Diplomarbeit, 1995
92 Seiten, Note: 1
1. Chronopolis? Von Zeiten und Zeitungen, von Orten und Ordnungen
2. Zum Zeitbegriff, oder: Was ist "Zeit"?
2.1. Zur Allgemeinheit des Zeitbegriffs und dessen Verbindung mit dem Raumbegriff
2.2. Zu Besonderheiten von Zeitbegriffen und deren Verbindung mit Raumbegriffen
2.2.1. Theoretische oder philosophische Wirklichkeitsentwürfe:
2.2.1.1. Zur linearen Zeitstruktur:
2.2.1.1.1. Platons "Erkenntnis" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.1.2. Jesus "Verkündigung" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.1.3. Augustinus "Bekenntnis" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.1.4. Kants "Bestimmung" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.1.5. Marx und Engels "Bewußtsein" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.2. Zur zyklischen Zeitstruktur:
2.2.1.2.1. Buddhas "Überwindung" von "Zeit" und "Raum"
2.2.1.2.2. Nietzsches "Überzeugung" von "Zeit" und "Raum"
2.2.2. Praktische oder sogenannte "politische" Verwirklichungen:
2.2.2.1. Zur linearen Zeitstruktur:
2.2.2.1.1. Platon: Das "Werden" nach dem "Sein": ge mäß " Gott"
2.2.2.1.2. Jesus: Das Ende des "Werdens": bei "Gott"
2.2.2.1.3. Augustinus: Die Trennung des "Seins" vom "Werden“ unter "Gott“
2.2.2.1.4. Kant: Das "Werden" zum "Sein": hin zu "Gott"
2.2.2.1.5. Marx und Engels: Das Ende des "Werdens": als "Gott"
2.2.2.2. Zur zyklischen Zeitstruktur:
2.2.2.2.1. Buddha: Jenseits vom "Sein" des "Werdens": als "Gott"
2.2.2.2.2. Nietzsche: Jenseits vom "Sein" des "Werdens": ohne "Gott"
2.2.3. Das Verhältnis von "Zeit" und "Raum" als Verhältnis von "Werden" und "Sein"
2.2.4. Zu besonderen Gottesbegriffen?
2.3. Versuch einer Antwort auf die Frage nach dem Zeitbegriff
3. Zum Politikbegriff, oder: Was ist "Politik"?
3.1. Zur Bestimmung des Politikbegriffs durch den Zeitbegriff
3.2. Versuch einer Antwort auf die Frage nach dem Politikbegriff
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Zeitbegriff und dem Politikbegriff in verschiedenen philosophischen und theologischen Entwürfen, um zu zeigen, dass das Verständnis von Zeit (linear oder zyklisch) maßgeblich die politische Theorie und das praktische politische Handeln bestimmt.
2.2.1.1.1. Platons "Erkenntnis" von "Zeit" und "Raum"
Die Rede des Timaios über die Entstehung der Welt und des Alls beginnt mit einer Frage zur "Zeit": die Frage nach dem Anfang der "Zeit" des Alls, "nämlich in wie fern es entstanden ist oder aber unentstanden von Ewigkeit war". Beantwortet wird diese Frage damit, daß
"es entstanden und von einem Anfange ausgegangen ist ..., denn es ist sichtbar und fühlbar und hat einen Körper, alles so Beschaffene aber ist sinnlich wahrnehmbar, und das sinnlich Wahrnehmbare, welches der Vorstellung mit Hülfe der Sinne zugänglich ist, erschien uns als das Werdende und Entstandene."
Das "Werdende" oder das "Werden" entspricht somit der Welt und dem All. Die Welt und das All hat "Gott" als Schöpfer nach dem "Vorbild" des "Ewigen" geschaffen: "So ist denn auch jene als eine solche ins Leben gerufen worden, die nach dem Urbilde dessen entstanden, was der Vernunft und Erkenntnis erfaßbar ist und beständig dasselbe bleibt": Das "Sein". Aus diesem "Sein" ist das "Werden" oder die "Welt ... durch "Gottes" Vorsehung entstanden". "Gott" ist die Ursache für die Entstehung des "Werdens" aus dem "Sein". Demnach ist "Gott" der Schöpfer der "Zeit".
1. Chronopolis? Von Zeiten und Zeitungen, von Orten und Ordnungen: Einleitung in die Problematik der Zeitwahrnehmung als Voraussetzung für Ideengeschichte und politische Theorie.
2. Zum Zeitbegriff, oder: Was ist "Zeit"?: Systematische Untersuchung von sieben politischen Theorien hinsichtlich ihrer Zeitvorstellungen und deren Verbindung zum Raumbegriff.
3. Zum Politikbegriff, oder: Was ist "Politik"?: Synthese der Ergebnisse, in der dargelegt wird, dass Politik als Darstellung von Wirklichkeitsentwürfen und Verwirklichungen untrennbar mit dem Zeitbegriff verbunden ist.
Politische Theorie, Zeitbegriff, Politikbegriff, Zeitstruktur, Lineare Zeit, Zyklische Zeit, Raum, Sein, Werden, Gottesherrschaft, Teleologie, Geschichte, Weltgeschichte, Erkenntnis, Wirklichkeitsentwurf
Die Arbeit untersucht, wie unterschiedliche philosophische und religiöse Konzepte von Zeit ("Zeitbegriff") das Verständnis von Politik ("Politikbegriff") und das politische Handeln in der Welt prägen.
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen linearer und zyklischer Zeitstruktur, das Verhältnis von Raum und Zeit sowie die Frage nach der "Ewigkeit" im Kontext politischer Wirklichkeitsentwürfe.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass der in einer politischen Theorie vorausgesetzte Zeitbegriff maßgeblich die Art und Weise bestimmt, wie politisches Handeln begründet und verwirklicht wird.
Es wird eine ideengeschichtliche Textanalyse von Werken bedeutender Denker (Platon, Jesus, Augustinus, Kant, Marx/Engels, Buddha, Nietzsche) durchgeführt, um deren spezifische Zeit- und Politikkonzepte herauszuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert detailliert die theoretischen Wirklichkeitsentwürfe und die praktischen politischen Verwirklichungen der genannten Denker, unterteilt in lineare und zyklische Zeitmodelle.
Politische Theorie, Zeitbegriff, Politikbegriff, Zeitstruktur, Teleologie, Raum-Zeit-Verhältnis sowie die spezifischen Begriffe der untersuchten Denker wie "Werden" und "Sein".
Bei Platon ist die Zeit eine Ordnung im Raum, die durch Gott geschaffen wurde. Der Philosophenstaat ist das praktische Pendant dazu, indem die Erziehung der Bürger die Ordnung gemäß dieser zeitlichen Erkenntnis sicherstellen soll.
Da Marx und Engels die Geschichte als eine dialektische Entwicklung begreifen, die auf ein definiertes Ziel (Sozialismus/Kommunismus) zusteuert, folgen sie einer linearen, teleologischen Zeitstruktur.
Nietzsche vertritt die Lehre der "ewigen Wiederkunft", bei der Zeit zyklisch und ohne äußeres Ziel im Kreis verläuft, was seinen "Willen zur Macht" und das Konzept des "Übermenschen" begründet.
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