Bachelorarbeit, 2018
62 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Herren und Sklaven
2.1. Jeder an seinem Platz: Die Sklaven des Dikaiopolis in den Acharnern
2.2. Es kommt Bewegung in die Sache: Die Ritter des Aristophanes
2.3. Der Prototyp des servus callidus in den Fröschen und im Plutos
3. Väter und Söhne
3.1. Die Wolken des Aristophanes
3.2. Die Wespen des Aristophanes
4. Männer und Frauen
4.1. Männer treten als Frauen auf: Die Thesmophoriazusen
4.2. Frauen treten als Männer auf: Die Ekklesiazusen
5. Götter und Menschen
5.1. Ein Ritt zum Olymp: Der Frieden des Aristophanes
5.2. Ein heiliger Krieg gegen die Götter: Die Vögel
5.3. Ein Gott, der ständig Mensch wird: Dionysos in den Fröschen
5.4. Alter Wein in neuen Schläuchen: Aristophanes’ Plutos
5.5. Aristophanes’ göttliche Komödien und das Paradoxon
6. Schlussbetrachtung
7. Literatur
7.1. Primärquellen
7.2. Sekundärliteratur
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion von Inversionen, Rollenumkehrungen und Codeverletzungen in den Komödien des Aristophanes. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob diese als subversiv einzustufenden Elemente der sozialen Ordnung eher eine affirmative Bestätigung bestehender gesellschaftlicher Strukturen fördern oder ob sie tatsächlich als Sicherheitsventil dienen, um sozialen Druck in der Polis abzulassen.
2.2. Es kommt Bewegung in die Sache: Die Ritter des Aristophanes
In den im Folgejahr 424 zu den Lenäen aufgeführten Rittern ändert sich dies fundamental. Hier sind die Bediensteten keineswegs „extensions of their master’s desires and will“, sondern verfolgen jeweils eine ganz eigene Agenda. Bereits in den Acharnern hatte Aristophanes angekündigt, er werde den Gerbereibesitzer und Lederfabrikanten Kleon zu Schuhleder für seine Ritter zerschneiden. In dem als große Allegorie angelegten Stück, das wie die Acharner den ersten Preis gewann, fungiert ein kurz zuvor gekaufter Sklave aus Paphlagonien als Oberaufseher (Kleon) des Hausherrn (Demos), der die übrige Dienerschaft – namentlich, wenngleich nicht namentlich erwähnt: die Strategen Demosthenes und Nikias – drangsaliert. Über das Verhalten des Obersklaven Paphlagon gegen ihren gemeinsamen Herrn berichtet einer der Haussklaven:
Der hatte unsres Alten Wesen bald durchschaut,
Der Leder-Paphlagon, er schmiegte sich dem Herrn,
Tat schön, hofierte, schmeichelte, verlockte ihn
Mit feinen Lederstückchen und sprach solcherart zu ihm:
„Mein Demos, ein Prozess nur, dann nimm erst ein Bad,
Nimm einen Happen, schlürf und nasch, nimm deinen Sold.
Auch stellt sich peu à peu heraus, dass der Paphlagonier seine Position dazu benützt, sich selbst fortlaufend zu bereichern, während er dem Herrn nur die Krumen hinwirft. In gewisser Weise ist das Verhältnis zwischen dem Herrn und seinem Sklaven also umgekehrt. Der erstere tanzt nach der Pfeife des letzteren. Diese Komödie führt uns die Komplexität der Herren-Sklaven-Beziehung deutlich vor Augen. Der Sklaventypus, den Paphlagon verkörpert, ist mindestens so realistisch wie der Sklaventypus, der uns in Aristophanes’ Acharnern begegnet ist.
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den Kontext der Alten Komödie und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Funktion von Inversionen in den Stücken des Aristophanes.
2. Herren und Sklaven: Anhand exemplarischer Komödien wird das Verhältnis zwischen Herren und Sklaven analysiert, das sich von normativen Rollen hin zum Typus des gewitzten Sklaven entwickelt.
3. Väter und Söhne: Dieses Kapitel behandelt den Generationenkonflikt, in dem die Umkehrung erzieherischer Verhältnisse genutzt wird, um soziale Spannung abzubauen.
4. Männer und Frauen: Es wird untersucht, wie Rollentausch und Travestie in den sogenannten „Frauen-Stücken“ als Mittel der kritischen Distanzierung und gesellschaftlichen Inversion eingesetzt werden.
5. Götter und Menschen: Die Analyse der Gott-Mensch-Beziehung konzentriert sich auf die Vermenschlichung göttlicher Figuren und die Funktion des Paradoxons zur Wahrung des religiösen Respekts.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die aristophanischen Inversionen primär der Stärkung der sozialen Ordnung dienen und weniger als echte subversive Revolten zu verstehen sind.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Aristophanes, Alte Komödie, Inversion, Rollenumkehr, Athen, Polis, Sklaverei, Generationenkonflikt, Geschlechterrollen, Travestie, Götter, Paradoxon, Demos, Gesellschaftsordnung, Literaturanalyse.
Die Arbeit untersucht das literarische Konzept der Inversion (Rollenumkehr) in den elf erhaltenen Komödien des antiken Dichters Aristophanes.
Die zentralen Felder sind die Machtverhältnisse zwischen Herren und Sklaven, die Konflikte zwischen Vätern und Söhnen, die Rollen von Männern und Frauen sowie die Darstellung der Interaktion zwischen göttlichen und menschlichen Akteuren.
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Inversionen subversiv wirken oder ob sie vielmehr dazu dienen, die bestehende soziale Ordnung durch ein „Sicherheitsventil“ zu bestätigen.
Die Arbeit verfolgt einen induktiven Ansatz, bei dem aus konkreten Textbefunden der untersuchten Stücke allgemeine Schlussfolgerungen abgeleitet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Blöcke, die jeweils spezifische Inversionsformen (Sklaven, Generationen, Geschlechter, Götter) anhand ausgewählter Komödien detailliert analysieren.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Aristophanes, Inversion, Alte Komödie, soziale Ordnung, Polis, Travestie und Paradoxon.
Das Paradoxon dient als literarisches Mittel, um das Geschehen auf der Bühne als phantastisch und fiktiv zu kennzeichnen, wodurch eine direkte Blasphemie gegenüber den echten Göttern vermieden wird.
Er entwickelt sich von einer stummen Hilfskraft in frühen Stücken zu einer dominanteren Identifikationsfigur, die zeitweise die Rollen mit ihrem Herrn tauschen kann und somit als Ventil für unterdrückte soziale Spannungen dient.
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