Masterarbeit, 2020
80 Seiten, Note: 1,3
1.0 Suizidalität und stationäre Jugendhilfe
1.1 Zur Bedeutung der Terminologie
2.0 Epidemiologie und Statistik
3.0 Grundprinzipien der suizidalen Krise
3.1 Traumatische Krise vs. (Lebens-) Veränderungskrise
3.2 Gemeinsamkeiten / Psychodynamische Besonderheiten der Krise
3.3 Suizidale Krise bei Jugendlichen
3.3.1 Individualisierungstheorem und Bildungslaufbahn
3.3.2 Identitätsentwicklung
3.3.3 Entwicklungsaufgaben
3.3.4 Exkurs: Adoleszente Suizidalität durch Medieneinfluss?
4.0 Psychoanalytische Suizidtheorien
4.1 Das Suizidkonzept von Freud und Abraham
4.2 Das Narzissmus Konzept von Henseler
4.3 Der objektbeziehungstheoretische Ansatz von Kind
4.4 Das präsuizidale Syndrom von Ringel
4.5 Plödinger’s Modell der präsuizidalen Entwicklung
5.0 Ein methodischer Zugang: Psychodynamische Beratung
6.0 Suizidalität im Kontext der stationären Jugendhilfe
6.1 Verdacht auf Suizidalität / Gesprächsbeginn
6.2 Suizidrisikoabschätzung
6.3 Omnipräsenz versus Ablehnung: Die Bedeutung der Gegenübertragung
7.0 Zur Frage der beraterischen und pädagogischen Haltung
7.1 Containing
7.2 Affektregulation zu zweit
7.3 Projektive Identifizierung
7.4 Szenisches Verstehen
8.0 Suizidprophylaxe im pädagogischen Alltag?
8.1 Primäre Suizidprävention durch Stärkung von Resilienzfaktoren
8.2 Sekundäre und tertiäre Prävention bei Suizidalität
9.0 Die Selbstbemächtigung der Pädagogik
Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Suizidalität im Kontext der stationären Jugendhilfe und zielt darauf ab, pädagogischen Fachkräften psychodynamisch fundiertes Hintergrundwissen für die beraterische Interaktion mit suizidal gefährdeten Jugendlichen zu vermitteln, ohne dabei ein starres Handlungsmanual zu ersetzen.
1.0 Suizidalität und stationäre Jugendhilfe
Suizide sind in jeder Form verstörend, lösen heftige Affekte aus und scheinen aufgrund ihrer psychosozialen Bedeutungen bis heute noch ein Tabuthema zu sein. Als Fachkraft in der psychosozialen Arbeit kommt es hin und wieder vor, mit Suizidalität konfrontiert zu werden. Eine besondere Klientel sind dabei Jugendliche, denn „die Pubertät und Adoleszenz z.B. sind für die meisten Menschen krisenhafte Zeiten. (...) Suizidgedanken sind in dieser Zeit nicht ungewöhnlich“ (Meurer 2010 S.225). Es scheint also Bedarfe zu geben, sich in sozialpädagogischen und beraterischen Kontexten insbesondere innerhalb der Jugendhilfe dem Phänomen der Suizidalität bewusst zu werden und ein reflexives Verständnis dahingehend zu erwerben. Oftmals lösen Äußerungen von Jugendlichen hinsichtlich jener Thematik Angst und Panik aus, verleiten die Professionellen zu Aktionismus, der nicht immer hilfreich ist (vgl. ebd. S.233).
Wie schon angedeutet, sind es oft die eigenen Gefühle der Fachkräfte, die im Kontakt mit suizidalen Jugendlichen quälend erscheinen und dazu verleiten können, Jugendliche „schnell psychiatrisch unterzubringen“, „institutionell wegzuschieben“, oder durch eine regelrechte Flut von Hilfsangeboten und Sonderabsprachen zu schützen, die auf Dauer nicht eingehalten werden können. Die stationäre Jugendhilfe scheint ein Feld zu sein, in dem vermehrt auf Suizidalität geachtet und reagiert werden muss. Warum ist das so? Psychosoziale Fachkräfte in den stationären Jugendhilfen und insbesondere in Einrichtungen nach §35a SGB VIII (siehe hierzu Beck 2014) arbeiten überproportional mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Beispielsweise sind je nach Studienlage 60% bis 80% der Kinder und Jugendlichen in den stationären Hilfen zur Erziehung traumatisiert (vgl. Strauß 2013 S.8; Schirmer 2016 S.441; Weiß 2014 S.109), eine andere Studie zeigt, dass in südwestdeutschen Jugendhilfeeinrichtungen 57% der Kinder und Jugendlichen eine psychische Störung nach ICD-10 aufweisen (vgl. Nützel et al. 2005). Suizidalität kann sich auf Grundlage einer vorstehenden psychischen Erkrankung oder zumindest Vulnerabilität entwickeln (vgl. Schulte-Markwort 2009 S.321). Insbesondere Traumatisierungen gelten als großer Risikofaktor (vgl. hierzu Felitti et al. 1998).
1.0 Suizidalität und stationäre Jugendhilfe: Einführung in die Problematik suizidaler Äußerungen im pädagogischen Kontext und die hohe Vulnerabilität der Zielgruppe in stationären Einrichtungen.
2.0 Epidemiologie und Statistik: Darstellung der statistischen Datenlage zu Suizid und Suizidversuchen bei Jugendlichen im nationalen und internationalen Vergleich.
3.0 Grundprinzipien der suizidalen Krise: Definition des Krisenbegriffs und Analyse der spezifischen psychosozialen und entwicklungspsychologischen Krisenfaktoren bei Jugendlichen.
4.0 Psychoanalytische Suizidtheorien: Vorstellung klassischer und moderner psychoanalytischer Konzepte zum Verständnis suizidaler Dynamiken.
5.0 Ein methodischer Zugang: Psychodynamische Beratung: Charakterisierung der psychodynamischen Beratungsmethode als fachliches Instrument zur Bearbeitung suizidaler Krisen.
6.0 Suizidalität im Kontext der stationären Jugendhilfe: Theoriegeleitete Analyse eines Fallbeispiels unter Berücksichtigung von Gesprächsbeginn, Risikoeinschätzung und Gegenübertragung.
7.0 Zur Frage der beraterischen und pädagogischen Haltung: Erläuterung des „organisierenden Trias“ (Containing, Affektregulation, Projektive Identifizierung) für eine professionelle Haltung.
8.0 Suizidprophylaxe im pädagogischen Alltag?: Darstellung von Präventionsmöglichkeiten, insbesondere der Stärkung von Resilienzfaktoren sowie sekundär- und tertiärpräventiver Maßnahmen.
9.0 Die Selbstbemächtigung der Pädagogik: Kritisches Fazit zur Rolle der Pädagogik im Umgang mit suizidalen Jugendlichen und Ausblick auf zukünftige Anforderungen an die Fachliteratur.
Suizidalität, Jugendhilfe, Psychodynamische Beratung, Adoleszenz, Krisenintervention, Gegenübertragung, Resilienz, Prävention, Fallarbeit, Objektbeziehungstheorie, Traumapädagogik, Identitätsentwicklung, Suizidprävention, pädagogische Haltung, psychische Gesundheit
Die Arbeit befasst sich mit der psychodynamischen Krisenberatung von suizidal gefährdeten Jugendlichen im stationären Jugendhilfealltag und untersucht, wie pädagogische Fachkräfte diesen Herausforderungen professionell begegnen können.
Zentrale Themen sind die psychodynamischen Hintergründe von Suizidalität, die Rolle der pädagogischen Haltung, der Umgang mit der eigenen Gegenübertragung sowie präventive Ansätze zur Stärkung der Resilienz.
Ziel ist es, das sozialpädagogische „Hinterkopf-Wissen“ durch theoretische Impulse zu erweitern, um die beraterische Interaktion mit suizidalen Jugendlichen zu verbessern und reflexives Verständnis zu fördern.
Die Arbeit nutzt einen psychodynamisch-theoretischen Ansatz und verknüpft diesen methodisch mit der Analyse eines praxisnahen Fallbeispiels aus der stationären Jugendhilfe.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Suizidalität und Krise, die Vorstellung psychoanalytischer Theorien, die Beschreibung der Beratungsmethode sowie die praktische Anwendung auf einen Fall und die Ableitung einer pädagogischen Haltung.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Suizidalität, Adoleszenz, psychodynamische Beratung, stationäre Jugendhilfe, Gegenübertragung und Resilienz geprägt.
Die Arbeit hebt hervor, dass Fachkräfte im Kontakt mit suizidalen Jugendlichen oft mit extremen Affekten wie Ohnmacht, Hass oder Rettungsfantasien konfrontiert werden; das Verständnis dieser Gefühle ist entscheidend für eine tragfähige pädagogische Beziehung.
Während die traumatische Krise durch unvorhersehbare Schicksalsschläge ausgelöst wird, ist die Veränderungskrise in die Lebenslaufbahn integriert und steht oft im Zusammenhang mit Übergängen wie dem Verlassen des Elternhauses oder Pubertätsentwicklungen.
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