Forschungsarbeit, 2011
119 Seiten
1. Augustin und die Chancen sokratisch-problematischer Bildung
1.1 Einführung
1.2 Zugänge
1.2.1 Die Suche nach dem Glück
1.2.2 Die Sicherung des Glücks gegen die Bedrohung durch Zweifel und Skepsis
1.2.3 Das Verhältnis von Autorität und Glaube zu Wissen und Vernunft
1.2.4 Die Kongruenz von Rationalität/Philosophie und Glaube/Theologie
1.2.5 Eine Vorannahme zu den Möglichkeiten sokratisch-kritischer Vernünftigkeit
1.2.6 Das Schriftverständnis und die Dienstbarkeit philosophischer Vernunft
1.2.7 Mögliche Konsequenzen aus der Depotenzierung philosophischer Vernunft
1.3 Sondierungen: `Überwindung´ der Skepsis in De academicis
1.3.1 Vorbemerkungen
1.3.1.1 Anliegen und Bedeutung von De academicis
1.3.1.2 Unsokratische Dialogizität
1.3.1.3 Der Zusammenhang zwischen beatitudo und Skepsisüberwindung
1.3.1.4 Die wahrheitsverbürgende Rolle von Mathematik und Zahl
1.3.1.5 Die Depotenzierung des `restsokratischen Moments´ durch den Primat der Glückssicherung
1.3.1.6 Die Funktionalisierung des dogmatischen `Platonismus´
1.3.1.7 Das depotenzierte `restsokratische Moment´ als Platzhalter für den Gott des Christentums
1.3.1.8 Die Gefahr des Dogmatismus
1.3.1.9 Die Rolle der mathematischen Gewissheit als Muster der Wissensgewissheit und als Glücksgarant
1.3.1.10 Der Zusammenhang von Glückskonzeption und Weltabkehr
1.3.2 Untersuchung und sokratische Bewertung der `Skepsisüberwindung´ nach Augustin
1.4. Rückblick und Ausblick
Die Arbeit untersucht kritisch die dogmatisch-hermetischen Tendenzen im Denken des heiligen Augustinus und hinterfragt, inwieweit diese die Möglichkeiten eines skeptisch-problemerschlossenen Vernunftgebrauchs behindern. Das zentrale Ziel ist es, Augustins Gewissheitssuche im Kontext seines Glücksstrebens zu analysieren und dem augustinischen Wissensverständnis das Konzept des sokratischen Problemwissens gegenüberzustellen.
1.2.1 Die Suche nach dem Glück
Will man die Möglichkeiten sokratisch-problematischer Vernünftigkeit bei Augustin eruieren, so ist zunächst besonders auf den Einfluss des augustinischen Eudämonismus, also seines Glückserreichungs- und Glückssicherungsbestrebens, das bei Augustin durchgängig als zentrales Motiv seines Denkens festgestellt werden kann, und in das von ihm sowohl die Philosophie als auch die Religion bzw. die Theologie eingespannt werden, auf die Ausgestaltung seiner philosophisch-theologischen Positionen zu achten. So steht v.a. Augustins christlich-biblisch und offenbarungspositionell-dogmatisch hinterlegte Interpretation des göttlichen Einen im Einflussbereich seines individualistischen Glückssicherungsbemühens und ist Ausdruck glücksgewissheitstendierender Intentionen, die bei Augustin nicht (wie bei Platon als Autor und – auf der Ebene literarischer Gestaltung – beim platonischen Sokrates) durch sokratisch-problemerschlossene Vernünftigkeit umgriffen sind.
Das augustinische Denken steht durch Aufnahme christlich-biblischer Offenbarungspositionalitätsmomente sowie durch das leitende Interesse an philosophischer Durchdringung und Interpretation des Christentums von seiner Frühphase an – legt man die Perspektive des sokratischen Problemwissens zugrunde – in der Gefahr, auch und gerade hinsichtlich des Einen-Guten das (wie für Plotin gezeigt wurde: nur noch restsokratische) wissende Nichtwissen zu exkludieren, nämlich die (hier wie bei Plotin: positionell-) skeptische Einsicht in die Unmöglichkeit, das Eine Gute per begreifendem Denken zu ergreifen und so das Begriffene dann per positionell-affirmatives Wissen als Ergriffenes in diesem Wissen und als dieses Wissen verfügbar zu haben. Die volle Höhe des restsokratischen plotinischen Problemwissens beizubehalten, liefe den augustinischen Glücksbemächtigungsbedürfnissen zuwider.
1. Augustin und die Chancen sokratisch-problematischer Bildung: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein und fokussiert auf die Verengung sokratisch-kritischer Vernünftigkeit im augustinischen Denken zugunsten einer dogmatischen Haltung.
1.1 Einführung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, indem sie Augustins Platon-Rezeption und deren Folgen für die sokratische Skepsis thematisiert.
1.2 Zugänge: Dieser Abschnitt analysiert die zentralen Motive wie die Glückssuche, das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die Rolle des Schriftverständnisses.
1.3 Sondierungen: `Überwindung´ der Skepsis in De academicis: Eine detaillierte Untersuchung der Erstlingsschrift, um das Verhältnis von Glücksstreben und der Auseinandersetzung mit der akademischen Skepsis zu exemplifizieren.
1.4. Rückblick und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse resümiert und die Verschiebung vom frühen zum späten Augustin hinsichtlich der Bewertung von Vernunft und Philosophie bilanziert.
Augustin, Platonismus, Sokrates, Skepsis, Problemwissen, Glückssicherung, Eudämonismus, Vernunftgebrauch, De academicis, Offenbarungspositionalität, Gotteserkenntnis, Wissensmodell, Dialektik, Christentum, Philosophie.
Die Arbeit analysiert kritisch das Denken des späten Augustinus und untersucht, inwiefern sein Streben nach absoluter Gewissheit und Glückssicherung die Möglichkeiten eines skeptisch-kritischen, sokratischen Philosophierens eingeschränkt hat.
Die Themenfelder umfassen die Augustinsche Erkenntnistheorie, sein Verhältnis zum Platonismus und Neuplatonismus, die Bedeutung des Glücks Strebens (Eudämonismus) sowie die Auseinandersetzung mit der antiken Skepsis.
Ziel ist es zu ergründen, ob Augustins Denken, das stark von christlicher Offenbarung geprägt ist, noch Raum für eine sokratisch-problemerschlossene Bildung lässt oder ob diese durch dogmatische Engführungen exkludiert wird.
Der Autor nutzt eine historisch-systematische Analyse, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Augustins Frühschriften wie *De academicis*, um die Wissensgestalten und deren philosophische Implikationen methodisch zu vergleichen.
Im Hauptteil werden verschiedene "Zugänge" untersucht, insbesondere die Rolle der Mathematik, die Bedeutung der "Schau Gottes", das Schriftverständnis und der Umgang mit Zweifeln, um die Transformation des Wissensbegriffs bei Augustinus aufzuzeigen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie sokratisches Problemwissen, Glücksstreben, Offenbarungspositionalität, Dogmatismus-Gefahr und die Abgrenzung zur akademischen Skepsis charakterisieren.
Der Autor sieht in der augustinischen Überwindung der akademischen Skepsis keine sokratische Lösung, sondern eine Transformation in Richtung eines dogmatisch-positionellen Wissens, das den skeptischen Zweifel lediglich auszuschließen versucht.
Das "restsokratische Moment" dient als Marker für ein philosophisches Denken, das die Grenzen des Wissens reflektiert; der Autor argumentiert, dass dieses bei Augustin durch sein Glückssicherungsbedürfnis marginalisiert und schließlich zu einem bloßen "Platzhalter" für theologische Dogmatik wurde.

