Magisterarbeit, 2009
103 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Robinsonade
2.1 Der Ursprung der Gattung
2.2 Quellen und Wirkung
2.3 Forschungsdiskussion
2.4 Untersuchung
2.4.1 Katastrophe und Isolation
2.4.2 Physisches Überleben
2.4.3 Psychisches Überleben
2.4.4 Insel und Zivilisation
2.4.5 Der typische Robinson
2.5 Ergebnis und Definition
2.6 Robinsonade und Utopie
2.6.1 Definition der Utopie
2.6.2 Vergleich und Abgrenzung
3. Zwei moderne Robinsonaden – Arno Schmidts Schwarze Spiegel (1951) und Marlen Haushofers Die Wand (1963)
3.1 Forschungsmeinungen
3.2 Untersuchung
3.2.1 Weltkatastrophe und totale Isolation
3.2.1.1 Hinter der Glaswand
3.2.1.2 Im Zentrum der Zerstörung
3.2.2 Jäger und Sammler
3.2.2.1 Leben im Überfluss
3.2.2.2 Leben als Überleben
3.2.3 Last und Lust des Überlebens
3.2.3.1 Misanthropie und Gesellschaftskritik
3.2.3.2 Religion als unmögliches Prinzip
3.2.4 Inselwelten
3.2.4.1 Inselvariation
3.2.4.2 Die Welt als Insel
3.2.4.3 Ambivalente Welten
3.2.5 Männliche und weibliche Robinsonade
3.2.5.1 Geschlechtsidentitäten
3.2.5.2 Robinson und Robinsonin
3.2.6 Robinsonaden mit verweigerter Utopie?
3.2.6.1 Kampf der Geschlechter
3.2.6.2 Kampf der Gattungen?
3.2.7 Rückkehr in die Gesellschaft
3.3 Zusammenfassung und Ergebnis
3.3.1 Vergleich und Abgrenzung
3.3.2 Die Post-Desaster-Robinsonade
4. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zugehörigkeit von Arno Schmidts Erzählung "Schwarze Spiegel" (1951) und Marlen Haushofers Roman "Die Wand" (1963) zur Gattung der Robinsonade, indem sie eine Gattungsdefinition auf Basis von Daniel Defoes "Robinson Crusoe" erarbeitet und diese auf die beiden modernen Werke anwendet.
2.4.1 Katastrophe und Isolation
Robinsons Strandung gehen einige Unglücksfälle voran, die sich allesamt während seiner Seefahrten ereignen. Auf seiner ersten Schifffahrt gerät er in ein Unwetter und erleidet Schiffbruch, bei einer weiteren wird er von Piraten überfallen und als Sklave nach Afrika verschleppt. Zwei Jahre darauf gelingt ihm eine abenteuerliche Flucht, die ihn schließlich nach Brasilien führt. Hier lässt er sich als Farmer nieder. Seine Geschäfte laufen gut, glücklich ist er aber nicht, da das sesshafte Leben nicht seinem Charakter entspricht. Seine bisherigen Erlebnisse haben keine Veränderung bei ihm erwirkt: Robinson sehnt sich immer noch nach einem Leben voller Abenteuer. Als ihn einige Farmer darum bitten, Sklaven in Guinea zu kaufen und nach Brasilien zu bringen, willigt er gerne ein. Doch das Unternehmen scheitert, Robinsons Schiff kentert und er landet als einziger Überlebender auf einer einsamen Insel.
In dem Nacheinander von Schiffbruch, Versklavung und Strandung ist eine deutliche Steigerung der Ereignisse zu erkennen. Die Vorgeschichte besteht nicht aus einer willkürlichen Aneinanderreihung von Abenteuerepisoden, sondern weist direkt auf den Inselaufenthalt hin. Die Strandung bildet den Höhepunkt der Unglücksfälle, auf den die Vorgeschichte hinaus läuft. Die Abenteuer markieren dabei den Weg, der Robinson auf die Insel führt. Nachdem er beinahe jedes auf See erlebbare Schicksal erfahren und überstanden hat, stellt einzig die Strandung eine weitere Steigerungsmöglichkeit dar. In der Abfolge der Geschehnisse bildet der Schiffbruch die logische Katastrophe, die Insel den dazu passenden Raum. Es handelt sich keineswegs um eine zufällige Errettung durch die Insel, wie Götz Müller meint. Vielmehr bestimmt die Art der Katastrophe den Handlungsraum der Robinsonade.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert "Robinson Crusoe" als Prototyp der Robinsonade und thematisiert das Fehlen einer allgemein anerkannten Gattungsdefinition sowie die Problematik der Abgrenzung zur Utopie.
2. Die Robinsonade: Dieses Kapitel erarbeitet auf Basis von Defoes Werk die konstituierenden Merkmale der Robinsonade, darunter die Katastrophe als Initialzündung, die physischen und psychischen Aspekte des Überlebens, die Rolle der Insel und das Profil des "typischen Robinson".
3. Zwei moderne Robinsonaden – Arno Schmidts Schwarze Spiegel (1951) und Marlen Haushofers Die Wand (1963): Dieser Hauptteil analysiert Schmidts Erzählung und Haushofers Roman hinsichtlich der zuvor erarbeiteten Kriterien und zeigt auf, wie diese Werke das Genre unter den Vorzeichen einer globalen Katastrophe als "Post-Desaster-Robinsonaden" variieren.
4. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und benennt weiterführende Forschungsfragen, insbesondere hinsichtlich der Gruppenrobinsonade und der psychologischen Dimensionen der behandelten Texte.
Robinsonade, Robinson Crusoe, Arno Schmidt, Marlen Haushofer, Schwarze Spiegel, Die Wand, Gattungsdefinition, Utopie, Post-Desaster-Robinsonade, Isolation, Überlebensstrategien, Literaturwissenschaft, Zivilisationskritik, Inselmotiv, Geschlechtsidentität
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern Arno Schmidts Erzählung "Schwarze Spiegel" und Marlen Haushofers Roman "Die Wand" als moderne Varianten der Robinsonade eingeordnet werden können.
Im Zentrum stehen die Gattungskriterien der klassischen Robinsonade (nach Defoe) im Vergleich mit den spezifischen Darstellungsformen von Katastrophe, Isolation und Überlebenskampf in den beiden genannten Werken der Moderne.
Das primäre Ziel ist es, eine belastbare Definition der Robinsonade zu finden, die über das klassische Muster hinausgeht, und diese auf moderne Texte anzuwenden, um deren Gattungszugehörigkeit zu klären.
Die Autorin stützt sich auf eine intensive Literaturanalyse, wobei sie insbesondere die Monografie von Erhard Reckwitz zur Definition der Robinsonade heranzieht und diese kritisch prüft und erweitert.
Der Hauptteil analysiert die Katastrophenszenarien (globale Vernichtung), die veränderten Lebensbedingungen der Protagonisten, das Verhältnis von Mensch und Natur sowie geschlechtsspezifische Aspekte des Überlebens in den Primärtexten.
Die zentralen Begriffe sind "Robinsonade", "Utopie", "Post-Desaster-Robinsonade", "Inseldasein" sowie die Analyse von "Physischem und psychischem Überleben".
Die Autorin betont, dass eine Einzelrobinsonade nicht zur Utopie werden kann. Eine utopische Gemeinschaftbildung setzt laut der Untersuchung das Zusammenleben mehrerer Personen voraus, während der Fokus der Robinsonade auf dem isolierten Überlebenskampf des Einzelnen liegt.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass beide Texte ein eher pessimistisches Bild einer menschenleeren Welt zeichnen, in der die Hoffnung auf ein dauerhaftes, friedliches Miteinander oder einen gesellschaftlichen Neuanfang letztlich an den Charakteren der Protagonisten oder der totalen Zerstörung scheitert.
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