Bachelorarbeit, 2018
56 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Das Gasthaus
2.1 Architektur
2.2 Einrichtung
2.3 Funktionen des Gasthauses
2.4 Kommunikationsraum
2.5 Rechtliche Bestimmungen der Institution
3. Das Gasthausleben
3.1 Personen
3.1.1 Der Wirt und die Wirtin
3.1.2 Die Bediensteten
3.1.3 Die Kundschaft
3.2 Das soziale Interagieren
3.2.1 Das gemeinsame Trinken
3.2.2 Sonstige Unterhaltungsformen
3.2.3 Die Geschlechterrollen
3.2.4 Das Gasthaus als Ort der Gewalt
3.3 Das Gasthaus in der öffentlichen Ordnung
4. Exkurs: Das Gasthaus in der Kunst
5. Schluss
Ziel dieser Arbeit ist es, die Klischees vom Gasthaus als reinem Ort der Unordnung und Gewalt in der Frühen Neuzeit kritisch zu hinterfragen und ein umfassendes Bild der damaligen Gasthauskultur zu zeichnen. Dabei werden die architektonischen, rechtlichen und sozialen Strukturen analysiert, um die vielfältigen Funktionen des Gasthauses in der Gesellschaft aufzuzeigen.
3.2.1 Das Gemeinsame Trinken
In vielen der gasthäuslichen Verhaltensweisen und Rituale spielt der Konsum von Alkohol eine wichtige Rolle. Alkohol wurde im Gasthaus immer und vorwiegend dort konsumiert. Ob dabei Wein oder Bier getrunken wurde, war ohne Bedeutung, entscheidend war, dass konsumiert wurde. Die Menschen tranken also in der Wirtsstube, und im besten Falle tranken sie zusammen. Das einsame Trinken war verpönt und wurde mit asozialem Verhalten assoziiert. Häufig war also die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Trinkenden, oft „Gelage“ genannt, welche sich neben dem gemeinsamen Trinken auch durch gemeinsames Zahlen auszeichnete. Innerhalb dieser Gruppe fanden viele freundschaftliche und verbrüdernde Trinkrituale statt.
Ein immer wiederkehrender Akt innerhalb des gemeinsamen Trinkens war das Zutrinken oder Zuprosten, welches sich in grundlegender Form bis heute erhalten hat. Häufig begleitet von einem Trinkspruch oder einem die zu betrinkende Sache bezeichnenden Ausrufes, wandte sich jemand an gewisse oder alle anwesenden Personen und erwarte eine entsprechende Erwiderung des Trunkes durch die Trunkgenossen. Dabei konnte auf eigene Gesundheit, herrschende Personen oder fremdes Unglück getrunken werden. Diese Form des gemeinsamen Trinkens schaffte Solidarität und Zusammengehörigkeit, fand daher aber auch oft in sich bekannten Kreisen statt. Gleichzeitig stellte es aber auch die Forderung dar, mit einem zu trinken und somit eine gewisse Nötigung zum Trunk, die schnell in einen Wettbewerb ausarten konnte oder in übermäßigem Konsum ausartete.
1. Einleitung: Vorstellung des historischen Untersuchungsgegenstands anhand eines Gerichtsfalls und Hinführung zur Fragestellung der Arbeit.
2. Das Gasthaus: Untersuchung der architektonischen Formen, der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der vielfältigen kommerziellen und sozialen Funktionen des Gasthauses.
3. Das Gasthausleben: Analyse der Akteure (Wirte, Personal, Kundschaft), des sozialen Interagierens, der Geschlechterrollen sowie der Problematik von Gewalt und Ordnung.
4. Exkurs: Das Gasthaus in der Kunst: Betrachtung der künstlerischen Darstellung von Wirtshausszenen und deren Aussagekraft als historische Quelle.
5. Schluss: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse zur Rolle des Gasthauses als zentraler, multifunktionaler Raum der frühneuzeitlichen Gesellschaft.
Gasthauskultur, Frühe Neuzeit, Wirtshaus, Soziales Interagieren, Alkoholkonsum, Trinkrituale, Geschlechterrollen, Rechtliche Bestimmungen, Sozialdisziplinierung, Gastgewerbe, Gesellschaftliche Ordnung, Gewalt, Ehrverständnis, Gaststube, Alltagsgeschichte
Die Arbeit untersucht das Wirtshauswesen in der Frühen Neuzeit und hinterfragt das gängige Klischee vom Wirtshaus als reinem Ort der Unordnung und Gewalt.
Die zentralen Felder umfassen die Architektur und Einrichtung, die rechtliche Verankerung, die soziale Struktur der Gäste, die Bedeutung von Alkohol als "soziales Schmiermittel" sowie die Konfliktpotenziale innerhalb des Gasthauses.
Das primäre Ziel ist es, ein differenziertes Bild der frühneuzeitlichen Gasthauskultur zu entwerfen und deren Funktionen als multifunktionaler Ort der Kommunikation, des Handels und der sozialen Interaktion herauszuarbeiten.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Auswertung von Sekundärliteratur, wobei Erkenntnisse verschiedener Autoren verglichen und durch Analysen von historischen Gerichtsprotokollen sowie zeitgenössischer Kunst untermauert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des physischen Raums (Architektur/Einrichtung), die sozialen Rollenbilder der Akteure und das Interaktionsverhalten innerhalb der Gaststube, wobei besonders auf Trinkrituale, Geschlechterrollen und die Rolle von Gewalt eingegangen wird.
Neben dem zentralen Begriff der "Gasthauskultur" sind "Sozialdisziplinierung", "Ehrverständnis", "Öffentlichkeit" und "Multifunktionalität" für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Die Wirte unterlagen einer steten Beobachtung durch die Verwaltung, da das Gasthaus als wichtiger Steuerfaktor (Ungeld) galt. Die Lizenzvergabe war oft an Auflagen geknüpft, und das Wirtshaus musste als geordneter Betrieb geführt werden, um keine Sanktionen zu riskieren.
Frauen waren entgegen häufiger Annahmen maßgeblich beteiligt, etwa als Wirtinnen (insbesondere Witwen) oder Bedienstete. Dennoch waren sie als Gäste an strengere soziale Konventionen gebunden, um nicht als ehrlos oder leichtfertig zu gelten.
Er fungierte als ritueller Abschluss für diverse Verträge, wie Arbeits- oder Eheverträge. Da das Gasthaus ein öffentlicher Ort war, diente der Trunk vor Zeugen zur rechtlichen und sozialen Absicherung des Übereinkommens.
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