Diplomarbeit, 2002
54 Seiten, Note: sehr gut (1)
VORWORT
I. DIE NEUE RECHTSCHREIBUNG – IM KREUZFEUER DER DISKUSSIONEN
I.1. Rechtschreibreform als Sache der Rechtsprechung
I.2. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz und die Wiener Absichtserklärung
I.3. Die Frankfurter und die Dresdner Erklärung
I.4. Konstituierung der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung
I.5. Erster Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung und die Mannheimer Anhörung. Zweiter Bericht der Kommission
I.6. Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts
I.7. Volksentscheid in Schleswig-Holstein – Sonderweg bei Rechtschreibreform
I.8. Rechtschreibkrieg der Wörterbuchverlage
I.9. Umstellung der Agenturen auf neue Rechtschreibung
I.10. Rechtschreibdebatte neu entfacht
I.11. Rückkehr der FAZ zur alten Rechtschreibung
I.12. Befürworter der Reform unter Druck. Münchner Appell
I.13. Konstituierung des Beirats für deutsche Rechtschreibung und dritter Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung
II. INHALTLICHE BEMÄNGELUNG DER REFORM
III. CHRONIK DER WICHTIGSTEN ETAPPEN DER RECHTSCHREIBREFORM NACH DEN 3. WIENER GESPRÄCHEN
IV. DIE AUFLAGEN DES RECHTSCHREIB-DUDEN VON 1880 BIS 2000
NACHWORT
LITERATURVERZEICHNIS
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
ANHANG 1: GEMEINSAME ABSICHTSERKLÄRUNG ZUR NEUREGELUNG DER DEUTSCHEN RECHTSCHREIBUNG
ANHANG 2: FRANKFURTER ERKLÄRUNG ZUR RECHTSCHREIBREFORM
ANHANG 3: KERSTIN GÜTHERT / KLAUS HELLER: DAS MÄRCHEN VON TAUSENDUNDEINER DIFFERENZ
ANHANG 4: »IMMER WIEDER FALSCHE BEISPIELE«
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und die gesellschaftliche sowie fachliche Rezeption der deutschen Rechtschreibreform von 1995 bis April 2002. Ziel ist es, die Gründe für die außerordentlich kritische und kontroverse Aufnahme der Neuregelung durch Öffentlichkeit, Medien und Wissenschaft aufzuzeigen und dabei zu einem objektiveren Urteil über das Reformvorhaben zu gelangen.
I.1. Rechtschreibreform als Sache der Rechtsprechung
Noch bevor das neue Regelwerk 1996 unterschrieben wurde (s. I.2.), erfuhr die Öffentlichkeit über die Inhalte der bei den 3. Wiener Gesprächen beschlossenen Reform in einer Extraausgabe des Sprachreport (Institut für Deutsche Sprache) und in den Informationen zur neuen deutschen Rechtschreibung (Dudenverlag). Bald darauf erschien ein Aufsatz des Jenaer Doktoranden Wolfgang KOPKE, der sich auf Anregung von Rolf GRÖSCHNER, Staatsrechtler und Rechtsphilosoph von der Universität Jena, inzwischen bester Kenner der Materie in rechtswissenschaftlicher Sicht, der juristischen Grundlagen der Rechtschreibreform angenommen – und keine gefunden hatte. Erst seine Arbeit habe „die Grundlagen für jede, auch zukünftige Rechtschreibreform“1 gelegt, so GRÖSCHNER. Nämlich sei die Durchführung der Reform auf dem Erlasswege ohne Zustimmung der Parlamente verfassungswidrig – bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes am 14. Juli 1998 (s. I.6.) ein wichtiges Gegenargument der Reformkritiker.
Nach der Ansicht von GRÖSCHNER dürften nämlich die wesentlichen juristischen Entscheidungen nicht per Erlass von den Regierungen der Länder, sondern von den Parlamenten verabschiedet werden2. Außerdem ändere sich durch neue Schreibweisen auch der Text der Grundgesetzes, ohne dass der Gesetzgeber gefragt worden sei. Als er 1996 eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichte, scheiterte diese, weil GRÖSCHNER nach Ansicht der Richter von der Reform nicht selbst betroffen sei. Der Gründungsdekan der juristischen Fakultät Passau, Michael KOBLER ging noch weiter, als er sagte, dass durch die Reform das Erziehungsrecht der Eltern und das Persönlichkeitsrecht der Schüler eingeschränkt würden. „Jeder Schüler, der nun Probleme mit den neuen Regeln hat, könne von seinen Eltern eingeklagt werden“3 – tatsächlich kam es später zu Dutzenden von Prozessen, die von Eltern eingeleitet wurden. Verfassungsrechtlich bedenklich sei die Rechtschreibreform laut GRÖSCHNER auch aufgrund der Beteiligung von Mitarbeitern der Dudenredaktion in der für die Reform verantwortlichen Kommission.
VORWORT: Der Autor erläutert seine Motivation, die teils vernichtende Kritik an der Rechtschreibreform anhand zahlreicher Quellen zu analysieren.
I. DIE NEUE RECHTSCHREIBUNG – IM KREUZFEUER DER DISKUSSIONEN: Ein ausführlicher historischer Abriss der politischen, juristischen und medialen Auseinandersetzungen um die Reform von den Wiener Gesprächen bis zur Etablierung des Beirats.
II. INHALTLICHE BEMÄNGELUNG DER REFORM: Dieses Kapitel thematisiert die fachlich kritisierten Punkte der Neuregelung, etwa in Bezug auf Getrennt- und Zusammenschreibung oder Fremdwortschreibungen.
III. CHRONIK DER WICHTIGSTEN ETAPPEN DER RECHTSCHREIBREFORM NACH DEN 3. WIENER GESPRÄCHEN: Eine tabellarische Übersicht der zentralen Daten und Meilensteine des Reformprozesses.
IV. DIE AUFLAGEN DES RECHTSCHREIB-DUDEN VON 1880 BIS 2000: Eine historische Betrachtung der Entwicklung des Duden-Wörterbuchs vom Standardwerk zum umstrittenen Leitwörterbuch.
Rechtschreibreform, deutsche Rechtschreibung, Kultusministerkonferenz, Zwischenstaatliche Kommission, Duden, Frankfurter Erklärung, Getrenntschreibung, Zusammenschreibung, Orthografie, Sprachwissenschaft, Reformkritik, Sprachpraxis, Bundesverfassungsgericht, Wörterbuch, Sprachwandel.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Reformprozess der deutschen Rechtschreibung im Zeitraum von 1995 bis 2002 und untersucht, warum dieses Projekt in Fachkreisen und der Öffentlichkeit auf so massiven Widerstand stieß.
Die Arbeit behandelt die rechtliche Legitimität der Reform, den Protest renommierter Schriftsteller und Wissenschaftler, die Rolle der Duden-Redaktion und der Wörterbuchverlage sowie die Auswirkungen auf die Schulpraxis.
Das Ziel ist es, den Reformverlauf anhand authentischer Quellen objektiv nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie das Zusammenwirken von politischem Erlass, öffentlichem Protest und wirtschaftlichen Interessen zu einer anhaltenden Rechtschreibdebatte führte.
Der Verfasser wendet eine quellenbasierte Analyse an, bei der knapp 200 Zeitungsartikel und offizielle Dokumente ausgewertet werden, um die Argumentationsmuster von Befürwortern und Gegnern der Reform gegenüberzustellen.
Im Hauptteil werden neben dem chronologischen Ablauf der politischen Entscheidungen vor allem die inhaltlichen Streitpunkte, wie etwa die neuen Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung und die Frage der Fremdwortschreibung, detailliert erörtert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Rechtschreibreform", "Duden-Monopol", "Kritik", "Zwischenstaatliche Kommission" und "Sprachkultur" maßgeblich geprägt.
Der Autor ordnet den Volksentscheid als ein zentrales Ereignis ein, das den Druck auf die Politik erhöhte, jedoch letztlich scheiterte, da der Landtag das Ergebnis überstimmte, um die sprachliche Isolation der Schüler zu vermeiden.
Die Arbeit stellt heraus, dass die Umstellung der Presseagenturen auf eine "Agentur-Rechtschreibung" ab August 1999 einen Wendepunkt darstellte, da dies die Reform faktisch in der breiten Medienlandschaft etablierte.
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