Examensarbeit, 2019
75 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Fragestellung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Das Erlebnis
2.1 Der Erlebnisbegriff – was ist eigentlich ein Erlebnis?
2.1.1 Erlebnisdimensionen
2.1.2 Erlebnismodus/Erlebnismodi
2.1.3 Erlebnisbereiche
2.1.4 Zeitstruktur von Erlebnissen
2.2 Literaturrezeption als Erlebnis?
2.3 Kritik am Erlebnisbegriff
3. Das Abenteuer
3.1 Begriffsabgrenzung: Abenteuer – Risiko – Wagnis
3.2 Charakteristika des (realen) Abenteuers
3.2.1 Das Abenteuer als Handlungsmodell
3.2.2 Das Abenteuer und seine pädagogische Inszenierung – ein Dilemma
3.2.3 Ergebnisoffene, abenteuerliche Aktivitäten im Kontext von Schule (und Schulsport)
3.3 Fiktive Abenteuer – Literatur als Schauplatz abenteuerlichen Unterwegsseins und Transportvehikel für die Bildungskategorie des Abenteuers
4. Von Übergängen und Helden in der Literatur
4.1 Betrachtungen zum Helden-Begriff
4.2 Übergangsobjekte (Winnicott)
4.2.1 Literatur als Übergangsobjekt
4.2.2 Helden als literarische Übergangsobjekte
5. J. R. R. Tolkien – Mittelerde und Der kleine Hobbit
5.1 Über Hobbits – kindliche Antihelden im Blickpunkt
5.2 Bilbos Reise zum Erebor – das Bildungsabenteuer eines Hobbits
5.2.1 Der Aufbruch
5.2.2 Das Unterwegssein
5.2.3 Die Wiederkehr
6. Diskussion
7. Fazit
Die Arbeit untersucht das bestehende Dilemma zwischen den starren, sicherheitsorientierten Strukturen der Schule und der für die jugendliche Ontogenese wertvollen Bildungskategorie des Abenteuers. Ziel ist es zu erörtern, ob fiktive Literatur – exemplarisch am Beispiel von J. R. R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" – als "Transportvehikel" fungieren kann, um abenteuerliche Erfahrungsmuster und Entwicklungspotenziale in den schulischen Kontext zu integrieren.
3.2.1 Das Abenteuer als Handlungsmodell
Die bereits angeklungene Disparität zwischen dem Abenteuer und der Alltagswelt kann durch das Strukturmodell des Abenteuers übersichtlich dargestellt werden: In das Abenteuer eingetreten wird durch den Aufbruch, indem die vertraute Welt verlassen wird. Im Unterwegssein wartet dann Fremdes und Unbekanntes, welches als widerständig zu erwarten ist und die bewährten Routinen des Alltags versagen lässt. Durch die Heimkehr wird der abenteuerliche Handlungs- und Erfahrungsraum schließlich wieder verlassen.
Das Handlungsmodell des Abenteuers ermöglicht demzufolge im Unterwegssein einen spielerischen Umgang mit der Kategorie des Fremden, wobei Widerständiges neugierig als Herausforderung wahrgenommen werden kann. Als konstitutives Merkmal, gar als Strukturkern des Abenteuers exponiert sich somit das Wechselspiel von Krise und Routine, welches ursprünglich von Oevermann beschrieben wurde. Dieser unterscheidet insgesamt drei Krisen voneinander:
Die traumatische Krise (1), welche von sogenannten brute facts ausgelöst wird. Demnach können materiale Widerstände, überwältigende Gefühle oder auch somatische Beeinträchtigungen für eine Krisensituation sorgen, auf welche unmittelbar reagiert werden muss. Da sich das Bildungssubjekt im Abenteuer aussetzt, kann sich nicht nicht entschieden werden – dies führt zur sogenannten Entscheidungskrise (2). Denn auch eine vermeintliche Nicht-Entscheidung hat unmittelbar Auswirkungen: Setzt sich ein Abenteurer beispielsweise den trügerischen Wetterumschwüngen einer Gebirgslandschaft aus, dann ist bei abrupt aufziehendem Gewitter eine Entscheidung zu fällen. Es gibt keine Entscheidungsvakanz, welche ohne Folgen bliebe, denn auch das Verharren in der Ausgesetztheit der aktuellen Situation – also eine vermeintliche Nicht-Entscheidung – hat unmittelbar spürbare Auswirkungen: Das Gewitter muss dann ausgehalten werden.
Die Krise durch Muße (3) schließlich ist eine selbsterzeugte Krise, welche eine von Handlungs- und Praxisdruck befreite Beschäftigung mit einer Sache – beispielsweise im Sinne ästhetischer Auseinandersetzung – um ihrer selbst willen meint.
1. Einleitung: Die Arbeit problematisiert die schulische Exklusion des Abenteuers als Bildungskategorie und stellt die Forschungsfrage nach einem möglichen Weg durch die Literatur.
2. Das Erlebnis: Es erfolgt eine theoretische Fundierung des Erlebnisbegriffs und eine kritische Auseinandersetzung mit der erlebnispädagogischen Praxis.
3. Das Abenteuer: Dieses Kapitel definiert das Abenteuer als Handlungsmodell und beleuchtet das Dilemma seiner pädagogischen Inszenierung im schulischen Kontext.
4. Von Übergängen und Helden in der Literatur: Der Held wird als literarisches Übergangsobjekt eingeführt, das Jugendliche in ihrer Entwicklung als Mentor unterstützen kann.
5. J. R. R. Tolkien – Mittelerde und Der kleine Hobbit: Anhand der Reise Bilbo Beutlins wird exemplarisch aufgezeigt, wie eine literarische Ontogenese als Bildungsabenteuer fungieren kann.
6. Diskussion: Hier wird der Transfer der theoretischen Überlegungen in ein schulisches Vermittlungsmodell (fächerübergreifender Unterricht) vollzogen.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert die Möglichkeiten der Literaturrezeption als Mittel zur Förderung abenteueraffiner Habitusformationen und benennt Desiderate für künftige Forschung.
Abenteuerpädagogik, Erlebnispädagogik, Schule, Literaturunterricht, Bilbo Beutlin, Der kleine Hobbit, Übergangsobjekte, Adoleszenz, Wagnis, Risiko, Bildung, Handlungsmodell, Mittelerde, Ontogenese, Mimesis.
Die Arbeit analysiert, wie die pädagogisch wertvolle Bildungskategorie des Abenteuers, die in aktuellen schulischen Arrangements kaum Platz findet, dennoch für Schüler zugänglich gemacht werden kann.
Die Arbeit verbindet Erlebnispädagogik, Literaturdidaktik und Entwicklungspsychologie, um das Spannungsfeld zwischen Schule, individuellem Wagnis und literarischer Fiktion zu untersuchen.
Die zentrale Frage ist, ob die Rezeption fiktiver Abenteuer als "Transportvehikel" für die Bildungskategorie des Abenteuers in der Schule dienen kann, um abenteueraffine Entwicklungsprozesse bei Jugendlichen anzustoßen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis einer Literaturanalyse (u.a. von Peter Becker, Donald Winnicott und J. R. R. Tolkien) ein strukturelles Modell für einen fächerübergreifenden Unterricht entwickelt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine phänomenologische Fundierung des Erlebnis- und Abenteuerbegriffs, die Anwendung des Konzepts der Übergangsobjekte auf literarische Helden sowie eine detaillierte Analyse der Ontogenese Bilbo Beutlins.
Die wichtigsten Schlagworte sind Abenteuerpädagogik, Bildung, Adoleszenz, Übergangsobjekt, Literaturdidaktik und die kritische Auseinandersetzung mit schulischen Strukturen.
Das Werk dient als exemplarisches "Fallbeispiel", an dem aufgezeigt wird, wie eine literarische Heldengeschichte als Spiegel für eigene Entwicklungsprozesse und als pädagogisches Werkzeug dienen kann.
Durch einen fächerübergreifenden Ansatz, bei dem Literatur als kognitive Vorbereitung und "Mimesis des Ernstfalls" genutzt wird, um Schüler für ein späteres, autonomes und echtes Abenteuer im Leben zu stärken.
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