Hochschule Magdeburg-Stendal Fachbereich Wasserwirtschaft
Aufgabenstellung
Vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung und dem Willen nach Expansion und weiterer Markterschließung der deutschen Fachunternehmen der Wasserwirtschaft sollen die Möglichkeiten und Grenzen dieser Bestrebungen untersucht werden. Es soll gezeigt werden, welche Rahmenbedingungen einen „Abwassermarkt“ beschreiben, und welche Systematik eine Beurteilung des Marktes ermöglichen. Aus Sicht dieser Unternehmen und Instanzen ist zunächst eine systematische Untersuchung der Situation der kommunalen Abwasserbehandlung in Deutschland notwendig, um die Besonderheiten herauszustellen. Weiterhin ist zu untersuchen, welche Produkte und Dienstleistungen von den deutschen Unternehmen im Wassersektor der Mittel- und Osteuropäischen Märkte erfolgreich angeboten werden können. Im Speziellen ist eine Untersuchung der Situation der Märkte der Abwasserentsorgung in Polen und Bulgarien durchzuführen. Es ist zu analysieren und darzustellen, welche Nachfrage nach Leistungen deutscher Unternehmen besteht und unter welchen gesetzlichen, technischen, wirtschaftlichen und geographisch-kulturellen Bedingungen der Markteintritt deutscher Marktteilnehmer erfolgreich gestaltet werden kann. Dieses Vorgehen soll systematisiert werden.
Raik Sakowski
- II - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
Hochschule Magdeburg-Stendal Fachbereich Wasserwirtschaft
Inhaltsverzeichnis
Seite
Aufgabenstellung II
Inhaltsverzeichnis III
Summary V
Thesen zur Diplomarbeit VII
Eidesstattliche Erklärung VIII
Danksagung IX
Abk ürzungsverzeichnis X
0. Einleitung 1
1. Gegenstand der Diplomarbeit 2
1.1 Eingrenzung 2
1.2 Begriffsbestimmung. 2
1.2.1 Technologietransfer. 2
1.2.2 Markt. 3
2. Aufbau der Arbeit 4
2.1 Darstellung der Vorgehensweise 4
2.2 Abgrenzung der Leistungsbereiche und Zuordnung der Marktteilnehmer. 6
2.3 Ziele der Marktteilnehmer. 8
3. Situation in Deutschland, Polen und Bulgarien 10
3.1 Herangehensweise. 10
3.2 Die kommunale Abwasserbehandlung in Deutschland. 12
3.2.1 Gesetzlich relevante Grundlagen und Behördenstrukturen 12
3.2.2 Volks- und betriebswirtschaftliche Situation. 19
3.2.3 Geographische und landeskulturelle Gegebenheiten 24
3.2.4 Technische Aspekte 25
3.2.5 Zusammenfassung. 29
3.3 Die kommunale Abwasserbehandlung in Polen. 31
3.3.1 Gesetzlich relevante Grundlagen und Behördenstrukturen 31
3.3.2 Volks- und Betriebswirtschaftliche Situation 36
3.3.3 Geographische und landeskulturelle Gegebenheiten 40
3.3.4 Technische Aspekte 41
3.3.5 Zusammenfassung. 46
Raik Sakowski
- III -
Matrikel -Nr : 982057 Diplomarbeit
Hochschule Magdeburg-Stendal Fachbereich Wasserwirtschaft
3.4 Die kommunale Abwasserbehandlung in Bulgarien 48
3.4.1 Gesetzlich relevante Grundlagen und Behördenstrukturen 48
3.4.2 Volks- und Betriebswirtschaftliche Situation 51
3.4.3 Geographische und landeskulturelle Gegebenheiten 54
3.4.4 Technische Aspekte 55
3.4.5 Zusammenfassung. 57
4. Systematische Marktanalyse kommunale Abwasserbehandlung (SYMAKA) 58
4.1 Zielstellung 58
4.2 Methodik zur Anwendung von SYMAKA. 58
4.3 Gestaltung der Checklisten 63
4.4 Methodik zur Auswertung der Länder-Checklisten 66
4.5 Anwendung von SYMAKA. 70
4.5.1 Der polnische „Abwassermarkt“ 70
4.5.2 Der bulgarische „Abwassermarkt“ 73
5. Planungs- und Informationssoftware AquaDialog 76
5.1 Allgemeine Programmbeschreibung 76
5.2 Beispielprojekt 1: Betreibermodell. 77
5.3 Beispielprojekt 2: Kooperationsmodell 87
5.4 Auswertung der Projektbeispiele. 93
6. Zusammenfassung und Ausblick. 94
Literaturverzeichnis 96
Internetverweise 98
Abbildungsverzeichnis 99
Tabellenverzeichnis 101
Anlagenverzeichnis. 102
Raik Sakowski
- IV -
Matrikel -Nr : 982057 Diplomarbeit
Hochschule Magdeburg-Stendal Fachbereich Wasserwirtschaft
Summary
This paper analyses the possibilities of technology transfer from Germany to Central and Eastern European countries in the area of municipal waste water treatment. In this context, “technology transfer” is used for the market entry of German companies on to these new markets by means of establishing German methods and technology there. Taking Germany as an example, the paper looks at the situation in Poland and Bulgaria focussing on the market requirements. The fields of designing, consulting, construction, operating and financing have been defined as services, which are provided by specific competitors in engineering, plant construction and disposal. The core topic of the paper is the development and implementation of the analytical method SYMAKA (Systematic market analysis in municipal waster water treatment). SYMAKA evaluates the experiences as well as the strengths and weaknesses of German companies against the background of the targeted markets specific conditions. From the SYMAKA-results one can estimate the chances of successful market entry for the different German competitors. Finally, specific actions are being suggested in order to tackle technology transfer to Poland and Bulgaria. The strengths of German companies are a highly competitive technology (especially for medium and small as well as decentralised units), a wide range of experience with public models as well as twelfe years of extensive restructuring in the new Eastern German states.
Poland has been classified as a very attractive market because the structure of municipal waster water treatment is very similar to Germany. Also, a large part of the EU directives in the field have been implemented. Politically and economically, the country has almost completely reached the level of the other member states. In both countries, the supply of local and international providers of waste water treatment services exceeds the demand.
Bulgaria has been classified as a less attractive market. The sovereign rights in municipal waste water treatment are held by the government, a situation which is entirely different from Germany. The standard of living, which is much lower than in the other EU countries, only allows very low fees for waste water treatment. The implementation of waste water treatment projects requires substantial funding from EU. The competition between providers of waste water treatment services is similar to Poland.
Raik Sakowski
- V - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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All the findings through the SYMAKA-method have been corroborated by results produced by the software system AquaDialog. AquaDialog projects the development of investment costs and fees for waste water treatment projects in Poland. The figures have shown that neither on a short- nor on a medium-term basis profits can be expected because of the high investment costs and low per capita net incomes. German companies should focus on the development stage of projects in order to influence the criteria of tenders. Generally, it seems reasonable to concentrate on small and medium projects. The prospects for German companies are improving as a result of stricter regulations in waste water treatment in both countries.
Raik Sakowski
- VI - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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Thesen zur Diplomarbeit
(1) Ein Markteintritt aus Deutschland heraus ist nicht möglich. Für ein längerfristiges Bestehen sind einheimische Mitarbeiter und das Beherrschen der Landessprache Voraussetzung. Die notwendige „Verwurzelung“ in die Landesstrukturen setzt ebenfalls Kenntnisse der lokalen Verhältnisse technischer wie sozialer Art voraus.
(2) Die Umsetzung von Abwasserprojekten in den Staaten Mittel- und Osteuropas ermöglichen aufgrund der hohen Investitionskosten und der begrenzten Zahlungsfähigkeit der Bevölkerung mittelfristig nur geringe Gewinne.
(3) Die Chancen deutscher Unternehmen der Abwasserbranche für einen Technologietransfer steigen durch hohe Anforderungen an den Gewässerschutz (z.B. EG-RiLi-KommunalAbwasser 91/271/EWG) in den Zielländern.
(4) Bemessungsgrundsätze, wie das Arbeitsblatt ATV-DVWK-A 131 zur Bemessung von einstufigen Belebungsanlagen, können und sollen nicht vollständig von den deutschen Anlagenbauern im internationalen Wettbewerb angewandt werden. Die sehr sichere Auslegung führt oft zu erhöhten Investitionskosten, die derzeit in Mittel- und Osteuropa weder finanzierbar noch refinanzierbar sind.
(5) Die Chancen am internationalen Wassermarkt hängen stark von der Finanzkraft und der Größe der Anbieter ab. Anlagenbauer und private Entsorger sind am ehesten in der Lage sich zu profilieren. Die vielen regional ausgerichteten deutschen Ingenieurbüros verfügen selten über die notwendige
Finanzausstattung um in einen ausländischen Markt einzutreten und dort langfristig zu bestehen.
(6) Wichtig für Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa sind qualifizierte Mitarbeiter, das Angebot von an die jeweiligen Bedingungen angepassten technischen Lösungen sowie Referenzobjekte im eigenen Land.
(7) Die entstehende Gebührenhöhe im Kontext der zu realisierenden Investition ist im Rahmen von Abwasserprojekten in Mittel- und Osteuropa die entscheidende Bewertungsgröße im Wettbewerb, bei politischen Entscheidungen und bei den wirtschaftlichen Einschätzungen.
(8) Für deutsche Marktteilnehmer scheint eine Orientierung auf kleine und mittlere Projekte (bis 100.000 EW), aufgrund der Vielzahl der in Deutschland betriebenen Anlagen, für den Technologietransfer zielführend.
Raik Sakowski
- VII - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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Eidesstattliche Erklärung
Ich, Raik Sakowski, versichere hiermit, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig und ohne Verwendung anderer als der angegebenen Quellen und Unterlagen angefertigt habe.
............................................. ..................................................... Ort, Datum Unterschrift
Raik Sakowski
- VIII - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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Danksagung
Diese Diplomarbeit entstand während meiner Tätigkeit als Praktikant im Büro kruschel • franz - Projektentwicklung für Verkehr und Umwelt GbR in Berlin. Dem Engagement der Herrn Kruschel und Franz habe ich es zu verdanken, die Arbeit zu diesem herausfordernden Thema schreiben zu können.
Ich bedanke mich bei Prof. B. Kuhn von der Hochschule Magdeburg-Stendal, der es mir ermöglicht hat diese interdisziplinäre Aufgabenstellung zu bearbeiten.
Es ist mir eine angenehme Pflicht Herrn Dr. Anselm Franz für seine kritische aber konstruktive Auseinandersetzung mit meiner Diplomarbeit Dank zu sagen.
Insbesondere möchte ich Herrn Dipl.-Ing. Stefan Kruschel für seine hilfreiche Unterstützung sowie die fachliche Beratung bei allen aufgetretenen Fragen und Problemen danken.
Darüber hinaus danke ich allen Personen, die durch Informationsmaterial und Beratung die Anfertigung dieser Diplomarbeit unterstützt haben.
Raik Sakowski
- IX - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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Abkürzungsverzeichnis
ABA Abwasserbehandlungsanlage
AbwV Abwasserverordnung
AG Arbeitsgemeinschaft / bzw. Aktiengesellschaft
AK Arbeitskreis
ATV Abwassertechnische Vereinigung
BGL Bulgarischer Lew
BGW Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V.
BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
BOT Build, operate, transfer, Betreiber- /Baubetreuungsmodell
BSB Biochemischer Sauerstoffbedarf
CSB Chemischer Sauerstoffbedarf
DVGW Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V.
ECU European Currency Unit, ehemalige Kunstwährung der Europäischen Gemeinschaft
EG Europäische Gemeinschaft
EUR Euro
EU Europäische Union
EW Einwohnerwerte: an Kläranlage angeschlossene Einwohner zzgl. der Einwohnergleichwerte aus Industrie und Gewerbe GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GU Generalunternehmer
ISPA Instrument für Strukturpolitik
MOE Mittel- und Osteuropa
MSO Main Statistical Office statistics - Statistisches Jahrbuch Polens
MT Marktteilnehmer
PHARE Aktionsprogramm zur Restrukturierung der Wirtschaft für Polen und Ungarn
PLN Polnische Zloty
PSP Private-Sector-Participation
SAPARD Spezielles Zugangsprogramm für Landwirtschaft und landwirtschaftliche Entwicklung
SYMAKA Systematische Marktanalyse Kommunale Abwasserbehandlung
WHG Wasserhaushaltsgesetz
91/271/EWG Richtlinie des Rates der EU vom 21. Mai 1991 über die Behandlung von kommunalem Abwasser VOB Verdingungsordnung für Bauleistungen
VOF Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen
VOL Verdingungsordnung für Leistungen/Lieferleistungen
Raik Sakowski
- X - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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0. Einleitung
„Wasserwirtschaft als Zukunfts- und internationaler Wachstumsmarkt [1]?“ - eine Aussage, die in letzter Zeit immer häufiger in der Literatur zu finden ist.
Die EU-Osterweiterung wird in diesem Zusammenhang als große Chance für die deutsche Wasserwirtschaft bezeichnet. Aber bestehen für deutsche Unternehmen aus dem Bereich der kommunalen Abwasserbehandlung realistische Möglichkeiten, durch Technologietransfer in Mittel- und Osteuropa erfolgreich zu sein und Gewinne zu erzielen?
Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen.
Ausgehend von Deutschland wird aus markttechnischer Sicht die Situation in Mittel-und Osteuropa am Beispiel von Polen und Bulgarien analysiert. Die Aktivitäten von Marktteilnehmern wie Ingenieurbüros, Anlagenbauer und Entsorger wird in die Sparten Planung, Beratung, Errichtung, Betrieb, Finanzierung und Forschung aufgeteilt. Der Kern der Arbeit ist die Entwicklung und Anwendung des Analysemodells „SYMAKA“ (Systematische Marktanalyse Kommunale
Abwasserbehandlung) dar. Bezug nehmend auf die Strukturen der Abwasserbehandlung in Deutschland analysiert das Modell die Erfahrungen und Stärken der deutschen Marktteilnehmer, wobei letztere an den Besonderheiten der Zielmärkte gemessen werden. Daraus lassen sich die Chancen für einen beabsichtigten Markteintritt ableiten. Abschließend erfolgt eine gezielte Darstellung konkreter Handlungsmöglichkeiten für einen erfolgreichen Technologietransfer in die Zielländer Polen und Bulgarien.
Um die mit Hilfe von SYMAKA ermittelten Erkenntnisse und Aussagen vertiefend zu belegen, wird die Planungs- und Informationssoftware AquaDialog in die Diplomarbeit eingebunden und für die Aufgabenstellung adaptiert. Anhand von realen Projekten in Polen sind damit Kalkulationen zum Investitions- und Gebührenverlauf möglich. Dadurch kann gezeigt werden, ob Aktivitäten ausgewählter Marktteilnehmer in den Zielländern aus unternehmerischer Sicht lohnenswert sind. Es wird dabei zwischen kurz- und langfristiger Zielstellung unterschieden.
Raik Sakowski
- 1 - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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1. Gegenstand der Diplomarbeit
1.1 Eingrenzung
Die vorliegende Diplomarbeit analysiert Marktsituationen ausgewählter Länder. Dabei liegt die Konzentration auf abgegrenzte Leistungsbereiche der kommunalen Abwasserbehandlung.
1.2 Begriffsbestimmung
Die Begriffe Technologietransfer und Markt werden in der einschlägigen Fachliteratur unterschiedlich interpretiert. Dies macht es erforderlich, die Bedeutung der Termini für diese Arbeit festzulegen. Die allgemeinen Begriffsdefinitionen der Ökonomie dienen hierfür als Grundlage.
1.2.1 Technologietransfer
Der Begriff Technologietransfer wird in der Ökonomie unter anderem als:
„Verbreitung technologischen Wissens innerhalb eines Wirtschaftsgebietes oder etwa von einem Industrieland in ein Entwicklungsland [2].“
definiert.
Eine umfassendere Definition lautet:
„Interorganisationale Übertragung von Technologien oder Übertragung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen “.
Wobei die Bezeichnung Technologie in verschiedenen Bedeutungen vorkommt: „Umfassend als Wissenschaft von technischen Produktionsprozessen, enger als Menge aller bekannten möglichen Methoden oder Techniken zur Erreichung eines Zieles in einem durch Konventionen abgegrenzten Anwendungsbereich [3] “.
Raik Sakowski
- 2 - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
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Für die vorliegende Arbeit wird Technologietransfer nur im Zusammenhang mit der kommunalen Abwasserbehandlung verwendet. Dabei beinhaltet der Begriff den Markteintritt deutscher Unternehmen und die Übertragung der anerkannten deutschen Methoden und Techniken auf den ost- und mitteleuropäischen Märkten. In dieser Arbeit wird der Technologietransfer an der Umsetzung von abwassertechnischen Vorhaben (Planung, Errichtung, Finanzierung und Betrieb) unter Einbindung deutscher Unternehmen dargestellt.
1.2.2 Markt
Markt wird in der Wirtschaftstheorie als ein Vorgang verstanden:
„Angebot und Nachfrage treffen aufeinander, und Anbieter und Nachfrager tauschen, eingebettet in einen Wettbewerbsprozess, Leistungen aus [4]“.
In der Beschreibung der nationalen Situation der kommunalen Abwasserbehandlung werden die damit in Verbindung stehenden Leistungsbereiche miteinbezogen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Erbringung folgender Leistungen:
Planung
Beratung Anlagenbau Lieferung von Anlagenausrüstung Technische und kaufmännische Betriebsführung Finanzierung
Jeder Leistungsbereich ist als einzelner Markt zu betrachten, in dem sich Anbieter und Nachfrager bewegen. Die Anbieter und Nachfrager werden in dieser Arbeit auch unter der Bezeichnung Marktteilnehmer zusammengefasst.
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2. Aufbau der Arbeit
2.1 Darstellung der Vorgehensweise
Die Umsetzung der für diese Arbeit formulierten Zielstellung erfolgt in folgenden Schritten: (1) Unterteilung der kommunalen Abwasserbehandlung in die Leistungsbereiche Planung, Beratung, Anlagenbau, Betrieb, Finanzierung, Ausrüstungslieferung, Finanzierung und Forschung (2) Zuordnung der Marktteilnehmer (Anbieter und Nachfrager) zu den Leistungsbereichen, Anhand der bestehenden Situation in Deutschlanddamit Eingrenzung der Marktteilnehmer auf Ihre Kernbereiche (3) Auflistung der Ziele deutscher Marktteilnehmer (4) Beschreibung der aktuellen Situation der kommunalen Abwasserbehandlung in Deutschland sowie in Polen und Bulgarien unter dem Aspekt rechtlich- und behördlicher, volks- und betriebswirtschaftlicher, geographischer und technischer Gesichtspunkte (5) Herausstellen der Stärken deutscher Marktteilnehmer, die sie durch ihre Aktivität auf dem deutschen Markt erworben haben. Darstellung dieser Stärken anhand von Marktteilnehmer-Checklisten für jeden Marktteilnehmer (6) Gezielte Erfassung der Situation der kommunalen Abwasserbehandlung in Polen und Bulgarien, aus Sicht der deutschen Marktteilnehmer, in Form von Länder-Checklisten. (7) Vergleich der Strukturen der kommunalen Abwasserbehandlung in Polen und Bulgarien mit den Stärken der deutschen Marktteilnehmer. (8) Ableitung von Chancen deutscher Marktteilnehmer für einen
Technologietransfer durch den Vergleich der vorhandenen Marktstrukturen in Polen und Bulgarien mit den Stärken deutscher Marktteilnehmer. Darstellung der Chancen für jeden Marktteilnehmer in Form von Marktteilnehmer-Checklisten. (9) Vorschlag gezielter Aktivitäten für das Vorgehen jedes Einzelnen der deutschen Marktteilnehmer auf den Zielmärkten in den Marktteilnehmer-Checklisten. (10) Formulierung von Thesen
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Abbildung 2.1-1: Schrittfolge der in der Arbeit angewandten Analyse
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2.2 Abgrenzung der Leistungsbereiche und Zuordnung der Marktteilnehmer
In Deutschland agieren die einzelnen Marktteilnehmer in fest abgegrenzten Leistungsbereichen, auch Kerngeschäft genannt. Obwohl einige Unternehmen ein zunehmend umfassenderes Leistungspaket anbieten, entspricht der enge Bezug zum Kerngeschäft der überwiegenden Situation in der kommunalen Abwasserbehandlung. So ist für die Umsetzung eines Projektes zur Errichtung und dem Betrieb einer neuen Abwasserbehandlungsanlage in Deutschland häufig die Einbindung verschiedener spezialisierter Unternehmen vorherrschend. Die Verknüpfung der Marktteilnehmer mit Ihren klassischen Leistungsbereichen wird in Abbildung 2.2 ersichtlich. Damit erfolgt auch eine Festlegung der Kernbereiche, die in Hinblick auf spätere Einschätzungen der Marktteilnehmer notwendig sind.
Abbildung 2.2-1: Zuordnung der Leistungsbereiche (Kernkompetenzen) zu den Marktteilnehmern
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In Tabelle 2.2-1 wird der Umfang der Leistungen beschrieben, die von den Marktteilnehmern angeboten und nachgefragt werden.
Tabelle 2.2-1: Gegenüberstellung der Marktteilnehmer innerhalb der betrachteten Leistungsbereiche
( 2 ) Build Operate Transfer (BOT)
Die Bezeichnung Endverbraucher oder Endkunden steht für private Haushalte, Industrie- bzw. Gewerbebetriebe oder kommunale Einrichtungen, die in die
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öffentliche Kanalisation einleiten. Unter dem Begriff Kommunen werden Städte und Gemeinden zusammengefasst. Der große Teil der Eigen- und Regiebetriebe, Zweckverbände und Anstalten öffentlichen Rechtes finden unter der Bezeichnung öffentlich- rechtliche Entsorger Berücksichtigung. Private Entsorger sind privatrechtlich firmierende Unternehmen, die lediglich im Auftrag der Kommune die Abwasserbehandlung, einschließlich der Ableitung, übernehmen. Dazu gehören auch Unternehmen, die durch Service- und Wartungsverträge für Pumpwerke, Kanalspülung etc. durch Teilleistungen eingebunden werden. Die Lieferung der gesamten Ausrüstung, wie Pumpen- Gebläse- oder allgemein Elektrotechnik, wird den Ausrüstungslieferanten zugeordnet.
Zur Unterstützung der Anliegen einzelner Marktteilnehmer sind weiterhin Interessenverbände zu nennen, wie beispielsweise lokale, regionale und bundesweite Umweltschutz-Organisationen und Industrieverbände.
2.3 Ziele der Marktteilnehmer
Der Technologietransfer aus Deutschland soll durch die in Punkt 2.1 genannten Marktteilnehmer umgesetzt werden. Um die Möglichkeit der Umsetzung des Technologietransfers einschätzen zu können, ist das Wissen über die Ziele jedes Marktteilnehmers entscheidend (Tabelle 2.3-1). Darauf aufbauend können auch die Strukturen der Leistungsbereiche, hinsichtlich der einzelnen Marktteilnehmer, Ziel orientiert untersucht werden.
Tabelle 2.3-1: Ziele der Marktteilnehmer
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Private Unternehmen beteiligen sich nur dann an einen Technologietransfer, wenn sich damit auch ihre Interessen verwirklichen lassen. Im Rahmen der
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umweltpolitischen Vorgaben, die bei der Durchführung der Abwasserbehandlung einzuhalten sind, steht das Streben nach einer erfolgreichen wirtschaftlichen Betätigung (Umsatz- und Gewinnsteigerung) für die Privatwirtschaft immer im Vordergrund.
3. Situation in Deutschland, Polen und Bulgarien
3.1 Herangehensweise
Der Inhalt dieses Gliederungspunktes ist die systematische Analyse der Strukturen der kommunalen Abwasserbehandlung in den genannten Ländern. Die jeweils nationale Situation wird anhand einer einheitlich strukturierten Gliederung dargestellt und damit vergleichbar gemacht. Mit Hilfe der Inhalte können auswertend Rückschlüsse auf die Marktbedingungen und Marktteilnehmer gezogen werden. Deutschland dient hier als Bezugspunkt. Ziel ist es, systematisch und transparent die Möglichkeiten und Grenzen für einen Technologietransfer durch die Marktteilnehmer aus Deutschland in andere Länder und Märkte zu untersuchen. Das Vorgehen zur Beschreibung der nationalen Marktsituation basiert auf vier Grundsatzbereichen:
1. Gesetzlich relevante Grundlagen und Behördenstrukturen
2. Volks- und betriebswirtschaftliche Situation
3. Geographische und landeskulturelle Gegebenheiten
4. Technische Aspekte.
In Abbildung 3.1-1 sind die Grundsatzbereiche und dazugehörigen Unterpunkte zusammengestellt. In Anlehnung daran erfolgt anschließend die textliche Beschreibung der Inhalte.
Raik Sakowski
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Abbildung 3.1-1
Gliederung zur Beschreibung der nationalen Situation in der kommunalen Abwasserbehandlung
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3.2 Die kommunale Abwasserbehandlung in Deutschland
3.2.1 Gesetzlich relevante Grundlagen und Behördenstrukturen
a) Relevante Gesetze
Die Gesetzgebung zum Wasserhaushalt unterliegt nach Art. 75 Nr. 4 des Grundgesetzes der Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes. Entsprechend beschließt der Bund Gesetze, die von den Ländern ausgefüllt werden. Das für die Abwasserentsorgung maßgebliche Rahmengesetz ist das Wasserhaushaltsgesetz (WHG).
Der gesetzliche Rahmen regelt die erforderliche Qualität, sowie die Art und Weise der Durchführung der Abwasserbeseitigung. Es werden z.B. bestimmte Reinigungsqualitäten gesetzlich gefordert. Für kommunale Abwässer sind diese in § 7a WHG in Verbindung mit der „Allgemeinen-Rahmen-Abwasser-Verwaltungsvorschrift über Mindestanforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ festgesetzt.
Die maßgeblichen Rechtsvorschriften über Art und Umfang der
Abwasserbehandlung sind in Abbildung 3.2.1-1 zusammengestellt. Weitere Regelungen finden sich in Richtlinien der Europäischen Union, in bundes- und landesrechtlichen Verwaltungsvorschriften und in Runderlässen der zuständigen Ministerien.
Raik Sakowski
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Abbildung 3.2.1-1
Rechtsgrundlagen der Abwasserentsorgung
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung (MLUR) Brandenburg, 1996
Neben der Aufgabendefinition im Wasserrecht ist die Verankerung der Abwasserentsorgung als Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung im Grundgesetz (Art. 28 Abs.2) elementar (öffentlichen Daseinsvorsorge). Dadurch ist die Ausgestaltung der Aufgabenerfüllung vor allem in Ländergesetzen geregelt, z.B. enthalten
Kommunalabgabengesetze (KAG) Regelungen zur Erhebung von Beiträgen - undGebühren,
Gemeindeordnungen (GO) Vorschriften zur kommunalen Selbstverwaltung - undzur wirtschaftlichen Betätigung,
Gesetze über kommunale Gemeinschaftsarbeit (GKG) Regelungen zur - Bildungvon Zweckverbänden.
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Die zu beachtenden Länderspezifika erfordern eine individuelle Bewertung der rechtlichen Ausgangslage je nach Bundesland [9].
b) Anforderungen an Errichtung und Betrieb kommunaler Kläranlagen
Die am 1. August 2002 in Kraft getretene Fünfte Verordnung zur Änderung der Abwasserverordnung (AbwV) passt den Anhang 1 (häusliches und kommunales Abwasser) an die Anforderungen des europäischen Rechts an und ergänzt die Abwasserverordnung um weitere Anhänge für 7 Branchen [30]. Damit setzt die Bundesrepublik die Vorschriften der EG-Richtlinie „Kommunales Abwasser“ (91/271/EWG) in nationales Recht um. Die maßgebenden Werte sind in Tabelle 3.2.1-1 festgelegt.
Tabelle 3.2.1-1:
Tabelle zum Anhang 1 der Abwasserverordnung (AbwV) Quelle: Abwasserverordnung (AbwV) vom 01.08.2002
Abwassertemperatur von 12 Grad Celsius und größer im Ablauf des biologischen Reaktors der Abwasserbehandlungsanlage. An die Stelle von 12 Grad Celsius kann auch die zeitliche Begrenzung vom 1. Mai bis 31. Oktober treten. In der wasserrechtlichen Zulassung kann für Stickstoff, gesamt, eine höhere Konzentration bis 25 mg/l zugelassen werden, wenn die Verminderung der Gesamtstickstofffracht mindestens 70 von Hundert beträgt. Die Verminderung bezieht sich auf das Verhältnis der Stickstofffracht im Zulauf zu derjenigen im Ablauf in einem repräsentativen Zeitraum, der 24 Stunden nicht überschreiten soll. Für die Fracht im Zulauf ist die Summe aus organischem und anorganischem Stickstoff zugrunde zu legen.
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Mit der Richtlinie 91/271/EWG vom 21.05.1991 wurden EU-weit einheitliche Anforderungen an die Behandlung und Einleitung von kommunalem Abwasser festgesetzt. Dem zufolge wurden in Europa drei unterschiedliche Anforderungsniveaus unterschieden.
Weniger empfindliche Gebiete (ohne biologische Reinigungsstufe) Normalgebiete (biologische Reinigungsstufe mit Kohlenstoffelimination) Empfindliche Gebiete (biologische Reinigungsstufe mit N- und P-Elimination) [5]
Die weitergehende Behandlung der Nährstoffe Phosphor und Stickstoff spielt dabei eine wesentliche Rolle, wenn das Abwasser in so genannte empfindliche Gebiete eingeleitet wird. Die Festlegung dieser Anforderungsniveaus erfolgt durch die EU-Mitgliedstaaten in Abhängigkeit der landesspezifischen ökologischen
Gewässerempfindlichkeit. Für Deutschland sind das die Einzugsgebiete von Nord-und Ostsee. Deshalb ist die Bundesrepublik, mit Ausnahme des Donau-Einzugsgebietes, als empfindliches Gebiet im Sinne der Richtlinie ausgewiesen. Danach müssen in Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern Kanalisationen vorhanden sein. Ferner muss das Abwasser dieser Gemeinden einer besonderen Behandlung zur Verminderung der Nährstoffe Stickstoff und Phosphor unterzogen werden. Die in der Richtlinie vorgesehenen Einzelnachweise für alle kommunalen Kläranlagen können allerdings unterbleiben, wenn für das empfindliche Gebiet der Nachweis erbracht wird, dass dort insgesamt eine Verminderung der Phosphor- und Stickstoffeinleitungen um 75 Prozent erreicht wird. Bei Berücksichtigung der bis heute errichteten Kläranlagen wird diese Marke in der Bundesrepublik bei Phosphor sogar übertroffen. Grundsätzlich gelten für das Gebiet der Europäischen Gemeinschaft folgende Anforderungen:
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Tabelle 3.2.1-2:
Anforderungen an Einleitungen aus kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen Quelle: Richtlinie des Rates (91/271/EWG) Artikel 4 und 5
) ( 3 )
Tabelle 3.2.1-3:
Anforderungen an Einleitungen aus kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen in empfindlichen Gebieten, in denen es zur Eutrophierung kommt Quelle: Richtlinie des Rates (91/271/EWG)
der Konzentrationswert oder die prozentuale Verringerung. (91/271/EWG)
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Zu Tabelle 3.2.1-3
) Laut § 18b Abs. 1 WHG gilt für alle Abwasseranlagen die Forderung, dass diese Anlagen unter Berücksichtigung der Benutzungsbedingungen und Auflagen für das Einleiten von Abwasser (§§ 4, 5 und 7a WHG) nach den hierfür jeweils in Betracht kommenden Regeln der Technik zu errichten und zu betreiben sind. Als Regeln der Technik gelten hauptsächlich DIN-Normen, das ATV-DVWK Regelwerk, Bau- und Prüfgrundsätze des Institutes für Bautechnik sowie die Arbeitsschutzbestimmungen, die in Unfallverhütungsvorschriften (UVV) festgelegt sind.
In Deutschland herrscht ein Anschluss- und Benutzungszwang, der regelmäßig in der Entwässerungssatzung des Aufgabenträgers
(Kommune/Abwasserzweckverband) festgeschrieben wird.
In Bezug auf den Planungs- und Bauablauf werden in Deutschland sehr formelle und aufwendige Genehmigungsverfahren durchgeführt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Umweltverträglichkeit, das heißt die Auswirkungen der Maßnahme auf die Schutzgüter und die daraus resultierenden Schritte.
c) Aufgabenträger, Betriebs- und Organisationsformen
Hinsichtlich der Träger der Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge bestehen in der Abwasserbehandlung Regelungen, die von der Wasserversorgung abweichen.
Laut Wasserhaushaltsgesetz § 18a Abs. 2 wird es den Ländern überlassen, den zur Abwasserbeseitigung Verpflichteten zu bestimmen. Zur Zeit übertragen die Länder in ihren Wassergesetzen die Aufgabe der Abwasserbeseitigung grundsätzlich den Gemeinden, wobei an deren Stelle auch Verbände, insbesondere Zweckverbände oder Wasser- und Bodenverbände treten können.
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Die Novellierung des WHG (§ 18a Abs. 2a WHG) ermöglicht es landesrechtlich zu regeln, unter welchen Voraussetzungen die Abwasserbeseitigungspflicht ganz oder teilweise Dritten, insbesondere privaten Unternehmen, übertragen werden kann. Gegenwärtig haben nur die Länder Sachsen und Rheinland-Pfalz in ihren Landeswassergesetzen die bundesgesetzlich eröffnete Möglichkeit aufgegriffen, die Aufgabe einem Privaten zu übertragen.
In der technischen und kaufmännischen Betriebsführung der Abwasserbehandlung dominieren in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Betriebe. Hier überwiegt der kommunale Eigenbetrieb mit einem Anteil von 37 Prozent, bezogen auf die erfassten Einwohner. An Zweiter Stelle liegt der Regiebetrieb mit 25 Prozent. Zweckverbände und Wasserverbände als Aufgabenträger mehrerer Kommunen machen 16 Prozent aus.
Zweck- bzw.
Wasserverband 16%
Sonstiges 5%
Abbildung 3.2.1-2
Organisationsformen nach dem Träger der Abwasserentsorgung Quelle: Marktdaten Abwasser 2001 - Ergebnisse der ATV-DVWK/BGW-Umfrage 2001
Die Tendenz zur betriebswirtschaftlichen Optimierung und Effizienzsteigerung sowie zur Bildung organisatorisch eigenständiger Unternehmenseinheiten bei der Durchführung der Abwasserentsorgungsaufgaben hält an. [6]
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d) Behördenstruktur
Der Umweltschutz in seiner Gesamtheit und damit auch der aktive Gewässerschutz durch moderne Abwasserbehandlung werden in Deutschland als zentrale staatliche Angelegenheit gesehen. Die Aufgaben werden von einem Umweltministerium in Form einer Rahmenrichtlinienkompetenz wahrgenommen.
Vollzogen wird der Gewässerschutz auf Länderebene, in zwei bis drei unterteilten Hierarchieebenen.
Beispielsweise sind im Land Brandenburg die Landesbehörden in oberste Landesbehörden, Landesoberbehörden und untere Landesbehörden gegliedert. Oberste Landesbehörden sind die Landesministerien. Landesoberbehörden unterstehen unmittelbar einer obersten Landesbehörde und sind für das ganze Land zuständig. Untere Landesbehörden unterstehen einer obersten Landesbehörde und sind für Teile des Landes zuständig [35].
Die Gebietszuständigkeit ergibt sich durch die Verwaltungsgliederung ohne direkten Bezug auf die einzelnen Gewässer. Innerhalb der Bundesländer können allerdings gewässerbezogene Verbände gegründet werden, mit dem Ziel, auf das jeweilige Gewässer individuell abgestimmte Maßnahmen möglichst wirtschaftlich durchzuführen. [5]
e) Mitgliedschaft in der Europäischen Union
Deutschland, als ein Initiator der Zusammenführung Europas, ist seit der Gründung Mitglied der Europäischen Union (EU). Aus der Sicht der geltenden Handelsbedingungen profitieren die deutschen Unternehmen vorwiegend von den erleichterten Ein- und Ausfuhrregelungen innerhalb der Ländergemeinschaft. Die Einführung des Euro im Jahre 2002 als Leitwährung für Deutschland und einen Großteil der EU-Mitgliedstaaten trägt ebenfalls zur Erleichterung des internationalen Handels bei.
3.2.2 Volks- und betriebswirtschaftliche Situation
a) Volks- und Allgemeinwirtschaftliche Kennzahlen
Raik Sakowski
- 19 - Matrikel-Nr.:982057 Diplomarbeit
Arbeit zitieren:
Raik Sakowski, 2002, Technologietransfer in der kommunalen Abwasserbehandlung aus Deutschland in Länder Mittel- und Osteuropas, München, GRIN Verlag GmbH
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