Bachelorarbeit, 2020
50 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Neo-Insitutionalismus
2.1 Institutionen
2.2 Strukturen von Organisationen
3. Interaktionen mit Organisationen
3.1 Asymmetrische Beziehungen
3.2 Die Rational-Choice-Theorie
4. Organisationsskandale
4.1 Der Volkswagen Dieselskandal – ein Überblick
4.2 Der Ford Pinto Skandal:
4.3 Vorstandshaftung
5. Inhaltsanalyse
5.1 Methodisches Vorgehen
5.2 Analyseteil 1 – Verurteilungen
5.3 Auswertung Analyseteil 1
5.4 Analyseteil 2 – Mediendarstellung
5.5. Auswertung Analyseteil 2
5.6 Ergebnisse
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Verantwortungszuschreibung bei organisationalen Straftaten am Beispiel des Volkswagen-Dieselskandals. Dabei wird analysiert, inwieweit individuelle Manager in den USA für die Fehlhandlungen des korporativen Akteurs zur Rechenschaft gezogen werden und welche Rolle dabei öffentliche Diskurse und juristische Begründungen spielen.
Die Rational-Choice-Theorie
Die Rational-Choice-Theorie erklärt gesellschaftliche Phänomene auf Basis von individuellen Handlungen, die wiederum auf rationalen und vernünftigen Entscheidungen basieren (vgl. Diefenbach 2009, S. 239). Zu den Grundannahmen gehört, dass Akteure stets ihren Nutzen maximieren wollen und die Mittel und die erwartbaren Folgen ihrer Handlungen kennen. (Bundeszentrale für politische Bildung o. J., o. A.). Demnach vergleichen Akteure verschiedene Handlungsoptionen und entscheiden sich für jene mit dem größten Nutzen und den aussichtsreichsten Folgen. Dem methodogischen Individualismus stehen Handlungstheorien gegenüber, die auf kollektive Prozesse eingehen, also Phänomene, die beispielsweise nicht durch individuelle Handlungen erklärt werden können, sondern aus sozialen Gesetzmäßigkeiten heraus entstehen. Coleman beschreibt, dass es trotz von der ebenfalls existierenden irrationalen Handlungen sinnvoll ist, eine formalisierte Theorie rationalen Handelns zu benutzen, da diese eine höhere Erklärungskraft und eine einfachere Anwendbarkeit mit sich bringt (vgl. Voss 2017, S. 214).
Soziale Bedürfnisse und von der Natur vorbestimmte Veranlagungen formen den Menschen, der zwischen zwei fluktuierenden Polen von Lust und Unlust Bedürfnisse befriedigen will, wobei ein absoluter Zustand umgeben von Glück nie erreicht werden kann und der Mensch folglich nach einer subjektiven Nutzenoptimierung strebt (vgl. Blank 2011, S. 242f). Handlungspräferenzen sind hier also eher egoistisch orientiert sowie von den sozialen Motiven Fairness, Altruismus und Neid geprägt (vgl. Voss 2017, S. 214). Die unterstellte Rationalität in diesem Modell trifft auf viel negative Kritik, wenn bedacht wird, dass den Menschen eine Fähigkeit zugeschrieben wird, die in vielen Situationen nicht so vorzufinden ist. Doch der Ansatz erklärt eine Handlungsentscheidung nur insoweit für rational, „als sie für den spezifischen Kontext und den spezifischen Zeitpunkt der Entscheidung konsistent ist“ (Blank 2011, S. 245). Genauer bedeutet dies, dass den Menschen keine vollkommene, sondern eine begrenzte Rationalität unterstellt wird. Innerhalb einer räumlich-zeitlich begrenzten Situation entscheidet das Individuum seinem größten subjektiven Nutzen entsprechend. Es gelten folglich keine objektiven allgemeingültigen Werte, sondern diese werden von dem Individuum für sich selbst festgelegt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der strafrechtlichen Verantwortlichkeit von Organisationen ein und stellt den Volkswagen-Dieselskandal als zentralen Forschungsgegenstand vor.
2. Der Neo-Insitutionalismus: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Organisationssoziologie, insbesondere wie Institutionen und formale Strukturen das Handeln von Organisationen beeinflussen.
3. Interaktionen mit Organisationen: Es wird untersucht, wie Individuen mit korporativen Akteuren interagieren, wobei Machtasymmetrien und individuelle Entscheidungsfindungen im Fokus stehen.
4. Organisationsskandale: Das Kapitel bietet einen Überblick über den Volkswagen-Dieselskandal und den Ford-Pinto-Skandal sowie eine Diskussion zur rechtlichen Vorstandshaftung.
5. Inhaltsanalyse: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen bei der Analyse von Gerichtsdokumenten und Medienberichten und präsentiert die Auswertungsergebnisse.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur Verantwortungszuschreibung bei korporativen Akteuren.
Volkswagen-Dieselskandal, Organisationssoziologie, Neo-Institutionalismus, Rational-Choice-Theorie, Vorstandshaftung, Inhaltsanalyse, US-amerikanisches Strafrecht, Unternehmensethik, Verantwortung, Schuldfrage, korporative Akteure, Compliance, Skandal, Soziale Systeme, Sanktionierung
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung von Verantwortungszuschreibungen bei Skandalen in großen Organisationen, insbesondere am Beispiel des Volkswagen-Dieselskandals.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von Institutionen, asymmetrische Machtbeziehungen zwischen Individuen und Organisationen sowie die juristische und mediale Aufarbeitung von organisationalem Fehlverhalten.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum in einem komplexen organisationalen System einzelne Manager für globale Fehlhandlungen verantwortlich gemacht werden.
Der Autor nutzt die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz, um Gerichtsdokumente (Anklageschriften, Einredevereinbarungen) und Online-Artikel renommierter US-Zeitungen systematisch auszuwerten.
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (Neo-Institutionalismus, Rational-Choice) erörtert, die Skandalfälle dargestellt und die Inhaltsanalyse der Verurteilungen von Volkswagen-Managern sowie deren mediale Rezeption durchgeführt.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Organisationsskandale, Vorstandshaftung, Schuldfrage, korporative Akteure und das US-amerikanische Strafrecht.
Der Ford-Pinto-Fall dient als Vergleichsbeispiel, bei dem es ebenfalls um Kosten-Nutzen-Abwägungen bei Sicherheitsmängeln ging, jedoch damals keine individuelle strafrechtliche Verfolgung der verantwortlichen Manager stattfand.
Sie dient dazu, die individuellen Entscheidungsgründe der verurteilten Manager zu beleuchten, indem Handlungsalternativen und deren erwarteter subjektiver Nutzen betrachtet werden.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Volkswagen eine eher zurückhaltende Kommunikationsstrategie verfolgt und versucht, den Betrug als isoliertes Fehlverhalten einzelner Personen darzustellen, um die Legitimität des Unternehmens zu wahren.
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