Masterarbeit, 2013
85 Seiten, Note: 1.3
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodik und Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Gesellschaft und Organisationen aus systemtheoretischer Sicht
2.1 Gesellschaft und Differenzierung
2.1.1 Kommunikation
2.1.2 Beobachtung erster und zweiter Ordnung
2.2 Weltgesellschaft und Atopie
2.2.1 Wissensgesellschaft
2.2.2 Wissen
2.2.3 Wissen/Nichtwissen
2.3 Organisationen
2.3.1 Organisation, Entscheidung, Entscheidungsprämissen.
2.3.2 Strukturelle Kopplung
2.3.3 Risiko, Gefahr und Sicherheit
3 Vertrauen
3.1 Systemvertrauen und Vertrauensintermediäre in der Griechenland-Krise
3.2 Misstrauen
3.3 Strukturfunktionale Latenz als Prämisse für kontrainduktive Entscheidungsprozesse
4 Innovation
4.1 Die Paradoxie der Innovation
4.2 Variation, Selektion und Restabilisierung sozialer Systeme
4.3 Innovationen als evolutionäre Errungenschaften
5 Die „Griechenland-Krise“
5.1 Griechenland-Programm, EFSF und der ESM-Stabilitätsmechanismus
5.2 Exkurs: Eine untypisch europäische politische Kultur
5.3 Systemische Vertrauenskrise als Genese politischer Innovationen und die Grenzen von Governance.
6 Fazit
Diese Arbeit untersucht auf Basis der Luhmannschen Systemtheorie, inwiefern Vertrauen und Misstrauen zur Entstehung politischer Innovationen in der Griechenland-Krise beigetragen haben und welche systemischen Folgeprobleme daraus resultierten.
2.1.2 Beobachtung erster und zweiter Ordnung
Eine der zentralsten Unterscheidungen in der soziologischen Systemtheorie ist die der Beobachtung erster und zweiter Ordnung. Mit letzterem wird darauf hingewiesen, dass ein Beobachter andere Beobachter daraufhin beobachten kann, wie sie beobachten und nicht was. Somit sind Beobachter 2. Ordnung in der Lage mehr zu sehen, als Beobachter 1. Ordnung selbst. Unter Beobachten wird meistens eine menschliche Aktivität verstanden, bei der jemand einen Sachverhalt beobachtet. Man beobachtet z.B. das Verhalten seiner Arbeitskollegen, wenn es denn von den bereits aufgebauten Erwartungen abweicht und somit eine Differenz erzeugt. Oder man beobachtet an einem warmen Sommertag bei einem kühlen Erfrischungsgetränk, die Menschenmassen in der Innenstadt vorbeischlendern. Damit ist allein der Mensch bzw. das menschliche Bewusstsein in der Lage zu beobachten. Bei einer Theorie jedoch, die neben Bewusstseinssystemen auch andere Systemarten unterscheidet, stellt sich die Frage warum auch nicht Funktionssysteme und Organisationen, also generell soziale Systeme beobachten können sollten. Somit handelt es sich um einen Beobachtungsbegriff auf Grundlage eines konstruktivistischen Verständnisses von Weltkonstruktion und mitunter Wissen und auch Nichtwissen. Jeder Beobachter (Funktionssysteme, Organisationen, Personen) kann nur mit eigenen Unterscheidungen beobachten und damit Erkenntnis und Wissen generieren. Im Fall der Bobachtung 2. Ordnung können Beobachter andere Beobachter beobachten und so eigene (Lebens-)welten erzeugen (Phänomenologie). So beobachten sich Politiker im Spiegel der öffentlichen Meinung gegenseitig und Akteure des Wirtschafts- und Finanzsystems beobachten sich gegenseitig über Märkte (Luhmann 1992a; White 1981, 543f.; Esposito 2010, 99ff.).
1 Einleitung: Einführung in die Krisenproblematik und Darlegung der systemtheoretischen Zielsetzung sowie methodischen Vorgehensweise.
2 Gesellschaft und Organisationen aus systemtheoretischer Sicht: Erörterung der funktionalen Differenzierung, Kommunikation und Beobachtung als Grundlagen der Systemtheorie sowie Analyse von Organisationen.
3 Vertrauen: Untersuchung der Rolle von Vertrauen und Misstrauen als Mechanismen zur Komplexitätsreduktion und deren Funktion im Kontext der Griechenland-Krise.
4 Innovation: Theoretische Herleitung von Innovation als evolutionäres Phänomen, abgegrenzt von technischen Neuerungen, unter Verwendung von Schumpeter und Ogburn.
5 Die „Griechenland-Krise“: Empirische Anwendung der Theorie auf das Griechenland-Programm und die Stabilitätsmechanismen, inklusive eines Exkurses zur politischen Kultur.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Krisenbewältigung und Ausblick auf die Notwendigkeit einer intelligenteren politischen Intervention.
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Griechenland-Krise, Vertrauen, Misstrauen, Soziale Innovation, Organisationen, EFSF, ESM-Stabilitätsmechanismus, Funktionale Differenzierung, Wissensgesellschaft, Klientelismus, Politik, Finanzsystem, Governance.
Die Arbeit analysiert die Griechenland-Krise aus der Perspektive der systemtheoretischen Soziologie von Niklas Luhmann, um zu verstehen, wie soziale Strukturen und Innovationen durch Vertrauens- und Misstrauensmechanismen entstehen.
Zentrale Themen sind die funktionale Differenzierung der Gesellschaft, die Rolle von Organisationen als Entscheidungssysteme, das Phänomen der sozialen Innovation sowie die spezifische Rolle der EU-Stabilitätsmechanismen in der Krise.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob der Euro-Rettungsschirm als soziale Innovation des politischen Systems gewertet werden kann und durch welche Mechanismen er generiert wurde.
Es wird eine inhaltsanalytische, systemtheoretische Herangehensweise gewählt, die auf der Theorie selbstreferentieller Systeme aufbaut und ökonomische oder rein technische Sichtweisen zugunsten soziologischer Beobachtungen zurückstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Systemtheorie, Vertrauen, Innovation) und eine empirische Fallanalyse (Griechenland-Krise, Troika-Maßnahmen, historische Exkurse zur politischen Kultur).
Systemtheorie, Vertrauen, Misstrauen, soziale Innovation, Griechenland-Krise, EFSF/ESM, funktionale Differenzierung und Wissensgesellschaft.
Es wird als historischer Ursprung des klientelistischen Systems in Griechenland identifiziert, welches bis heute die Umsetzung notwendiger Reformen erschwert.
Reformen werden als intendierte, oft routinierte politische Interventionen verstanden, während soziale Innovationen zufällige, evolutive Prozesse der Strukturveränderung darstellen, die auf Systemkrisen reagieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

