Magisterarbeit, 2002
126 Seiten, Note: 1,4
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE VORÜBERLEGUNGEN
2.1 DEFINITION VON DEMOKRATIE
2.2 KONSOLIDIERTE DEMOKRATIE UND KONSOLIDIERUNG
2.3 DEKONSOLIDIERUNG
2.4 DEMOKRATIE, AUTORITARISMUS UND HYBRIDE SYSTEME
3. DIE VENEZOLANISCHE DEMOKRATIE
3.1. VENEZUELA VON 1958 BIS IN DIE 1980ER JAHRE
3.1.1 Geschichtlicher Überblick
3.1.2 Charakteristika des venezolanischen Systems
3.2 VENEZUELA – EINE KONSOLIDIERTE DEMOKRATIE?
4. DIE DEKONSOLIDIERUNG DER VENEZOLANISCHEN DEMOKRATIE
4.1 DER DEKONSOLIDIERUNGSPROZESS
4.2 DIE VERHALTENS- UND EINSTELLUNGSDIMENSION
4.2.1 Die Elitenebene
4.2.2 Die intermediäre Ebene
4.2.3 Die Massenebene
4.3 DIE STRUKTURELLE DIMENSION DER DEKONSOLIDIERUNG
4.4 ZUSAMMENFASSUNG
5. VENEZUELA UNTER CHÁVEZ – DAS ENDE DER DEMOKRATIE?
5.1 DIE FÜNFTE REPUBLIK UND DER CHAVISMO IN DER LITERATUR
5.2 DIE BOLIVARIANISCHE VERFASSUNG
5.3 VENEZUELA – EIN HYBRIDES SYSTEM?
6. FAZIT
7. LITERATUR
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert den Prozess der Dekonsolidierung der venezolanischen Demokratie. Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie es zum Zusammenbruch der einst als "Musterdemokratie" geltenden Stabilität kommen konnte, warum das System nicht flexibel genug auf sozioökonomische Veränderungen reagierte und ob das heutige Venezuela unter Hugo Chávez noch als liberale Demokratie klassifiziert werden kann.
Die Elitenebene
Zur Elite gehören die Entscheider und Meinungsführer in der Politik, in der Regierung, der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Durch ihre Macht und ihren Einfluss spielen sie eine herausragende Rolle für die Stabilität und die Konsolidierung der Demokratie. Unter den Eliten muss ein Minimalkonsens hinsichtlich der fundamentalen demokratischen Spielregeln und dem Wert der demokratischen Institutionen herrschen. Wenn ein solcher Konsens nicht herrscht und die Elite eines Landes gespalten ist, dann kann ein System nicht auf Dauer stabil bleiben.
Die Elite muss an die Legitimität der Demokratie glauben und daran, dass die Demokratie die beste Regierungsform für das Land ist. Die Legitimität, die der Demokratie zugebilligt wird, darf nicht nur instrumental, sondern sie muss verinnerlicht sein. Ob dies der Fall ist, lässt sich durch die öffentliche Rhetorik, die Ideologie, die Schriften und durch die symbolische Gesten der Elite untersuchen. Es zeigt sich auch darin, ob informelle Praktiken vorherrschen oder nicht.
Auf der Verhaltensebene geht es darum, dass die Eliten ihr gegenseitiges Recht respektieren, friedlich um Macht zu konkurrieren, dass sie Gewalt vermeiden und dass sie die Normen des politischen Verhaltens respektieren. Sie müssen sich dazu verpflichtet fühlen, Macht nur durch Wahlen zu erlangen und die Macht auch wieder bedingungslos abzugeben, an andere Wettbewerber, die die gleiche Verpflichtung anerkennen. Die Mitglieder der Elite müssen die Verfassung akzeptieren und sich an die demokratischen Regeln und Gesetze halten. Dies bedeutet vor allem, dass sie nicht versuchen, die Gewaltenteilung zu umgehen. Sonst kommt es statt zu einer konsolidierten Demokratie zu dem, was O’Donnell „Delegative Demokratie“ nennt.
1. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Dekonsolidierung Venezuelas, Vorstellung der Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens.
2. THEORETISCHE VORÜBERLEGUNGEN: Erarbeitung der zentralen Begriffe Demokratie, Konsolidierung und Dekonsolidierung sowie Definition von hybriden Systemen.
3. DIE VENEZOLANISCHE DEMOKRATIE: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der venezolanischen Demokratie von 1958 bis in die 1980er Jahre und ihre Charakteristika.
4. DIE DEKONSOLIDIERUNG DER VENEZOLANISCHEN DEMOKRATIE: Analyse des Dekonsolidierungsprozesses unter Berücksichtigung der Verhaltens-, Einstellungs- und Strukturdimensionen.
5. VENEZUELA UNTER CHÁVEZ – DAS ENDE DER DEMOKRATIE?: Untersuchung des politischen Systems unter Chávez, der neuen Verfassung und der Einordnung als hybrides System.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Zukunftsperspektiven des Landes.
7. LITERATUR: Verzeichnis der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen, Zeitungsartikel und Dokumente.
Venezuela, Dekonsolidierung, Demokratie, Konsolidierung, Hugo Chávez, Hybride Systeme, Politische Instabilität, Punto Fijo, Legitimität, Politische Kultur, Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Parteiensystem, Eliten, Partizipation.
Die Arbeit untersucht den schleichenden Prozess der Dekonsolidierung der venezolanischen Demokratie, die zuvor als langjähriges Musterbeispiel für Stabilität in Lateinamerika galt.
Die Themenfelder umfassen die Definition demokratischer Konsolidierung, die historische Analyse des venezolanischen Parteiensystems, die Rolle der politischen Eliten, die wirtschaftlichen Einflüsse (Erdölrente) und die Auswirkungen der Präsidentschaft von Hugo Chávez.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie und warum sich ein demokratisches System de-konsolidieren kann und ob Venezuela heute noch als Demokratie oder bereits als hybrides, autoritäres System einzustufen ist.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Fallstudie (Case Study), die auf der Auswertung von Fachliteratur, Umfragedaten (z.B. Latinobarómetro), Zeitungsartikeln und Primärdokumenten (Verfassungen, Regierungsberichte) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung eines Dekonsolidierungsschemas, die historische Bestandsaufnahme der venezolanischen Demokratie und die detaillierte Analyse der Einstellungs- und Strukturveränderungen unter Hugo Chávez.
Die wichtigsten Begriffe sind Demokratie-Dekonsolidierung, Venezuela, Hugo Chávez, hybride Regime, Elitenverhalten, Legitimitätsverlust und prozeduraler Konsens.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das System unter Chávez eine noch stärkere Tendenz zur Machtkonzentration aufweist, die Rechtsstaatlichkeit durch informelle und plebiszitäre Praktiken aushöhlt und institutionelle Kontrollinstanzen systematisch schwächt.
Venezuela erfüllt nach der Definition von Friedbert W. Rüb Merkmale wie plebiszitäre Legitimation durch Wahlen bei gleichzeitig dominanter Exekutive, präsidentielle Dekretmacht statt parlamentarischer Gesetzgebung und eine nur noch schwach ausgeprägte horizontale Gewaltenteilung.
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