Masterarbeit, 2020
86 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Beispiele von ʿUmars (r) Erneuerungen
3 ʿUmars Urteile in religiösen Angelegenheiten
4 ʿUmars (r) Einfluss auf die Rechtsschulen
5 Eine Praxis der Auslegung, die bereits existierte, aber weitgehend ignoriert wird
6 Literaturverzeichnis
Die vorliegende Master-Arbeit untersucht kontextuelle Einflüsse auf das islamische Recht, wobei die Rechtsprechung und Erneuerungen des zweiten Kalifen ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb (ra) als zentrales Fallbeispiel dienen. Ziel ist es zu analysieren, wie ʿUmar (ra) religiöse Gebote an veränderte historische und soziale Bedingungen anpasste, ohne dabei den Kern der islamischen Offenbarungsquellen zu verlassen.
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit untersucht kontextuelle Einflüsse auf das islamische Recht am Beispiel des zweiten Kalifen ʿUmars (r). Das islamische Recht beruft sich auf die beiden Hauptquellen Koran und Sunna. Bis zum Tode des Propheten (ṣʿaws) konnten alle Rechtsangelegenheiten mit der Entscheidung des Propheten bereinigt werden. Doch ist zu bedenken, dass der Prophet (ṣʿaws) bei vielen Entscheidungen seine Gefährten um Rat bat. So fragte er Abū Bakr (r) und ʿUmar (r) nach der Schlacht von Badr um ihre Meinungen dazu, ob die Kriegsgefangenen bestraft oder für einen bestimmten Preis (Fidya) freigelassen werden sollen. Abū Bakr (r) vertrat die Ansicht, die Gefangenen frei zu lassen, da einige von ihnen möglicherweise gezwungenermaßen in den Krieg gezogen waren. ʿUmar (r) dagegen war für die Bestrafung. Der Prophet (ṣʿaws) entschied sich für die Seite von Abū Bakr (r) und ließ die Kriegsgefangenen für eine Fidya frei. Auf solche Weise unterrichtete er während seiner Lebenszeit seine Nachfolger in der Methode der Beratung (Šūrā).
Zudem wurden während der Lebenszeit des Propheten (ṣʿaws) nicht alle seiner Anordnungen eindeutig verstanden. Hierfür gibt Yusuf Al-Qarḍāwī das Beispiel der Gefährten an, denen vom Propheten (ṣʿaws) befohlen wurde das Nachmittagsgebet an einem bestimmten Ort zu verrichten. Als sie merkten, dass sie es bis zu diesem Ort nicht mehr rechtzeitig schaffen würden, waren sie mit sich im Widerspruch, ob sie das Gebet auf dem Weg oder verspätet an dem angegebenen Ort verrichten sollten. Während einige die Auffassung vertraten, dass der Prophet mit der Anweisung lediglich zur Eile aufrufen wollte und daher das Gebet auch an einem anderen Ort erfolgen kann, bestanden andere darauf, dass die unmittelbare Weisung des Propheten (ṣʿaws) den Vorrang vor der allgemeinen Regel hatte, dass das Nachmittagsgebet zu einer bestimmten Zeit zu leisten sei. Qarḍāwī verdeutlicht anhand dieses Beispiels, dass der Vorgang der Interpretation der Befolgung von Regeln immer inhärent ist.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung kontextueller Einflüsse auf das islamische Recht und führt in ʿUmars (ra) beratenden Führungsstil ein.
2 Beispiele von ʿUmars (r) Erneuerungen: Dieses Kapitel stellt ʿUmars (ra) Leben vor und dokumentiert verschiedene administrative und organisatorische Neuerungen, die er während seines Kalifats etablierte.
3 ʿUmars Urteile in religiösen Angelegenheiten: Hier werden spezifische religiöse Rechtsfragen analysiert, bei denen ʿUmar (ra) vom Wortlaut etablierter Praxen abwich, um dem Sinn und Zweck der Gebote gerecht zu werden.
4 ʿUmars (r) Einfluss auf die Rechtsschulen: Dieses Kapitel beleuchtet, wie ʿUmars (ra) Methoden der Rechtsfindung und seine pragmatischen Entscheidungen die späteren theoretischen Grundlagen des islamischen Rechts (ʿUṣūl al-Fiqḥ) beeinflussten.
5 Eine Praxis der Auslegung, die bereits existierte, aber weitgehend ignoriert wird: Das Fazit stellt fest, dass eine kontextualisierende Auslegung bereits bei ʿUmar (ra) praktiziert wurde und plädiert für die Erforschung der Beweggründe hinter rechtlichen Urteilen.
Islamisches Recht, ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb, Maṣlaḥa, Iǧtihād, Rechtsfindung, Koran, Sunna, Kontextualisierung, Kalifat, Scharia, Muʾallafat Qulūbuhum, Zakat, Rechtsmethodik, Reform, Hadith.
Die Arbeit untersucht, wie der zweite Kalif ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb (ra) islamische Rechtsurteile im Lichte veränderter zeitlicher und sozialer Umstände interpretierte und anpasste.
Die zentralen Felder sind die islamische Rechtsgeschichte, die Methodenlehre (ʿUṣūl al-Fiqḥ), das Verständnis von Maṣlaḥa (Nutzen) und die Rolle des Kontextes bei der Interpretation von Koran und Sunna.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass ʿUmar (ra) durch seinen Iǧtihād (eigenes Bemühen) Lösungen fand, die zwar äußerlich von früheren Handlungsweisen abwichen, aber dem geistigen Zweck der Offenbarung treu blieben.
Es wird eine historisch-theologische Analyse angewandt, die klassische und moderne Rechtsquellen (Tafsīr, Ḥadīṯ-Sammlungen, Rechtsgutachten) vergleichend gegenüberstellt.
Der Hauptteil analysiert fünf konkrete Rechtsbeispiele, darunter das Aussetzen der Zakat für Muʾallafat Qulūbuhum, die Verteilung von Kriegsbeute und die Unterlassung von Strafen bei Dürre.
Schlüsselbegriffe sind Iǧtihād, Maṣlaḥa (Nutzen), ʿIlla (Beweggrund), ʿUmars (ra) Reformpraxis und die Flexibilität islamischer Normen.
ʿUmar (ra) argumentierte, dass die Unterstützung dieser Gruppe, die zur Zeit des Propheten der Stärkung des Islams diente, nicht mehr notwendig sei, da der Islam inzwischen erstarkt sei und kein Bedarf mehr für eine solche "Bestechung" bestehe.
Der Autor argumentiert, dass wenn sich die Bedingungen, die ʿUmar (ra) zu seiner Zeit bewertete, in der Gegenwart erneut ändern (z.B. Schwächung der muslimischen Gemeinschaft), die ursprünglichen Regeln wieder Anwendung finden könnten, um den Zweck des Gesetzes zu schützen.
Der Autor diskutiert, dass Iǧmāʿ zwar wichtig ist, aber nicht bedeuten darf, dass Urteile, die auf einer zeitgebundenen Maṣlaḥa basieren, für alle Ewigkeit unveränderlich bleiben müssen, wenn sich die zugrunde liegende Realität wandelt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

