Bachelorarbeit, 2016
57 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Interkulturelle Kompetenz
2.1 Der Kulturbegriff
2.2 Interkulturalität
2.3 Kompetenz und Kompetenzentwicklung
2.4 Abgrenzung der Begriffe interkulturelles Lernen und Interkulturelle Kompetenz
2.5 Ursprung der Interkulturellen Kompetenz
2.6 Definition des Begriffs Interkulturelle Kompetenz
2.6.1 Interkulturelle Kompetenz und institutionelle Hierarchie
2.6.2 Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation
2.6.3 Interkulturelle Kompetenz in der Grundschuldidaktik am Beispiel des Perspektivrahmens Sachunterricht
2.6.4 Kultursensibles Denken und Handeln
3. Die professionelle Kompetenz von Lehrkräften
3.1 Methodische Grundlagen des Forschungsprogramms COACTIV
3.2 Das COACTIV Kompetenzmodell mit Spezifikationen für das Professionswissen
3.3 Das Professionswissen
3.3.1 Beratungs- und Organisationswissen
3.3.2 Pädagogisches Wissen
3.3.3 Fachwissen
3.3.4 Fachdidaktisches Wissen
3.3.5 Lerntheoretische Überzeugungen und Werthaltungen
3.3.6 Motivation
3.3.7 Selbstregulation
3.4 Zwischenfazit
4. Interkulturelle Kompetenz und professionelles Handeln
4.1 Reflexion/Reflexivität
4.2 Der offene Dialog
4.3 Machtasymmetrie und Toleranz
4.4 Die persönliche Haftung der Fachkräfte im Umgang mit sozialer und kultureller Vielfalt nach Neval Gültekin
4.5 Das Spannungsverhältnis von Homogenität und Heterogenität
4.6 Kompetenzlosigkeitskompetenz nach Paul Mecheril
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, welche professionellen Kompetenzen Lehrkräfte benötigen, um in einer zunehmend heterogenen und von kultureller Vielfalt geprägten Schullandschaft effektiv zu interagieren, und hinterfragt dabei kritisch, ob das gängige Konzept der "Interkulturellen Kompetenz" ausreicht oder durch ein "kultursensibles Denken und Handeln" ergänzt werden sollte.
2.1 Der Kulturbegriff
Der Begriff Kultur lässt sich unterschiedlich verstehen. Eine in Deutschland weit verbreiteten Sichtweise (vgl. Hauck, 2006, S.7) "[...] stellt sie als so etwas wie einen geistigen Besitz dar, der den Gebildeten vom Ungebildeten unterscheidet" (ebd. S.7). Das heißt, Kultur ist darin so etwas wie Hochkultur, wie Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft (vgl. ebd. S.7). Kultur unterscheidet sich von Natur und beinhaltet, "[...] laut Pufendorf sämtliche menschliche Tätigkeiten [...], durch die Menschen ihr Leben als spezifisch menschliches im Unterschied zu einem bloß tierischem gestalten" (Stocklas, 2004, S.93). Marshall sagte: "Will man die Welt beschreiben, so reichen dafür die Begriffe Natur und Kultur" (1993, z.n. Hansen, 2011, S.17). In einer Weise verschwimmen aber die Begriffe Natur und Kultur auch miteinander, denn "einerseits ist der Mensch Naturwesen, welches der gleichen Kreatürlichkeit unterworfen ist wie das Tier; andererseits ist er Stifter und Träger der Kultur. Aus dieser Doppelrolle resultieren Interaktionen über die Grenzen der Bereiche hinweg" (Hansen, 2011, S.17). Kalpaka stellt fest, dass "'Kultur' fast als 'Natur' der Menschen gedacht wird, etwas was einem anhaftet und das Handeln determiniert" (Kalpaka, 2006, S.388).
Der ursprüngliche Kulturbegriff geht auf das lateinische Wort colere zurück. Es bedeutet hegen, pflegen, bewahren und schützen (vgl. Mühlenberg, 1983, S.15) und "bezeichnete zunächst die Tätigkeit, die der ganzen Gesellschaft Existenz und Reichtum sicherte: den Ackerbau" (ebd. S.15). Ein Stück Land wird durch Arbeit zum fruchtbaren Acker, durch den durch Hege und Pflege die Sicherung des Lebens in der Zukunft sichergestellt wird. Die Gleichstellung der cultura animi, also der Pflege des Geistes, mit der überlebensrelevanten Tätigkeit des Ackerbaus, besagt, dass auch das Geistige gehegt, gepflegt und geschützt werden muss, damit es wachsen und gedeihen kann (vgl. ebd. S.15). Der Begriff cultura animi wurde besonders von Cicero geprägt und dann unter anderem von Thomas Morus, von Pufendorf, von Lessing und Wieland in ähnlichem Sinne verwendet (vgl. ebd. S.15): "Als allgemeine Kultur des Verstandes, der Seele, des Geistes" (ebd. S.15). Im Zusammenhang mit der Interkulturellen Kompetenz geht es aber um einen anderen Kulturbegriff.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen der Heterogenität in der "Schule in der Migrationsgesellschaft" und leitet die Fragestellung ab, was Lehrkräfte für förderliche Interaktionen mit diversen Milieus benötigen.
2. Interkulturelle Kompetenz: Dieses Kapitel definiert Kultur und Interkulturalität, setzt sich kritisch mit traditionellen und modernen Kulturbegriffen auseinander und hinterfragt das Konzept der Interkulturellen Kompetenz.
3. Die professionelle Kompetenz von Lehrkräften: Hier werden das COACTIV-Forschungsprogramm und dessen Modell der Lehrerprofessionalität vorgestellt, um zu untersuchen, wie Lehrkräfte ihre professionelle Kompetenz erwerben.
4. Interkulturelle Kompetenz und professionelles Handeln: Dieses Kapitel verbindet die theoretischen Konzepte mit der Praxis, wobei Reflexion, Dialog und der Umgang mit Machtasymmetrien im Zentrum stehen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass professionelle Kompetenz allein nicht ausreicht und plädiert für die Integration eines reflektierten, "kultursensiblen Denkens und Handelns" in die Lehrerausbildung.
Interkulturelle Kompetenz, Lehrerprofessionalität, Heterogenität, Migrationsgesellschaft, Kultursensibles Denken und Handeln, COACTIV-Modell, Schulpädagogik, Reflexion, Machtasymmetrie, Diversität, Interkulturelles Lernen, Grundschule, Professionalität, Othering.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Interkulturellen Kompetenz für die berufliche Professionalität von Grundschullehrkräften und deren Umgang mit kultureller und sozialer Diversität im Schulalltag.
Zentrale Themen sind der Wandel des Kulturbegriffs, die Konzepte der Lehrerprofessionalität (insbesondere das COACTIV-Modell), die Rolle von Reflexion im Lehrerhandeln sowie die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Trainingsansätzen zur Interkulturellen Kompetenz.
Ziel ist es zu ergründen, was Lehrkräfte benötigen, um förderliche Interaktionen mit Kindern und Eltern aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus zu gestalten, und dabei das Konzept eines "kultursensiblen Denkens und Handelns" als fachdidaktische Erweiterung zu etablieren.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und bestehende erziehungswissenschaftliche Diskurse kritisch zusammenführt und diskutiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Darstellung von Kompetenzmodellen für Lehrkräfte, eine Analyse der Verknüpfung von Interkultureller Kompetenz mit dem Handeln im Schulalltag sowie eine Diskussion über institutionelle Rahmenbedingungen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Interkulturelle Kompetenz, Lehrerprofessionalität, Kultursensibilität, Diversität, Reflexion und Migrationsgesellschaft beschreiben.
Das Modell ist relevant, da es die professionelle Kompetenz von Lehrkräften strukturiert und aufzeigt, welche Wissensbereiche (Fachwissen, pädagogisches Wissen etc.) für den Unterrichtserfolg zentral sind, um diese anschließend mit dem Thema Interkulturalität abzugleichen.
Es handelt sich um einen bewussten professionellen Habitus, der die Ambivalenz zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen anerkennt und eine stetige reflexive Sensibilität für Macht- und Dominanzverhältnisse in der pädagogischen Interaktion fordert.
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