Masterarbeit, 2008
70 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Theodizee von Leibniz
2.1. Die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft
2.2. Das Theorem von der besten aller möglichen Welten
2.2.1 Die bestmögliche Welt und die Theodizee
2.2.2 Die Privationstheorie
2.3. Freiheit und Notwendigkeit
2.3.1 Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit
2.3.2. Die Fiktion einer absoluten Indifferenz
2.3.3 Abwehr des Nezessitarismus Spinozas
2.3.4 Freiheit und malum morale
3. Kants Theodizeekritik
3.1 Kants Schrift „Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee“
3.2 Definition
3.3 Das Zweckwidrige
3.3.1 Die Heiligkeit Gottes
3.3.2 Die Güte Gottes
3.3.3 Die Gerechtigkeit Gottes
3.4 Ergebnis der Rechtfertigungsversuche
3.5 Kunstweisheit und moralische Weisheit
3.5.1 Kunstweisheit
3.5.2 Exkurs: Sittengesetz und Freiheit
3.5.3 Moralische Weisheit
3.6 Doktrinale und authentische Theodizee
3.6.1 Theodizee oder Anthropodizee?
3.6.2 Das Postulat vom Dasein Gottes nach der Kritik der praktischen Vernunft
3.6.3 Der moralische Gottesbeweis in der Kritik der Urteilskraft
3.6.4 Das Postulat von der Unsterblichkeit der Seele
3.6.5 Der epistemische Status der Postulate
3.6.5 Der Ursprung des Bösen
3.6.6 Der Sieg des Guten und das Reich Gottes auf Erden
3.6.7 Kants moralische Theodizee
3.6.8 Hiob als Vertreter einer authentischen Theodizee
3.6.9 Berechtigung von Kants Theodizee
4. Resümee: Wie zutreffend ist Kants Kritik an der Leibnizschen Theodizee?
Die vorliegende Arbeit untersucht die Triftigkeit der Theodizeekritik Immanuel Kants gegenüber der Konzeption von Gottfried Wilhelm Leibniz. Das primäre Ziel ist es, die philosophische Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Ursprung des Übels und der Rechtfertigung Gottes durch beide Denker zu analysieren und Kants Gegenentwurf einer „authentischen Theodizee“ als tragfähige Antwort herauszuarbeiten.
2.3.1 Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit
Nach Leibniz ist eine Handlung frei, wenn sie folgenden drei Bedingungen genügt: Spontaneität (Selbstbestimmung), Vernunftgemäßheit (Bestimmung des Willens durch das als gut Erkannte) und Kontingenz (Nicht-Notwendigkeit). Geht man davon aus, dass der Handelnde keinem äußeren Zwang ausgesetzt ist und zu vernünftigen Überlegungen fähig ist, dann sind die ersten zwei Kennzeichen gegeben. Doch wie verhält es sich mit der Kontingenz? Ist nicht durch die göttliche Wahl eines bestimmten Weltlaufs alles Geschehen, einschließlich aller Entscheidungen der Menschen, ein für alle Mal festgelegt? Eine Antwort ergibt sich aus der Analyse des folgenden Abschnittes in der Théodicée:
„[...] da der göttliche Beschluß einzig und allein im Entschlusse besteht, nach einem Vergleiche aller möglichen Welten die beste von ihnen auszuwählen und ihr mitsamt allem Inhalt Existenz zu geben durch jenes allmächtige Fiat, so liegt es auf der Hand, daß dieser Beschluß nichts an der Beschaffenheit der Dinge ändert und daß er sie in dem Zustande belässt, in dem sie sich schon als reine Möglichkeiten befanden [...]. Das Zufällige und Freie verbleibt demnach in seinem Zustande angesichts der göttlichen Beschlüsse wie auch angesichts der Vorsehung.“81 Aufgrund seiner Allwissenheit sah82 Gott, bevor er sich entschloss, aus der unendlichen Anzahl der möglichen Welten eine ins Dasein zu rufen, auch die freien Entscheidungen aller geistbegabten Wesen, die zu diesen Welten gehörten, z. B. die Sünde Adams, voraus. Nach dem Schöpfungsakt laufen nun alle Vorgänge, die in der möglichen Welt, die nun Wirklichkeit wurde, schon vorgesehen waren, mit physischer Notwendigkeit, d. h. nach den Kausalgesetzen, ab. Dabei bleibt jedoch alles „Zufällige und Freie“ bestehen. Falls sich also ein bestimmtes Individuum vor einer freien Entscheidung auch Möglichkeiten vorgestellt hat, die anderen Welten als der tatsächlich geschaffenen angehörten, so bleiben diese Vorstellungen im Bewusstsein83 dieses Individuums erhalten. Obwohl diese freie Entscheidung, die im Zustand des Möglichen frei getroffen wurde, sich in dieser Welt als vorausgesehen und vorherbestimmt (determiniert) ereignet, „weiß“ das Individuum, dass es sich um ein kontingentes Geschehen handelt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Theodizeefrage vom Judentum über Augustinus bis hin zu Leibniz ein und skizziert die Problematik der Vereinbarkeit göttlicher Güte mit dem Bösen.
2. Die Theodizee von Leibniz: Das Kapitel behandelt Leibniz’ Antwort auf Bayles Kritik, insbesondere das Theorem von der besten aller möglichen Welten und das Prinzip vom zureichenden Grund.
3. Kants Theodizeekritik: Dieser Teil analysiert Kants Schrift von 1791 und seine grundsätzliche Ablehnung doktrinaler Theodizeeversuche zugunsten einer praktischen Vernunftbegründung.
4. Resümee: Wie zutreffend ist Kants Kritik an der Leibnizschen Theodizee?: Das Resümee bewertet die verschiedenen Ebenen von Kants Kritik, insbesondere die Unterscheidung von Sein und Sollen sowie die Rolle der Freiheit in beiden Systemen.
5. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Theodizee, Leibniz, Kant, Böses, Freiheit, Wille, Vernunft, Vorsehung, Sollen, Gott, Moralität, Metaphysik, Notwendigkeit, Gerechtigkeit, Endzweck
Die Arbeit untersucht und vergleicht die Ansätze von Leibniz und Kant zur Theodizee, also zur Frage der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids und des Bösen in der Welt.
Zentral sind die Metaphysik des Optimismus, die Freiheit des menschlichen Willens gegenüber göttlicher Vorsehung sowie die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit im Hinblick auf moralische Fragen.
Das Ziel ist es, Kants scharfe Kritik an Leibniz’ metaphysischem Optimismus aufzuzeigen und Kants „authentische Theodizee“ als eine moralisch fundierte Alternative zu analysieren.
Die Arbeit nutzt eine interpretativ-analytische Methode, indem sie die entsprechenden Originalschriften der beiden Philosophen im Kontext ihrer jeweiligen philosophischen Systeme und ihrer Kritiker (z.B. Bayle) untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Leibnizschen Theodizee (mit Fokus auf Vernunft und Freiheit) und die detaillierte Analyse von Kants Theodizeekritik, inklusive der Bedeutung des „Zweckwidrigen“ und der praktischen Vernunft.
Schlüsselbegriffe sind die beste aller möglichen Welten, der kategorische Imperativ, das Postulat der praktischen Vernunft, moralische Weisheit und das malum morale.
Kant argumentiert, dass Gott kein Gegenstand endlicher Erkenntnis sein kann; die theoretische Vernunft überschreitet ihre Grenzen, wenn sie versucht, Gottes Weisheit durch spekulative Argumente zu beweisen.
Sie ist keine spekulative Rechtfertigung durch menschliche Vernunft, sondern ein Ausdruck des moralischen Glaubens, bei dem das Handeln des Menschen als „Stimme Gottes“ im Sinne des Sittengesetzes verstanden wird.
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