Examensarbeit, 2019
62 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Datenerhebung
1.2 Vorgehensweise
2 „Graffiti“ oder „Kritzelei“?
3 Thematische Zuordnung der Graffiti
3.1 Themenbereich: Politik
3.2 Themenbereich: Geschlechterbeziehungen
3.3 Themenbereich: Künstlerische Produktionen
3.4 Themenbereich: Diverses
4 Sprachstilistische Einordnung
4.1 Jugendsprache
4.1.1 Kraftausdrücke und Anglizismen
4.1.2 Graffiti in der „Vong“-Sprache
4.1.3 Reduzierte Grammatik
4.2 Geschriebene Graffiti in gesprochener Sprache
4.2.1 Dialogizität
4.2.2 Rückkoppelung – Ergänzungen, Kommentare und Korrekturen
4.2.3 Dialektale Graffiti
5 Rechtschreibung und Grammatik
5.1 Missachtung der Groß- und Kleinschreibungsregeln
5.2 Fehlerhafte Interpunktion
5.3 Imperativische Graffiti
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die sprachliche Gestaltung von Toiletten- und Hörsaalkritzeleien im universitären Kontext zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, welcher sprachliche Stil in diesen Gelegenheits-Texten vorherrscht und inwiefern dabei grammatische sowie rechtschreibliche Normen der Standardsprache beachtet oder bewusst missachtet werden.
1 Einleitung
Kritzeleien, Klosprüche, vermeintliche Gesuche für Liebesabenteuer und verschiedenartige Zeichnungen sind nicht selten auf öffentlichen Toiletten wie etwa in Bars, Diskotheken oder an Raststätten, an Mauern und Häuserwänden ebenso wie auf Schulbänken zu entdecken. Gleichermaßen ist dieses Phänomen auch Teil des universitären Lebens und zeigt sich beispielsweise auf den Tischen der Hörsäle und Seminarräume, an den Wänden der Treppenhäuser und an den Toilettentüren und -wänden auf Universitätsgeländen.
In der bisherigen Forschung bezüglich der Thematik der Kritzeleien bzw. Graffiti wurde sich überwiegend mit dem Auftreten dieses Phänomens im Bereich Schule, mit der Entstehungsgeschichte, den Gründen und der Motivation für das Kritzeln und möglichen geschlechterspezifischen Unterschieden bezüglich der Inhalte und Ausprägungen beschäftigt. Norbert Siegl beispielsweise lieferte mit seiner „Graffiti-Enzyklopädie“ (2001) ein umfangreiches Werk über die Entstehung, Entwicklung und Gestaltung von Graffiti in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Den Großteil seiner Arbeit nimmt dabei die von ihm vorgenommene Untersuchung bezüglich der verschiedenen Themen bzw. Kategorien von Graffiti ein. Der Beitrag „Laute Wände an stillen Orten – Klo-Graffiti als Kommunikationsmittel“ von Katrin Fischer (2009) dagegen bezieht sich lediglich auf die Graffiti auf den Damentoiletten der Universität Bonn. Ihr Untersuchungsschwerpunkt liegt auf dem kommunikativen Aspekt von Toiletten-Graffiti.
Die vorliegende Arbeit jedoch beschäftigt sich mit dem sprachwissenschaftlichen Aspekt dieser Art von Gelegenheitstexten, also mit der Frage, wie Toiletten- und Hörsaalkritzeleien im universitären Kontext sprachlich gestaltet sind, in welchem sprachlichen Stil sie verfasst sind und inwiefern die Regeln der deutschen Grammatik und Rechtschreibung be- oder missachtet werden.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der universitären Graffiti ein und erläutert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung.
2 „Graffiti“ oder „Kritzelei“?: Es wird eine begriffliche Klärung vorgenommen, wobei im Kontext der Arbeit zur Einheitlichkeit konsequent der Begriff „Graffiti“ verwendet wird.
3 Thematische Zuordnung der Graffiti: Dieses Kapitel kategorisiert das gesammelte Material in Anlehnung an Norbert Siegl in die Themenbereiche Politik, Geschlechterbeziehungen, künstlerische Produktionen und Diverses.
4 Sprachstilistische Einordnung: Die Arbeit analysiert hier die Verwendung von Jugendsprache, Einflüsse der gesprochenen Sprache und die Anwendung von Dialekten innerhalb der Graffiti.
5 Rechtschreibung und Grammatik: Hier liegt der Fokus auf der Analyse von Verstößen gegen die standardisierte Orthografie, Interpunktion und Grammatikregeln.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zur sprachlichen Gestaltung und dem kommunikativen Charakter der untersuchten Graffiti zusammen.
Graffiti, Kritzeleien, Jugendsprache, gesprochene Sprache, Alltagssprache, universitärer Kontext, Sprachanalyse, Orthografie, Grammatik, Dialogizität, Vong-Sprache, Kraftausdrücke, Interpunktion, Soziolinguistik, Textanalyse.
Die Arbeit untersucht die sprachliche Beschaffenheit von handschriftlichen Graffiti, die an verschiedenen Universitäten in Toiletten und Hörsälen vorgefunden wurden.
Die Arbeit identifiziert vier Hauptthemen: Politik, Geschlechterbeziehungen, künstlerische Darstellungen sowie einen diversen Bereich, der unter anderem Grüße, Witze und persönliche Mitteilungen umfasst.
Das Ziel ist es, den sprachlichen Stil der Gelegenheitstexte zu bestimmen und aufzuzeigen, inwieweit diese Merkmale der Jugendsprache oder gesprochenen Sprache aufweisen.
Es wird eine korpusbasierte Analyse von 84 ausgewählten Fotografien durchgeführt, die nach sprachwissenschaftlichen Kriterien (Grammatik, Stil, Orthografie) untersucht und klassifiziert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Kategorisierung der Graffiti sowie eine detaillierte sprachwissenschaftliche Untersuchung, die unter anderem Jugendsprache, Dialektmerkmale und grammatische Verstöße analysiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendsprache, „Vong“-Sprache, Dialogizität, orthografische Normverstöße sowie die Abgrenzung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Es zeigt sich, dass Graffiti oft nicht monologisch bleiben, sondern durch Kommentare, Korrekturen oder inhaltliche Ergänzungen durch andere Studierende zu einer interaktiven, dialogischen Form der Kommunikation werden.
Die Verfasser missachten häufig die standardisierten Regeln für Groß- und Kleinschreibung sowie Interpunktion, was teils auf Zeitmangel, Desinteresse oder das bewusste Ziel, einen informellen „jugendsprachlichen“ Stil zu pflegen, zurückzuführen ist.
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