Bachelorarbeit, 2019
97 Seiten, Note: 2,0
Theoretischer Teil
1. Einleitung
2. Die Sprachpolitik im Senegal
2.1 Sprachpolitik in der Kolonialzeit (1895-1960)
2.2 Postkoloniale Zeit (ab 1960)
3. Die heutige Sprachsituation
3.1. Vom Standardfranzösisch zum Français d'Afrique
3.2. Vom reinen Wolof zum Wolof Urbain
3.3 Weitere Sprachen
Praktischer Teil
4. Gebrauchsebenen
4.1.Sprachen im Alltag
4.2 Französisch als Sprache der Bildung
4.3.1 Das Radio
4.3.2 Literatur
4.3.3 Zeitung
4.3.4 Fernsehen und Kino
4.4 Weitere Ergebnisse
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status des Französischen in der senegalesischen Gesellschaft im Vergleich zu den lokalen Sprachen, insbesondere dem Wolof, und geht der Frage nach, wie sich dieses Verhältnis in Theorie und Praxis darstellt sowie welche Funktionen das Französische in verschiedenen Lebensbereichen einnimmt.
3.1. Vom Standardfranzösisch zum Français d'Afrique
Heute im Jahre 2019 gilt in allen französischen Kolonien südlich der Sahara Französisch weiterhin als alleinige Amtssprache oder bildet mit weiteren Sprachen zusammen die offizielle Sprache. Dennoch ist sie nie Muttersprache der Bevölkerung. Im öffentlichen Bereich ist sie die einzige offiziell tolerierte Sprache. Andere ethnische Sprachen werden weitgehend nicht gefördert und sind nicht ins Bildungssystem eingebunden. Nicht-frankophonen Teilen der Bevölkerung ist dadurch der Zugang zum Schulsystem nur erschwert möglich. Dies liegt auch daran, dass für sie der Schulbesuch Unterricht in einer Fremdsprache bedeutet. Untereinander stehen die Sprachen, je nach Situation, im Konflikt oder aber in einem diglossischen Verhältnis.
Selbst innerhalb der Familien werden oft verschiedene Sprachen gesprochen, da die verschiedenen Familienangehörigen verschiedenen Ethnien angehören. Während die lokalen Sprachen als Symbol der Unabhängigkeit gelten, steht das Französische heute wieder als Symbol des wirtschaftlichen Wachstums. Außerdem bringt es viele Vorteile mit sich. Zu letzteren zählen der Kontakt mit anderen frankophonen Ländern und die Anziehung westlicher Inverstoren, vor allem im Raum Dakar. Neben diesen Aspekten wird auch die Zusammenarbeit mit NGO´s vereinfacht und eine Kostenverminderung durch die fehlende Notwendigkeit in weiten Bereichen der Bürokratie teure Übersetzungen anfertigen zu lassen, erreicht. Dennoch versteht die Mehrheit der Bevölkerung nur eingeschränkt Französisch und nur eine Minderheit der Bevölkerung kann Französisch sprechen und schreiben. Geht man davon aus, dass frankophon zu sein bedeutet, die Alltagskommunikation in Französisch bewältigen zu können, kann man den Prozentsatz der frankophonen Bevölkerung grob auf 10% schätzen. Grundliegende Kenntnisse der französischen Sprache haben ca. 21% der Bevölkerung. Die frankophonen Sprecher im Senegal leben meistens im Ballungsraum Dakars oder einer anderen größeren Stadt, wie zum Beispiel die Universitätsstadt Saint-Louis im Norden des Landes.
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet das Interesse an frankophonen Sprachen südlich der Sahara und formuliert das Ziel, den aktuellen Status des Französischen im Senegal empirisch und theoretisch zu untersuchen.
2. Die Sprachpolitik im Senegal: Dieses Kapitel erläutert die exoglossische Sprachpolitik des Senegals von der Kolonialzeit bis zur postkolonialen Ära unter Präsident Senghor und die mangelnde Umsetzung der Förderung von Nationalsprachen.
3. Die heutige Sprachsituation: Es wird die Diglossie zwischen dem als Bildungssprache genutzten Französisch und der im Alltag dominanten Verkehrssprache Wolof (sowie deren städtischer Form Wolof Urbain) analysiert.
4. Gebrauchsebenen: Auf Basis einer empirischen Studie werden die tatsächlichen Nutzungsanteile von Sprachen in verschiedenen Alltagssituationen, Bildungseinrichtungen und Medien dargelegt.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Französisch zwar weiterhin Prestige genießt und offizielle Funktion hat, Wolof Urbain jedoch die primäre Sprache des alltäglichen Lebens und der Identitätsbildung bleibt.
Senegal, Französisch, Wolof, Wolof Urbain, Français d'Afrique, Sprachpolitik, Postkolonialismus, Sprachgebrauch, empirische Studie, Diglossie, Nationalsprachen, Bildungssystem, Frankophonie, Sprachvarietät, Kommunikationsmittel.
Die Arbeit analysiert den Status der französischen Sprache im Senegal und stellt diesen dem Sprachgebrauch des Wolof gegenüber, um die Diskrepanz zwischen offizieller Sprachpolitik und gelebter sprachlicher Realität zu verdeutlichen.
Die Arbeit beleuchtet die historische Sprachpolitik, die aktuelle Sprachsituation (einschließlich Pidgin-Formen wie Wolof Urbain) sowie den tatsächlichen Sprachgebrauch in Alltag, Schule, Universität und Medien.
Das Ziel ist es, darzustellen, welchen Status das Französische in der heutigen Gesellschaft des Senegals einnimmt, wie es mit dem Wolof konkurriert und inwieweit es seine zugedachten Funktionen in Verwaltung und Bildung in der Praxis erfüllt.
Der Autor führt eine quantitative, empirische Studie mittels eines standardisierten Fragebogens unter 25 senegalesischen Studenten an der Université Cheikh Anta Diop in Dakar durch, um den Sprachgebrauch in verschiedenen sozialen Situationen zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Sprachpolitik und Situation der Sprachen sowie einen praktischen Teil, in dem die Ergebnisse der Befragung zu den Gebrauchsebenen (Alltag, Bildung, Medien) ausgewertet werden.
Wichtige Begriffe sind Sprachpolitik, Senegal, Französisch, Wolof, Sprachgebrauch, empirische Studie und Diglossie.
Wolof Urbain ist eine moderne, städtisch geprägte Varietät, die stark durch Gallizismen (französische Lehnwörter) und Code-Switching gekennzeichnet ist, während reines Wolof eher in ländlichen Regionen gesprochen wird.
Französisch ist die alleinige Unterrichtssprache, was für viele Schüler, deren Muttersprache keine der Nationalsprachen ist, eine erhebliche Sprachbarriere darstellt und zu hohen Abbrecherquoten führt.
Französisch dient als neutrale Amtssprache, um präventiv gegen ethnische Konflikte zu wirken, die bei der Auswahl einer der vielen lokalen Nationalsprachen als alleinige Amtssprache entstehen könnten.
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