Bachelorarbeit, 2020
48 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Ritter im Mittelalter
2.1 Die Anfänge des Rittertums
2.2 Das Erscheinungsbild des Ritters
2.3 Gewaltausübung im Mittelalter
2.4 Die höfische Repräsentation des Adels
2.5 Die Idee der Ritterlichkeit
3. Gewalt und Männlichkeit
3.1 Erec, der ritter guot
3.2 Ulrich, der Ritter aus Leidenschaft
4. Höfische Repräsentation
4.1 Erec, fils du roi Lac
4.2 William, Sohn des Dachdeckers John
5. Ere und minne
5.1 Êrecke und Ênîten, das geprüfte Königspaar
5.2 William und Jocelyn, das moderne Liebespaar
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Ritterkonzeptionen im mittelhochdeutschen Artusroman Erec von Hartmann von Aue und dem modernen Kinofilm Ritter aus Leidenschaft. Ziel ist es, die Überschneidungen und Unterschiede in der Darstellung von Ritterlichkeit, Männlichkeit und höfischer Repräsentation kritisch zu hinterfragen, um die Authentizität der modernen Filmkonzeption im Vergleich zum literarischen Vorbild zu bewerten.
3. Gewalt und Männlichkeit
Sowohl der Erec als auch der Ritter aus Leidenschaft erzählen eine Geschichte eines jungen Ritters, welcher sich als Ritter und Mann beweisen will oder muss. Beide Protagonisten haben dabei zunächst mit Unterschätzung und Erniedrigung zu kämpfen und müssen den Beweis ihrer Männlichkeit gewaltsam im Kampf erbringen. Zunächst soll nun also die Gewalt und ihre Bedeutung für die Konstituierung von Männlichkeit betrachtet werden. Laut Dorothea Klein sind die beiden Schlüsselfaktoren für die männliche Identität im Roman Gewalt gegen und Macht über Männer und Frauen. Durch die Ausübung von Gewalt wird Erec in Hartmanns Roman vom Jüngling zum Mann, sie ist somit ein entscheidendes Element seiner „Sozialisation zum Mann“. Auch im Ritter aus Leidenschaft spielt die Gewalt unter Männern eine wichtige Rolle, begrenzt sich jedoch beinahe ausschließlich auf den Turnierkontext. Indem sie im Turnier den Sieg erringen, demonstrieren die Ritter ihre Fähigkeit, Gewalt gegen andere Männer auszuüben.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Faszination für das Mittelalter dar und definiert das Ziel, Hartmanns Erec als historisches Vorbild dem modernen Film Ritter aus Leidenschaft gegenüberzustellen.
2. Der Ritter im Mittelalter: Dieses Kapitel definiert das mittelalterliche Rittertum, sein Erscheinungsbild, die Praxis der Gewalt und die höfische Repräsentation des Adels sowie das Ideal der Ritterlichkeit.
3. Gewalt und Männlichkeit: Es wird analysiert, wie die Protagonisten Erec und William durch den Kampf und die Bewährung in der Gewalt ihre Identität als Männer und Ritter konstituieren.
4. Höfische Repräsentation: Dieser Abschnitt untersucht, wie adlige Identität durch Kleidung, Feste und Verhalten dargestellt wird und wie der Film diese Strukturen durch moderne Anachronismen herausfordert.
5. Ere und minne: Der Fokus liegt auf dem Konflikt zwischen ritterlicher Ehre und Minne in den Beziehungen von Erec/Enite und William/Jocelyn sowie dem Wandel der Geschlechterrollen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Film moderne Werte durch das mittelalterliche Setting transportiert und die starren ständischen Grenzen kritisch hinterfragt, ohne den Kern des ritterlichen Ideals zu zerstören.
Rittertum, Erec, Hartmann von Aue, Ritter aus Leidenschaft, Mittelalter, Männlichkeit, Gewalt, Höfische Repräsentation, Minne, Ehre, Adel, Identität, Filmanalyse, Anachronismus, Geschlechterrollen.
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Ritterbild im mittelhochdeutschen Artusroman Erec von Hartmann von Aue und dem modernen Hollywood-Film Ritter aus Leidenschaft.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung ritterlicher Identität durch Gewalt, der Bedeutung von höfischer Repräsentation und dem Spannungsfeld zwischen persönlicher Liebe (Minne) und ritterlicher Ehre.
Es soll geklärt werden, inwiefern sich moderne popkulturelle Ritterdarstellungen von ihren literarischen Vorbildern unterscheiden und was diese Unterschiede über gesellschaftliche Wertvorstellungen aussagen.
Die Arbeit nutzt eine vergleichende literatur- und filmwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachspezifische Forschungsliteratur zur Mediävistik und zu Mittelalteradaptionen im Film.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Männlichkeit durch Gewalt, die Analyse der höfischen Repräsentation und die Untersuchung der Minnebeziehungen in den beiden Vergleichswerken.
Die zentralen Begriffe sind Rittertum, Männlichkeit, höfische Repräsentation, Minne und Ehre (ere) sowie der moderne Begriff der Authentizität.
Ein wesentlicher Punkt ist die Kritik an der ständischen Ordnung: Während im Erec die adlige Herkunft zentral ist, stellt der Film mit der Figur William Thatcher infrage, ob ritterliches Verhalten an die Geburt gebunden sein muss.
Während Enite im Erec lange Zeit eine untergeordnete, passive Rolle einnimmt, ist Jocelyn im Film als moderne, selbstbewusste Frau dargestellt, die aktiv gegen das Stereotyp der stummen Dame opponiert.
Der Autor interpretiert Anachronismen wie moderne Musik oder Sportevent-Atmosphäre nicht als Fehler, sondern als bewusste Mittel, um moderne Werte und eine "neue Welt" der Gleichberechtigung in das mittelalterliche Setting zu transportieren.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der ritterliche Kern (Mut, Güte, Ehre) zeitlos bleibt, während die exklusive Bindung an den Adel durch den Film zugunsten einer moderneren, leistungsorientierten Ritterkonzeption aufgebrochen wird.
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