Bachelorarbeit, 2020
63 Seiten, Note: 2,1
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Rapide Politikwechsel nach dem Konzept von Rüb
2.2 Der Multiple-Streams-Ansatz
2.2.1 Grundannahmen
2.2.2 Ströme, Policy-Entrepreneure, Policy-Fenster
2.2.3 Weiterentwicklung
3 Wohnungspolitik
3.1 Grundlagen der Wohnungspolitik
3.2 Historie der Wohnungspolitik in der Bundesrepublik
3.3 Entwicklung und Hintergründe der Wohnungspolitik in Berlin
3.3.1 Berlin nach dem zweiten Weltkrieg
3.3.2 Spezifische Veränderung seit den 1990er Jahren
3.3.2.1 Privatisierung
3.3.2.2 Reformation der kommunalen Wohnungsunternehmen
3.3.2.3 Ausstieg aus dem sozialen Mietwohnungsbau
3.3.3 Gründung von Kiezinitiativen
3.3.4 Veränderungen seit den 2010er Jahren
3.3.5 Rot-Rot-Grüner Senat 2016 bis zum Mietendeckel
4 Untersuchung des Politikwechsels nach Rüb
5 Analyse mittels des Multiple-Streams-Ansatzes
5.1 Analyse Problem-Strom
5.1.1 Indikatoren
5.1.2 Fokussierendes Ereignis
5.1.3 Feedback
5.2 Analyse Policy-Strom
5.3 Analyse Politics-Strom
5.4 Policy-Entrepreneure und Verkopplung innerhalb des Policy-Fensters
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die Gründe für die Einführung des Berliner Mietendeckels und analysiert, ob es sich hierbei um einen rapiden Politikwechsel handelt. Dabei wird insbesondere betrachtet, wie das politische Agenda-Setting unter den Bedingungen von Ambiguität zustande kam.
2.2.1 Grundannahmen
Der Ansatz beruft sich auf wesentliche Elemente des sogenannten Garbage Can Model (GCM) des organisationssoziologischen Entscheidens (Cohen/March/Olsen 1972). Kingdon sieht das Regierungssystem als eine in sich konflikthafte Organisation und greift daraus begründet auf diese organisationssoziologischen Überlegungen zurück (vgl. Rüb 2014b: 374).
Aufbauend auf dem GCM beruht der MSA auf drei Grundannahmen. Wobei diese Grundannahmen je nach Autor unterschiedlich beschrieben werden, da sie Kingdon selbst nicht komprimiert formuliert. Für diese Arbeit wurde die Differenzierung der Grundannahmen von Herweg gewählt, da Herweg die Inhalte des MSA`s in diesen drei Grundannahmen aussagekräftig zusammenfasst (vgl. Herweg 2015: 326).
Die erste Grundannahme konzeptualisiert das politische System als organisierte Anarchie. Der MSA wie auch das GCM gehen davon aus, dass politische Entscheidungen nicht ein rein rationaler Prozess sind, sondern stark situationsabhängig und nur schwer vorhersehbar. Daraus folgend möchte der MSA auch erklären “how policies are made by national governments under conditions of ambiguity” (Zahariadis 2007: 65). Ambiguität ist der Gegenbegriff von Eindeutigkeit, Klarheit, Präzision, Kausalität (vgl. Rüb 2014b: 385). Sie kann durch drei Eigenschaften charakterisiert werden (siehe Zahariadis 2007: 67):
a) Problematische Präferenzen (problematic preferences) können in ambigen Entscheidungssituationen auftreten. D.h. entscheidende Akteure können ihre Ziele nicht eindeutig formulieren, die Probleme können mehrdeutig wahrgenommen und interpretiert werden. Mehr Information führt nicht zu einer eindeutigen Entscheidungssituation (Herweg 2015: 326/327). Oft bilden sich die Präferenzen erst in der Interaktion heraus.
1 Einleitung: Einführung in die aktuelle wohnungspolitische Lage in Berlin und Formulierung der Forschungsfrage zur Einführung des Mietendeckels.
2 Theoretische Grundlagen: Darstellung des Modells des rapiden Politikwechsels nach Rüb sowie des Multiple-Streams-Ansatzes zur Erklärung von Agenda-Setting-Prozessen.
3 Wohnungspolitik: Historischer Überblick und Analyse der wohnungspolitischen Transformationsprozesse in Deutschland und speziell Berlin seit den 1990er Jahren.
4 Untersuchung des Politikwechsels nach Rüb: Prüfung, ob die Einführung des Mietendeckels als rapider Politikwechsel im Sinne der theoretischen Kriterien einzustufen ist.
5 Analyse mittels des Multiple-Streams-Ansatzes: Detaillierte Untersuchung der drei Ströme (Problem, Policy, Politics) und der Rolle von Policy-Entrepreneuren bei der Verkopplung.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Einordnung des Mietendeckels in den Kontext der Politikwissenschaft.
Mietendeckel, Wohnungspolitik, Berlin, Multiple-Streams-Ansatz, Agenda-Setting, Politikwechsel, Friedbert W. Rüb, John W. Kingdon, Wohnungsmangel, Privatisierung, Policy-Entrepreneur, Ambiguität, Koalition, Mietenregulierung, Gesetzgebungsprozess.
Die Arbeit untersucht die Einführung des Berliner Mietendeckels als Fallbeispiel für einen Politikwechsel und analysiert dessen Zustandekommen durch politikwissenschaftliche Theorien.
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklung der Berliner Wohnungspolitik, Mechanismen des politischen Agenda-Settings und die Anwendung des Multiple-Streams-Ansatzes auf lokale Entscheidungsprozesse.
Die Arbeit verfolgt die Frage, warum Berlin als bisher einziges Bundesland einen Mietendeckel beschloss und ob dies als ein "rapider Politikwechsel" klassifiziert werden kann.
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, die auf Primär- und Sekundärliteratur wie Plenarprotokollen, Parteidokumenten und wissenschaftlichen Studien basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die historische Analyse der Berliner Wohnungspolitik sowie die empirische Anwendung des Multiple-Streams-Ansatzes zur Erklärung der konkreten Entscheidung.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Mietendeckel, Multiple-Streams-Ansatz, Policy-Entrepreneur, Agenda-Setting, Berliner Wohnungspolitik und die Konzepte von Friedbert W. Rüb.
Der MSA eignet sich besonders gut, um komplexe Entscheidungsprozesse in der Politik zu strukturieren, die unter Bedingungen von Ambiguität und Unsicherheit stattfinden, wie sie bei der Berliner Mietendeckel-Debatte vorlagen.
Peter Weber wird als ein wichtiger Policy-Entrepreneur identifiziert, dessen publizierte juristische Argumentation für ein landeseigenes Mietpreisrecht den Anstoß gab, der von Berliner Politikern aufgegriffen wurde.
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