Masterarbeit, 2019
58 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Überblick über die Quartalsberichterstattung in Deutschland
2.1 Funktion der Quartalsberichterstattung
2.2 Rechtliche Verankerung und entscheidende Änderung im Jahr 2015
2.3 Der Unterschied zwischen Quartalsfinanzbericht und Quartalsmitteilung
2.3.1 Inhalt des Quartalsfinanzberichtes
2.3.2 Inhalt der Quartalsmitteilung
2.4 Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Quartalsberichterstattung in der Praxis
3 Literaturüberblick und Stand der Forschung
3.1 Markteffizienzhypothese nach Fama
3.2 Finanzanalysten und ihre Funktion am Kapitalmarkt
3.2.1 Buy-Side- versus Sell-Side-Analysten
3.3 Allgemeiner Überblick ausgewählter Studien zur Qualität von Analystenprognosen
3.3.1 Bekannte Prognoseverzerrungen
3.4 Zusammenfassung des Stands der Forschung und Leitfragen
4 Empirische Analyse
4.1 Erwartungen
4.2 Datensatz
4.3 Methodik
4.3.1 Berechnung der Prognosegenauigkeit
4.3.2 Berechnung der Prognoseverzerrung
4.4 Behandlung von Ausreißern und Bereinigung des Datensatzes
4.5 Allgemeine Analyse des regulierten Markts
4.6 Zeitliche Entwicklung der Prognosequalität
4.7 Analyse des Einflusses der Gesetzesänderungen 2015 auf die Prognosequalität
4.8 Untersuchung des Einflusses der Unternehmensgröße und Analystenanzahl auf die Prognosequalität
5 Zusammenfassung und Fazit
Die Masterarbeit untersucht die Qualität von Analystenprognosen für Unternehmen des deutschen Kapitalmarkts im Zeitraum von 2004 bis 2018. Ziel ist es, die bestehenden Erkenntnisse über optimistische Prognoseverzerrungen für den deutschen Markt zu validieren, den Einfluss der Gesetzesänderungen zur Quartalsberichterstattung aus dem Jahr 2015 zu evaluieren sowie den Zusammenhang zwischen Unternehmensmerkmalen wie Größe und Analystenabdeckung und der Prognosequalität zu analysieren.
3.3.1.1 Strategische Anreize-Bias
Analysten handeln rational und verfälschen ihre Prognose aufgrund bestimmter strategischer Anreize bewusst (Gell, Homburg & Schulze, 2010). Vor allem bei Sell-Side Analysten sind hier Anreize ausschlaggebend, die durch die Beziehung zum Management des zu bewertenden Unternehmens entstehen. Um das Management zu erfreuen und gute Beziehungen zu bewahren, werden Prognosen am Jahresanfang meist zu optimistisch dargestellt. Die Beziehungen zum Management sind den Analysten an dieser Stelle wichtiger als eine unverzerrte Prognose, denn sie gehen davon aus, dass dies für die zukünftige Beziehung zum Management von Vorteil ist. Vorteile sind hier explizit die bevorzugte Teilnahme an Telefonkonferenzen und der bevorzugten Zugang zu Informationen (Libby, Hunton, Tan & Seybert, 2008). Somit kann das Verhalten der Analysten durch Agency-Probleme erklärt werden, da das Management den Analysten Zugriff auf die notwendigen Unternehmensinformationen gibt, die sie für ihre Arbeit benötigen. Wenn ein Analyst das Management nicht mit einer günstigen Gewinnprognose zufriedenstellt, kann das Management den Zugriff des Analysten auf die Unternehmensinformationen kürzen (Bosquet, de Goeij & Smedts, 2011).
Da sich die Analysten der zu optimistischen Prognose bewusst sind, wird diese im Laufe der Zeit korrigiert, was somit zu einer zeitlich wechselnden Prognoseverzerrung von einer zu optimistischen bis hin zu einer eher zu pessimistischen Prognose führt (Libby, Hunton, Tan & Seybert, 2008).
Richardson, Teoh & Wysocki (2004) finden in ihrer Studie zur Rolle von Analystenprognosen im Zusammenhang mit Aktienemissionen und Insiderhandel Hinweise darauf, dass strategische Anreize die Prognosequalität verringert. Laut Richardson, Teoh & Wysocki (2004) verständigen sich Unternehmen und Analysten darauf, dass zuerst etwas zu optimistische Analystenprognosen veröffentlicht werden und die Analysten später ihre Schätzungen auf ein Niveau senken, das die Unternehmen bei der offiziellen Gewinnankündigung übertreffen können und somit am Kapitalmarkt gut dastehen. Dies hat zur Folge, dass anfängliche hohe Gewinnerwartungen der Analysten den Aktienpreis positiv beeinflussen. Darüber hinaus hat eine spätere zu pessimistische Prognose einen ähnlichen Effekt, im Falle, dass das Unternehmen diese Prognose bei der offiziellen Ergebnisbekanntgabe schlägt. Die beobachteten positiven Kursbewegungen der Aktie sind häufig mit der Emission neuer Aktien durch das Unternehmen oder der Ausübung von Optionsrechten bzw. Aktienverkäufen durch die Manager persönlich verbunden. Folglich ist das Muster einer vorerst zu optimistischen und später zu pessimistischen Prognose für die beteiligten Unternehmen und Manager vorteilhaft (Richardson, Teoh & Wysocki, 2004).
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Analystenprognosen für den Kapitalmarkt und skizziert die Problemstellung hinsichtlich möglicher Prognoseverzerrungen und Informationsbereitstellung.
2 Überblick über die Quartalsberichterstattung in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Quartalsberichterstattung in Deutschland und beleuchtet die Änderungen ab 2015 sowie die inhaltlichen Unterschiede zwischen Quartalsfinanzberichten und Quartalsmitteilungen.
3 Literaturüberblick und Stand der Forschung: Hier werden die Markteffizienzhypothese sowie der aktuelle Stand der Forschung zu Prognoseverzerrungen und die Rolle von Finanzanalysten fundiert dargelegt.
4 Empirische Analyse: Der Hauptteil der Arbeit analysiert den Datensatz, beschreibt die Methodik zur Ermittlung von Prognosegenauigkeit und -verzerrung und präsentiert die Ergebnisse zu den Auswirkungen der Gesetzesänderung sowie zum Einfluss von Unternehmensmerkmalen.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die optimistische Prognoseverzerrung und stellt fest, dass die Gesetzesänderungen von 2015 keinen signifikanten Einfluss auf die Prognosequalität hatten.
Analystenprognosen, Kapitalmarkt, Quartalsberichterstattung, Prognosequalität, Prognosegenauigkeit, Prognoseverzerrung, EBIT, Markteffizienz, Sell-Side-Analysten, Gesetzliche Änderungen, Unternehmensgröße, Analystenanzahl, Informationsintermediär, Optimismus, Konsensprognosen
Die Masterarbeit befasst sich mit der Untersuchung der Qualität von Analystenprognosen, speziell des EBITs, am deutschen Kapitalmarkt im Zeitraum von 2004 bis 2018.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Genauigkeit von Prognosen, das Phänomen der optimistischen Prognoseverzerrung und die Auswirkungen regulatorischer Änderungen (Lockerung der Quartalsberichterstattung) auf diese Prognosen.
Das Hauptziel besteht darin, empirisch zu prüfen, ob Analystenprognosen am deutschen Markt wie in anderen Ländern optimistisch verzerrt sind und wie sich die Gesetzesänderungen von 2015 auf diese Qualität auswirken.
Es wurde eine quantitative empirische Analyse durchgeführt, die Prognosen mit naiven Random-Walk-Modellen vergleicht und multivariate lineare Regressionsanalysen (OLS-Ansatz) zur Untersuchung von Einflussfaktoren nutzt.
Der Hauptteil umfasst die Datensatzbeschreibung, die methodische Berechnung der Prognosegenauigkeit und -verzerrung, die Bereinigung des Datensatzes von Ausreißern sowie die Analyse der Auswirkungen der Gesetzesänderungen 2015 und weiterer Unternehmensfaktoren.
Wichtige Begriffe sind Analystenprognosen, Prognoseverzerrung, Quartalsberichterstattung, Prognosegenauigkeit, EBIT und Markteffizienz.
Die Analyse zeigt, dass die Neuregelungen und der Wegfall bzw. die Verkürzung der Quartalsberichterstattung keinen statistisch signifikanten negativen Effekt auf die Qualität der Analystenprognosen hatten.
Die Regression ergibt, dass die Unternehmensgröße einen signifikanten positiven Effekt auf die Prognosegenauigkeit hat, während die Anzahl der Analysten kaum einen messbaren Einfluss auf die Qualität der Prognosen zeigt.
Die Untersuchung zeigt, dass die Prognoseungenauigkeit über den gesamten Zeitraum auf einem relativ konstanten, hohen Niveau verharrt und kein Trend einer signifikanten Verbesserung oder Verschlechterung erkennbar ist.
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