Bachelorarbeit, 2017
41 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung – Der Flamenco als kulturelle Ausdrucksform patriarchalischer Strukturen
2 Methodik
3 Flamenco – Darstellung von Weiblichkeit
3.1 Historisch-Kultureller Hintergrund und Aufführungspraxis
3.2 Inszenierungsstrategien von Gender
3.2.1 ‚Männlicher‘ öffentlicher Raum
3.2.2 ‚Weiblicher‘ privater Raum
4 Carmen – Filmische Umsetzung der Darstellung von Weiblichkeit
4.1 Mann als Choreograph und Schöpfer der Tänzerin
4.2 Choreograph als Eroberer der Frau
4.3 Verkehrung der beherrschenden Position
5 Fazit –Emanzipation aus den patriarchalischen Strukturen des öffentlichen Flamencos durch filmische Inszenierungsstrategien von Weiblichkeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschlechterrollen im spanischen Flamenco und deren filmische Inszenierung in Carlos Sauras Werk „Carmen“ (1983). Ziel der Untersuchung ist es, zu analysieren, ob der im Flamenco manifestierte Patriarchalismus in der filmischen Adaption beibehalten, verändert oder dekonstruiert wird, um die emanzipierende Fähigkeit des Mediums Film gegenüber stereotypisierten Rollenbildern aufzuzeigen.
4.1 Mann als Choreograph und Schöpfer der Tänzerin
Dass die Geschichte in Carmen aus männlicher Perspektive erzählt wird, ist bereits in der ersten Szene des Films ersichtlich, in welcher Antonio einer Gruppe von Tänzerinnen Flamenco-Unterricht gibt, sie mustert, während sie in der Gruppe tanzen, und er daraufhin jeweils eine Tänzerin nach vorne bittet, um sie einzeln eine Schrittabfolge ausführen zu lassen (00:02:34-00:03:21). Es geht dem „ ‚Choreographen Mann‘ [zunächst einzig darum], das geeignete Objekt auszuwählen“ (Mathis 1986, 3). Ihren Ausdruck findet diese Sichtweise in der Perspektive der Kamera, die Antonios Blickwinkel beziehungsweise die männliche Perspektive allgemein widerspiegelt. Zuschauerblick und Blick des männlichen Protagonisten fallen zusammen und nehmen die Frau als Objekt beziehungsweise Bild wahr, womit explizit Laura Mulveys Theorie aufgegriffen wird, welche besagt: „In einer Welt, die von sexueller Ungleichheit bestimmt ist, wird die Lust am Schauen in aktiv/männlich und passiv/weiblich geteilt“ (Mulvey 1975, 36). Zwar ist Antonios Blick an dieser Stelle ein professioneller, der nach bestimmten Eigenschaften, Fähigkeiten und Talenten der Tänzerinnen sucht, und kein reiner Beobachterblick, der lediglich nach Unterhaltung trachtet. Dennoch ist er als Mann der aktiv Schauende und die Frauen die passiv Angeschauten und auch sein anfänglich neutraler, sich auf professionelle Aspekte beziehende Blick wird im Verlauf des Films immer mehr zu einem Blick des Verlangens.
1 Einleitung – Der Flamenco als kulturelle Ausdrucksform patriarchalischer Strukturen: Einführung in die spanische Geschlechterrollen-Problematik und Definition des Untersuchungsrahmens mittels Flamenco und dem Film Carmen.
2 Methodik: Erläuterung der kulturwissenschaftlichen Vorgehensweise und Begründung der Literaturauswahl unter Berücksichtigung von Gender-Theorien.
3 Flamenco – Darstellung von Weiblichkeit: Analyse des Flamencos als kulturelles Phänomen mit Fokus auf historisch-soziokulturelle Kontexte und die Trennung von öffentlichem und privatem Raum.
3.1 Historisch-Kultureller Hintergrund und Aufführungspraxis: Beleuchtung der Ursprünge des Flamencos im kulturellen Leben der Sinti und Roma und dessen Adaption in Spanien.
3.2 Inszenierungsstrategien von Gender: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung im Spannungsfeld zwischen authentischem und touristischem Flamenco.
3.2.1 ‚Männlicher‘ öffentlicher Raum: Erörterung der Dominanz des Mannes in der professionellen Bühnenaufführung und der Objektifizierung der Tänzerin.
3.2.2 ‚Weiblicher‘ privater Raum: Beschreibung des privaten Flamenco-Umfelds als Ort der Vertrautheit und der Freiheit von Geschlechterstereotypen.
4 Carmen – Filmische Umsetzung der Darstellung von Weiblichkeit: Einführung in den Film Carmen und die Analyse der doppelten Handlungsebene als Spiegel der Geschlechterverhältnisse.
4.1 Mann als Choreograph und Schöpfer der Tänzerin: Analyse der männlichen Perspektive und der Machtausübung durch den Choreographen bei der Auswahl der Tänzerin.
4.2 Choreograph als Eroberer der Frau: Betrachtung der kurzen Machtphase des Choreographen und der emotionalen Verstrickung durch den Tanz.
4.3 Verkehrung der beherrschenden Position: Untersuchung der Emanzipation der Tänzerin und der Umkehrung des Machtgefälles innerhalb der privaten Tanzsituation.
5 Fazit –Emanzipation aus den patriarchalischen Strukturen des öffentlichen Flamencos durch filmische Inszenierungsstrategien von Weiblichkeit: Zusammenfassende Bewertung des Films als Instrument zur Dekonstruktion patriarchalischer Denkweisen.
Flamenco, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, Patriarchat, Carmen, Carlos Saura, Gender, Tanzfilm, Inszenierungsstrategien, Objektifizierung, Emanzipation, Machtverhältnisse, Performance, Identität, Körperbild.
Die Arbeit untersucht, wie Weiblichkeit im Flamenco konstruiert wird und wie diese Inszenierungen in dem Tanzfilm „Carmen“ von Carlos Saura aufgenommen oder kritisch hinterfragt werden.
Zentrale Themen sind die patriarchalen Strukturen der spanischen Gesellschaft, die Unterschiede zwischen öffentlichem und privatem Flamenco sowie die Dynamik zwischen männlichem Choreographen und weiblicher Tänzerin.
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob der im Flamenco verwurzelte Patriarchalismus durch die filmische Umsetzung aufgelöst oder zumindest abgeschwächt werden kann.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die filmische und narrative Mittel zur Dekonstruktion von Geschlechterzuschreibungen einsetzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Flamencos (öffentlicher vs. privater Raum) und eine detaillierte Filmanalyse von „Carmen“ unter Einbeziehung von Aspekten wie Machtausübung und Rollenumkehr.
Wichtige Begriffe sind Flamenco, Patriarchat, Gender, Objektifizierung, Emanzipation und der filmische Blick.
Da der öffentliche Flamenco oft kommerziell und von Machtstrukturen geprägt ist, während der private Flamenco (Zambras) als authentischer Ort der Gemeinschaft und Identität gilt, in dem sich die Frau emanzipieren kann.
Zunächst agiert Antonio als dominanter Choreograph und „Schöpfer“ der Tänzerin, doch durch die zunehmende Emanzipation von Carmen verliert er die Kontrolle und seine Machtposition kehrt sich ins Gegenteil um.
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