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LMU München
Institut für Vorderasiatische Archäologie
Schlangendarstellungen in Mesopotamien und Iranvom 8. bis 2. Jt. v. Chr. -
Quellen, Deutungen und kulturübergreifender Vergleich
Birgit Stöcklhuber
(1. überarbeitete Fassung, August 1999)
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .11
1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.2 Gebietsabgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.3 Merkmale lebender Schlangen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.3.1 Ursprung, Evolution und Verbreitung . . . . . . . . . . . . . 13
1.3.2 Die zwei großen Schlangengruppen und ihre Besonderheiten . 13
2. Schlangendarstellungen . . . . . . . . . . . . . . . .17
2.1 Materialgruppe 1: Keramik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1.1 Gemalte Schlangen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1.2 Schlangenappliken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.1.3 Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2 Materialgruppe 2: Stempelsiegel und Tabloide . . . . . . . . . . . . . 21
2.2.1 Seltene Darstellungstypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.2.2 Schlange und ziegenköpfige Gestalt im Iran . . . . . . . . . . 23
2.2.3 Schlange und Capride . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2.2.4 Verschlungene Schlange . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
2.2.5 Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
2.3 Materialgruppe 3: Rollsiegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.3.1 Seltene Darstellungstypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.3.2 Schlange und menschliche Gestalt in Mesopotamien . . . . . 30
2.3.3 Verschlungene Schlange . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.3.4 Einfache Schlange in Szenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
2.3.5 Schlange in diversen Zusammenhängen . . . . . . . . . . . . 39
2.3.6 Bootgott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
2.3.7 Gott mit Schlangenunterkörper . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
2.3.8 Gott auf dem Schlangenthron . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
2.3.9 Thematisch relevante Siegel ohne Schlange . . . . . . . . . . 47
2.4 Materialgruppe 4: Rundplastik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
2.4.1 Mesopotamien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
2.4.2 Iran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
2.4.3 Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
2.5 Materialgruppe 5: Relief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
2.5.1 “Schlangenbändiger” . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
2.5.2 Verschlungene Schlange und Schlangendrache . . . . . . . . 52
2.5.3 Gott auf Schlangenthron . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
2.5.4 Schlange auf Kudurrus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
2.6 Kultbauten mit Schlangenzier? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
3. Textquellen . . . . . . . . . . . . . . . .57
3.1 Chtonische Schlangengötter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.1.1 Ere¡skigal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.1.2 Ninazu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
3.1.3 Ti¡spak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.1.4 Ningizzida . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
3.1.5 Ninmada . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
3.1.6 Bootgott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
3.1.7 I¡staran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
3.1.8 In¡su¡sinak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
3.1.9 Zeit der großen Reiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
3.1.10 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
3.2 Schöpfungsmythen und Epen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
3.2.1 Dilmun-Mythos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
3.2.2 Enki und die Weltordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
3.2.3 Atramhasis-Mythos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
3.3 Rituale und Träume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
3.3.1 Ritualanfang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
3.3.2 Etana-Mythos als Initiationsritus . . . . . . . . . . . . . . . . 72
3.3.3 Träume und ihre Bedeutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
3.3.4 Schlangenbeschwörung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
4. Schlangenkulte . . . . . . . . . . . . . . . .79
4.1 Schlange als Schöpferwesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
4.2 Schlangen, Naturphänomene und Regenzeremonien . . . . . . . . . . 80
4.3 Initiationsriten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
4.4 Schlange als Ahnenwesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
4.5 Schlange und Macht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
5. Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . .85
5.1 Ausgangspunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
5.2 Ergebnisse der Textanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
5.2.1 Urelemente Wasser und Erde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
5.2.2 Vom Chaos zur Zivilisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
5.2.3 Zyklischer Ablauf des Jahres . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
5.3 Archäologische Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
5.3.1 Kult . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
5.3.2 Symbolik von Keramik und Stempelsiegeln . . . . . . . . . . 88
5.3.3 Rollsiegel: Rituelle, symbolische und mythologische Bedeutung 88
5.3.4 Rundbild und Relief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
5.4 Modelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
5.4.1 Die drei Ebenen der Schöpfung . . . . . . . . . . . . . . . . 90
5.4.2 Transformation zum Jahreszeitenwechsel . . . . . . . . . . . 90
5.4.3 Darstellung der Schlangengötter . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . .93
A Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . .103
B Chronologietabelle . . . . . . . . . . . . . . . .141
Einleitung
Aus vielen Kulturen der Welt gibt es sowohl archäologische, als auch ethnologische Zeugnisse von Schlangendarstellungen und mit diesen in Verbindung stehenden Riten und Mythen. Geht die Faszination und die daraus resultierende Verehrung der Schlangen möglicherweise auf ihre Zwischenstellung im Übergang von Reptilien zu Säugetieren zurück? Ihre ungewöhnlichen Lebens- und Verhaltensweisen und das fast weltweite Vorkommen, angefangen von Wasserschlangen bis hin zu Gebirgsschlangen, wären ein Auslöser für die religiöse Verehrung durch den Menschen.
Die vorliegende Arbeit ist der Versuch, die aus Mesopotamien und Iran bekannten Schlangendarstellungen, die dazugehörigen Kulte und Götter und deren Entwicklung bis ins zweite vorchristliche Jahrtausend zusammenzutragen und darüber hinaus diese nicht immer zahlreichen Fakten zu interpretieren. Das Gebiet und der Zeitraum sind so gewählt, dass man eine Entwicklung von vorgeschichtlichen religiösen Vorstellungen hin zu denen einer Hochkultur1 nachvollziehen kann. Das archäologische Material der ausgewählten Gebiete des östlichen fruchtbaren Halbmondes und des mesopotamischen Tieflandes scheinen für diese Entwicklungslinie geeignet. (12) Den Beginn des gewählten Zeitraums in das 8. Jt. v. Chr. zu setzen war fundbedingt.3 Nicht ohne weiteres verständlich ist dagegen, warum die Betrachtung im 2. Jt. v. Chr. endet, da auch nach diesem Zeitraum die Schlange in den Darstellungen und Vorstellungen fortbesteht. Diese Zäsur ist aber, wie sich zeigen wird, im Hinblick auf den Umfang der Arbeit und die bis zu diesem Zeitpunkt erzielten Ergebnisse gerechtfertigt.
1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit
Die Einleitung beschäftigt sich kurz mit dem Ursprung und der Evolution, sowie den verschiedenen Besonderheiten lebender Schlangen. Dazu werden auch einige im Vorderasiatischen Raum heimische Schlangen vorgestellt.
Ausgehend von den Schlangendarstellungen aus Mesopotamien und Iran vom 8.-2. Jt. v. Chr. wird im ersten Kapitel untersucht, welche Rolle der Schlange in diesem Gebiet zukommt. Dazu werden die Darstellungen in die Materialgruppen Keramik, Stempelglyptik und Tabloide, Rollsiegel, Rundplastik und Relief unterteilt. Innerhalb dieser Materialgruppen selbst wird thematisch und chronologisch untergliedert mit dem Ziel, einen Zusammenhang zwischen Darstellungsart, verwendetem Material und dem Verwendungszeitraum herauszuarbeiten. Ebenso werden, wenn möglich, bestimmte Schlangenarten identifiziert.
Der zweite große Punkt befasst sich mit Textquellen, die einen Einblick in die hinter den Darstellungen stehenden Ideen geben sollen. Die Schlangengötter werden versuchsweise in die Göttergenealogie eingereiht und ihre Funktionen und Attribute vorgestellt. Dass man dennoch nicht unbedingt jeden in Texten erwähnten Gott auch mit einer Darstellung in Einklang bringen kann, mag daran liegen, dass in den Abbildungen jeweils einzelne Aspekte eines Gottes dargestellt sind, die fälschlicherweise als verschiedene Götter angesprochen werden. Es bleibt festzustellen, ob Darstellung und Text tatsächlich, wie bislang angenommen, verschiedene Teile der gesuchten Gesamtvorstellung liefern, oder ob beide miteinander in Verbindung gebracht werden können. Dazu werden einige Schöpfungsmythen und Epen näher betrachtet. Ritualtexte und Beschwörungsformeln sollen Aufschluss darüber geben, welchen Stellenwert die Schlange in Festen und im täglichen Leben innehatte. Da oft nur kleine Anmerkungen in Übersetzungen Anlass zu Querverbindungen geben, muss auf die Subjektivität der Interpretation an manchen Stellen hingewiesen werden, die zwar wenn möglich durch Vergleiche relativiert wurde, doch sicher noch immer genug Anlass zur Kritik gibt. Deshalb sei an dieser Stelle betont, dass es sich um eine anhand der verwendeten Quellen mögliche Deutung handelt, die aber bei anderem Quellenmaterial durchaus an manchen Stellen neu zu überdenken sein wird. Die kurze Betrachtung der mentalen Fähigkeiten der Priester, sowie der Bedeutung von Träumen soll einen Einblick in Grundvoraussetzungen der menschlichen Kultur- und Religionsentwicklung geben.
Um diese oft sehr fragmentarischen Geschichten und Kulte etwas besser nachvollziehen zu können, werden in einem weiteren Kapitel die Hauptaspekte der Schlange, wie sie sich aus der Fundlage herauskristallisiert haben, durch ausgewählte Vergleichsbeispiele aus anderen Kulturräumen erweitert und gefestigt. Vor allem auf dem Gebiet der Vorstellungswelt und der Riten sind neue Impulse möglich.
In einem abschließenden Kapitel werden noch einmal die Ergebnisse zusammengefasst und anhand von Tabellen veranschaulicht.
(...)
1 Besser ist hier von schriftlosen und schriftführenden Kulturen zu sprechen.
2 Encarta Weltatlas
3 “War” deshalb, weil sich im Laufe der Untersuchung herausstellte, dass es in Göbekli schon Schlangentempelanlagen im 9. Jt. v. Chr. gegeben hat, eine Tatsache die sich positiv auf die Ergebnisse dieser Arbeit auswirken, da eine tiefe Verwurzelung der Schlangenverehrung angenommen wird. Je weiter man im fruchtbaren Halbmond nach Westen kommt, desto älter müssten die Schlangenfunde werden, da auch die Besiedlung früher anzusetzen ist.
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