Bachelorarbeit, 2018
32 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Symbolisch aufgeladene Erwartungshaltungen als Initiatoren des Medienereignisses
3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit
5. Fazit
6. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht die publizistische Aufarbeitung der Eroberung Magdeburgs im Jahr 1631 und analysiert, wie dieses Ereignis durch symbolisch aufgeladene Deutungsmuster zum ersten modernen Medienereignis stilisiert wurde, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen politisch-militärischem Geschehen und medialer Darstellung im Fokus steht.
3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit
Beschäftigt man sich mit der publizistischen Darstellung der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 richtet sich der Blick zwangsläufig immer wieder auf dieselbe allegorische Deutung des Ereignisses, sei es in Flugschriften, auf Flugblättern oder in Zeitungsmeldungen: Die Eroberung der Stadt wird als Hochzeit dargestellt. Magdeburg repräsentiert die jungfräuliche Braut, der katholische Feldherr Tilly den Bräutigam. Es gab durchaus zahlreiche alternative Deutungen des Ereignisses, wie etwa das Bild von Magdeburg als feste Burg, eine Anspielung auf Luthers Kampflied, oder das Motiv vom Begräbnis der Stadt, das etwa in einer Flugschrift mit dem Titel „Bustum Virginis“ aufgegriffen wird.
Diese Deutungen blieben aber hinsichtlich ihres publizistischen Erfolges weit hinter der Deutung der Eroberung als Hochzeit zurück, sie wurden weit weniger rezipiert. Die Hochzeits-Allegorie setzte sich in der Berichterstattung durch und wurde immer wieder aufgegriffen oder in Form von Nachdrucken erweitert. Zahlreiche Flugblätter stellen das Motiv in ihrer Darstellung in den Mittelpunkt. Dem Motiv liegt die Sexualisierung der Eroberung einer Stadt zugrunde, was aus heutiger Sicht auf den ersten Blick merkwürdig anmuten mag. Tatsächlich aber lässt sich eine uralte Tradition dieses Motivs bis in die Antike zurückverfolgen. Ulinka Rublack führt in ihrem Aufsatz über die Bildfunktion des Weiblichen Beispiele für die Sexualisierung von eroberten Städten, Ländern oder Kontinenten an, wie etwa die Kriegszüge des altägyptischen Monarchen Sesostris, der in Städten, die sich ihm kampflos ergeben hatten, Säulen errichten ließ, in die er das Abbild weiblicher Genitalien einmeißeln ließ. Damit sollte offenbar die Feigheit und fehlende Wehrhaftigkeit der Stadtbewohner verspottet werden. „Das Endringen in die Stadt wird damit dem Eindringen in den weiblichen Körper analog gesetzt.“ Diese Erklärung ist als erster Hinweis festzuhalten, um die Eroberung Magdeburgs als sexualisiertes Hochzeitsmotiv verstehen zu können, greift jedoch zu kurz, um das Bild in seinem gesamten Bedeutungsspektrum zu erfassen.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Eroberung Magdeburgs 1631 als ein für die Zeitgenossen außergewöhnliches Medienereignis und definiert den Untersuchungsrahmen der vorliegenden Arbeit.
2. Symbolisch aufgeladene Erwartungshaltungen als Initiatoren des Medienereignisses: Das Kapitel analysiert, wie Magdeburg bereits im Vorfeld der Eroberung durch religiöse und symbolische Erwartungen als zentrale, unbezwingbare protestantische Bastion stilisiert wurde.
3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit: Hier wird die zentrale Hochzeitsallegorie untersucht, mit der beide Konfessionslager das Ereignis im Sinne ihrer eigenen Deutungshoheit instrumentalisierten.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die publizistische Wandlungsfähigkeit der Ereignisdeutung und unterstreicht die Rolle der Eroberung als exemplarisches, frühes Medienereignis mit politischer Breitenwirkung.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogene Primär- und Sekundärquellen der Untersuchung auf.
Magdeburg, Dreißigjähriger Krieg, Medienereignis, Publizistik, Flugblätter, Flugschriften, Hochzeitsallegorie, Tilly, Pappenheim, Konfessionelle Deutung, Deutungshoheit, Propaganda, Magdeburger Jungfrau, Breitenfeld, Kriegsberichterstattung.
Die Arbeit analysiert die publizistische Reaktion auf die Eroberung und Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 und untersucht, wie dieses historische Ereignis in Flugschriften und Zeitungen medial verarbeitet wurde.
Zentrale Themen sind die Rolle von Symbolik und Allegorien, der Kampf um die Deutungshoheit zwischen katholischen und protestantischen Lagern sowie die Wechselwirkungen zwischen militärischem Verlauf und publizistischer Darstellung.
Das Ziel ist es, die publizistische Aufarbeitung des Ereignisses zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit die Eroberung durch spezifische Deutungsmuster zum ersten großen Medienereignis der Moderne stilisiert wurde.
Die Arbeit nutzt eine sprach- und bildanalytische Methode, um die in den Primärquellen (Flugblättern, Flugschriften, Berichten) verwendeten Motive und deren politische Funktion zu dekonstruieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Rolle von Erwartungshaltungen im Vorfeld, der intensiven Untersuchung der Hochzeitsallegorie als zentrales Deutungsmuster sowie der publizistischen Konstruktion der Rolle des Feldherrn Tilly.
Wichtige Schlagworte sind die Magdeburger Jungfrau, die Hochzeitsallegorie, die Konfessionskonkurrenz, Propaganda im Dreißigjährigen Krieg und der Wandel der Berichterstattung durch militärische Ereignisse.
Während die katholische Seite die Eroberung als „Hochzeit“ und religiöse Reinigung durch die Unterwerfung unter Maria stilisierte, interpretierte die protestantische Seite das Ereignis durch den Lucretia-Vergleich als standhaftes Heldenopfer, bei dem zwar der Körper geschändet, die Seele jedoch rein blieb.
Tilly wurde von der protestantischen Publizistik gezielt vom gefürchteten Feldherrn zur Sündenbock-Witzfigur herabgestuft, insbesondere nach der militärischen Niederlage in der Schlacht von Breitenfeld, um die Schmach von Magdeburg als moralischen Sieg umzudeuten.
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