Masterarbeit, 2014
45 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung Aufarbeitung
2.1. Historische Aufarbeitung
2.2. Sozialwissenschaftliche Aufarbeitung
2.3. Mediale Aufarbeitung
2.4. Persönliche Aufarbeitung
2.5. Zusammengefasster Aufarbeitungsbegriff
3. Die Odenwaldschule
3.1. Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule
3.2 Aufarbeitung seitens der Schule
3.3. Die Rolle der Medien bei der Aufarbeitung
3.4. Die persönliche Aufarbeitung der Opfer
4. Verschiebung des kulturellen Gedächtnisses
5. Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Prozess der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule zu untersuchen und zu analysieren, wie sich dieser Prozess auf das kulturelle Gedächtnis im Bezug auf die Institution ausgewirkt hat.
3.1. Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule
Das Jahr 2010 gilt als Anfangspunkt, wenn es um die Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt an Institutionen geht. Zunächst wurde die Öffentlichkeit durch die Vorkommnisse am Berliner Canisius- Kolleg erschüttert. Es folgten Berichte über das Kloster Elttal und schließlich auch die Odenwaldschule. Die mediale Berichterstattung überschlug sich und gab immer mehr Details bekannt. Dass über sexuellen Missbrauch in diesem Ausmaß gesprochen wurde, war ein absolutes Novum, da es sich bei diesem Thema um ein so brisantes handelt, dass die Gesellschaft lieber schwieg. Die Fülle der bekanntgewordenen Fälle ließ ein Schweigen allerdings nicht zu, sodass eine rasante Dynamik entstand.
Der „große Knall“ bei der Odenwaldschule kam, als sich zwei ehemalige Schüler in einem Brief an die damalige Schulleiterin Margarita Kaufmann wendeten und diese fragten, wie sie gedenke, anlässlich des anstehenden Jubiläums zum hundertjährigen Bestehen der Odenwaldschule, mit den Missbrauchsfällen durch den ehemaligen Schulleiter Gerold Becker umzugehen.77 Jürgen Dehmers, dessen Name eigentlich Andreas Huckele ist, stellte in seinem Brief an die Schule das Ultimatum, dass bis zum 01.März 2010 eine öffentliche Entschuldigung erfolgen müsse, sonst würde er sich an die Presse wenden.78 Das Interesse der Presse an diesem Fall war enorm, da im Januar desselben Jahres das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Berliner Canisius- Kolleg für große Aufmerksamkeit sorgte. Der Fall der Odenwaldschule passte dadurch gut in die laufende Berichterstattung.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Aufarbeitung ein und definiert das Forschungsinteresse an der Odenwaldschule und der Verschiebung des kollektiven Gedächtnisses.
2. Begriffsbestimmung Aufarbeitung: Das Kapitel differenziert zwischen historischer, sozialwissenschaftlicher, medialer und persönlicher Aufarbeitung, um einen integrativen Arbeitsbegriff zu bilden.
3. Die Odenwaldschule: Hier wird der reformpädagogische Kontext der Schule sowie der Verlauf und die unterschiedliche Art der Aufarbeitung (Schule, Medien, Opfer) detailliert rekonstruiert.
4. Verschiebung des kulturellen Gedächtnisses: Die Untersuchung zeigt, wie die mediale Aufarbeitung und die Offenlegung der Missbrauchsfälle das Image der Schule nachhaltig und negativ transformiert haben.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Aufarbeitung zwar begonnen hat, jedoch zögerlich war und dass ein wirklicher Abschluss, auch aufgrund der persönlichen Betroffenheit, kaum möglich ist.
Odenwaldschule, Aufarbeitung, Sexueller Missbrauch, Reformpädagogik, Kulturelles Gedächtnis, Vergangenheitsbewältigung, Gerold Becker, Mediale Berichterstattung, Opferperspektive, Institutionelle Gewalt, Pädagogische Kontexte, Anerkennung, Kollektives Gedächtnis, Trauma, Verdrängung
Die Arbeit analysiert, wie der Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule aufgearbeitet wurde und wie dieser Prozess das öffentliche Bild der vormals als reformpädagogisches Vorzeigeinternat geltenden Schule grundlegend verändert hat.
Zentrale Themen sind die verschiedenen Dimensionen der Aufarbeitung (historisch, sozialwissenschaftlich, medial, persönlich), die Geschichte der Reformpädagogik an der Schule sowie die Dynamiken des kollektiven Erinnerns und Vergessens.
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit eine Aufarbeitung des Skandals stattfand, ob diese als gelungen betrachtet werden kann und wie sich das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft durch die neuen Erkenntnisse transformiert hat.
Es wurde eine theoretische Herleitung der verschiedenen Aufarbeitungsbegriffe vorgenommen, die anschließend auf den empirischen Fall der Odenwaldschule und die vorliegenden Berichte und Sekundärquellen angewendet wurde.
Im Hauptteil werden zunächst die Begrifflichkeiten geklärt, dann die Entstehungsgeschichte der Odenwaldschule und ihre Ideale dargestellt, gefolgt von der Analyse, wie Schule, Medien und Opfer jeweils unterschiedlich und teils konfliktreich auf die Enthüllungen reagierten.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Aufarbeitung, Odenwaldschule, sexueller Missbrauch, Reformpädagogik und kulturelles Gedächtnis geprägt.
Andreas Huckele (unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers) war als ehemaliger Schüler eine der zentralen Figuren, die durch ihre Hartnäckigkeit und den Druck auf die Schulleitung sowie die Medien erst die notwendige Öffentlichkeit herstellten.
Laut der Arbeit führten ein unkritischer Glaube an die „heile Welt“ der Schule, das Prestige der reformpädagogischen Ideale sowie ein kollektives Schweigen und strukturelle Abhängigkeiten dazu, dass eine Aufarbeitung über Jahre hinweg blockiert wurde.
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