Masterarbeit, 2020
116 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Hinführung zum Forschungsthema durch das forschungsorientierte Praktikum
3. Soziale Beschleunigung
3.1 Bereiche der Beschleunigung
3.2 Entschleunigung
3.3 Soziale Beschleunigung im Zusammenhang mit Tieren
4. Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung
4.1 Historische Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Tier
4.2 Was sind tiergestützte Interventionen?
4.3 Erklärungsansätze zur Wirkung von Tieren auf den Menschen
4.3.1 Die Biophilie-Hypothese
4.3.2 Das Konzept der Du-Evidenz
4.3.3 Ableitungen aus der Bindungstheorie
4.4 Die Kommunikation und Interaktion in der Mensch-Tier-Beziehung
5. Stand der Forschung zur Heimtierhaltung
6. Methodik und Aufbau der Umfrage
7. Ergebnisse der Umfrage
7.1 Soziodemographische Daten
7.2 Berufliche und familiäre Vorstellungen
7.3 Erreichbarkeit durch das Internet
7.4 Alltag im Studentenleben
7.5 Lebensstil und Kontaktfreudigkeit
7.6 Haustiere
7.6.1 Besitz eines Haustieres in Kindheit/Jugend und aktuell
7.6.2 Gründe für Besitz eines Haustieres
7.6.3 Argumente gegen Besitz eines Haustieres
7.7 Tierhaltung und soziale Beschleunigung
7.7.1 Mittelwerte und Signifikanz „Erreichbarkeit durch das Internet“
7.7.2 Mittelwerte und Signifikanz „Alltag im Studentenleben“
7.7.3 Mittelwerte und Signifikanz „Lebensstil und Kontaktfreudigkeit“
7.7.4 Mittelwerte und Signifikanz nach Haustierbesitzergruppen aufgeteilt
7.7.5 Auswertung der Gründe gegen Tierbesitz bei (Nicht-)Tierbesitzer_innen
7.8 Das Stresslevel der Studierenden
8. Diskussion
8.1 Das Erleben sozialer Beschleunigung bei Studierenden
8.2 Der Heimtierbesitz bei Studierenden
8.3 Die möglichen Auswirkungen von (Nicht-)Tierbesitz im Zusammenhang mit sozialer Beschleunigung
8.4 Praktische Implikationen
8.5 Kritische Auseinandersetzung
8.5.1 Inhaltlich-kritische Auseinandersetzung
8.5.2 Methodisch-kritische Auseinandersetzung
9. Schluss
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sozialen Beschleunigung bei Studierenden und analysiert, inwieweit Erfahrungen mit Heimtieren – als potenzielle Form der Entschleunigung oder Stressreduktion – Einfluss auf den Umgang mit den Anforderungen des Studienalltags nehmen. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, festzustellen, ob Tierbesitz bei Studierenden mit einer veränderten Wahrnehmung von Zeitdruck und Stress korreliert.
4.1 Historische Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Tier
Bereits die primitiven Menschen, die prähistorischen Jäger, zeigten die Tendenz, wilde Tiere zu fangen und zu versorgen. Aus dieser Tendenz heraus entwickelte sich die Domestikation als natürliche Konsequenz in der Geschichte zwischen Mensch und Wildtier, dass zum Heimtier wurde (vgl. Galton 1895). Der Archäozoologe Bökönyi (1989) versteht unter der Domestikation eine Form der Symbiose, in der ein Partner (in diesem Fall der Mensch) den anderen (das Tier) von seiner natürlichen Umwelt isoliert, es zähmt und kontrollieren möchte, darüber hinaus züchtet und das Tier somit in eine neue Umgebung mit neuen, veränderten Fortpflanzungs-, Sozial- und Ernährungsverhältnissen umsiedelt. Im Gegensatz zu dieser besonderen, eher erzwungenen Symbiose, wie Bökönyi sie beschreibt, sieht Budiansky (1992) eine freiwillige, partnerschaftliche Symbiose in der Domestikation des Tieres.
Bestimmte Spezies der Tiere könnten eine Form der Überlebensstrategie im Anschluss an den Menschen bemerkt haben und daraufhin seine Nähe gesucht haben. Diese Nähe zum Menschen bringt Versorgung, Pflege und Schutz mit sich – in Zeiten von knappen oder mangelnden Ressourcen ist die Domestikation somit eine Art Anpassung gewesen. Während Bökönyi die Domestikation als „Verbrechen gegen die Natur“ versteht, sieht Budiansky eher einen natürlichen Verlauf in der Geschichte von Mensch und Tier, denn auch das Tier hat eine Rolle in der Beziehung inne.
Nicht jedes Tier kann gezähmt werden, da bestimmte Verhaltenscharakteristika (beispielsweise extreme Scheu oder Aggressivität) eine Domestikationsbarriere darstellen (vgl. Steinkamp 2016:11f.). Um ein Tier domestizieren zu können, hatten die menschlichen Vorfahren bereits einige Kriterien, die das Tier erfüllen sollte. Das Tier sollte zäh sein und mit wenig Aufmerksamkeit und Fürsorge überleben, außerdem sollte es von Geburt an eine Bereitschaft zur Zuneigung dem Menschen gegenüber zeigen. Des Weiteren sollte das Tier eher bequemlich als zu aktiv sein, für den Menschen einen Nutzen haben, sich gut vermehren und in leicht kontrollierbaren Herden leben.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das hohe Stresslevel von Studierenden und führt die theoretische Perspektive der sozialen Beschleunigung nach Hartmut Rosa ein, um den Forschungsgegenstand zu motivieren.
2. Hinführung zum Forschungsthema durch das forschungsorientierte Praktikum: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Fragestellung aus einem universitären Seminar und begründet das methodische Vorgehen mittels eines quantitativen Fragebogens.
3. Soziale Beschleunigung: Es werden die drei zentralen Bereiche der Beschleunigung nach Rosa – Technik, sozialer Wandel und Lebenstempo – detailliert dargelegt und in Bezug zu Phänomenen der Entschleunigung gesetzt.
4. Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung: Dieser theoretische Teil behandelt die Historie der Domestikation, die verschiedenen Konzepte tiergestützter Arbeit sowie psychologische Erklärungsmodelle wie die Biophilie-Hypothese und die Bindungstheorie.
5. Stand der Forschung zur Heimtierhaltung: Das Kapitel reflektiert existierende Studien zur Mensch-Tier-Interaktion und thematisiert das Forschungsdefizit hinsichtlich empirisch belastbarer Daten in diesem interdisziplinären Feld.
6. Methodik und Aufbau der Umfrage: Hier wird der deduktive Ansatz der Datenerhebung über eine Querschnittstudie mit Studierenden der JLU Gießen beschrieben und kritisch gewürdigt.
7. Ergebnisse der Umfrage: Das Kapitel präsentiert die deskriptiven Häufigkeiten und inferenzstatistischen Analysen der erhobenen Daten in den verschiedenen Themenbereichen.
8. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in den Kontext der Forschung von Hartmut Rosa und der Mensch-Tier-Beziehung eingeordnet sowie inhaltlich und methodisch kritisch reflektiert.
9. Schluss: Das Fazit fasst die zentralen Befunde zusammen, die ergeben haben, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen Tierbesitz und dem Umgang mit sozialer Beschleunigung nachgewiesen werden konnte, und gibt Ausblicke für weitere Forschungsansätze.
Soziale Beschleunigung, Hartmut Rosa, Mensch-Tier-Beziehung, Heimtierhaltung, Stress, Studierende, Entschleunigung, Bindungstheorie, Biophilie-Hypothese, Tiergestützte Intervention, Quantitative Forschung, Zeitdruck, Lebensqualität, Oxytocin, Stressscore.
Die Arbeit untersucht, ob der Besitz von Haustieren Studierenden dabei helfen kann, mit den Herausforderungen der "sozialen Beschleunigung" in der modernen Gesellschaft besser umzugehen.
Die zentralen Themen sind die Beschleunigungstheorien von Hartmut Rosa, die psychologischen Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung sowie die empirische Untersuchung von studentischem Stressverhalten.
Ziel ist es zu klären, ob Studierende, die Haustiere besitzen, ein niedrigeres Stresslevel aufweisen oder ihre Zeit anders wahrnehmen als Studierende ohne Haustiere.
Es wurde eine quantitative Querschnittstudie in Form einer Online-Befragung (bzw. Erhebung in einer Vorlesung) mit 224 Studierenden der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über die Beschleunigung der Moderne und die Mensch-Tier-Beziehung sowie einen empirischen Teil, der die erhobenen Daten zur Erreichbarkeit, zum Studienalltag und zum Tierbesitz auswertet.
Die Untersuchung lässt sich vor allem durch die Begriffe Soziale Beschleunigung, Heimtierhaltung, Stressreduktion und Studentisches Wohlbefinden beschreiben.
Die Daten dieser spezifischen Umfrage konnten keinen signifikanten positiven Effekt des Tierbesitzes auf die Bewältigung sozialer Beschleunigung oder eine deutliche Stressreduktion im Vergleich zu Nicht-Tierbesitzern nachweisen.
Die Autorin vermutet, dass die gewählten Variablen zu eng gefasst waren oder die Studierenden generell ein ähnliches Belastungsprofil aufweisen, unabhängig von ihrer Tierhaltung, was die Unterschiede in den Mittelwerten zu gering ausfallen ließ.
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