Bachelorarbeit, 2018
50 Seiten
1 Einleitung
1.2 Grundmethodologie des islamischen Rechts
2 Definition und Erklärung des Istiḥsān
2.1 Unterschiedliche Definitionen der Gelehrten von Istiḥsān
2.2 Hauptgedanke von Istiḥsān
2.3 Die Unterteilungen von Istiḥsān
2.3.1 Istiḥsān durch al-Qiyās al-Ḫafiyy
2.3.2 Istiḥsān durch Istiṯnā (Ausnahme)
2.3.2.1 Istiḥsān durch Naṣṣ (Koran und Sunna)
2.3.2.1.1 Warum Istiḥsān durch Naṣṣ, wenn Naṣṣ als Quelle davorsteht
2.3.2.2 Istiḥsān durch Iǧmaʿ (Konsens der Gelehrten)
2.3.2.3 Istiḥsān durch Ḍarūra (Berücksichtigung von Existenziellem)
2.3.2.4 Istiḥsān durch ʿUrf (Brauch oder Gewohnheitsrecht)
2.3.2.5 Istiḥsān durch Maṣlaḥa (Unerwähnter Nutzen)
2.4 Kapitelergebnis
3 Argumente und Lehrmeinungen zum Istiḥsān
3.1 Argumente der Befürworter
3.2 Ansichten der Befürworter
3.2.1 Karḫī
3.2.2 Ǧaṣṣāṣ
3.2.3 Weitere ḥanafītische Gelehrte
3.2.4 Befürworter außerhalb der ḥanafītischen Schule
3.2.5 Bewertung der Befürworter
3.3 Ansichten der Opposition
3.3.1 Imam aš-Šāfiʿī
3.3.2 Imam Ġazālī und Al-Āmidī
3.3.3 Ibn Ḥazm
3.4 Der eigentliche Grund für die Meinungsverschiedenheit
4 Gemeinsamkeiten des Istiḥsāns mit anderen Themen in der Rechtsmethodologie
4.1 Spezifizierung des ʿĀmm-Ausdruck (Taḫṣīṣ al-ʿĀmm) und Istiḥsān
4.2 Lizenz (Ruḫṣa) und Istiḥsān
4.3 Unterbindung der als zulässig vorgetäuschten Wege zu Verbotenem (Sadd al-Ẓarīʿa) und Istiḥsān
4.4 Analogieschluss (Qiyās) und Istiḥsān
4.5 Unerwähnter Nutzen (Maṣlaḥa al-Mursal) und Istiḥsān
4.6 Bewertung der Ähnlichkeiten mit Istiḥsān
5 Entstehung von Istiḥsān und seine Anwendung vom Propheten bis zu den früheren Gelehrten
5.1 Anwendungen des Istiḥsān durch den Propheten (ṣ)
5.2 Anwendungen des Istiḥsān durch die Gefährten (Ṣaḥāba)
5.3 Anwendungen des Istiḥsān durch Anhänger der Gefährten (Tābiʿīn)
5.4 Anwendungen von Istiḥsān in der ḥanafītischen Rechtsschule
5.5 Anwendungen von Istiḥsān in der mālikītischen Rechtsschule
6 Bewertungen des Istiḥsan und ihre Gegenwärtige Bedeutung
6.1 Anlass und Notwendigkeit für Istiḥsān
6.2 Nutzen von Istiḥsān
6.3 Gegenwärtige Bedeutung des Istiḥsān
6.3.1 Mögliches Beispiel für die Anwendung von Istiḥsān in der Gegenwart
6.3.1.1 Das Händeschütteln beider Geschlechter in einer Nichtmuslimischen Gesellschaft
7 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der juristischen Präferenz (Istiḥsān) innerhalb der Methodologie des islamischen Rechts (Usūl Al-Fiqḥ). Ziel ist es, die historische Entwicklung, die theoretischen Grundlagen und die praktische Relevanz dieser Methode aufzuzeigen, die es Rechtsgelehrten ermöglicht, im Einzelfall von einer starren Analogieregel (Qiyās) abzuweichen, um Gerechtigkeit und das Wohl der Menschen zu wahren. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie Istiḥsān zur Flexibilisierung der Rechtsauslegung beiträgt und wie es sich von anderen methodischen Ansätzen abgrenzt.
2.3.1 Istiḥsān durch al-Qiyās al-Ḫafiyy
Dies wird auch Istiḥsān al-Qiyās oder Al-Qiyās al- Ḫafiyy genannt. Bei dieser Methode gibt es zwei sich gegenüberstehende Qiyās-Möglichkeiten, die verwendet werden können. Dabei liegt erscheint die erste vordergründig rational passend (al-Qiyās al-Ǧaliyy), ist aber schwächer und unpassender in der Übertragung auf die jeweilige Angelegenheit als die zweite. Der zweite Qiyās dagegen liegt auf den ersten Blick ferner (al-Qiyās al-Ḫafiyy), erweist sich in der Übertragung aber als überlegen. Bei dieser Methode entscheidet sich der Muǧtahid nun aufgrund der Stärken in der Anwendung für den zweiten Qiyās. Die Ḥanafīten nennen die erste Möglichkeit Qiyās und die zweite Istiḥsān. Der Verstand leitet in diesem Fall die Auswahl nur so weit, wie es der zweite Qiyas erlaubt.
Einige Beispiele sollen den Sachverhalt verdeutlichen. Zu dem Thema Kot von Raubvögeln gibt es zwei unterschiedliche Qiyās-Möglichkeiten. Bei der ersten wird der Kot von Raubvögeln mit dem von wilden Tieren gleichgesetzt. Sowohl das Fleisch als auch die Ausscheidungen von wilden Tieren sind Naǧs (unrein) und Ḥarām (verboten). Daraus folgt: Da das Fleisch von Raubvögeln unrein und verboten ist, müssen auch ihre Ausscheidungen Ḥaram sein. Dies ist der offene, vordergründige Qiyās.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der juristischen Präferenz ein, definiert Istiḥsān als Methode zur Erhöhung der Flexibilität von Rechtsentscheidungen und umreißt die Zielsetzung und die Forschungsfragen der Arbeit.
2 Definition und Erklärung des Istiḥsān: Dieses Kapitel erläutert die sprachliche und fachterminologische Bedeutung von Istiḥsān, vergleicht Definitionen verschiedener Rechtsschulen und klassifiziert die unterschiedlichen Unterarten dieser Methode.
3 Argumente und Lehrmeinungen zum Istiḥsān: Hier werden die pro- und contra-Argumente zur Anwendung von Istiḥsān detailliert dargestellt, wobei sowohl die Ansichten der Befürworter als auch die fundierte Kritik der Opposition beleuchtet werden.
4 Gemeinsamkeiten des Istiḥsāns mit anderen Themen in der Rechtsmethodologie: Dieses Kapitel setzt Istiḥsān in Bezug zu anderen methodischen Instrumenten wie der Spezifizierung, der Lizenz, dem Analogieschluss und dem unerwähnten Nutzen, um deren theoretische Schnittstellen zu klären.
5 Entstehung von Istiḥsān und seine Anwendung vom Propheten bis zu den früheren Gelehrten: Das Kapitel bietet eine chronologische Übersicht über die praktische Anwendung des Istiḥsān-Konzepts durch den Propheten, die Gefährten und die frühen Gelehrten.
6 Bewertungen des Istiḥsan und ihre Gegenwärtige Bedeutung: Das Kapitel analysiert die Notwendigkeit und den Nutzen von Istiḥsān und diskutiert abschließend anhand eines praktischen Fallbeispiels dessen Bedeutung für die moderne Zeit.
7 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Funktion des Istiḥsān als notwendiges Instrument des Iǧtihād zur Sicherung der Dynamik des islamischen Rechts.
Istiḥsān, Islamisches Recht, Usūl Al-Fiqḥ, Rechtsfindung, Qiyās, Iǧtihād, Rechtsmethodologie, Ḥanafīten, Mālikīten, Normen, Rechtsbeurteilung, Religion, Scharia, Tradition, Flexibilität.
Die Arbeit behandelt das islamrechtliche Konzept des Istiḥsān (juristische Präferenz) als eine Methode, die es ermöglicht, im Einzelfall von einer gängigen Regel oder einem Analogieschluss abzuweichen, um flexiblere und gerechtere Rechtsentscheidungen zu treffen.
Die Untersuchung umfasst die theoretische Definition und Kategorisierung von Istiḥsān, die historische Entwicklung der Anwendungspraxis von der Zeit des Propheten bis zu den klassischen Rechtsschulen sowie die vergleichende Einordnung in die breitere Rechtsmethodologie (Usūl Al-Fiqḥ).
Das Ziel ist es, die Methode Istiḥsān theoretisch zu erläutern, ihre historische Statthaftigkeit zu erforschen, Kritikpunkte aufzuarbeiten und die Notwendigkeit sowie die zeitgenössische Bedeutung dieser Methode für die heutige islamische Rechtsauslegung zu demonstrieren.
Es handelt sich um eine theologiegeschichtliche und rechtsmethodische Analyse, die auf der systematischen Auswertung klassischer Werke und Quellen zur Rechtsmethodologie basiert und diese in Bezug zu historischen Fallbeispielen setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Pro- und Contra-Argumenten der verschiedenen Rechtsschulen, die Abgrenzung zu ähnlichen Methoden sowie die chronologische Darstellung der Anwendungspraxis durch Gelehrte und Gefährten.
Zu den zentralen Begriffen zählen Istiḥsān, Iǧtihād, Qiyās, Usūl Al-Fiqḥ, Rechtsschulen, Scharia-Konformität, juristische Methodik und Rechtsflexibilität.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Istiḥsān nicht als willkürliches Urteilen nach freiem Ermessen missverstanden werden darf. Vielmehr ist es eine innerhalb der Rechtsmethodologie begründete Korrektur, die bei Vorliegen triftiger Gründe (wie Notwendigkeit oder öffentlichem Interesse) sicherstellt, dass der eigentliche Zweck der Scharia nicht durch eine rein formale Anwendung untergraben wird.
Die historische Praxis dient als zentraler Beleg dafür, dass das Prinzip des Abweichens von einem strikten Qiyās zugunsten einer am Gemeinwohl orientierten Entscheidung bereits vor der expliziten theoretischen Systematisierung existierte und somit tief im islamischen Rechtstradition verankert ist.
Am Beispiel des Händeschüttelns zwischen den Geschlechtern in nicht-muslimischen Gesellschaften illustriert der Autor, wie Istiḥsān helfen kann, durch eine Güterabwägung zwischen theoretischen Verboten und praktischen Integrationsherausforderungen Lösungen zu finden, die den Islam als lebendige und alltagstaugliche Religion präsentieren.
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