Bachelorarbeit, 2017
45 Seiten, Note: 2,3
1. Problemstellung
2. Grundlegung
2.1 Betriebsstättenkonzept
2.1.1 Betriebsstättenauffassung nach § 12 AO
2.1.2. Betriebsstättenauffassung nach OECD-MA
2.1.3. Divergenz zwischen nationaler und abkommensrechtlicher Auffassung
2.2 Digitale Wirtschaft
2.2.1. Digitalisierung durch Informations- und Kommunikationstechnologien
2.2.2. Neue Geschäftsmodelle und deren wesentlichen Merkmale
2.3. Strategien zur Steuervermeidung und Gewinnverlagerung
3. Besteuerung der digitalen Wirtschaft
3.1 Herausforderungen
3.2 Ansätze gegen aggressive Steuerplanung
3.2.1. Erweiterung (Aufweichung) der Betriebsstättendefinition
3.2.2. Physische, wesentliche und digitale Präsenz
3.2.3. Die Umsetzung des Maßnahmenpakets
3.2.4. Weitere Potenzialoptionen
3.2.5. Vertreterbetriebsstätten und ständiger Vertreter
3.2.6. Bedeutung immaterieller Wirtschaftsgüter
4. Kritische Würdigung
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, die die digitale Wirtschaft für das traditionelle Konzept der Betriebsstätte im internationalen Steuerrecht mit sich bringt, und untersucht Strategien von multinationalen Unternehmen zur Gewinnverlagerung sowie die Gegenmaßnahmen der OECD im Rahmen des BEPS-Projekts.
2.1.1 Betriebsstättenauffassung nach § 12 AO
Unter einer Betriebsstätte versteht sich im nationalen Recht gem. § 12 S. 1 AO eine feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient. Gem. § 49 Abs. 1 Nr. 2 EStG ist dies die Voraussetzung zur Erfüllung der beschränkten Steuerpflicht. Einige Tatbestandsmerkmale gilt es nach § 12 AO zu erfüllen, die im Folgenden untersucht werden. Eine gewisse Beziehung zur Erdoberfläche wird vorausgesetzt. Dabei stellt sich schon die Frage, ob eine fahrbare Verkaufsstätte bereits eine Betriebsstätte begründen kann. Hierfür muss sie an einem bestimmten Punkt der Erdoberfläche in einem bestimmten Rhythmus aufgestellt sein. So stuft der BFH z.B. einen Wochenmarktstand als eine Betriebsstätte ein, wenn eine regelmäßig wiederkehrende Wahrnehmung des Wochenmarkts an einer bestimmten Position nachgewiesen werden kann. Hierbei wird der Bezug zur Erdoberfläche und damit die Begründung einer Betriebsstätte bejaht. Des Weiteren ist die nötige Dauerhaftigkeit hinfällig, da die Regelmäßigkeit zur Stetigkeit führt. Entscheidend ist die zeitliche Dauerhaftigkeit oder ein bestimmter Tagesturnus. Aus diesem Grund wird einem Weihnachtsmarktstand, der etwa vier Wochen im Jahr tätig ist, keine Betriebsstätte unterstellt. Fraglich ist, ob die Betriebsstätte bereits an dem Ort der unternehmerischen Tätigkeit oder erst durch die feste Geschäftseinrichtung oder Anlage begründet wird und die damit verbundene Tätigkeit eine zusätzliche Tatbestandsvoraussetzung ist.
1. Problemstellung: Einleitung in die steuerrechtlichen Herausforderungen durch die Digitalisierung und Einführung der Relevanz des Betriebsstättenkonzepts im Kontext des BEPS-Projekts.
2. Grundlegung: Erläuterung der nationalen und abkommensrechtlichen Definitionen von Betriebsstätten sowie Analyse der digitalen Geschäftsmodelle und Steuervermeidungsstrategien.
3. Besteuerung der digitalen Wirtschaft: Untersuchung der Herausforderungen für die Besteuerung und Analyse der OECD-Ansätze zur Eindämmung aggressiver Steuerplanung durch Modifikation des Betriebsstättenbegriffs.
4. Kritische Würdigung: Zusammenfassende Bewertung der OECD-Maßnahmen und kritische Reflexion der Umsetzung sowie zukünftiger Herausforderungen.
Betriebsstätte, Digitale Wirtschaft, BEPS, Gewinnverlagerung, Steuervermeidung, OECD-Musterabkommen, Physische Präsenz, Immaterielle Wirtschaftsgüter, Verrechnungspreise, Quellenbesteuerung, Steuerwettbewerb, Vertreterbetriebsstätte.
Die Arbeit befasst sich mit den steuerrechtlichen Problemen, die durch die digitale Wirtschaft entstehen, insbesondere mit der Frage, wie Betriebsstätten definiert werden müssen, um Gewinnverlagerungen zu verhindern.
Die zentralen Themen sind das Betriebsstättenkonzept, neue digitale Geschäftsmodelle, Strategien zur Steuervermeidung durch internationale Konzerne und die Gegenmaßnahmen der OECD.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Digitalisierung die traditionelle Betriebsstättendefinition untergräbt und welche Möglichkeiten bestehen, eine faire Besteuerung trotz der zunehmenden Entmaterialisierung der Geschäftstätigkeit zu sichern.
Der Autor führt eine steuerrechtliche Analyse durch, bei der nationale Gesetze (AO) und das OECD-Musterabkommen gegenübergestellt und kritisch im Lichte aktueller BEPS-Berichte und Rechtsprechung bewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (nationales und abkommensrechtliches Betriebsstättenkonzept) und die Analyse der Besteuerung der digitalen Wirtschaft unter Berücksichtigung von Vertreterbetriebsstätten und immateriellen Werten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Betriebsstätte, BEPS-Projekt, Gewinnverlagerung, digitale Präsenz und Verrechnungspreise.
Sie ermöglichen es Konzernen, Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verschieben, da ihre Bewertung schwierig ist und ihre Nutzung keine physische Präsenz im herkömmlichen Sinne erfordert.
Die Diskussion um die Server-Betriebsstätte dreht sich darum, ob vollautomatisierte Hardware ohne physisches Personal die Voraussetzungen einer festen Geschäftseinrichtung erfüllen kann, was steuerrechtlich bisher umstritten bleibt.
Die Arbeit betont, dass aggressive Steuerplanung aufgrund der Gestaltungsfreiheit von Unternehmen legal ist, während Steuerhinterziehung illegal ist; die OECD versucht daher, durch neue Standards die legale Steuervermeidung einzudämmen.
Der Autor beurteilt den Weg der OECD grundsätzlich positiv, weist jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Umsetzung in den bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen der einzelnen Staaten eine große Hürde darstellt.
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