Fachbuch, 2021
61 Seiten
1 Einleitung
2 Wer sind die sogenannten „SystemsprengerInnen“?
2.1 Definitionsversuche
2.1.1 Hoch- Risiko- Klientel
2.1.2 Eine durch Brüche geprägte Interaktionsspirale
2.1.3 Aktiv mitgestaltet
2.2 Das Bedürfnis nach Kontrolle
2.2.1 Kontrolle bei situativer Unsicherheit
2.2.2 Kontrolle im Rahmen der eigenen Biografie über oder gegen das Hilfesystem
2.2.3 Kontrolle als Überprüfung der Tragfähigkeit des umgebenden Netzwerkes
2.3 Begriffsproblematik
2.4 Wissenschaftliche Erkenntnisse – die EVAS-Studie
2.4.1 Erkenntnisse zu den sogenannten „SystemsprengerInnen“
2.4.2 Wirkfaktoren
2.5 Wie werden Kinder und Jugendliche zu sogenannten „SystemsprengerInnen“? – ein Annäherungsversuch
3 Trauma
3.1 Definition
3.2 Die Differenzierung von Traumatisierungen
3.3 Wie entstehen Traumata?
3.3.1 Die Bedeutung der eigenen Lebensumstände
3.3.2 Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung
3.4 Trauma auf Grund von Gewalt
3.4.1 Psychische Gewalt
3.4.2 Physische Gewalt
3.4.3 Vernachlässigung
3.4.4 Sexuelle Gewalt
3.4.5 Zeugenschaft
3.5 Die Bedeutung von Traumatisierungen für die Entwicklung – ein kurzer Anriss
3.5.1 Entwicklungsverzögerungen als Folge von Traumatisierungen
3.5.2 Bindungsstörungen
3.5.3 Die ACE-Studie
4 Traumapädagogik
4.1 Definition
4.2 Traumapädagogisches Herangehen
4.3 Positive Effekte einer traumapädagogischen Herangehensweise
5 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Gruppe der sogenannten "SystemsprengerInnen" innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe. Ziel ist es, die Verhaltensweisen dieser jungen Menschen als sinnhafte Anpassungsleistungen auf traumatische Erfahrungen zu deuten und aufzuzeigen, wie traumapädagogische Ansätze dazu beitragen können, die Entwicklung zu "SystemsprengerInnen" präventiv zu verhindern oder bestehende Problematiken abzumildern.
2.1.1 Hoch- Risiko- Klientel
Die sogenannten „SystemsprengerInnen“ vereinen ein spezielles Phänomen in sich: sie können als Hoch – Risiko – Klientel im doppelten Wortsinn beschreiben werden. Erklären kann man dies wie folgt: auf der einen Seite waren sie selbst von extremen Entwicklungsrisiken betroffen, durch die sie Verhaltensweisen entwickelt haben, die ihr Überleben gesichert haben, nun kollidieren diese jedoch mit der Umwelt. Auf der anderen Seite geht von ihnen selbst auch ein Risiko aus. Dieses kann für sie und ggf. auch für andere gefährlich sein. Menno Baumann beschreibt fünf typische Verhaltensweisen der sogenannten „SystemsprengerInnen“ die ein hohes Risiko aufweisen. Diese sind körperliche Gewalt, offener inszenierter Drogenkonsum, Abhängigkeit mit einem selbstgefährdenden Verhalten, sowie Selbstverletzungen mit parasuizidalen Tendenzen und die Neigung zu Brandstiftungen.
Aufgrund des Risikos für die eigene Entwicklung und des Risiko, das von ihnen ausgeht, vereinen sie auf besondere Weise die Rolle von Opfer und Täter in sich.
Zu den eben genannten Aspekten gibt die LIFE-Studie einen quantitativen Einblick in die Lebensumstände der Jugendlichen, die einerseits ein großes Entwicklungsrisiko hatten und andererseits ein Risiko für die Umwelt darstellen. Zu diesen Lebensumständen zählen: Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch, Alkohol- und Drogenmissbrauch, gewalttätiges Verhalten, Autoaggressivität, sexuelle Auffälligkeit, Weglauf-Tendenzen und Straffälligkeit.
Zu den Entwicklungsrisiken geht aus der Life-Studie hervor, dass Vernachlässigungen auf 66% der Jugendlichen zutrafen. Misshandlungen hatten 52% erfahren, bei 10% lag die Vermutung nahe, dass sie ebenfalls betroffen waren, dies konnte, anhand der Akten, jedoch nicht zu 100% belegt werden. Bei dem Entwicklungsrisikofaktor des Missbrauchs fiel vor allem auf, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. So konnte bei den weiblichen Klienten eine deutlich höhere Anzahl ausgewertet werden, 50% waren betroffen. Zusammengefasst lagen bei 12% bestätigte Missbrauchsfälle vor, weiterführend wurden bei 21% ein Verdacht auf Missbrauch geäußert.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen im Hilfesystem durch die "SystemsprengerInnen" und formuliert das Ziel der Arbeit, die Gruppe aus traumapädagogischer Sicht zu betrachten.
2 Wer sind die sogenannten „SystemsprengerInnen“?: Dieses Kapitel definiert die Personengruppe, analysiert ihre Lebensumstände als "Hoch-Risiko-Klientel" und untersucht das Bedürfnis nach Kontrolle sowie die wissenschaftlichen Erkenntnisse der EVAS-Studie.
3 Trauma: Der theoretische Teil befasst sich mit der Definition, Entstehung und Unterteilung von Traumata sowie deren weitreichenden Folgen für die psychische und soziale Entwicklung junger Menschen.
4 Traumapädagogik: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der Traumapädagogik ein und erläutert, wie ein traumasensibler Ansatz präventiv und interventiv genutzt werden kann, um die Entwicklung betroffener Jugendlicher positiv zu beeinflussen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer traumasensiblen Haltung in allen Ebenen der Jugendhilfe für eine erfolgreiche Arbeit mit dieser Zielgruppe.
SystemsprengerInnen, Traumapädagogik, Kinder- und Jugendhilfe, Bindungsstörungen, Kontrollbedürfnis, EVAS-Studie, Entwicklungsrisiken, komplexe Traumatisierung, pädagogische Haltung, Ressourcenorientierung, Interaktionsspirale, Jugendhilfekarriere, Prävention, Resilienz, soziale Arbeit.
Die Arbeit beleuchtet die Gruppe der sogenannten "SystemsprengerInnen" und untersucht, wie traumaadaptives Verhalten die Zusammenarbeit mit dem Jugendhilfesystem prägt.
Die zentralen Felder sind die Definition und Verhaltensanalyse der "SystemsprengerInnen", die fundierte Auseinandersetzung mit Traumata (insb. bei Gewalt) sowie die Anwendung traumapädagogischer Konzepte in der Praxis.
Das Ziel ist es, das Verständnis für das Verhalten dieser Klientel zu schärfen und aufzuzeigen, wie traumapädagogische Ansätze zur Prävention und erfolgreichen Begleitung beitragen können.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Erkenntnisse von Prof. Dr. Menno Baumann, die EVAS-Studie, die ACE-Studie sowie aktuelle traumapädagogische Standardwerke.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: Charakteristika der Jugendlichen, Grundlagen der Traumatherapie und -diagnostik sowie die Implementierung traumapädagogischer Haltungen.
Wichtige Begriffe sind SystemsprengerInnen, Traumapädagogik, Bindungsstörungen, Kontrolle, Ressourcenorientierung und die Vermeidung von Abbruchspiralen im Jugendhilfesystem.
Sie beschreibt ein Paradoxon, bei dem das Jugendhilfesystem durch seine eigenen Abläufe (z.B. Wechsel von Maßnahmen) die Beziehungsbrüche produziert, die das "Systemsprenger-Verhalten" beim Jugendlichen erst verstärken.
Statt durch Bestrafung oder Druck zu reagieren, setzt die Traumapädagogik auf das Prinzip des "guten Grundes", bei dem das Verhalten als bisherige Überlebensstrategie akzeptiert wird, um darauf aufbauend Vertrauen und neue Kompetenzen zu entwickeln.
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