Masterarbeit, 2020
137 Seiten, Note: 1,0
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1 Einleitung
1.1 Rechtspopulismus als politisches Phänomen
1.2 Fragestellung und Vorgehen
1.3 Forschungsstand und Literatur
2 Politik und Rhetorik
2.1 Politische Rede als Forschungsgegenstand
2.1.1 Konzepte politischer Rhetorik
2.1.2 Redegattungen der politischen Rhetorik: die Wahl(kampf)rede
2.2 Funktionale Aspekte politischer Rede
2.2.1 Von Lexik und Metaphern: Sprachliche Analyse politischer Rede
2.2.2 Argumentative Ebene: Topos und Narratio
3 Persuasive Wirkmechanismen in Deutschland: Die AfD im Europawahlkampf 2019
3.1 Redeanalyse I: Alexander Gauland am 06.04.2019
3.2 Redeanalyse II: Jörg Meuthen am 06.04.2019
3.3 Zusammenfassung
4 Persuasive Wirkmechanismen in Frankreich: Der RN im Europawahlkampf 2019
3.1 Redeanalyse III: Marine Le Pen am 01.05.2019
3.2 Redeanalyse IV: Jordan Bardella am 01.05.2019
3.3 Zusammenfassung
5 Fazit und Abschlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die rhetorischen und argumentativen Strategien rechtspopulistischer Parteien in Deutschland (AfD) und Frankreich (RN) im Kontext der Europawahl 2019, um die Wirkmechanismen zu entschlüsseln, die deren politischen Erfolg begünstigen.
Die EU als Irrenhaus
Eines dieser Bilder, das Gauland themenabhängig insbesondere in Bezug auf grüne Politik systematisch malt, ist das der EU als Irrenhaus. In diesen Passagen wird gezielt Vokabular aus dem medizinischen oder psychologischen Bereich verwendet, um somit die Grünen und die Führung der EU als nicht zurechnungsfähig darzustellen. Die Europawahl werde zeigen, „ob die EU und mit ihr wir Europäer einen weiteren Schritt ‚in die Irre‘ gehen“, so Gauland gleich zu Beginn seiner Rede. Folgendes Exzerpt soll verdeutlichen, wie Gauland die Klimaaktivistin Greta Thunberg stigmatisiert:
(1) „Wenn ich gerade gesagt habe ‚In die Irre gehen‘, da fällt mir sofort eine 16-jährige schwedische Schulschwänzerin ein, die in einer professionell gesteuerten Kampagne zum Nachwuchsheiland aufgebaut wurde. Liebe Freunde, es ist schon von hoher Komik zu beobachten, wie Erwachsene einem halben Kind andächtig lauschen, wenn es seine Meinung über Kohlendioxyd oder Atomkraft vorträgt. Und die Medien dann die Prophezeiungen einer solchen Kapazität auf allen Kanälen verbreiten. Der Kult um Greta erinnert an kollektive Hysterie im Mittelalter. Wir hatten schon mal einen Kinderkreuzzug. Was daraus geworden ist, können Sie in den Geschichtsbüchern nachlesen. Spätere Generationen werden den Kopf darüber schütteln, welchen Koller eine Gesellschaft befallen konnte, die sich für so aufgeklärt hielt.“
In diesem Abschnitt wird Greta Thunberg mithilfe verschiedener sprachlicher Mittel als nicht ernstzunehmende Akteurin stigmatisiert. Dies beginnt bereits mit der Tatsache, dass er Thunberg nicht einmal mit ihrem vollen Namen nennt, sie stattdessen als „schwedische Schulschwänzerin“ bezeichnet und voraussetzt, wer damit gemeint ist. Bei dieser Nomination handelt es sich zugleich um eine konzeptuelle Metapher, die zum Ziel hat, das Denken des Publikums ohne sein bewusstes Zutun durch die Aktivierung eines Frames in eine gewisse Richtung zu lenken. Das Bild des Kindes, das sich nicht an seine schulischen Pflichten hält, strukturiert das Denken insofern, da das Kind mit einem unvernünftigen Verhalten assoziiert wird. Und Unvernunft kann moralisch infrage gestellt werden.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen des Rechtspopulismus ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der vergleichenden Analyse.
2 Politik und Rhetorik: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen der politischen Rhetorik, wie die Bedeutung von Metaphern und Topoi, dargelegt, die als analytisches Raster für die Untersuchung dienen.
3 Persuasive Wirkmechanismen in Deutschland: Die AfD im Europawahlkampf 2019: Hier werden ausgewählte Reden von Alexander Gauland und Jörg Meuthen analysiert, um spezifische rechtspopulistische Argumentationsmuster in Deutschland zu identifizieren.
4 Persuasive Wirkmechanismen in Frankreich: Der RN im Europawahlkampf 2019: Dieser Teil widmet sich der Analyse von Marine Le Pen und Jordan Bardella, um die rhetorischen Strategien des Rassemblement National im französischen Kontext aufzuzeigen.
5 Fazit und Abschlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und diskutiert die gefundenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Rhetorik beider Parteien.
Rechtspopulismus, Rhetorik, Europawahl 2019, AfD, Rassemblement National, Politische Rede, Topoi, Narrativ, Persuasion, Diskursanalyse, Identitätspolitik, Politische Kommunikation, Europa, Framing, Wahlanalyse
Die Arbeit analysiert die rhetorischen Wirkmechanismen rechtspopulistischer Parteien in Deutschland und Frankreich im Vorfeld der Europawahl 2019.
Im Zentrum stehen die sprachlichen Strategien, der Einsatz von Metaphern, die Konstruktion von Feindbildern (Personalisierung) und die Anwendung spezifischer Argumentationsmuster (Topoi).
Das Ziel ist es, aufzudecken, wie rechtspopulistische Politiker rhetorisch Überzeugungsarbeit leisten und welche Rolle dabei Identitätskonstruktionen und das Schüren von Ängsten spielen.
Es wird eine diskurslinguistische Analyse von Redematerial (Transkripte von Wahlkampfreden) vorgenommen, wobei ein analytisches Raster aus Rhetorik-Modellen und topischen Analysen angewendet wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Reden von AfD-Politikern (Gauland, Meuthen) und RN-Politikern (Le Pen, Bardella) im Kontext der Europawahl 2019.
Rechtspopulismus, Rhetorik, Europawahl 2019, AfD, Rassemblement National, Diskursstrategien und Identitätspolitik sind die prägenden Begriffe.
Sie dient als Beispiel für eine stigmatisierende Rhetorik, durch die die EU als dysfunktional dargestellt wird, während sich die eigene Partei als rettende, "gesunde" Kraft positioniert.
Während Gauland stärker generelle Frontlinien zwischen "Eliten" und "Volk" zieht, setzt Meuthen verstärkt auf die direkte und aggressive Personalbeschimpfung (ad personam), um konkrete Feindbilder zu erzeugen.
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