Masterarbeit, 2020
65 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung – Autorschaft im Film
2 Star Personas – Die Handschrift des Autors im Film
2.1 Historisch-kultureller Hintergrund des Filmautors
2.1.1 Von den ‚Autorenfilms’ zur ‚auteur theory’
2.1.2 Der Tod des Autors
2.1.3 „Ein Film von…“
2.2 Definitionen
2.2.1 Filmautor
2.2.2 Star Personas
3 Untersuchung filmischer Werkzeuge zur Markierung des Filmautors und seiner Handschrift
3.1 Hitchcock – Vertigo
3.1.1 Der Cameo
3.1.2 Merkmale von Hitchcocks Handschrift
3.1.3 Die Auferstehung des Autors
3.2 Tarantino – Pulp Fiction
3.2.1 ‚Independent Cinema’
3.2.2 Merkmale von Tarantinos Handschrift
3.2.3 Der Einfluss des Autors
3.3 Vinterberg – Festen
3.3.1 Dogma 95
3.3.2 Merkmale von Vinterbergs Handschrift
3.3.3 Der unsterbliche Autor
4 Fazit – Manifestation des Filmautors als theoretisches Konstrukt durch Performancestrategien von Star Personas
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Autorschaft im Film, indem sie analysiert, wie Regisseure als "Star Personas" ihre Filme durch eine spezifische Handschrift markieren und sich als kreative Instanz positionieren. Ziel ist es, die theoretischen Debatten um den Filmautor kritisch zu beleuchten und anhand praktischer Analysen aufzuzeigen, wie filmische Techniken zur Signatur des Autors beitragen.
3.1.1 Der Cameo
Zunächst stellt der Cameo eine höchst wichtige paratextuelle Praxis zur offensiven Markierung des Autors in seinem Werk dar. Es passiert nicht selten, dass man sich einen Film ansieht und plötzlich taucht unerwarteter Weise ein Schauspieler, Sänger oder sogar Regisseur in einer Nebenrolle auf. Solche Auftritte werden als Cameos bezeichnet. Ob Steven Spielberg als Bankangestellter in The Blues Brothers, Tim Burton als Regisseur von Dating-Agentur-Videos in Singles oder John Landis als Theateragent in The Muppets take Manhattan – all diese Überraschungsauftritte sorgen bei aufmerksamen Zuschauern für Aufmerksamkeit (Salisbury 1999). Die Motivation eines Regisseurs, kurzzeitig in den Beruf des Schauspielers zu steigen, kann ein Freundschaftsdienst, ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber einem Mentor oder Ähnliches sein (Salisbury 1999). Doch warum spielt ein Regisseur eine solche Nebenrolle in seinem eigenen Film? Warum läuft Hitchcock beispielsweise in fast jedem seiner Filme irgendwo durchs Bild, oder warum spielt Tarantino so gerne eine kleine Rolle in seinen eigenen Werken? Letztlich handelt es sich dabei um eine prägnante Signatur des eigenen Werks durch den Regisseur, vorausgesetzt dem Rezipienten ist dieser bekannt. Im Moment der Identifikation des Filmautors bringt der Cameo einen weiteren Effekt mit sich, nämlich „die momentane Aufhebung der narrativen Illusion“ (Nitsche 2002, 104). Die Tatsache, dass der Regisseur identifiziert werden kann und dementsprechend bekannt sein muss, lässt gelungene Cameos zu den exklusiven Komplizen von Star Personas werden, da es eines solchen bedarf, um eine Anti-Illusion der Fiktion und daraus resultierend die Selbstreflexion des Regisseurs und des filmischen Artefaktcharakters hervorzurufen (ebd.). Cameo-Auftritte sind demnach ein metafilmisches Element deiktischer Qualität zur auktorialen Markierung, was der Rezeptionshaltung vom Tod des Autors deutlich entgegengestellt werden muss.
1 Einleitung – Autorschaft im Film: Einführung in den Diskurs um Autorschaft im Kino und Zielsetzung der Untersuchung.
2 Star Personas – Die Handschrift des Autors im Film: Theoretische Grundlegung und Definition der Konzepte Filmautor und Star Persona.
3 Untersuchung filmischer Werkzeuge zur Markierung des Filmautors und seiner Handschrift: Empirische Anwendung der Theorien auf drei verschiedene Regisseure und ihre Werke.
3.1 Hitchcock – Vertigo: Analyse von Hitchcocks autorialer Handschrift am Beispiel des Thrillers Vertigo und der Funktion des Cameos.
3.2 Tarantino – Pulp Fiction: Untersuchung von Tarantinos Stil durch Zitate, Popkultur-Referenzen und sein Image als Independent-Star.
3.3 Vinterberg – Festen: Auseinandersetzung mit Vinterberg und dem Dogma 95-Manifest hinsichtlich der Frage, ob ein autorloses Kino möglich ist.
4 Fazit – Manifestation des Filmautors als theoretisches Konstrukt durch Performancestrategien von Star Personas: Zusammenfassende Auswertung, die bestätigt, dass der Filmautor trotz theoretischer Gegenpositionen ein essenzielles Marketing-Konstrukt bleibt.
Filmautor, Star Persona, Autorenkino, Regie, Handschrift, Hitchcock, Tarantino, Vinterberg, Dogma 95, Cameo, Intermedialität, Filmmarketing, Independent Cinema, Narration, Filmanalyse.
Die Arbeit untersucht die Positionierung und Sichtbarkeit von Regisseuren als "Autoren" eines filmischen Werks. Dabei wird analysiert, durch welche Strategien – wie etwa Marketing oder filmische Inszenierungen – der Regisseur trotz der kollektiven Natur der Filmproduktion als Urheber wahrgenommen wird.
Thematisiert werden der historische Diskurs um den Filmautor, die mediale Konstruktion von Regisseuren als "Star Personas" sowie die Rolle von spezifischen filmischen Werkzeugen, die als "Handschrift" des Regisseurs fungieren.
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich Autorschaft im Film konstruiert und welche Strategien sowie filmischen Techniken den Filmautor als theoretisches Konstrukt im Werk sichtbar machen und ihm eine Signatur verleihen.
Es wird eine kulturwissenschaftliche Filmanalyse durchgeführt, die Theorien zur Autorschaft und Star-Bildung (u.a. von Roland Barthes, Umberto Eco, Christian Metz) auf konkrete Filmbeispiele anwendet, um die filmische Praxis der Inszenierung von Autorschaft zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe und eine mehrgliedrige Filmanalyse, in der drei paradigmatische Regisseure – Hitchcock, Tarantino und Vinterberg – und ihre jeweiligen Filme Vertigo, Pulp Fiction und Festen untersucht werden.
Zentrale Begriffe sind neben Filmautor und Star Persona vor allem die Handschrift, die Rolle des Cameos als paratextuelle Markierung sowie die Spannung zwischen filmischer Ästhetik und marketingorientierter Inszenierung.
Der Cameo dient als plakatives Beispiel für die "deiktische Qualität" einer auktorialen Markierung. Er fungiert als sichtbare Signatur des Regisseurs, die das Publikum bewusst auf die Produktionsseite hinweist und somit die Autortheorie, besonders im Kontext des Autorenkinos, unterstreicht.
Festen ist deshalb interessant, weil es als Dogma-95-Film eigentlich eine strenge "Regel der Autorlosigkeit" verfolgt. Die Arbeit zeigt jedoch auf, dass auch Vinterberg sich dieser Zuschreibung nicht entziehen kann, was das Argument stärkt, dass das Konzept des Autors als Konstrukt tief in der Filmrezeption verankert ist.
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