Bachelorarbeit, 2018
46 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Migration als „Normalfall“ der Geschichte
3. Migration im Geschichtsunterricht
3.1 Lehrpläne
3.2 Didaktische Legitimation
3.3 Entwicklung der Migrationsdarstellung in deutschen Lehrbüchern seit 1980
4. Vergleichende Analyse der Schulbücher Zeitreise 7/8 und 9/10 in Berlin-Brandenburg sowie Zeitreise 2 und 3 in Nordrhein-Westfalen
4.1 Methodische Vorgehensweise
4.2 Migration und MigrantInnen im Darstellungsteil
4.3 Migration und MigrantInnen im Arbeitsteil
4.4 Ergebnisse
5. Implikationen für den Unterricht
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Thema Migration in aktuellen Geschichtslehrbüchern der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen und Berlin-Brandenburg dargestellt wird, um Potenziale für einen multiperspektivischen Geschichtsunterricht aufzuzeigen.
1. Einleitung
In Deutschland hat aktuell etwa jeder dritte Schüler einen Migrationshintergrund, jeder zehnte hat keinen deutschen Pass, wobei der Anteil in den nicht-gymnasialen Bildungsgängen oft deutlich höher ist. Trotzdem sind die Geschichtslehrpläne in vielen Bundesländern, darunter auch Nordrhein-Westfalen, noch immer nationalgeschichtlich oder zumindest sehr europazentriert orientiert und Kulturkontakte, insbesondere Migrationen, werden selten thematisiert. Dadurch haben die behandelten Themen kaum einen Bezug zur Lebenswelt vieler Schüler und sie können sich demzufolge nicht gut mit der gelehrten Geschichte identifizieren und somit auch nicht lernen, sich reflektiert mit der „eigenen“ Geschichte auseinanderzusetzen. Der neue Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburg, der 2017 in Kraft getreten ist, bricht mit diesen veralteten Strukturen und räumt der interkulturellen Bildung generell, insbesondere aber in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern nun eine deutlich höhere Priorität ein.
Jochen Oltmer definiert in seiner Monographie „Migration: Geschichte und Zukunft der Gegenwart“ Migration als Wanderungsbewegungen von Menschen, „die weitreichende Konsequenzen für die Lebensverläufe der Wandernden haben und aus denen sozialer Wandel resultiert.“ Diese Definition bezieht sich auf alle Wanderungsphänomene, die einen entsprechend großen Einfluss auf die Betroffenen haben und schließt somit innerstaatliche, temporäre und zirkuläre Wanderungsbewegungen mit ein. Davon abgrenzen ist der Begriff der Ein- bzw. Auswanderung, eine bestimmte Art von Migration, eine grenzüberschreitende Bewegung mit dem Ziel der dauerhaften Verlagerung des Lebensmittelpunktes in das Zielland, bezeichnet.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Migration als Thema im Geschichtsunterricht ein und formuliert die Zielsetzung der vergleichenden Analyse von Lehrplänen und Schulbüchern.
2. Migration als „Normalfall“ der Geschichte: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über verschiedene Migrationsbewegungen, von der Frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert, und verdeutlicht Migration als prägendes Element der Geschichte.
3. Migration im Geschichtsunterricht: Hier werden die Lehrpläne beider Bundesländer verglichen, die fachdidaktische Notwendigkeit der Thematisierung von Migration begründet und die Entwicklung der Darstellung in Schulbüchern seit den 1980er Jahren skizziert.
4. Vergleichende Analyse der Schulbücher Zeitreise 7/8 und 9/10 in Berlin-Brandenburg sowie Zeitreise 2 und 3 in Nordrhein-Westfalen: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil, in dem methodisch reflektiert die Darstellungs- und Arbeitsteile der ausgewählten Schulbücher untersucht und deren Ergebnisse präsentiert werden.
5. Implikationen für den Unterricht: Es werden konkrete fachdidaktische Empfehlungen abgeleitet, wie Lehrkräfte das Thema Migration gewinnbringend und reflektiert in den Unterricht einbinden können.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Anforderungen an Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien.
Migration, Geschichtsunterricht, Lehrbuchanalyse, Sekundarstufe I, Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg, Interkulturelle Bildung, Geschichtsbewusstsein, Schulbuch, Migrationsgeschichte, Multiperspektivität, Fremdverstehen, Identität, Zeitreise, Flucht
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Migration in Geschichtslehrbüchern der Sekundarstufe I in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Berlin-Brandenburg.
Zentrale Themen sind die Verankerung von Migration in Lehrplänen, deren Umsetzung in Schulbüchern der „Zeitreise“-Reihe sowie fachdidaktische Ansätze zur Thematisierung von Migration im Unterricht.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Migration in den Lehrbüchern dargestellt wird und wie eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Thema zur Identitätsbildung und zum historischen Lernen beitragen kann.
Es wird eine vergleichende Schulbuchanalyse durchgeführt, basierend auf Kriterien von Schönemann und Thünemann, wobei zwischen Darstellungs- und Arbeitsteil unterschieden wird.
Der Hauptteil analysiert die Qualität der Migrationsdarstellung in den untersuchten Schulbüchern, prüft die Einbindung von MigrantInnen und evaluiert die Aufgabenstellungen im Hinblick auf deren Potential für multiperspektivisches Lernen.
Wichtige Begriffe sind Migration, Geschichtsunterricht, Interkulturelle Bildung, Lehrbuchanalyse, Multiperspektivität und Geschichtsbewusstsein.
Der Berliner Rahmenlehrplan räumt der interkulturellen Bildung und dem Thema Migration einen höheren Stellenwert ein als die Lehrpläne in Nordrhein-Westfalen, wo das Thema oft nur punktuell auftritt.
Die "Zeitreise"-Bücher dienen als Untersuchungsobjekt, da sie für die nicht-gymnasialen Bildungsgänge der Sekundarstufe I in beiden Bundesländern genutzt werden und somit einen direkten Vergleich ermöglichen.
Migration wird zunehmend weniger als isoliertes "Problem", sondern vermehrt in fachlich differenzierteren Kontexten dargestellt, wenngleich noch Verbesserungspotenzial bei der Vermeidung von Stereotypen besteht.
Die Autorin empfiehlt, Migration nicht nur als Krisenphänomen zu behandeln, sondern den Fokus stärker auf individuelle Schicksale zu legen, um Identifikationsangebote für Schüler mit und ohne Migrationshintergrund zu schaffen.
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