Schinken geschnitten wird (KALLWEIT 1978). Infolgedessen kam es zu einer Umzüchtung vom Fett-Fleischschwein (ca. 40 bis 50 % Fettanteil) zu Fleischschweinen mit weniger als 30 % Fettanteil am Schlachtkörper. Dieser enorme Druck auf die Schweinezucht zur Erhöhung des Magerfleischanteils brachte jedoch einen Merkmalsantagonismus hervor. So wurden die Fleischschweine empfindlicher gegenüber verschiedenen Umweltbedingungen, wie zum Beispiel hohe Umgebungstemperaturen und psychische Belastungen wie Stress durch Rangordnungskämpfe, Umstal- lungsaktionen oder Transporte. Die genetische Prädisposition für „Stress- empfindlichkeit“ bringt Verluste während Aufzucht und Transport sowie Fleischqualitätsmängel im Sinne von PSE- und DFD- Fleisch 1 mit sich, die vom Abnehmer bzw. Konsumenten nicht erwünscht sind (LENGERKEN und
1 Es handelt sich hierbei um Fleischqualitätsfehler, die auf Abweichungen im Stoffwechsel-
prozess beim lebenden Tier zurückzuführen sind (durch Stress, mangelnde Ruhephase vor
dem Schlachten, Ermüdung, Erhitzung etc.) (vgl. Kapitel 5.3.2).
Kapitel 3 5
WICKE 2006). Hierdurch bedingt findet heutzutage eine stärkere Beachtung
der Stressempfindlichkeit in der Zuchtarbeit statt, allerdings war das lange Zeit nur bei den Mutterrassen der Fall. Durch die erheblichen Auswirkungen von Fleischqualitätsmängeln und Verlusten werden diese Merkmale jedoch auch zunehmend als Zuchtzielanforderungen bei Vaterrassen formuliert, wie zum Beispiel MHS 2 -genfreie Piétrain (LENGERKEN und WICKE 2006).
Infolge der züchterischen Maßnahmen hat sich die Fleischbeschaffenheit aller Schweineherkünfte in den letzten Jahren verbessert und stabilisiert. Im Warentest 1997 wiesen 80 bis 85 % der Schlachtschweine eine gute bis sehr gute Fleischqualität auf. Der Anteil von Schweinen mit extremen Fleischquali- tätsmängeln konnte auf unter 5 % gemindert werden. Jedoch ist der intra- muskuläre Fettgehalt im Rückenmuskel bei allen Herkünften bedenklich ab- gefallen (HOPPENBROCK et al. 2000). Bei den meisten heutigen Gebrauchs- kreuzungen misst man intramuskuläre Fettgehalte von < 1,5 % (Kastraten aufgrund höherer Gesamtverfettung ca. 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte höher als weibliche Mastschweine). Da jedoch erst ab einem Niveau von 2 % IMF eine merkliche Verbesserung der sensorischen Fleischqualität zu erwarten ist, werden zunehmend wieder höhere Werte gefordert, da der IMF für das art- spezifische Aroma eines Fleisches und dessen Zartheit und Saftigkeit erheb- liche Bedeutung hat. (LENGERKEN et al. 1998). Um kurzfristig in Spezialmar- kenprogrammen den IMF auf über 2 % anzuheben, eignen sich speziell dar- auf selektierte Duroc-Eber aus Dänemark. Durch den geringeren Fleischan- teil unter heutigen landesüblichen Vermarktungsbedingungen scheinen sie jedoch kaum konkurrenzfähig zu sein (HOPPENBROCK et al. 2000).
++
-Regulation der Muskelzellen bedingt durch
Es handelt sich hierbei um eine Störung der Ca eine Mutation am Ryanodin-Rezeptor. Hierdurch kommt es bei Belastung zu zahlreichen unkontrollierten Muskelkontraktionen, was zu Energieversorgunsproblemen in den Zellen führt. Das hierdurch entstehende Defizit an ATP wird durch anaerobe Glykolyse ausgegli- chen, wobei vermehrt Milchsäure im Muskelgewebe angesammelt wird. Hieraus resultieren verschiedene Fleischbeschaffenheitsfehler. Besonders bei Schweinen mit hoher Muskelhy- pertrophie (z.B. Piétrain) ist diese genetische Veranlagung häufig vertreten. MHS-negative Tiere werden in der Schweinezucht auch als „stressunempfindlich“ bezeichnet (LENGERKEN et al. 1998, HENNING UND BAULAIN 2006).
Kapitel 3 6
Durch die vermehrte Nachfrage der Konsumenten nach so genannten ver- packten SB-Waren und Convenience Produkten werden die Ansprüche an die Fleischqualität (z.B. möglichst geringer Tropfsaftverlust) weiter steigen (KALM 2003). Das Angebot an „küchenfertigem“ eingeschweißtem Fleisch stieg von 1997 bis 2002 um 10 %. Die Anzahl an traditionellen Schlachterei- en ist hingegen in dem gleichen Zeitraum um 12,5 % gesunken (OTTO et al. 2006). Allerdings spielen in der deutschen Zuchtarbeit solche Fleischquali- tätsmerkmale bis jetzt eine eher geringe Rolle. Die Schlachthöfe nehmen Schweine mit hohem IMF sowie niedrigen Tropfsaftverlusten zwar gerne an, zahlen hierfür jedoch meist keine Prämien. Der Preis wird noch immer vor allem durch das Schlachtgewicht und den Muskelfleischanteil bzw. den Anteil wertvoller Teilstücke bestimmt, was den Großteil der Schweinemäster davon abhält, Duroc-Eber einzusetzen. Lediglich in verschiedenen Markenfleisch- programmen finden Fleischqualitätsmerkmale Berücksichtigung, in denen MHS-positive Tiere nicht markenfähig sind bzw. bestimmte Rasseherkünfte bevorzugt werden (PAULUS 1999, HOPPENBROCK et al. 2000).
In Ländern wie Kanada und Dänemark, die zum Teil 50 % ihres erzeugten Schweinefleisches exportieren, sieht dies anders aus. In diesen Ländern wird mit Erfolg der Duroc-Eber als Endstufeneber eingesetzt, um die Fleischquali- tät (insbesondere einen hohen IMF) der Endprodukte zu wahren und sich so die Märkte in anderen Ländern (z.B. Japan) zu sichern. Dänemark drängt außerdem in zunehmendem Maße nach Deutschland und das dänische Mo- dell der integrierten Schweinefleischproduktion kann hier seine großen Erfol- ge zeigen (KALM 2003). Durch das geschlossene Zucht- und Produktionssys- tem können die Dänen niedrige Preise sowie gute gesicherte Qualität liefern und gewinnen hierdurch vor allem in Norddeutschland an Präsenz (BRANSCHEID und LENGERKEN 1998).
Kapitel 3 7
3.2 Der Einsatz von Duroc-Schweinen in der deutschen Schweine- produktion
Nach Deutschland kamen die ersten Durocs vermutlich in den 1970er Jah- ren. In dieser Zeit wurden Hybridzuchtprogramme in der DDR etabliert. Darin wurden Rassen aus internationalem Rassenbestand gehalten und züchte- risch weiterentwickelt, um sie als Ausgangsmaterial für Neuzüchtungszwecke zur Verfügung zu haben. Unter anderem wurde das Duroc aus Kanada im- portiert und fand Beachtung bei der Züchtung einer neuen Mutterrasse, der Leicoma (K250). Diese auf Kreuzungsbasis mit nachfolgender Insichpaarung entstandene Rasse entstammt der Kombination der Rasse Duroc mit der Landrassenlinie 05 (SCHRÖDER UND TISCHER 2003). Außerdem befand sich in der ebenfalls für die Rotationskreuzung bedeutenden Linie K 251 ein Duroc- Anteil (PFEIFFER 1978).
Heutzutage sind mehr als 90 % aller deutschen Mastschweine Kreuzungs- produkte verschiedener Rassen. Dies reicht von einfachen Zwei- Rassen- Kreuzungen bis hin zu aufwendigen Hybridzuchtprogrammen, in denen ver- schiedene Rassen bzw. Linien speziell für die Kreuzung mit anderen Rassen bzw. Linien gezüchtet werden. Hier wird außerdem zwischen Vater- und Mut- terrassen unterschieden. Auf der Mutterseite wird vor allem die Deutsche Landrasse in Reinzucht oder auch gekreuzt mit dem Deutschen Edelschwein eingesetzt. Gelegentlich kommt auch die Mutterlinie Leicoma zum Einsatz. Als Väter deutscher Mastschweine sind vor allem reinrassige Piétrain-Eber sowie Ha*Pi-Eber populär. Am Piétrain-Eber wird besonders seine Fleischig- keit geschätzt, beim Hampshire zusätzlich seine Vitalität. Duroc-Eber sind nicht so populär wie in anderen Ländern und finden in Deutschland, aufgrund ihrer Fleischqualität, vorrangig in Markenfleischprogrammen Beachtung (CMA a.n., ZDS 2006).
Betrachtet man die Herdbuchzahlen der letzten Jahre, zeigt sich der bisheri- ge geringe Stellenwert der Duroc-Rasse in der deutschen Schweinezucht. Von insgesamt 6.085 in das deutsche Herdbuch eingetragenen Ebern waren
Kapitel 3 8
im Jahr 2005 lediglich 57 der Rasse Duroc zuzuordnen. Im Herdbuch sind 125 Duroc-Sauen von insgesamt 39.816 Sauen verzeichnet. Auch in der Entwicklung der eingetragenen Duroc ist zumindest von 2002 bis 2005 keine Veränderung festzustellen. Die Duroc-Population ist mit einem Anteil von 0,4 % an allen Rassen gleich geblieben. Im Gegensatz hierzu ist die Piétrain- Population in derselben Zeit von 19,4 auf 20,1 % angestiegen (vgl. Abb. 2) (ZDS 2006).
Abb. 2: Verteilung und Entwicklung einiger im deutschen Herdbuch eingetra- gener Rassen von 2002 bis 2005
Die größte Duroc-Population Deutschlands findet man in Brandenburg mit 25 eingetragenen Ebern und 51 Sauen. In Hessen, Rheinlandpfalz/Saar und Baden-Württemberg sind hingegen gar keine Duroc verzeichnet (ZDS 2006).
Viele deutsche Zuchtunternehmen, Zuchtverbände bzw. Züchterorganisatio- nen führen in ihrem Angebot das Duroc nur auf der Mutterseite. So hat die Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine (NEZ) und der
Kapitel 3 9
Hybridschweinezuchtverband Nord/Ost e.V. Hybridsauen aus DL*Du im An- gebot. Die PIC-Hybridsau „Camborough 23“ besteht zu 75 % aus den PIC- Fruchtbarkeitslinien Landrasse (L02) und Large White (L03) sowie zu 25 % aus der weißen Duroc-Linie (L08 bzw. L19). Ab Herbst 2007 gibt es weiterhin zwei neue „Camborough-Linien“, die ebenfalls zu 25 % aus Duroc bestehen werden. Außerdem ist hin und wieder noch die Leicoma als Mutterrasse ver- treten.
Mittlerweile ist das Duroc jedoch bei mehreren Organisationen auch auf der Vaterseite vertreten, in geringem Umfang als reinrassiger Endstufeneber, zunehmend als Kreuzungseber. So bietet das Bundeshybridzuchtprogramm (BHZP) zum Beispiel die neue Eberlinie db.86 an, eine Kreuzung aus der Linie 08 (Duroc) mit der Linie 77 (Piétrain). Als Grundlage wurden hier sehr gut bemuskelte Durocs kanadischer Herkunft mit starker Schinkenausprä- gung und hohen Tageszunahmen gewählt. Die Piétrainseite ist komplett reinerbig stressstabil, somit sind auch alle db.86er Tiere reinerbig NN am MHS-Genort. Die Eber der db.86 sollen extrem hohe Tageszunahmen, her- vorragende Fleischqualität, eine sehr gute Vitalität, einen hohen IMF sowie sehr schmackhaftes Fleisch vererben, was sie insbesondere für Marken- fleischprogramme interessant macht (HELLBRÜGGE und HENNE 2007). Die GFS-Ascheberg führt neben fünf dieser db.86 außerdem zehn Duroc End sowie 19 Pi*Du-Eber.
In letzter Zeit ist die Nachfrage nach Duroc-Endstufenebern gestiegen. Deut- sche Ferkelerzeuger und Mäster verbinden mit dem Duroc vor allem eine höhere Vitalität der Masttiere. Besonders in Ostdeutschland gewinnt das Du- roc zunehmend an Bedeutung. Dies ist besonders durch die der Rasse nachgesagten Vitalität und Robustheit, was sie deutlich vom Piétrain-Eber unterscheidet, bedingt. Aufgrund großer Einheiten kann die Mast in den neu- en Bundesländern oft nicht im strikten Betriebs-Rein-Raus organisiert wer- den, zudem gibt es noch viele Ställe mit ungünstiger Klimaführung. Aus die- sem Grund setzen mittlerweile einige Betriebe Duroc-Eber in der Dreirassen- kreuzung als Endstufeneber ein. Da jedoch der höhere IMF im Schlachterlös
Kapitel 3 10
nicht wirksam wird und Duroc-Kreuzungen im Gegensatz zu Piétrain- Kreuzungen ein bis zwei Prozent niedrigere Fleischanteile sowie eine schlechtere Ausschlachtung haben, werden die meisten Schweinemäster von den hierdurch zu erwartenden Erlösnachteilen abgeschreckt. Inwiefern dies durch niedrigere Verlustraten und geringere Tierarztkosten ausgeglichen werden könnte, ist aufgrund mangelnder Erhebungen noch nicht bekannt (NIGGEMEYER 2005).
3.3 Diskussion zur Bedeutung des Durocs in Deutschland
Die vermehrte Konzentration auf den Muskelfleischanteil in der deutschen Schweinezucht hat eine Reihe von negativen Auswirkungen mit sich ge- bracht. Es besteht ein Merkmalsantagonismus zwischen Fleischanteil und Fleischqualität. Dies liegt unter anderem daran, dass die Zucht auf einen ho- hen Muskelfleischanteil eine genetische Prädisposition für „Stressempfind- lichkeit“ nach sich zieht, die besonders bei dem im Deutschland beliebten Piétrain-Eber zu erheblichen Problemen geführt hat. Mittlerweile gibt es zwar durch eine stärkere Beachtung der Stressempfindlichkeit in der Zuchtarbeit MHS-freie Piétrain, hiermit sind jedoch noch nicht alle Gesichtspunkte hin- sichtlich der Fleischqualität gelöst. Die veränderte Nachfrage im Lebensmit- teleinzelhandel (mehr Convenience, Selbstbedienungstheken mit einge- schweißtem Fleisch etc.) wird die Ansprüche an die Fleischqualität weiter steigen lassen. Von besonderer Bedeutung sind hier der intramuskuläre Fettgehalt, der eine entscheidende Rolle für den Geschmack des Fleisches spielt, sowie der Tropfsaftverlust. Es ist auf Dauer also nötig, die Fleischqua- lität noch mehr in der Zucht zu beachten. Zur Lösung empfiehlt sich der Du- roc-Eber, der eine ausgeprägte Stressunempfindlichkeit, gute Fleischqualität durch hohe pH 24 -Werte, wenig Tropfsaftverluste und hohe intramuskuläre Fettgehalte aufweist. Besonders der immer wieder geforderte höhere IMF von 2 % und mehr, kann kurzfristig durch den Einsatz eines Duroc-Ebers auf der Vaterseite erreicht werden.
Kapitel 4 11
Momentan ist der Duroc- Eber noch eine Randerscheinung in der deutschen Schweinezucht, da viele Mäster vor den ein bis zwei Prozent niedrigeren Muskelfleischanteilen der Duroc-Kreuzungen zurückschrecken. Entwicklun- gen bei einigen Zuchtunternehmen und ostdeutschen Betrieben lassen je- doch erkennen, dass das Interesse an der Duroc-Rasse steigt, vor allem, um die Vitalität der Bestände zu verbessern. Dies ist eine begrüßenswerte Ent- scheidung, auch hinsichtlich der Tatsache, dass norddeutsche Schlachtun- ternehmen aufgrund der guten Qualität zunehmend Schweine aus Dänemark schlachten, wo der Duroc-Eber obligatorisch ist.
4 Der Einsatz von Duroc-Schweinen in der Schweineproduktion anderer Länder
In einigen anderen Ländern in Europa wie auch in Übersee wird das Duroc vermehrt für die Erzeugung von Mastschweinekreuzungen eingesetzt. Das Duroc als Endstufenrasse beeinflusst ungefähr 70 % aller Mastschweine, die in Kanada, USA und Dänemark produziert werden (BROWN 2003). Zuneh- mend wird nun in letzter Zeit auch in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz, das Duroc als Endstufenrasse in Kreuzungszuch- ten eingesetzt.
4.1 Kanada
Kanada gilt als einer der führenden Exporteure von Schweinefleisch sowie Schweinegenetik. Über das letzte Jahrzehnt verteilt hat Kanada seine Schweinegenetik in 40 verschiedene Länder der ganzen Welt exportiert. 100 % der Duroc und Hampshire in Dänemark, Schweden, Neuseeland und Australien entstammen ursprünglich kanadischer Genetik. 100 % der norwe- gischen Duroc kommen ebenfalls aus Kanada. Die ersten Hampshire und Duroc, die nach Südafrika gesandt wurden, stammten ebenfalls aus Kanada (BROWN 2003).
Arbeit zitieren:
Mirja Plischke, 2007, Auswirkungen von Duroc-Kreuzungen auf Qualitätsmerkmale und ökonomische Kennwerte in der Mastschweineerzeugung, München, GRIN Verlag GmbH
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