Bachelorarbeit, 2009
75 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Der ethische Kontext zu Mandevilles Zeiten
1. Zum Verhältnis von Individualethik und Sozialethik
2. Konzepte der Tugendethik
2.1 Aristoteles (384-322 v.Chr.) als Vertreter der Antike
2.2 Thomas von Aquin (1225-1274) als Vertreter des Mittelalters
2.3 Die puritanisch-calvinistische Tugendethik
2.4 Shaftesbury (1671-1713) als Vertreter der Neuzeit
III. Bernard Mandeville (1670-1733): Private Laster – öffentliche Wohltaten
1. Einleitung
2. Mandevilles Menschen- und Gesellschaftsbild
3. Das Mandeville-Paradoxon
IV. Anthropologie und Sozialethik des Klassischen Liberalismus und des Libertarismus
1. Der Klassische Liberalismus nach Adam Smith (1732-1790)
1.1 Einleitung
1.2 Das Menschen- und Gesellschaftsbild
1.3 Das System der natürlichen Freiheit
1.4 Die Rolle des Staates
2. Der Libertarismus nach Friedrich August von Hayek (1899-1992)
2.1 Das Menschen- und Gesellschaftsbild
2.2 Die Katallaxie als spontane Ordnung der Wirtschaft
2.3 Die Rolle des Staates
V. Die Idee der sozialen Marktwirtschaft
1. Einleitung
2. Kritik am Klassischen Liberalismus durch die ordoliberale Schule
3. Der Ordoliberalismus von Walter Eucken
4. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft
4.1 Das Menschenbild
4.2 Die „Soziale Marktwirtschaft“
4.3 Die Rolle des Staates
5. Die Position der Katholischen Soziallehre
VI. Ergebnis
Die Arbeit untersucht die moralischen und anthropologischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft vor dem Hintergrund des "Mandeville-Paradoxons", das die Frage aufwirft, inwieweit privater Eigennutz oder gar moralisch fragwürdiges Verhalten zum allgemeinen Wohlstand beitragen können. Ziel ist es, die Entwicklungslinien von der antiken Tugendethik über Mandeville und den klassischen Liberalismus bis hin zum Ordoliberalismus nachzuzeichnen und die heutige Relevanz dieser Diskussion für die deutsche Wirtschaftsordnung zu bewerten.
3. Das Mandeville-Paradoxon
Das Mandeville-Paradoxon „Stolz, Luxus und Betrügerei /Muss sein, damit ein Volk gedeiht“ oder, wie es im Untertitel der „Bienenfabel“ heißt, „private Laster – öffentliche Wohltaten“, bildet den Kern von Mandevilles Werk. Darin zeigt sich seine zentrale These, die bei seinen Zeitgenossen auf den größten Widerstand stieß: Es sind nicht die Tugenden, sondern die persönlichen Laster der Menschen, die das Allgemeinwohl fördern. Nach dem Verständnis der traditionellen aristotelischen Tugendlehre bestand das Allgemeinwohl im tugendhaften Zusammenleben der Bürger in einem sittlich geordneten Gemeinwesen. Mandeville brach mit dieser Lehre und formulierte einen neuen Begriff des Gemeinwohls, wonach nationale Glückseligkeit, die in Reichtum, Macht, Ruhm und weltlicher Größe besteht, nicht ohne Habgier, Verschwendung, Stolz, Neid, Ehrgeiz und andere Laster zu erreichen ist.
Zum Beweis dieser These führt Mandeville zahllose Beobachtungen lasterhafter Zeitgenossen an und bemüht sich darum, die positiven Seiten des Lasters hervorzuheben. Um seine Ausführungen besser nachvollziehen zu können, empfiehlt sich allerdings erst ein Blick auf die Definitionen der grundlegende Begriffe der Tugend, des Lasters und des Allgemeinwohls. Wahre Sittlichkeit besteht für Mandeville in der Aufgabe der selbstischen Neigungen. Tugend erfordert somit eine Selbstüberwindung, die nur die wenigsten Menschen erlangen. Jedes Verhalten, durch das sich der Mensch in dem Bestreben gut zu sein entgegen seinem Naturtrieb um das Wohl anderer bemüht, ist Tugend. Mandevilles Definition der Tugend ist also sehr eng gefasst, woraus sich im Umkehrschluss für das Laster eine sehr weite Definition ergibt: Alles, was nicht Tugend ist, muss folglich Laster sein.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftlichen Verwerfungen der Finanzkrise 2008 und hinterfragt, ob Gier als moralisches Laster tatsächlich keinen Platz in der deutschen Wirtschaft haben sollte oder ob Mandevilles Thesen eine unerwartete Aktualität besitzen.
II. Der ethische Kontext zu Mandevilles Zeiten: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Tugendethiken von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit, um die Verschiebung der moralischen Bewertung von Individual- und Sozialethik aufzuzeigen.
III. Bernard Mandeville (1670-1733): Private Laster – öffentliche Wohltaten: Hier wird das Mandeville-Paradoxon analysiert, welches die kontraintuitive These aufstellt, dass privates lasterhaftes Verhalten wie Gier und Luxus den Wohlstand einer Gesellschaft befördern.
IV. Anthropologie und Sozialethik des Klassischen Liberalismus und des Libertarismus: Dieses Kapitel kontrastiert die Menschenbilder und die Rolle des Staates bei Adam Smith und F.A. von Hayek, wobei insbesondere die Rolle des Eigennutzes für die spontane Ordnung beleuchtet wird.
V. Die Idee der sozialen Marktwirtschaft: Diese Sektion untersucht das ordoliberale Konzept der Sozialen Marktwirtschaft, die Kritik am Laissez-faire-Liberalismus und die Bedeutung der Katholischen Soziallehre für die deutsche Wirtschaftsordnung.
VI. Ergebnis: Das Abschlusskapitel würdigt die Bedeutung von Mandevilles provokanten Thesen für heutige Debatten und betont die Notwendigkeit einer ethischen Rahmensetzung für marktwirtschaftliches Handeln, um einen ethisch verantwortbaren Wohlstand zu sichern.
Mandeville-Paradoxon, Soziale Marktwirtschaft, Klassischer Liberalismus, Ordoliberalismus, Eigennutz, Allgemeinwohl, Tugendethik, Adam Smith, F.A. von Hayek, Wirtschaftsethik, Laissez-faire, Marktmechanismus, Katholische Soziallehre, Menschenbild, Wettbewerbsordnung
Die Arbeit analysiert die moralischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns. Sie untersucht, wie sich das Verständnis von Eigennutz und gesellschaftlichem Wohlstand von den provokanten Thesen Bernard Mandevilles bis zur heutigen Ordnung der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland entwickelt hat.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individual- und Sozialethik, die Rolle des Eigennutzes in liberalen Wirtschaftsmodellen, die Kritik am reinen Laissez-faire sowie die ordnungspolitischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft.
Ziel ist es, zu klären, ob Eigennutz und moralisch fragwürdiges Verhalten (Laster) zwangsläufig zum Wohlstand führen oder ob eine funktionierende Marktwirtschaft zwingend eine moralische und rechtliche Rahmensetzung benötigt.
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie klassische ökonomische und ethische Schriften (u.a. Mandeville, Smith, Hayek, Eucken) rezipiert, systematisiert und auf ihre theoretischen Annahmen hin untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Tugendethik, eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Mandeville-Paradoxon sowie einen umfassenden Vergleich der liberalen Denkschulen und deren ordoliberaler Fortführung.
Die wichtigsten Begriffe sind das Mandeville-Paradoxon, der Klassische Liberalismus, der Ordoliberalismus, die Soziale Marktwirtschaft, das Menschenbild und das Spannungsfeld zwischen Eigennutz und Gemeinwohl.
Der Autor erkennt in Mandevilles Thesen eine Provokation, die jedoch auf eine wichtige historische Lücke hinweist: Den notwendigen Zusammenhang von individuellen Anreizen und gesellschaftlichem Fortschritt, wobei Mandeville die moralische Begrenzung durch Politik und Gesetz dennoch für unerlässlich hielt.
Die Soziale Marktwirtschaft lehnt einen ungezügelten Egoismus ab und betrachtet den Eigennutz zwar als wirksame Kraft, fordert aber eine institutionelle Rahmensetzung, um ihn sozialverträglich in den Dienst des Allgemeinwohls zu stellen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

