Examensarbeit, 2008
120 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen zur Analyse komischer Darstellungsformen
2.1 Zur Theorie des Komischen
2.2 Funktion und Wirkungsweise der Komik in der Literatur
2.2.1 Allgemeine Funktionen und Wirkungsweisen von Komik und ihre Bedeutung für die Literatur
2.2.2 Funktion und Wirkungsweise der Komik in der Geschichte der deutschen Literatur
2.2.2.1 Komische Darstellungsformen in der mittelalterlichen Literatur
2.2.2.2 Komische Darstellungsformen in der frühen Neuzeit
2.2.2.3 „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ - komische Darstellungsformen in der Romantik
2.2.2.4 Komik in der Literatur des geteilten Deutschlands
2.2.2.5 „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ – Komik in der deutschen Gegenwartsliteratur
2.3 Spielarten der Komik
2.3.1 Die Satire
2.3.2. Ironie
2.3.3 Das Groteske
2.3.4 Schwarzer Humor
2.3.5 Parodie und Travestie
3. Komische Darstellungsformen und NS-Exilliteratur
3.1 Der Exilliteraturbegriff und seine Abgrenzung
3.2 Stand der Exilliteraturforschung
3.3 Lachen über den Nationalsozialismus – Eine Feldanalyse
3.1.1 Die Exilsatire
3.1.1.1 Historische Entwicklung der Satire des Exils
3.1.1.2 Rezeptionsprobleme der Exilsatiren
3.1.1.3 Satirische Darstellungsarten
3.1.2 Der politische Witz im Nationalsozialismus
3.1.3 Die Komödienproduktion im Exil
3.2 Funktionen der Komik in der Exilliteratur
3.2.1 Komik als Ausweg aus einer dichterischen Darstellungsproblematik
3.2.2 Komik und Geschichtserfahrung
3.2.3 Satirische Komik im Zeichen der Aufklärung
3.2.4 Komik als Form der satirischen Kleinbürgerkritik
4. Zur Analyse komischer Darstellungsformen in ausgewählten Texten des Exils
4.1 Methodische Vorüberlegungen und Analysekriterien
4.2 Alfred Döblins Exilroman: „Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall“
4.2.1 Literaturhistorische Einordnung
4.2.2 Positionen der Alfred-Döblin-Forschung
4.2.3 Inhaltszusammenfassung
4.2.4 Zur Funktion und Wirkungsweise komischer Darstellungsformen im Roman
4.2.4.1 Das komische Spiel der Erzählerinstanz
4.2.4.1.1 Der heitere Erzählstil als Bewältigungsstrategie
4.2.4.1.2 Der komische Dialog zwischen Erzähler und Leser
4.2.4.1.3 Zur Komik der Illustrationen
4.2.4.2 Komische Darstellungsarten als Reflexion früher Exilerfahrung
4.2.4.2.1 Groteske Körperdarstellungen als Ausdruck eines historischen Wandels
4.2.4.2.2 Der tragikomische Humor der Figuren als Form der literarischen Trauerarbeit
4.2.4.3 Andeutung einer düsteren Vermutung – satirische Zeitkritik im Roman
4.2.4.4 Zusammenfassung
4.3 Irmgard Keuns Exilroman: „D-Zug dritter Klasse“
4.3.1 Literaturhistorische Einordnung
4.3.2 Positionen der Irmgard-Keun-Forschung
4.3.3 Inhaltszusammenfassung
4.3.4 Zur Funktion und Wirkungsweise komischer Darstellungsformen im Roman
4.3.4.1 Der naive Erzählstil als Ausgangspunkt komischer Darstellungsweisen
4.3.4.2 Komische Darstellungsarten als Ausdruck der Kleinbürgerkritik
4.3.4.3 Wahnsinn als Ausweg - Die Parodie des klassischen Außenseiters
4.3.4.4 „…denn das Ende jedes Rausches ist ein kleiner Tod.“ Die Komik des Betrunkenen
4.3.4.5 Satirische Herrschaftskritik
4.3.4.6 Zusammenfassung
5. Schlussbetrachtung
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellenverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht komische Darstellungsformen in der deutschsprachigen Exilliteratur von 1933 bis 1950, um deren Funktion über eine reine politische Satire hinaus zu analysieren. Der Fokus liegt darauf, wie komische Mittel als reflexive Verarbeitungsverfahren für existenzielle Geschichtserfahrungen und als Ausweg aus künstlerischen Darstellungsproblemen im Exil fungieren.
Der heitere Erzählstil als Bewältigungsstrategie
Der heitere Erzählstil der Erzählerinstanz gehört im Roman nahezu ungebrochen zu den auffälligsten Elementen der komischen Gestaltung. Schon die einleitenden Worte des Erzählers verraten diesen schalkhaften Grundton, der den Leser von nun an begleiten wird. „Ein großer Herr ist in zeitgemäße Schwierigkeiten geraten und muß auf seinen bisherigen Aufwand verzichten. […] Langsam gelingt es dem großen Herrn, auf den Schultern der beiden andern stehend, festen Fuß zu fassen. […] Nebenbei ist es die Geschichte eines Adams, der viele Evas, aber keine Sünde trifft und schwer das Paradies verläßt.“ (BW, S.7) Hier scheint bereits durch, dass der Erzählton weitgehend frei von Pathos und mit einer besonders heiteren Leichtigkeit versehen ist. Mit aufreizend frecher Kommentierung wird der Situation um Konrad und seine Mitstreiter jeglicher Ernst genommen und mit ironischem und bisweilen spöttischem Abstand werden die Figuren paraphrasiert. Besonders deutlich wird dies am spaßhaften Spiel des Erzählers mit den Namen der handelnden Figuren. So stehen die nüchternen Namen „Konrad“, „Georg“ oder „Waldemar“ in völligem Missverhältnis zu ihrer Herkunft als babylonisch-chaldäisch-assyrische Gottheiten und karikieren somit die Erhabenheit ihrer Stellung. Die schelmisch-ironischen Personenbezeichnungen tauchen im Verlauf des Romans immer wieder auf. So wird Konrad mal als „struppige[r] Oberräuber“ (BW, S.18), als „Chan Ibn Kurmani, Säule der Regierung“ (BW, S.140ff.), als „Messer Konradino“ (BW, S.238, 240), absurd als „Philipp“ (BW, S.317f.) oder lächerlich verkürzt als „K.“ betitelt. Ebenso verfährt der Erzähler bei der Benennung der weiblichen Figuren im Roman, mit denen Konrad erste Liebeserfahrungen sammelt. Die erste Liebschaft wird vom Erzähler durchgängig, aufgrund ihrer Arbeit in einem Istanbuler Bonbongeschäft, abschätzig als „Bonbonmamsell“ (BW, S.252ff.) bezeichnet.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Neubewertung der deutschsprachigen Exilliteratur und setzt den Fokus auf die Untersuchung komischer Darstellungsformen in den Romanen von Alfred Döblin und Irmgard Keun.
2. Vorüberlegungen zur Analyse komischer Darstellungsformen: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen des Komischen und analysiert historische Entwicklungslinien komischer Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
3. Komische Darstellungsformen und NS-Exilliteratur: Hier wird der spezifische Kontext der Exilliteratur untersucht, wobei satirische Ausdrucksformen, politischer Witz und Komödienproduktion im Exil als Mittel der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus analysiert werden.
4. Zur Analyse komischer Darstellungsformen in ausgewählten Texten des Exils: Dieser Hauptteil widmet sich den detaillierten Textanalysen von Döblins „Babylonische Wandrung“ und Keuns „D-Zug dritter Klasse“ hinsichtlich ihrer komischen Gestaltungsmittel.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Komik in der Exilliteratur weit mehr als bloße politische Satire ist und als reflektives Medium zur Bewältigung traumatischer Geschichtserfahrungen dient.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Exilliteratur, Komik, Satire, Groteske, Ironie, Alfred Döblin, Irmgard Keun, NS-Faschismus, Geschichtserfahrung, Kleinbürgerkritik, Sprachkomik, Schwarzer Humor, Parodie, Travestie, Exilerfahrung.
Die Arbeit untersucht, wie komische Darstellungsformen – wie Satire, Ironie oder Groteske – als literarische Mittel in der deutschsprachigen Exilliteratur von 1933 bis 1950 eingesetzt wurden.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Komischen, der Geschichte komischer Literatur, der Funktion des Lachens im Nationalsozialismus und der Analyse von Exilromanen.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Komik in der Exilliteratur nicht nur satirische Kritik übt, sondern als reflexives Verarbeitungsverfahren dient, um traumatische Geschichtserfahrungen und die künstlerische Darstellungsproblematik im Exil zu bewältigen.
Es werden literaturwissenschaftliche Methoden der Erzähltextanalyse angewandt, ergänzt durch komiktheoretische Ansätze, insbesondere die Kontrast- und Inkongruenztheorie.
Im Kern steht die Analyse von Alfred Döblins Roman „Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall“ sowie Irmgard Keuns Roman „D-Zug dritter Klasse“.
Wichtige Begriffe sind Exilliteratur, satirische Kleinbürgerkritik, groteske Körperdarstellung und die Funktion der Ironie als Bewältigungsstrategie.
Der Autor versteht die Illustrationen als integralen, komischen Bestandteil des Romans, der in Symbiose mit dem Text steht und die ironische Erzählerhaltung visuell unterstreicht.
Die Figur der Tante Camilla wird durch das Wahnsinnsmotiv zur „heimlichen Heldin“, die als einzige Figur vom kleinbürgerlichen Zwang befreit ist und so als Parodie des klassischen Außenseiters fungiert.
Dies ist ein Prozess in der modernen Literatur, bei dem komische Mittel eingesetzt werden, um tragische oder grauenvolle Inhalte zu vermitteln und so einen provozierenden Kontrast zu erzeugen.
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