Examensarbeit, 2002
148 Seiten, Note: 1,5
0. Einleitung
1. Spätlegasthenie und Analphabetismus in der Bundesrepublik Deutschland
1.1. Definitionen
1.1.1. Analphabetismus
1.1.2. Spätlegasthenie
1.2. Größenordnungen des Analphabetismus
1.3. Zu den Ursachen von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter
1.3.1. Medizinisch-pathologische Sichtweisen zur Verursachung von Lese- und Schreibschwierigkeiten – Kognitive Lernvoraussetzungen, Teilleistungsschwächen und konstitutionelle Bedingungen
1.3.2. Ungünstige Sozialisationsbedingungen als Ursachen für Lese- und Schreibschwierigkeiten – Biografische Ursachenforschung
1.4. Zur Bedeutung und den Folgen des funktionalen Analphabetismus für die Betroffenen
2. Schriftspracherwerb – Voraussetzungen und Entwicklung
2.1. Voraussetzungen zum Schriftspracherwerb
2.1.1. Metalinguistische Bewusstheit
2.1.2. Verbo-sensomotorische Voraussetzungen
2.2. Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs
2.2.1. Stufenmodelle zur Entwicklung des Schriftspracherwerbs
2.2.2. Das Mehrebenenmodell des Schriftspracherwerbs
3. Konzepte zur Alphabetisierung – Methoden zum Erwerb und zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen
3.1. Die analytisch-synthetische Lese-Schreib-Lehr- und Lernmethode
3.2. Ganzheitlich analytische und synthetische Lese-Schreib-Lehr- und Lernmethoden
3.3. „Lesen durch Schreiben“ – Die Umkehrmethode von Jürgen Reichen
3.4. Die Morphemmethode
3.5. Der Spracherfahrungsansatz
3.6. Der Fähigkeitenansatz
3.7. Die Computer-unterstützte Rechtschreibförderung
4. Lese-Rechtschreibförderung in der forensischen Psychiatrie – Zur Entstehung, Planung und Durchführung einer Alphabetisierungsmaßnahme
4.1. Die Entstehungsphase
4.2. Umfeldanalyse
4.3. Diagnostische Maßnahmen zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen und des Lernstandes
4.3.1. Auswahl der Diagnostika zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen und des Lernstandes
4.3.2. Kriterien zur Analyse der Schriftsprachkompetenzen
4.3.3. Darstellung der Untersuchungsergebnisse
4.4. Zur Kursgestaltung
4.4.1. Exkurs: Die „Lautgetreue Rechtschreibförderung“ von Reuter Liehr
4.4.2. Durchführung einer Kurssequenz zum Fehlerschwerpunkt Konsonantendopplung
4.4.3. Lernen mit der Rechtschreibkartei
4.4.4. Übungen zur Sicherung der Lernvoraussetzungen
4.5. Zwischenbilanz
4.6. Ausblick
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht Ansätze zur Förderung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei Jugendlichen und Erwachsenen, wobei der Fokus auf Patienten der forensischen Psychiatrie liegt. Das zentrale Ziel ist es, unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen und Ursachen von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, ein methodisch fundiertes Konzept für eine Alphabetisierungsmaßnahme zu entwickeln und dessen praktische Anwendung zu evaluieren.
Die Entstehungsphase
Mitarbeiter der Klinik für Forensische Psychiatrie, Städtisches Klinikum „St. Georg“ Leipzig, suchten im Frühsommer des Jahres 2001 nach einer Möglichkeit, die von ihnen zum Teil als massiv empfundenen Schwierigkeiten einiger Patienten im Umgang mit der Schriftsprache zu verbessern. Für den Aufbau und die Durchführung einer entsprechenden Maßnahme wandten sie sich hilfesuchend an das Institut für Förderpädagogik, Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig, und wurden an die in der Sprachbehindertenpädagogik tätigen Mitarbeiter weitergeleitet. Schlussendlich und aufgrund glücklicher Umstände bekam ich die Chance, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen.
Das erste Treffen mit den Mitarbeitern der Klinik für Forensische Psychiatrie diente dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Austausch grundlegender Gedanken zur Gestaltung eines Kurses zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten von Patienten dieser Einrichtung. Dieses war für mich und vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt ein schwieriges Unterfangen, da ich zuvor noch nie etwas mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter zu tun hatte. Diese Tatsache ist auf jeden Fall damit zu begründen, dass ich mich im Rahmen meines Studiums, Lehramt an Förderschulen, hauptsächlich mit Lernschwierigkeiten beschäftige, wie sie im Alter von schulpflichtigen Kindern auftreten können. Die Anforderung an mich bestand und besteht noch immer darin, erstens, das Wissen über Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb von Schülern und die förderpädagogischen Möglichkeiten zur Überwindung dieser Schwierigkeiten auf Jugendliche und Erwachsene zu übertragen und zweitens, mich mit den Besonderheiten sowohl im Rahmen der Entstehung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter als auch mit den sich notwendigerweise vom schulischen Lehren und Lernen unterscheidenden methodisch-didaktischen Vorgehensweisen zu beschäftigen und diese adäquat umzusetzen.
0. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problemstellung des Analphabetismus und der Spätlegasthenie sowie die Zielsetzung der Arbeit zur Förderung dieser Zielgruppe.
1. Spätlegasthenie und Analphabetismus in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe, analysiert das Ausmaß des Problems und beleuchtet die Ursachen sowie Folgen für die Betroffenen.
2. Schriftspracherwerb – Voraussetzungen und Entwicklung: Hier werden die kognitiven und sensomotorischen Voraussetzungen für das Lesen- und Schreibenlernen sowie verschiedene Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs vorgestellt.
3. Konzepte zur Alphabetisierung – Methoden zum Erwerb und zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen: In diesem Kapitel werden diverse Lehrmethoden, von analytisch-synthetischen Ansätzen bis hin zu computergestützten Verfahren, kritisch auf ihre Anwendbarkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen geprüft.
4. Lese-Rechtschreibförderung in der forensischen Psychiatrie – Zur Entstehung, Planung und Durchführung einer Alphabetisierungsmaßnahme: Der Hauptteil beschreibt praxisnah die Planung, die diagnostischen Maßnahmen, die Kursgestaltung und die Ergebnisse des Alphabetisierungsprojektes in einer forensischen Klinik.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen bei der spezifischen Zielgruppe der Patienten der forensischen Psychiatrie.
Analphabetismus, Spätlegasthenie, Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, funktionale Analphabeten, Alphabetisierung, forensische Psychiatrie, Sprachbehindertenpädagogik, Fehleranalyse, Rechtschreibwissen, Schreibprozess, Lernvoraussetzungen, Sprachwahrnehmung, Sprachförderung, Resozialisierung.
Die Arbeit behandelt das Thema der Förderung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei Jugendlichen und Erwachsenen, speziell am Beispiel von Patienten in der forensischen Psychiatrie.
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des funktionalen Analphabetismus, die Voraussetzungen und Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs, verschiedene Alphabetisierungsmethoden sowie die Planung und Durchführung eines konkreten Förderprojektes.
Ziel ist es, pädagogische Konzepte und Methoden auf ihre Eignung zur Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei Erwachsenen zu prüfen und diese erfolgreich in einem psychiatrischen Setting anzuwenden.
Die Arbeit nutzt einen multikausalen und fehleranalytischen Ansatz zur Untersuchung der Lernausgangslage und zur Gestaltung individueller Förderpläne auf Basis des Mehrebenenmodells von Tymister.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Bedingungen der forensischen Psychiatrie, die diagnostische Erfassung des Lernstandes anhand qualitativer Fehleranalysen und die praktische Umsetzung sowie Evaluation einer Alphabetisierungsmaßnahme.
Wichtige Begriffe sind Analphabetismus, Spätlegasthenie, Schriftspracherwerb, forensische Psychiatrie, Fehleranalyse und Sprachförderung.
Da herkömmliche Standardtests für Schulkinder bei Erwachsenen nur bedingt aussagekräftig sind, ist eine individualisierte, qualitative Fehleranalyse erforderlich, um die tatsächlichen Lernvoraussetzungen und Defizite in den verschiedenen Ebenen der Schriftsprachkompetenz zu identifizieren.
Die Arbeit zeigt, dass biografische Faktoren, wie traumatische Erfahrungen, häufige Schulwechsel oder soziale Ausgrenzung, einen direkten Einfluss auf die Lernmotivation und das Selbstbild der Betroffenen haben, was bei der Kursgestaltung zwingend berücksichtigt werden muss.
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