Bachelorarbeit, 2020
44 Seiten, Note: 1,7
1. Trügerischer Friede? Sicherheit und Bedrohung in Europa
1.1 Forschungsstand und Quellenlage
1.2 Fragestellung und Ziel der Arbeit
2. Theoretische Konzeption: Bildung und Transformation von Institutionen
2.1 Entstehung von Institutionen im rationalen Institutionalismus
2.2 Evolution als Überlebensstrategie oder institutionelle Trägheit?
3. Der transatlantische Schutzschirm der europäischen Genese (1945-1992)
4. Entwicklung interinstitutioneller Kooperation oder Kompetenzwettstreit?
4.1 NATO und EU: Phase der Gründungen und Neuausrichtung (1992 - 2002)
4.2 Die Konsolidierung des europäischen Konfliktmanagements (2003 - 2009)
5. Transnationales Krisenmanagement: ein Interessenspektrum
5.1 Deutschland
5.2 Frankreich
5.3 USA
5.4 Estland
6. Europäisches Krisenmanagement in der Praxis: Fallstudie EUFOR Althea
6.1 Politische Strukturen und Instrumente der Kooperation
6.2 Kooperation auf militärischer Ebene
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die Ambivalenz und Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO im Bereich des Krisenmanagements nach dem Ende des Kalten Krieges, wobei der Fokus auf den Ursachen, Gründen und Modalitäten dieses institutionellen Wandels liegt.
2.1 Entstehung von Institutionen im rationalen Institutionalismus
Der (Neo-)Realismus nimmt an, dass sich Staaten lediglich in Bündnissen zusammenschließen wenn die Bedrohungslage es nötig macht und die Staatenkonstellation es erlaubt (Walt, 1985: 4ff.). Diese Theorie aber ist weitgehend in den dichotomen und statischen Strukturen des Kalten Krieges verankert. Selbst unter den genannten Vorzeichen sind Allianzen im Realismus nur sehr eingeschränkt möglich: entweder bildet sich eine Allianz, weil sie von einem Hegemon forciert wird (bandwagoning) oder, um ein Equilibrium der Macht herzustellen (balancing) (Walt, 1987: 147 ff.). Der Institutionalismus dagegen beobachtet die Zunahme globaler Interdependenz und das korrelierende Wachstum internationaler und supranationaler Institutionen.
Im Gegensatz zu den Realisten sieht der Institutionalismus durchaus die Möglichkeit der Kooperation in der Anarchie als gegeben. Die Möglichkeit der Kooperation bedarf externer Faktoren, die rationale Staaten in eine Lage bringen, die nur durch die gemeinsame und strategische Distribution von Ressourcen zu lösen ist. Sicherheitsrisiken sind ein derartiger externer Faktor (Haftendorn, Keohane & Wallander, 1999: 12). Sicherheitsrisiken entstehen aus Sicht der Staaten dann, wenn Kontrahenten die Absicht signalisieren, ihnen zu schaden.
So bilden Staaten Bündnisse und Allianzen nicht nur zur Abwehr unmittelbarer Bedrohungen, sondern auch zum Schutz vor unbestimmten Gefahren. Beispielsweise, um die Koordination von Verteidigungspolitik, Stabilitätstransfers und Konfliktregulierung zu vereinfachen (Haftendorn, Keohane, & Wallander, 1999: 16-18). Während Allianzen zur Bedrohungsbekämpfung ihren Zweck dann erfüllt haben, wenn die Bedrohung identifiziert und neutralisiert wurde, müssen Institutionen, deren Aufgabe die Lösung multiperspektivischer Sicherheitsrisiken ist, weit mehr tun. Sie müssen Regeln, Verfahren und Normen entwickeln, die Misstrauen und Streit durch die Verfügbarkeit von Informationen und Schlichtungsmechanismen effektiv beilegen können (Keohane & Wallander, 1999: 26).
1. Trügerischer Friede? Sicherheit und Bedrohung in Europa: Einleitung in die Problematik der europäischen Sicherheit und der Ambivalenz zwischen NATO und EU.
2. Theoretische Konzeption: Bildung und Transformation von Institutionen: Darstellung der Grundlagen des rationalen Institutionalismus zur Erklärung institutionellen Wandels.
3. Der transatlantische Schutzschirm der europäischen Genese (1945-1992): Historischer Rückblick auf die Rolle der NATO während des Kalten Krieges und deren Einfluss auf die europäische Integration.
4. Entwicklung interinstitutioneller Kooperation oder Kompetenzwettstreit?: Analyse der Entwicklungsschritte der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit und institutionellen Transformation ab 1992.
5. Transnationales Krisenmanagement: ein Interessenspektrum: Analyse der nationalen Interessen und Positionen von Deutschland, Frankreich, USA und Estland.
6. Europäisches Krisenmanagement in der Praxis: Fallstudie EUFOR Althea: Untersuchung der praktischen Kooperationsstrukturen und -instrumente am Beispiel der Mission Althea.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der strukturellen Herausforderungen der EU-NATO-Beziehung.
Krisenmanagement, Europäische Union, NATO, Rationaler Institutionalismus, Sicherheitspolitik, Verteidigung, Kooperation, Berlin-Plus, EUFOR Althea, Interinstitutionelle Beziehungen, Institutioneller Wandel, GSVP, GASP, Transatlantik, Sicherheitsrisiken
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Komplexität der Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO im Bereich der internationalen Sicherheit und des Krisenmanagements nach dem Ende des Kalten Krieges.
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des rationalen Institutionalismus, die historische Genese der transatlantischen Sicherheitsarchitektur sowie die Analyse nationaler Interessen innerhalb dieser Organisationen.
Das Ziel ist es, die Ursachen und Modalitäten des Wandels in der Kooperation zwischen EU und NATO zu erklären, insbesondere die Ambivalenz zwischen eigenständigen europäischen Ambitionen und der fortwährenden Abhängigkeit von NATO-Strukturen.
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, der theoretische Analysen auf Basis des rationalen Institutionalismus mit einer Fallstudie (EUFOR Althea) verbindet.
Der Hauptteil beleuchtet die institutionelle Transformation, die unterschiedlichen Interessenlagen von Schlüsselstaaten (USA, Frankreich, Deutschland, Estland) und die praktische Anwendung der Kooperationsinstrumente in Krisengebieten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Krisenmanagement, interinstitutionelle Kooperation, rationaler Institutionalismus und Verteidigungspolitik charakterisieren.
Es bildet das grundlegende Regelwerk, das es der EU ermöglicht, auf die militärischen Mittel und Kommandostrukturen der NATO zuzugreifen, und markiert somit eine entscheidende Weichenstellung für europäische Einsätze.
Estland dient als Fallbeispiel für eine junge Demokratie an der geographischen Peripherie, deren Sicherheitsstrategie auf der Mitgliedschaft in beiden Organisationen basiert und die den Konflikt zwischen nationaler Souveränität und multilateraler Einbindung verdeutlicht.
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