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Detert Zylmann
DAS RÄTSEL DER MENHIRE
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Detert Zylmann
DAS RÄTSEL
DER
MENHIRE
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Inhalt
1. Vorbemerkungen
Seite 11
2. Was ist
ein Menhir?
Seite 15
3. Das archäologische
Umfeld
Seite 19
4. Megalithische
Steinmonumente
Seite 23
7
5. Die Gewinnung
des Baumaterials
Seite 31
6. Der Transport
der Steine
Seite 35
7. Das Aufrichten
der Steine
Seite 43
8. Deutungsversuche
Seite 47
8
9. Menhire in Glauben
und Brauchtum
Seite 51
10. Menhire in Legenden,
Märchen und Sagen
Seite 61
11. Menhire
als Orte der Kraft?
Seite 69
12. Menhire
und Comic
Seite 73
9
13. Megalithe und Menhire
in der Bildenden Kunst
Seite 77
14. Datierung
der Menhire
Seite 89
15. Glossar / Seite 95
16. Katalog der Menhire / Seite 103
17. Literaturverzeichnis / Seite 109
18. Abbildungsnachweise / Seite 114
19. Anmerkungen / Seite 117
20. Der Autor
Seite 125
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Abb. 1: Faszinierendes
Steinmonument
aus der Vorzeit: ein Menhir
Abb. 2: Eindrucksvolles
Großsteingrab von Bunsoh
in Schleswig-Holstein
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1. Vorbemerkungen
Große, markante Steinmonumente fanden schon immer die Auf-
merksamkeit des Menschen (Abb. 1, 2). Auch heute kann man
sich ihrer Faszination nur schwer entziehen. Sie gehören zu den
eindrucksvollsten Überresten vorgeschichtlicher Kulturen. Bis
in unsere Zeit haben sie wie kaum eine andere Denkmälergruppe
unsere Neugier auf sich gezogen und unsere Fantasie angeregt.
Archäologen und Altertumsforscher versuchten zu allen Zeiten,
ihr Alter zu bestimmen und ihre Funktion und ihre Bedeutung
zu ergründen. Es gab und gibt eine Vielfalt von Vermutungen
über den Sinn und Zweck der Steine; sie werden mit Brauchtum
und Glauben in Verbindung gebracht, um sie ranken sich Le-
genden, Mythen und Sagen.
Die zahlreichen Bücher, die in den letzten Jahren über megali-
thische Steinmonumente veröffentlicht wurden, belegen ein-
drucksvoll das historische Interesse an ihnen.
Viele Bemühungen, das Rätsel der Steinmale zu entschleiern,
sind jedoch wenig überzeugend. Das mag unter anderem daran
liegen, dass Archäologen, die ausschließlich gut deutbare Fak-
ten auswerten wenngleich auch diese Fakten häufig einen ge-
wissen Interpretationsspielraum zulassen sich nur sehr zö-
gerlich einem Denkmaltypus zuwenden, der hinsichtlich Funk-
tion und Deutung eine sehr begrenzte Aussagemöglichkeit er-
laubt. So bleibt das Feld vielfach Esoterikern und Spekulanten
überlassen. Nur zu leicht rückt das Mystische in den Vorder-
grund und gewinnen Fantasie und Wunschdenken die Oberhand.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sich dieses Themas mit
besonderer Intensität angenommen. Ein übertriebenes National-
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gefühl und die damit verbundene Weltanschauung, insbesonde-
re die germanische Kultur über andere Kulturen zu stellen, prägte
die Sichtweise und Auseinandersetzung mit diesen Steinmo-
numenten im Dritten Reich. Die Vorgeschichte wurde in den
Dienst der Politik gestellt, die Wissenschaft der Archäologie und
ihre Quellen für politische Ziele missbraucht. Es ging nicht um
ein exaktes wissenschaftliches Arbeiten, sondern es wurde der
Versuch unternommen, ideologische Vorgaben mit Rekonstruk-
tionen zu bestätigen. Nach 1945 war die wissenschaftliche Ar-
chäologie zunächst bemüht, weiterführende Deutungen aufzu-
geben. Man suchte die Materialbasis zu vergrößern, vermied
überzogene, einseitige Auslegungen und war um Ausdeutungen
frei von Vorurteilen und ideologischen Ausrichtungen bemüht.
Übervorsichtig wagte man sich an die Deutung der nüchternen
wissenschaftlichen Fakten. Dies war die Stunde der Laien-
forscher und Hobbyarchäologen. Abenteuerliche Spekulationen
wurden zu Fakten, Glauben zu Wissen.
Die Grenzen einer historischen Ausdeutung sind eng gesteckt.
Viele Monumente bleiben uns verschlossen. Es gibt zahlreiche
Vermutungen, aber wenige schlüssige Beweise. Dennoch wol-
len wir versuchen, möglichst sachlich die verschiedenen Blick-
richtungen zu beleuchten und den geschichtlichen Informations-
wert dieser Kulturdenkmäler aufzuzeigen.
Nach dem Gesetz verstehen wir unter Kulturdenkmälern ,,Ge-
genstände aus vergangener Zeit", die Zeugnis ablegen vom geis-
tigen, künstlerischen, handwerklichen oder technischen Wirken
des Menschen und an deren Erhaltung und Pflege aus wissen-
schaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Hierzu
zählen neben den Menhiren beispielsweise auch Burghügel,
Wallanlagen, Grabhügel und Ruinen römischer Bauten. Die
Mehrzahl der archäologischen Denkmäler liegt jedoch im Erd-
reich verborgen. Es sind Überreste vor- und frühgeschichtlicher
Siedlungen und Bestattungsplätze, die häufig erst zufällig bei
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Eingriffen in den Boden zutage gefördert werden. Aber auch
Einzelfunde sind, da sie Hinweise auf die Anwesenheit des da-
maligen Menschen geben können, als ,,Kulturdenkmäler" ein-
zustufen.
Dr. Ronald Knöchlein (Mainz), der Korrektur las, habe ich für
seine stete Hilfsbereitschaft zu danken. Ferner gilt mein Dank
dem Kunsthistoriker Karl Janke (Hamburg) für die zahlreichen
Gespräche und Hinweise zur kunstgeschichtlichen Betrachtung
megalithischer Denkmäler.
Unterstützt wurde ich dankenswerter Weise auch von dem Theo-
logen Prof. Dr. Ludger Schenke (Klein-Winternheim). Nicht
zuletzt schulde ich Dank dem Verleger Ernst Probst, der die Idee
zu dieser Arbeit hatte und mir die Drucklegung ermöglichte.
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Abb. 3: Megalithgrab
aus der jüngeren Steinzeit
in Niedersachsen
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2. Was ist ein Menhir?
Der Ausdruck ,,Menhir" ist eine bretonische Bezeichnung kelti-
schen Ursprungs für ein hochkantig aufgerichtetes Steinmal. Er
bedeutet ,,Langer Stein" (men = Stein, hir = lang) und fand be-
reits Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts als wis-
senschaftlicher Begriff Eingang in die archäologische Fachlite-
ratur Frankreichs. Schon sehr bald wurde diese Bezeichnung
auch für ganz Europa übernommen.
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Der volkstümliche Name,
der insbesondere im westdeutschen Raum gebräuchlich ist, lau-
tet ,,Hinkelstein". Bereits im Mittelalter findet sich der Name
,,Hinkelstein", eine missverstandene Ableitung des Wortes
,,Hünenstein" (= Riesenstein) über ,,Hühnerstein" zum mund-
artlichen ,,Hinkelstein".
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Daneben kennen wir Bezeichnungen
wie ,,Langer", ,,Breiter", ,,Hoher", ,,Spitzer" oder ,,Dicker Stein",
um nur die häufigsten zu nennen.
Menhire sind meist freistehend, einzeln, in Kreisen oder in Rei-
hen angeordnet. Sie können künstlich in Form gebracht oder
unbearbeitet sein. Einige sind verziert mit Mustern und Spira-
len, menschlichen Darstellungen und Gerätschaften, die, wie
noch zu zeigen ist, eine zeitliche Einordnung erleichtern. Von
den Findlingen während der Eiszeit verschleppte Felsbrocken
unterscheiden sich die Menhire dadurch, dass sie bewusst ver-
tikal in der Erde verankert wurden. Sie sind in der Regel höher
als breit. Auch ihre Lage im Gelände weicht von der der Find-
linge ab. Menhire sind bevorzugt an Orte wie Berghänge, natür-
liche Anhöhen, Wegesränder oder an Wasserstellen und Bach-
läufen verbracht worden, immer in freier Flur und von weither
sichtbar.
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Es sind Steinmale unterschiedlicher Größe. Der größte heute
noch aufrechtstehende Stein mit einer Höhe von 12 m und mehr
als 150 t Gewicht ist der Menhir von Kerloas bei Plouarzel,
westlich von Brest in der Bretagne (Abb. 4). Auch der längste
überhaupt bekannte Menhir befindet sich in der Bretagne. Es ist
der umgestürzte ,,Grand Menhir Brisé" auf der Halbinsel Loc-
mariaquer im Departement Morbihan (Abb. 5). Er ist in vier
Teile zerbrochen. Ursprünglich etwa 21 m hoch wird sein Ge-
wicht auf 350 t geschätzt. Niemand weiß, ob der Stein jemals
aufrecht gestanden hat. Ihn mögen Fanatiker umgestürzt haben,
oder er bestand schon immer aus mehreren Teilen, die bei der
Aufstellung aufeinander getürmt werden sollten, Fragen, die sich
heute nicht mehr beantworten lassen. Auch glaubte man An-
haltspunkte dafür gefunden zu haben, dass er aufrecht gestan-
den hat und erst in geschichtlicher Zeit umstürzte.
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Faszinie-
rend bleibt die technische Leistung, die mit dem Transport und
einer eventuellen Aufrichtung verbunden gewesen sein muss.
Die meisten steinernen Monumente weisen Höhen von 1 bis 3
Abb. 4: 12 Meter hoch
und mehr als 150 Tonnen
schwer ist der
Menhir von Kerloas
in der Bretagne.
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m auf. Auch in ihrer Form variieren sie. Neben spitzen, obe-
liskenartigen Steinsäulen finden sich gedrungene, pyramiden-
ähnliche Gebilde. Überwiegend wurden Gesteinsarten wie Quar-
zite, Granit-, Kalk- und Sandsteine verwendet, Materialien, die
meist in der Nähe des Aufstellungsortes anstehen.
Menhire sind weit verbreitet in den unterschiedlichsten Land-
schaften mehrerer Kontinente.
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Der Schwerpunkt ihrer Verbrei-
tung liegt in Westeuropa, von Südengland, Frankreich über
Rheinland-Pfalz und Hessen bis nach Mitteldeutschland. Die
Mehrzahl der in Frankreich registrierten Menhire befindet sich
in der Bretagne; ihre Zahl in Carnac wird allein auf etwa 4000
geschätzt.
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Flurnamen sind oft ein guter Indikator für vor- und früh-
geschichtliche Fundstellen, sie bilden eine wichtige Quelle für
die Rekonstruktion früh- und hochmittelalterlicher Besiedlungs-
vorgänge und sie liefern häufig den letzten Hinweis auf ein aus-
gegangenes Kulturdenkmal. Wie Flurnamen auf erhaltene oder
inzwischen eingeebnete Grabhügel verweisen können, wie sich
Abb. 5:
Als längster bekannter Menhir
gilt der umgestürzte ,,Grand Menhir Brisé"
auf der Halbinsel Locmariaquer
im Departement Morbihan (Bretagne)
mit ursprünglich 21 Metern Höhe.
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durch sie auch römische Siedlungen oder frühmittelalterliche
Friedhöfe erschließen lassen, so sind auch ausgegangene Men-
hire gelegentlich in Flurnamen überliefert. Namen wie ,,Hüner-
oder Hinkelstein", ,,Langer" oder ,,Dicker Stein" können die
einstige Existenz dieser Steinmale bezeugen.
Flurnamen dienten oder dienen vor allem dazu, dörflichen Be-
wohnern eine räumliche Orientierungshilfe zu geben. Da sie auch
Besitzverhältnisse aufzeigen, ist ein Großteil der Namen in Ur-
kunden, Archiven und Katastern dokumentiert und folglich sehr
alt.
Ein schönes Beispiel für eine alte Flurnamenbezeichnung ist
der ,,Lange Stein" von Einselthum, Donnersbergkreis/Pfalz. Sie
stammt aus dem Jahre 1071 und dürfte eine der ältesten urkund-
lich erwähnten Nennungen eines Menhirs sein (Abb. 6).
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Abb. 6:,,Langer Stein"
von Einselthum,
Donnersbergkreis/Pfalz
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3. Das archäologische Umfeld
Menhire oder ,,Hinkelsteine", wie die volkstümliche Bezeich-
nung für diese Denkmäler lautet, sind keine isolierte Erschei-
nung, sondern sie stehen, trotz häufiger räumlicher Trennung,
in engem kulturellen Zusammenhang mit den zahlreichen
Megalithbauten, wie sie in großen Teilen der Alten Welt vom
mediterranen Raum bis nach West-, Mittel- und Nordeuropa
verbreitet sind.
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Zu nennen sind hier vor allem die Groß-
steingräber (Megalithgräber), die sicherlich vielen archäologisch
Interessierten aus eigener Anschauung bekannt sind. Und wer
kennt nicht die mehrere Kilometer langen Steinreihen im Ge-
biet von Carnac (Bretagne) oder das britische Nationalheiligtum
Stonehenge? Sie alle sind Denkmäler des megalithischen Typs.
Wie Grabhügel, Wallanlagen und Befestigungen jeglicher Art,
um nur einige zu nennen, gehören sie zu den eindrucksvollsten
archäologischen Kulturdenkmälern. Es handelt sich um Denk-
mäler, worunter wir alle Dinge verstehen, die Menschen geschaf-
fen haben, an denen Spuren der Geschichte deutlich und ab-
lesbar werden, wie einmal treffend formuliert wurde. Es sind
einzigartige und unersetzbare Zeugnisse menschlicher Aktivi-
täten.
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Aber kehren wir zurück zu den Menhiren. Sie sind, wie die be-
reits erwähnten Großsteinbauten, Gegenstand der so genannten
Megalithkultur, ein Sammelbegriff für verschiedene archäolo-
gische und ethnologische Kulturgruppen
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, die dadurch gekenn-
zeichnet sind, dass sie für ihre Grab- und Kultbauten mächtige
Steine verwandten. Mit dem Begriff ,,megalithisch" werden im
archäologischen Sprachgebrauch allgemein monumentale Bau-
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ten umschrieben, die aus großen, gar nicht oder nur geringfügig
bearbeiteten Felssteinen bestehen.
Überall auf der Welt fanden Archäologen und Forscher auf ih-
ren Reisen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts derartige Mo-
numentalbauten. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass
ihre weltweite Verbreitung zu der irreführenden Vorstellung führ-
te, es müsse einen inneren Zusammenhang, eine entwicklungs-
geschichtliche Beziehung zwischen ihnen geben. Ja, man glaubte
sogar an die Werke eines einzigen Megalithvolkes mit gleicher
Tradition und gemeinsamer Kultur.
Heute ist man von dieser Auffassung jedoch längst abgekom-
men; lediglich ein geschlossenes religiöses System glaubt man
hinter den Gemeinsamkeiten erkennen zu können.
Auch vertrat noch bis vor wenigen Jahrzehnten die Wissenschaft
die Meinung, der Ursprung des Megalithgedankens läge im öst-
lichen Mittelmeerraum, im Umfeld mittelmeerischer Hochkul-
turen. Neuere architektonische und chronologische Untersuchun-
gen belegen jedoch, dass wir mit mehreren eigenständigen, von-
einander unabhängigen Entstehungszentren rechnen müssen.
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Und so scheint es, dass in Frankreich die ältesten Megalithbauten
ins frühe 5. Jahrtausend v. Chr., in Irland, Schottland und Mit-
telengland an den Beginn des 4. Jahrtausends zu datieren sind,
während sie in Südskandinavien, Norddeutschland, Südengland
und den Niederlanden erst etwa ab der Mitte des 4. Jahrtau-
sends auftreten.
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Mit dem Ende des 3. Jahrtausends und dem
Aufkommen des ersten Metalls erlischt die Welt der Megali-
then.
Diesen Zeitraum bezeichnen die Archäologen als Jungsteinzeit
oder Neolithikum, eine der einschneidendsten Phasen in der frü-
hen Menschheitsgeschichte. Einige wenige typische kulturelle
Aspekte mögen diese neue Zeit veranschaulichen.
In fast allen menschlichen Bereichen sind grundlegende Ände-
rungen festzustellen. Der Jäger und Sammler vorausgegange-
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ner Epochen wird zum sesshaften Ackerbauern und Viehzüch-
ter, der tierische und pflanzliche Nahrungsmittel produziert und
eine Vorratswirtschaft betreibt. Man ist nun nicht mehr bedin-
gungslos von der Natur abhängig.
Diese Umstellung bringt gleichzeitig neue Techniken mit sich.
Die tierische und pflanzliche Kost wird in Gefäßen aus Ton zu-
bereitet, die hergestellt werden müssen. In gerodeten Wäldern
entstehen feste Häuser, die den Menschen von jahreszeitlichen
Klimaschwankungen unabhängig machen. Um den Boden be-
arbeiten und dauerhafte Behausungen errichten zu können, ist
es notwendig, neuartige Werkzeuge zu entwickeln. Es entsteht
die Axt. Sie ist aus Fels- oder Feuerstein und nicht selten sorg-
fältig geschliffen und poliert. Der Bedarf an Feuerstein ist so
groß, dass er bergmännisch abgebaut werden muss. Neben klei-
nen Abbaustätten in Süddeutschland ist uns jungsteinzeitlicher
Feuersteinbergbau vor allem aus England, Belgien, Frankreich,
Dänemark und Polen überliefert. Damit auch dem vorgeschicht-
lichen Menschen unserer Breiten das Rohmaterial ausreichend
zur Verfügung stand, musste ein Handel organisiert werden.
Auch in den religiösen Vorstellungen der Bevölkerung trat eine
Veränderung ein. Die sorgfältigere Bestattung der Toten und der
damit verbundene Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode
standen offenbar im Mittelpunkt des kultischen Lebens. Erst-
mals wurden größere Friedhöfe angelegt.
Diese Summe der technischen, wirtschaftlichen und geistigen
Veränderungen bezeichnet man als ,,Neolithische Revolution",
ein Begriff der 1936 von dem englischen Prähistoriker V. Gor-
don Childe (18921957) in Anlehnung an die industrielle Re-
volution der Neuzeit geprägt wurde.
Bis heute ist jedoch unklar, wie es zu dieser relativ plötzlich
veränderten kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Ordnung
kommen konnte.
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Abb. 7: Ölgemälde
,,Hünengrab im Winter" (1824/25)
von Johan Christian Dahl
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4. Megalithische Steinmonumente
Neben den Einzelmenhiren gehören zur Megalithkultur, wie
bereits angedeutet, Großsteingräber, Steinreihen oder -setzungen
und Megalithtempel. Ein kurzer Überblick soll die Vielfalt die-
ser von unterschiedlicher Herkunft und Verbreitung geprägten
Kulturerscheinungen streifen.
Die bekannteste Gruppe von Steinbauten im vorgeschichtlichen
Europa bilden die Großstein- oder Megalithgräber, im Volks-
mund auch Hünengräber oder Hünenbetten genannt. Es sind
oberirdisch aus großen Steinen errichtete und durch eine Viel-
falt baulicher Varianten gekennzeichnete Grabkammern (Abb.
3). Sie gehören insbesondere in Nord- und Westeuropa zu den
charakteristischen, heute noch obertägig sichtbaren archäologi-
schen Denkmälern.
Das gemeinsame Konstruktionsprinzip der Großsteingräber sind
zwei aufrechte Träger- und ein Deckstein. Glaubte man noch
im 19. Jahrhundert, alle heute freistehenden Anlagen hätten einst
unter einer Erd- oder Steinaufschüttung gelegen, so wird heute
die Ansicht vertreten, dass nur ein Teil von ihnen überhügelt
war.
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Schätzungsweise 40000 bis 50000 von ihnen sind noch erhal-
ten. Ursprünglich mögen es einmal doppelt so viele gewesen
sein. Die meisten von ihnen befinden sich in Portugal, Spanien,
Großbritannien, Frankreich, Irland, Skandinavien und Nord-
deutschland.
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Agrarreformen, intensivierte Landwirtschaft sowie verstärkte
Straßenbautätigkeit führten zu einer systematischen Zerstörung
insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert. Großsteingräber wa-
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ren billige Rohstofflieferanten, sie mussten als Steinbruch her-
halten oder aber sie störten bei der Feldbestellung und mussten
deshalb verschwinden. Nachweislich sind in Norddeutschland
viele Steine in Kirchenfundamente oder anderen Gebäuden ver-
baut worden.
14
Ein Beispiel mag die Vernichtung dieser Monu-
mente innerhalb einer verhältnismäßig kurzen historischen Zeit-
spanne verdeutlichen.
Von den in der Gegend um Uelzen im Jahre 1846 gezählten 219
Megalithgräbern sind heute nur noch 16, durchweg beschädigte
Gräber erhalten. Der Rest wurde zerstört, beseitigt und gesprengt,
weil er zumeist der Landwirtschaft im Wege war.
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Gräber enthalten in der Regel Beigaben, die aufgrund religiöser
Vorstellungen oder der gesellschaftlichen Position des Verstor-
benen mitgegeben wurden und an denen die Zeitstellung einer
Bestattung abzulesen ist. Bei einem Grab ist allgemein davon
auszugehen, dass alle Funde gleichzeitig in die Erde gelangt
sind und somit eine einheitliche zeitliche Einordnung erfolgen
kann.
Problematisch hingegen ist die Zeitansprache der Großstein-
gräber. Ihre Grabkammern waren häufig über einen längeren
Zeitraum zugänglich, so dass weitere Bestattungen eingebracht
werden konnten. Dies hatte zwangsläufig Störungen und Ver-
änderungen des Befundes zur Folge.
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Wir kennen Groß-
steingräber mit über 200 innerhalb eines längeren Zeitraumes
beigesetzten Bestattungen. Hier gestaltet sich die Altersbe-
stimmung naturgemäß sehr schwierig, da oft nicht zu entschei-
den ist, welche Beigaben zu welcher Bestattung gehören.
Allgemein lässt sich sagen, dass Großsteingräber verschiede-
nen jungsteinzeitlichen Kulturen angehören. Die meisten stam-
men aus dem 4. und 3. Jahrtausend. In Skandinavien, Nord-
deutschland, den Niederlanden und Polen sind die Megalith-
gräber mit der so genannten Trichterbecherkultur verbunden,
ein Begriff, unter dem die Wissenschaft mehrere Kulturen
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zusammenfasst und deren Name sich von einer für jene Grup-
pen und jene Zeit typischen Gefäßform herleitet. Es waren
sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter, die schon z.T. in befes-
tigten Siedlungen lebten. Erst mit der Trichterbecherkultur fand
der Getreideanbau von Weizen, Gerste, Einkorn und Emmer Ein-
gang in die Agrarwirtschaft Norddeutschlands. Unter den Haus-
tieren herrschten Rind und Schwein vor.
Jeder Tote bekam Beigaben mit ins Grab. Vor allem Keramik-
gefäße gehören zum Inventar.
Neben der Tonware, die etwa 90 % des Fundgutes ausmacht,
stellte man Beile, Bohrer und andere Werkzeuge aus Feuer- oder
Felsgestein her. Die wichtigste Waffe war die Streitaxt.
Einen bedeutenden Anteil am Grabinventar haben Schmuck-
gegenstände. Durchlochte Tierzähne, Bernstein- und Gagat-
perlen dienten als Schmuck. Manche Rohstoffe mussten von
weither herangeschafft werden. Für die Tauschgeschäfte mit den
Handelspartnern in entfernten Gebieten mussten Handelswege
aufgebaut werden. In dieser Zeit finden sich schon vereinzelt
Objekte aus Metall, fast ausschließlich aus Kupfer. Dies weist
auf einen Fernhandel hin. Wie dieser allerdings genau organi-
siert war, lässt sich nur vermuten. Mit Einbäumen oder auf be-
festigten Moorwegen erfolgte der Transport der Waren und mit
ihnen wurden Ideen, religiöse Anschauungen und technisches
Wissen vermittelt.
Großsteingräber waren nicht nur Bestattungsplätze sondern auch
kultische Zentren. Gefäßbruchstücke und Tierknochen im Ein-
gangsbereich und in den Vorkammern sowie Brandspuren an
Opferbeigaben belegen, dass hier Feiern zu Ehren der Verstor-
benen abgehalten wurden. Es waren heilige Bezirke, Erinne-
rungsstätten für die Toten.
Monolithische Anlagen, die aus vielen Steinen bestehen, wer-
den als Steinsetzungen bezeichnet. Sie sind entweder in Reihen
oder Alleen, Kreisen, Ellipsen oder in Vierecken angeordnet und
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